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geschmackt. Gerade wegen dieser Sache komme ich her, mit dir zu sprechen. Es handelt sich um keinen Irrtum, Marian».
Evelyn schlang die Arine sanft um den Nacken ihres Gatten, sie legte ihren Kopf an seine Brust; etwas ivie Ber- trauen schien ihr wiedergekehrt.
„Willst du mir sagen, was das bedeutet, Mortimer? Ich verstehe es nicht, waruin sollte ich Kenninghall »er- lassen?»
„Meine liebste Eve, es ist alles ein höchst dunnNcr, unbegreiflicher Irrtum; einige wenige Worte von dir werden die ganze Sache in Ordnung bringen. Du kannst alles aufklären und auf ein Nichts zurückführen, das weiß ich. Diese Mitteilung ist von jemanden geschrieben, der dir wohl will, augenscheinlich aber selbst an den Unsinn glaubt».
„Willst du mir sagen, Mortimer, worin der Unsinn besteht?»
Er schwieg einige Augenblicke ganz still, augenscheinlich Hütte er in diesem Momente lieber einer Schar Todfeinde ins Auge gesehen wie ihr.
(Fortsetzung folgt.)
Jer Bezirk Wodyeim arr der Meöer-
Der sogenannte „Bezirk Rodheim", bestehend aus den unten angeführten neun Ortschaften, nimmt insofern eine Sonderstellung im Kreise Biedenkopf ein, als er in hessischen Zeiten (also vor 1866) zum Kreise Gießen gehörte und üuch in geographischer Hinsicht kaum zum eigentlichen Hinterland gerechnet werden kann. Der, Dünsberg (ca. 500 Meter) ist eigentlich der ehrfurchtgebietende Wächter des Hinterlandes im Süden, sodaß auch nur die beiden nördlich von .ihm gelegenen Dörfer unseres Bezirkes, Crumbach und vor allenr Frankenbach bereits den Hinter- landcharakter tragen, während die übrigen Orte mit ihren Gemarkungen noch der breiten Lahnniederung zwischen Gießen und Wetzlar resp. ihren Seitentälern zuzurechnen sind. So liegt Waldgirmes und feine stattliche Filialgemeinde Naunheim unmittelbar im Lahntal, Hermannstein im verbreiterten unteren Dilltal, während Rodheim, Bieber, Fellingshausen und Königsberg auf seiner weitausschauenden Höhe dem Bereich des Biebertals angehören, von den „Lahndörfern" getrennt durch die Scheidewand desBleiden- berg (407 Meter) und Himberg (353 Meter).
Das Klima unseres Bezirks ist, dieser geographischen Lage entsprechend, ein verschiedenes: in den Dörfern des Lahntals mild und ergiebige Landwirtschaft begünstigend, in den Gebieten um den Dünsberg leicht rauh, besonders wenn die „Hessenluft" (Nordwind) weht, aber gesund und ^kräftigend. Die herrlichen Buchenwälder, mit denen die anliegenden Höhen bedeckt sind, geben der Landschaft einen besonderen Reiz und bieten den Gemeinden, welche früher zu Markgenossenschaften mit gemeinsamem Maldbesitz zusauunengeschlossen waren, bedeutende Einnahmequellen. Einst rauchten in diesen Wäldern viele Meiler, um die Schmelzhütten und Waldschmieden mit Kohlen zu versorgen.
Mas die Gesteinarten betrifft, so besteht der Dünsberg fast ganz aus Kieselschiefer, während der Himberg (auch Königstuhl genannt) ebenso wie die unserm Bezirk benachbarten burggekrönten Spitzen des Gleiberg und Vetzberg zu jenen Basaltkegeln gehören, welche sich zwischen den großen Basältgebieten des Kögelsbergs und Westerwalds insel- förmig erheben. Im übrigen findet sich hier vor allem' her ältere Schalstein, welcher aber in einem stellenweise ganz bedeutenden Zug von Massenkalk überlagert wird. Große Kalksteinbrüche bei Hermannstein und Bieber liefern ihr Material in benachbarten Hütten- und Kalkwerke, auch hat man den Versuch gemacht, den Kalkstein zu Marmor zu verarbeiteu (Kalk- und Marmor werk Abendftern , von Gabriel). Die Steinbrüche bet Bieber find schon seit vielen Jahrhunderten in Betrieb, denn bereits im Teilungsvertrag betr. des „Gemeinen Landes an der Lahn" von 1585 hält sich der Graf von Nassau-Weilburg aus, daß. er zu Rodheim (Bieber), welches an Hessen ftef, nach wie vor Kalkstein brechen und Brennen lassen dürfe.
Von Erzen finden sich iin unserem Bezirk außer Kupfer', welches früher bei Königsberg gefördert wurde, Mängan- und vor edfem Eisenerze, welche als Rot- und Brauneisensteine Vorkommen. Gegenwärtig sind hier neben vielen
zum Teil nur zeitweilig verlassenen Werken die Bebend tendsten Eisensteingruben: Eleonore Bei Bieber (Gebu, Stumm in Neunkirchen) und Morgenstern bei Waldgirmes (Buderus in Wetzlar). In früherer Zeit hatte die Grube! Königsberg einen sehr regen Betrieb aufzuweisen, der jetzt nur wegen der Beförderungsschwierigkeit ins Stocken gekommen ist. Seit 1664 versorgte diese Grube die Ludwigs- Hütte bei Biedenkopf mit Eisensteinen und noch vor wenigen Jahrzehnten wurde das Königsberger Erz in mühseliger Fahrt von den Hinterländern dorthin geholt. Doch schon vor 1664 lieferte Königsberg seine Eisensteine in eine im' Biebertal (bei der jetzigen Steinmühle) gelegene Schmelzhütte, welche in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch int Betrieb war.
Neberhnnpt ist die Gewinnung und Verarbeitung von Eisen in unserer Gegend uralt, wovon die alten Schlacken-, Halden und Spuren von Rennherden in den angrenzenden Wäldern, sowie das häufige Vorkommen des Familiennamens Waldschnndt Zeugnis ablegen. Weit zurück weist auch eine Urkunde aus dem 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts, wonach die Rödheüner Waldschmiede (das jetzige Hofgut Schmitte) vorpflichtet war, jährlich „XII gebaut guts issens (Eisen) und dry Par gutes ardissen (Pflngeisen) uff das slos Glhperg" zu liefern, (,unb was waltsmidde isen- steins brechent bynnen den gertchten, die geilt Glhperg ge- hörint... do ist uß und uß das zende fitber der her- schafft und sollent vor igliche fuder, das also der Herr-« schäft gepört, IV groß geben, uff das slos Glhperg zu bergzinse". — Bei Anlage der Wasserleitung in diesem' Sommer sand man im Hof der „Schmitte" große Mengen uralter Eisenschlacken.
Auch gegenwärtig bietet der Bergbau und die Hütten- iverke den männlichen Bewohnern nnsercs Bezirks die Hanpterwerbsquelle, während nur ein geringerer Teil sich ausschließlich mit Landwirtschaft beschäftigt. Die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts zuerst'in Rodheim, dann in fast allen Dörfern des Bezirks angelegten Filialen von Gießener! Zigarrenfabriken bieten den Mädchen und auch vielen Frauen Arbeitsgelegenheit, ohne daß man von eigentlicher! Jndnstriebevölkerung reden kann, da fast jeder Haushalt eine wenn auch noch so bescheidene Landwirtschaft treibt.
In materieller Beziehung ist diese Industrie für nufere! Gegend Unleugbar von Segen, denn früher herrschte in den meisten Gemeinden bittere Armut. Selbst die günstig gelegenen Lahndörfer Waldgirmes und Naunheim scheinen ihre Bewohner nicht haben genügend versorgen können, sonst hätten sich wohl kaum im Jahre 1724 und 1725 eiwst 80 Personen von dort aufgemacht, um im fernen Litauen (Ostpreußen) sich eine neue Heimat zu gründen, als König Friedrich Wilhelm I. von allen Seiten Kolonisten in dieses damals verödete Land rief. Auch nach Nordamerika ist um hie Mitte des vorigen Jahrhunderts ein ganz erheblicher Teil unserer Bevölkerung ausgewandert, z. B. im' Jahre 1840 allein aus Rodheim 40 Personen, aus Naunheim von 1847 bis 1857 im ganzen 106 Personen.
Die Zeiten haben sich geändert: unser Bezirk ist dem Verkehr erschlossen (das Biebertal seit 1898 durch eine! Kleinbahn von Gießen aus), infolge der Industrie ist eine gewisse Wohlhabenheit in die Gegend eingezogen, tvovon! vor allem die stets wachsenden stattlichen Dörfer des Lahu-^ Till-U nb Biebertals Zeugnis ablegen; lauge Reihen von Neubauten zeigen, daß unsere Bevölkerung sich behaglicher! einzurichten vermag, als in den früheren bedrängten Zeiten.^ Doch leider fehlt nicht die Kehrseite der glänzenden Medaille: die gute Sitte nimmt mehr und mehr ab, durch zahllose Feste kommt Vergnügungssucht und Unruhe auf unsere stillen Dörfer, welche zum Teil mehr oder minder den wenig erfreulichen Charakter von VorstadtgemeiiideU annehmen.
Wenden wir uns nun zu der Geschichte des Bezirks Rod heim, so fei zunächst bemerkt, daß wir über! die Entstehung der einzelnen Dörfer wenig unterrichtet sind. Rod heim scheint sehr alt zu fein und zuerst aus einzelnen jadeligen Höfen bestanden zu haben; 1069 wird es zum ersten Male urkundlich erwähnt, und im 12. und 13. Jahrhundert spielen die Herren von Rodhetzn, welche! auch Besitzer der Burg Blankenstein (Bei Gladenbach) mären,: eine bedeutende Rolle. Später waren es vor allem Gan- erbeu der um 1140 erbauten Burg Vetzberg, welche in! und um Rodheim Begütert waren, so die Dernbach, Holtz- apfel, Nordeck, und vor allem die Lesch von Mülheim (be,i


