Ausgabe 
3.11.1906
 
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kleiner Waldschnecken henngesucht ivaren. Daß dieser Sommer für die Entwicklung der Schnecken besonders günstig war, dürfte hinreichend bekannt sein. Diese Feinde des Steinpilzes konnte ich noch häufiger überall da finden, >vo nur «puren sich ent­wickelnder Pilze zeigten. Für die Steinpilze dürste cs' diesen Herbst nicht günstig aussehen, da diese fast überall von Schnecken heimgesucht werden. Wohl aber sind die Aussichten auf Pilze ttn großen Ganzen für den Sammler noch nicht ungünstig. Em an­haltender Hcrbstrcgcn von acht Dagen diirfte genügend Ersatz für di- diesen Herbst fehlende Steinpilze bringen. Es durfte hier angebracht sein, auf die ganz vorzüglichen, aus Unkenntnis und Furcht vor Vergiftung, häufig iinbeachtete Speisepilze hier auf­merksam zu machen. Es würde zu weit führen, von der Unmenge dieser, einzelne ausführlich zu beschreiben Zil erwähnen sind der Birkenpilz, Pfifferling, Parasol- und Maronenpilz, oie sich bei feuchter Witterung besonders in den Wäldern m Unmengen vorsinben. Zur genauen Kenntnis der einzelnen Pilze bediene man sich der in jeder Buchhandlung wohlfeil zu erhallenden illustrierten Kilzbücher. H e y d.

VermLschLss.

* Graf gesucht! In Berliner Mattern war dieser Tage folgende Anzeige zu lesen:Graf wird zur Namenshetrat gesucht. Nur direkte Offerten finde» unter Chiffre L V an die Expedition Berücksichtigung." Namensh-Kat, ein neuer, wohlklingender Narnc für eine im Grunde recht häßliche und alte Sache, die allmählich zu einer feststehenden Einrichtung zu werden scheint. Mit Abscheu verzeichnen, die deutschen Geschichts­schreiber die Tatsache, daß der Graf du Barrl, seinen eigenen Bruder dazu bewog, Aäarie Jcanne Vaubemicr, eilt Mädchen von unzweideutigster Vergangenheit, zur Frau zu nehmen, um sie auf diese Weise an den Hof zu bringen, und die Aufmerkfani- keit des Königs auf sie zu lenken. Und man erklärt diesen schmutzigen Handel mit der tiefen Verworfenheit, die im Zeitalter des Rokoko unter den französischen Vornehmen herrschte. Daß jetzt im 20. Jahrhundert Namensheiraten, um bei dem an­mutig umschreibenden Aus-drucke zu bleiben, auch im morali- schen Deutschland Vorkommen, und zwar recht häufig Vorkom­men, ist sicherlich nicht das Zeichen einer gesunden Entwicklung unserer Zustände. Es ließen sich aus den letzten Jahren ein paar ganz besonders krasse Fälle ansührcn, in denen herab- gekominene Träger vornehmer Namen sich für Verhältnismäßig recht bescheidene Summen dazu hergaben, vor dein Standes amte Namensheiraten mit Damen zu schließen, die durch die Freigebig­keit eines Freundes in die Lage gesetzt waren, sich diesen kleinen Scherz zu leisten. Natürlich hat der Namens'ehemann nach voll­brachtem Traunngsakte schleunigst das Lokal zu rämnen, ohne Flitterwochen oder Hochzeitsreise. Der Mohr hat seine Schuldig­keit getan, der Mohr kann gehen. Höchstens wird feine schrift­liche Mitwirkung später noch einmal erbeten, wenn cs sich darum handelt- den Bund wieder zu lösen, wobei er selbstverständlich die Schuld auf sich nehmen muß, damit ihr Name und Titel üctf bleiben, oder wenn es' gilt, ihn außer zum Gatten auch noch zum Vater in partibns zu befördern. Sagt man doch, daß in Berlin schon eine Vermittelungsanstalt für Heiraten dieser Art besteht. Es kostet nut ein paar Tausendmarkscheine, und schnell ist Fräulein Mieze Schulze, die vor kurzem noch im Chor sprang und fang, oder Fräulein Grete Müller, dritte Besetzung des Salondamensaches, zur Baronin oder Gräfin geworden.Na­mensheirat", man sollte nach einer juristischen Handhabe suchen, dem Scheingeschäste, daS sich hinter dem Worte verbirgt, die rechtliche Wirkung zu nehmen.

* D a s H e i m e i n e r e n t t h r o u t e it H e r r s ch e r i n. Nur selten ist es einem Fremden vergönnt, den stillen Landsitz zu betreten, den die. greife Exkaiserin Eu 0 c u t e von Frankreich vor den Toren Londons bewohnt. Er trügt den Namen Farn­borough Hill, nach dem nahen Städtchen Farnborough, einem Vorort von London, und bildet eine Welt für sich mit all den Erinnerungen einer verschollenen Kaiserherrlichkeit, die er enthält. Er ist nicht weit von der St. Michaels-Kirche, wo die sterblichen Ueberreste Napoleons III. und des kaiserlichen Prin­zen Louis seit 1880 ihre letzte Ruhe gefunden haben, und über dem Portale erblickt man noch den Namenszug eines reichen Kaufherrn der City, der das Hans sich einst erbaute und dem die Kaiserin es abkaufte. Namentlich seitdem die Kaiserin vor wenigen Monaten ihr schweizerisches Schloß Arenenberg ver­schenkt hat, ist Farnborough Hill zu einem wahren napoleoni­schen Museum geworden. .Von den Wänden sehen die Bilder des großen Korsen, der den Ruhm der Bonaparte begründete, seiner Brüder und seiner Schlvcstern auf den Besucher herab, und auch jenes berühmte, nach heutigem Geschmacke ein wenig glatte und süßliche Gemälde von der Hand Winterhalters, das die Kaiserin in vollem Glanze der Jugendschönheit, umgeben von den Frauen ihres Hofes darstellt. Zahlreich sind die Andenken an den Sohn der Kaiserin, die seinen tragischen Tod noch immer nicht ver­wunden hat. Man findet einen Kinderwagen, den der Prinz­gemahl Albert nach eigner Zeichnung anfertigen ließ und den Eltern desKindes von Frankreich" schenkte, man findet seine

Spielsachen und seine Bücher in einem Zimnier vereinigt, in dem sich auch eine Statue von ihm befindet, geschmückt mit Gräsern und anderen Pflanzen, die seine Mutter in Afrika an der Stätte pflückte, wo er sein junges Leben unter den Händen der Zulukaffern ließ. In einem besonderen Gemache, das ver­schlossen bleibt, bewahrt die Kaiserin auf, was von den Uni­formstücken ihres Sohnes gefunden wurde. Hier liegt auch der

Säbel, den er trug und mit dem er sich vergebens' der feindlichen

Uebermacht zu erwehren versuchte. Dieser Säbel hat seine Ge­

schichte für sich, er gehörte dem Kaiser Napoleon I, und sah die Schlachten von Areale, von Austerlitz und von Waterloo; er brachte dem Prinzen Louis kein Glück. Die Kaiserin Eugenie hält sich gegenwärtig in Farnborough Hill auf, wo sie wie stets! die Besuche der Mitglieder der englischen Königsfamilie erhält. Aber bald wird die ruhelose, entthronte Herrscherin England wieder verlassen, um in ihrer Jacht auf dein Meere zu kreuzen und später ihr zweites Heim, ihre Billa am Kap Martin, auf­zusuchen. _________

Für rmserie Lieblinge.

Deutschlands Inge n d". Jllustrierie Wochen- schriit für Knaben und Mädchen. Herausgeber und Schriitleitev Georg Gellern Preis vierteljährlich 1,25 Mark. Berlin SW. 13, Verlag von Max Negenhardt. Die erste Nummer deS 3. Jahr­gangs liegt uns mit einem an wertvollem Tert und guten Bildern reichen. Inhalt vor. Eine Erzählung in Jules Vernescher Art Der König der Unnahbaren Berge" von W. Mader macht mit der Flora, Fauna und Geologie des fi'mitcn Weltteils bekannt. Die historische ErzäbltuigHeldengrosze" von Kart B l ei b t reu ent­rollt mit erschütternder Gewalt ein Gemälde ans der Zeit von Jena. Die ,,Farben der Natur" behandelt Wilhelm liebe, E. von Liebert, der ehemalige Gouverneur von Deutsch-Ostairika, beleuchtet die Zeit vonJena und Auerstädt" von der historisch- militärischen Seile, Knnhardt stihrt in einem illustrierten Artikel durchDas Rom der Hindu", mährend der Kunstmaler Adolf Hering in einer illustrierten Abhandlung überRaffael und seine Werke", Verständnis und Liebe für die bildende Kunst zu erwecken sucht. Victor B l ü t h g e n erzählt ein reizvolle? Märchen und Peter Rosegger ist mit einem humoristischen Beitrag vertreten. Poetisch kommen uns Felix Dahn und Ludwig Fulda, eine Plauderei über WildenbruchsDie Qnitzows" wird dem Theater gerecht. Besonders mannigfach sind die wifsenschaitlichen Beiträge, Eine illustrierte sportliche Abhandlung des Gymnasialdirektors Professor Weiekamp überDas Müllern", ein Musikbeitrag von O. Körte, cm Artikel über Gesundheitslehre, Handarbeiten für. Knaben und Mädchen, chemische und physikalische Experimente, ein Preisrätsel mit 100 Preisen, eineLustige Ecke" vou Lothar Meggendorier illustriert, Svicle, Fragen, Brieskasten und Neueste Nachrichten" vervollständigen den reichen Inhalt.

Aussprüche über die deutsche Sprache.

Alles muß der Mensch lernen, der an? Bildung Anspruch macht; nur seine Sprache will der Deulsche nicht lernen; die soll ihm von selbst kommen. E. M. Arndt.

In seiner Muttersprache ehrt sich jedes Volk; in der Sprache Schatz ist die Urkunde seiner Bildung niedergelegt.

Fr. Ludw. Jahn.

Die deutsche Zukunft wird davon abhängen, wieviel Menschen dereinst auf der Erde deutsch reden. Heinrich v. Treitschke.

Deutsche geliebte Landleute, welches Reichs, welches Glaubens ihr seiet, tretet ein m die euch allen anigetane Halle euer augc- stammlen, uralten Sprache, lernet und heiliget sie und haltet an ihr, eure Volkskraft und Dauer hängt in ihr! Jakob Grimm.

Gitterrätsel.

Nachdruck verboten.

In die Felder neben-

________stehender Figur sind die

1 j Buchstaben n a a a a a, b

____!___1___b, c, d d d d d, e e e e 0 e e e, f f, g g, h h, i i i i, - m m, n n, r r r r r, b, 11

derart einzutragen, daß die ---i---j--~ senkrechten und wagerechten ____1_____Reihen gleichlautend Fol­gendes ergeben:

1. Berg in Westfalen.

_______ 2. Fraucngestalt aus

I Homers Ilias.

--------- 8. Männlichen Vor- namen.

' > Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Homonyms in voriger Nummer:

Admiral.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck uud Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch-- und Sleindruckeret. R, Lange, Gieße»-