MB
ri
Jem Wal-ren, Kdten, Schönen.
Ein Großstadtroman von Fcdor t). Zobeltitz.
< (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Nun blieb Laura stehen und schaute den Gatten fragend an. Tie Betonung des „ich" hatte etwas zu sagen. So tvar es auch. „Sieh, Laura," fuhr Claudius fort, „in dieser Abhängigkeit der Stellung werde ich mich auf die Dauer nicht wohl fühlen. Ich kann nur Großes schaffen, kann nur wahrhaft Tüchtiges leisten, ivenn man mir nicht von allen Seiten Fesseln anlcgt. Also, um es kurz zu sagen: ich beabsichtige, Seebcn wie Giesecke herauSzubcißen —"
„Ah!? Sich da, ClaudiusI Welch intrigante Seiten entdecke ich in Dir! . . Doch sie sagte dies mit Wohlwollen und zustinunendcr Kopsneigung; Fran Laura hatte ihren Mann sckätzcn gelernt. Er zog sie enger an sich heran. „Man muß auch nn sich selbst denken, Kind," fuhr er fort. „Im letzten Grunde verteidige ich mich nur. Bleibe ich Sieger, so fallen Seebcn und Giesecke naturgemäß. Sie fallen im Kampfe. Nun habe ich einen starken Hinterhalt an unserem Schwiegersohn. Ich werde mich von Priestap bevollmächtigen lassen, seinen Anteil an dem Unternehmen zu vertreten. Das übrige wird sich finden."
„Und das Resultat, Claudius? Wenn nun Seebcn und Giesecke wirklich quittieren?"
Fmhoff neigte sich ein wenig zu seiner Gattin herab und flüsterte: „Dann iverde ich Gesamtdirektor— alleiniger Leiter, Laura — Intendant des Prinz Ferdinand-Theaters! . . . Dahin ziele ich — und, verlaß Dich darauf: ich werde- es durchsetzen! ..."
. . . Die Liesegang vermochte nicht länger still zu setzen. Sie hatte sich inzwischen damit beschäftigt, das Kompott aufzuessen und die Rester in den verschiedenen Wern- gläsern anSzutrinken. Sie wurde plötzlich vergnügt, stand mit einem Ruck auf und lachte fröhlich vor sich hin, als sie das Schwarzseidene abermals knistern fühlte. Jetzt war es ihr schon gleich, ob der Riß im Kleide größer wurde oder nicht. Sie humpelte an das Wasser, scharrte über den blauen See und summte ein Liedchen. Und dann wollte sie eine Mummel pflücken, die der matte Wellenschlag hin und her schaukelte, bückte sich und fiel in die Knie, mit dem Oberkörper vornüber und mit den Händen in das Wasser. Dieser Fall gab auch dem Schwarzseidenen den Rest; es knisterte nicht mehr, sondern krachte leise, und die Schönheit war für immer dahin.
Imhoff kam näher und räsonnierte laut. Es sei unmöglich, sagte er, die Liescgang in Gesellschaft zu führen. Laura ordnete das zerrissene Kleid und steckte es notdürftig zusammen und breitete das karrierte Umschlagtuch wie euren
Odaliskenfchleier darüber. Auch Priestap und Nina kehrten zurück und fanden scharfe Beobachter. Er sah blaß aus! wie sonst, und Nina hatte rote Wangen ...
Es dämmerte, und inan dachte an den Heimweg. Prie- ' stap berichtigte die Zeche und ließ die Wagen anspannen* Dann ging es durch den sich facht verdunkelnden Gruner Wald zurück nach Berlin: voran wieder der Dogcart, hinterher der Landauer mit dem Ehepaar mit der gänzlich verschüchterten Liesegang. Sie sprach gar nicht und lag, tief in sich zusammengesmiken, in der Wagenecke, während Claudius und Laura den ganzen Weg über geheimnisvoll zu flüster» hatten. Nur einmal verstand die Liesegang ein: Wort. „Alleinherrscher", sagte Imhoff, und setzte sich aufrecht hin; sein Gesicht nahm dabei einen napoleonischen Ausdruck an. —
Anderthalb Stunden später war man wieder daheim: In der Küche stand noch der eingepackte Eßkorb. Hier einte sich auch die Familie. Imhoff behauptete, ein Krebs müsse schlecht gewesen sein, und ließ sich einen Kognak geben. _ Es wurden aber mehrere. Dann forderte er Bericht von Nina.
„Erzähle", sagte qx, sich wieder auf die Ecke des Küchentisches setzend; „iuie war er? Hat er Dir von Liebe gesprochen? Hat er mit Dich an gehalten? Hat er um Dich angehalten?"
„Ach", antwortete Nina, und zog ihre Handschuhe aus;
„es ist zum Totlachen!"
Imhofs zürnte empor. „Alberne GanS, !vaS ist da zum Lachen!" grollte er; „erzähle gefälligst!"
„Kannst Du nicht den Mund aufmacheu?" fragte Tante Laura, während sie den Futterkorb wieder anspackte.
Nina maulte. „Na ja doch! Laßt mich doch erst zu Atem kommen! . . . Lllso — wartet mal — ich muß mich ein bißchen besinnen . . ." Sie schlug die Augen zur Decke empor und quirlte die Daumen übereinander . . . „Also — na gewiß hat er mir von Liebe gesprochen! Wie wir die Hühner fütterten, und ein paar Spatzen kamen dazwischen. Ta war kein Mensch weiter dabei — und da legte er seinen Arm um meine Taille — so, Tante Laura . . ." und sie zeigte es . . . „und das litt ich natürlich nicht
„Kamel", warf Imhoff ein.
„Na aber, Vater, Tn hast doch selbst gesagt —"
„Schweige! Ich weiß, was ich gesagt habe. Ich iveiß aber auch, daß es auf Gottes Welt niemals ein dümmeres Geschöpf wie Dich gegeben hat. Erzähle weiter!"
Nina tropften die Augen. „Euch soll man es recht machen", klagte sie. „Mal so, mal so . . . Was soll ich denn noch erzählen!? Er wurde böse, als ich ihm auf die Hand schlug, oder tat wenigstens so — und dann fragte er, ob ich ihm nicht auch ein wenig gut sein könne —"
„Nun?" — und. jetzt stand Imhofs auf.
„Na, und?-" fragte Frau Laura und hielt mit dem Auspacken des Korbes inne. Die Liescgang saß auf der Abwaschbank, faltete die Hände im Schoße und schaute Nina mit höchster Neugier an.


