Ausgabe 
3.11.1906
 
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Wißt Ihr denn auch sicher, daß es nicht ihr eigenes war?" fragte Jack lächelnd dagegen, obwohl ihm die Frage bitter ernst war.

Gewiß weiß ich das", gab die Alte eifrig zurück,Ihr wäret erst drei Monate alt, und das fremde Kind, was ich in Eurer Wiege sah, war keine Woche alt. Ich weiß, was ich sehe."

Warum habt Ihr denn meine Mutter nicht gefragt?" fuhr Jack fort, der vorläufig noch nicht sagen wollte, daß er selbst ebenfalls gar nichts darüber mußte.

Ich habe sie ja manches liebe Mal danach gefragt?" aber sie konnte ein Geheimnis bewahren, ja, das konnte Kate Jefferies. Und sie hütete das. Sie hatte immer nur eine Antwort für mich, und das war:Ach, der Kleine, Frau Smith, davon wollen wir lieber gar nicht sprechen." Und sie Halle so was an sich, daß einer sich nun hätte auf den Kopf stellen können, und hätte doch nichts heraus­gekriegt. Ja, sie hatte immer ihren Kopf, es war 'ne stolze Frau."

Und Ihr seht mir nicht danach aus, als ob Ihr auf den Kopf gefallen wärt", sagte Jack.Habt Ihr denn nie herausgekriegt, wer das Kind mar, oder woher es kam?"

Nein, niemals", versetzte die Alte;und da habt Ihr recht; ich laß' mich nicht gern abspeisen; bis auf den heutigen Tag bin ich neugierig und möchte das gerne wissen."

Ihr hättet Euch ja umhören können, so unter der Hand."

Das habe ich auch getan: aber kein Mensch wußte auch nur ein Sterbenswort davon. Natürlich ivar ein Haken i>abei l Wenn alles damit in Ordnung gewesen wäre, so wäre es nicht zu Kate Jefferies in Pflege gegeben worden."

Da habt Ihr Recht," sagte Jack.Oder cs mar viel­leicht das Kind einer vornehmen Familie, die einen bestimmten Zweck dabei verfolgte, es los zu werden?"

Die Alte schüttelte den Kopf.

Daran hab' ich auch schon gedacht, aber cs war gar nicht wahrscheinlich. Wie sollten vornehme Familien von Kate Jefferies gehört haben? Sie hatte gar nicht so lange hier in der Gegend gelebt, außerdem"

Was außerdem?" fragte Jack, denn die Alte hielt inne.

Na, ich habe mir damals die Mühe gemacht, allerlei zu fragen und auszukundschaften. Sehen Sic, ich dachte, wenn ein Nachbar ctmas Gutes aus so einem Geheimnis Macht, so könnte für den andern auch ein bischen abfallen, ober, wie gesagt, ich konnte nichts herauskriegen. Das Kind muß aus den Wolken gefallen sein. Da sind die Corrs Lord Carr auf Avebury, aber seine Frau hatte drei Söhne, alle schon groß da war kein Kind zu verbergen. Die Cliffords, von Elmswell, haben eine ganze Schar Jungens und Mädchen. Die Redferns haben keine Kinder, aber der Neffe erbt. Und so mit allen übrigen, ich bin ganz sicher, es gehört nicht hier zu'unserer Nachbarschaft."

Jack gab sich große Mühe, die Enttäuschung, die sein Gesicht bewölkte, zu verbergen.

Habt Ihr denn nie gesehen, daß Fremde nach den: Hause kamen?" fragte er.

Nein; wir standen Tag und Nacht auf der Lauer __

wenigstens ich tat das; aber nie ist jemand in die Nähe ge­kommen. In meinem ganzen Leben ist mir so was Rätsel­haftes nicht vorgekommen, wie das Kind."

Und man hat nichts wieder gehört seitdem?"

Nein, wir standen eines Morgens auf, und das Halis Eurer Mutter war leer. Sie war weg, fort, ohne uns auch nur ein Wort zu sagen, nicht mal Adieu, und ich habe seit­dem nichts wieder von ihr gehört. Es geht ihr gut, sollt' ich meinen, nach Eurem Aussehen zu schließen."

Nun schwankte Jack, ob er der alten Frau sein volles Vertrauen schenken solle, oder nicht. Ob er ihr sagen sollte, daß er absichtlich hergekommen, um über diese selbe Sache Erkundigungen einzuziehen, oder ob er sie im Glauben mssen solle, er wisse genau nm alle Angelegenheiten seiner Mutter.

Augenscheinlich war hier nichts weiter zu erfahren. Viel­leicht war's besser, mit sich selbst allein zu Nate zu gehen. Demnach fuhr Jack, obwohl ungemein enttäuscht, fort, mit einer gewissen großartigen Ueberlegenheit zu lächeln, da er bemerkte, daß dies der Frau Smith imponierte.

Es hat wohl niemand sonst meine Mutter gekannt? Die anderen Leute sind hier nachdem zugezogcn, nicht ivahr?"

Nur ich und Frau Thorne haben sie gekannt, aber di« ist vor zwei Jahren gestorben."

So hm," sagte Jack,es freut mich, daß ich Euch getroffen und gesprochen habe, und ich werbe meiner Mutter erzählen, wie gut und gesund Ihr noch ausscht. Jetzt muß ich aber gehen, ich habe noch manches an der Hand."

, Ein Ausdruck großer Enttäuschung kam über das hagere Gesicht feines Gegenübers.

Was, nun geht Ihr und sagt mir nicht, was ich ja gerade wissen wollte? wo dies Kind her war?"

Ich kam: doch die Privatangelegenheiten meiner Mutter nicht erzählen," gab er mit einem leichten Auflachen zurück. Na, ich iverde Euch wieder besuchen, und dann können lvir's ja noch immer ins Reine bringen."

Mit diesen Worten entfernte sich Jack schnell, eine Portion Neugier und Geschwätz hinter sich lassend. Niedergedrückt und übelgclauilt kehrte er zu seiner Wohnung zurück.

Ich bin auf eine Mauer losgegangen," brummte er, ganz genau auf eine Mauer. Ich kann meinen Weg keinen Schritt weiter sehen. Wenn all dies Geld aber in den Dreck geschmissen ist, werde ich aber fälscht"

Aber er begann bei scharfem Nachdenken wirklich zu fürchten, es sei so. Ec hatte mehrere Entdeckungen gemacht, doch sie beliefen sich alles in allem genommen auf nichts. Werner war nicht der Sohn seiner Mutter, das stand fest; zweitens stand fest, daß sic überhaupt niemals eine Pension von der Eisen­bahn bekommen hatte; sie mußte also aus einer anderen Quelle Geld bekommen, und diese Quelle konnte keine andere fein, als Wcrncr's Verwandten.

(Fortsetzung folgt.)

Die Pilze.

Verschiedene Tageblätter brachten in der letzten Zeit Notizen über das m diesem Jahr spärliche Auftreten der Speise­pilze. Seme der mir vorliegenden Notizen konnte eine genaue Erklärung für dieser Erscheinung geben. Als langjähriger Pilze- sammler glaube ich mit einigen Zeilen darüber Andeutungen machen zu können.

Wie wenig bekannt ist cs, daß die aus dem Boden sprießen­den Puze lediglich die Fruchtkörper einer Pflanze sind, die unter der Erdoberfläche gedeiht und nur durch zarte Fäden mit dem Fruchtkörper, oder richtiger gesagt, mit dem Dauerlager, ver­bunden rst. Das Dauerlager liegt unmittelbar unter der Erd­oberfläche und besteht aus einer großen ZM knollig verdickter Korpercyen, aus deren einzelnen, die im Verhältnis zu ihrer Große mächtigen Früchte, die wir Pilze nennen, treiben. Zum Reisen dieser Frucht ist vor allen Dingen Feuchtigkeit und die durch, dre^e bedingte Fäulnis im Erdboden erforderlich. Da wo eine Zersetzung durch Fäulnis nicht vor sich gehen kann, ist ein Gedeihen der Pilze unmöglich, da ihnen die Nahrung mangelt, ^m Walde ist cs der Humusboden, auf Wiese und Heide sind cs faulende Pflanzen und Exkremente von Tieren, kurzum es sind immer organische Stoffe, die bei ihrer chemischen Zer­setzung den Pilzen als Nahrung dienen. Zn einem derartigen Vorgang ist vor allen Dingen Feuchtigkeit nötig. Man sollte nun glauben, an Feuchtigkeit habe es dieses Jahr nicht gefehlt, um, beit Lebensbedingungen solcher anspruchsloser Pflanzen zu genügen. Und doch konnte ich mit Gewißheit feststelleii, daß der Boden seit Wochen trockner ist als sonst um diese Jahreszeit. (Umfragen bei Vertretern der Landwirtschaft bestätigen ebenfalls, daß trotz des vielen Regens im Sommer das Ackerland zur Zeit vielerorts so trocken ist, daß man nur mit viel Mühe das Umpflügen vornehmen kann.) Die mir bekannten Stellen in Feld und Wald, wo ich Pilze zu sammeln pflege, entbehren letzt jede Feuchtigkeit, was im Herbst eine große Seltenheit sein dürfte. Vor einigen Wochen konnte ich die Wahrnehmung machen, daß daselbst Champignons und auch Steinpilze nach einem starken Regenwetter am Boden sichtbar wurden. Bei einer Größe des Hutes von 510 Millimeter waren alle Pilze nach 2 Tagen schon vertrocknet. Die Trockenheit des Heide­lands, wo Champignons wuchsen, ließ sich durch die reichliche Staubbildung feststellen.

, An einer besonders feuchten Stelle des Waldes fand ich einige junge Exemplare des Steinpilzes, die von einer Unmenge