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Ter Festschntaus war in dein gemütlichen Hinterzimmer derMauen Rose" gerüstet. Ter gefeierte Gastgeber in einen: sehr festlichen, aber zu engen Kragen hatte bte be» merlenswerte Anordnung getroffen, daß vor n,rd nach der Suppe je ein Knickebein serviert iverbe. Lann erst begann die sympathische Folge recht hübsch gewählter, gut behcm- delter Weine. Ws der Braten serviert wurde, gab es Sekt. Zwar deutschen, aber reichlich ft.

Es wurden leider sehr viele Reden gehalten. Eine Rede; aufs Waterland, die noch mit blondem, spitzem, Mosel be- ao sen wurde: eine Rede auf den gefeierten Gastgeber, bte nur darunter litt, daß der Redner, ein sehr kurzsichtiger Chenriker, fortgesetzt auf einen zrtm Platzen ivohlgenayrten Gast von der landwirtschaftlichen Hochschule ernfprach der so geniert, ivie vergebens, diese Ehrungen ablehnw. Lau» eine Rede auf die medizinische Wissenschaft, m der sehr viel von Aeskulap und .Hippokrates und sehr wenig von näherliegendeu Tin gen gesprochen wurde; eine umfangreiche i Rede auf das liebe Universitätsstädtchen, zu der mau vor­züglichen Rauenthaler trank, und eine Rede auf bte lewer abwesenden Tanten, bei der dem Redner nur bcu Malheur passierte, fortgesetzt von derlieben, prächtigen Mutter des Gefeierten" zu reden,der ehrwürdigen Gversm , wahrend I der mit den Familienverhältnissen Vertraute wußte, daß der Water vor knrzent eine sehr törichte drllte Ehe mit

I einer Balletdame aus der zweiten Quadrille des Breslauer Stadttheaters eingegangen war. .

Plöülich steht etwas neben mir; stets, kerzengerade, tote | ein Laternenpfahl. Ick) erschrak, als ich Thomas Conradm erkannte, der bisher stillvergnügt und ohne durch gerst-

I volle Bemerkungen den Gang des harmlosen Gespräches eigenmächtig zu stören, dabeigesesseu und mit wachsendem! Behagen dem Sekt zugesprochen

Thomas Conradin, was willst Tu denn? So setz' Tuch doch l' Es gibt ja noch Eis."

I ' r_ esse feht--Eis", tont es von oben.

'/Aber wir. So setz' Dich doch!"

Nein. Ich muß eine--", und da er steht, daß

der dicke Mattn von der Landwirtschaft vergnügt dte Ellen- | bogeit aufstemmt und ihm erwartungsvoll zuhort, wendet | er sich beinahe feindlich zu diesem gesunden ^tinglmg Izunächst, ich muß eine Rede halten . . . Verstehen «ie | ixt) V'

Grundgütiger! Sei doch, veritünstig, Thomas Eon- I radiu, es ist ja schott so spät. Und Du. . ."

IUnd ich bin auch spät." Er schnauzt mich an. Seine Augen blinkeil ausdruckslos wie blangriiue Glas­knöpfe. Der irisierende Sektkelch in seiner unsicheren tzanb gießt Spende aus Spettde über das Tischtuch. Es ist er- j sichtlich: Thomas Conradin hat einen Gehortgen fitzeist.

so aus beut Leben! geschrieben sind. Feinheit in der Beobachtung, stimmungsvolle, farbensatte Schilderung des Milieus und große Plastik in der Charakterisierung prägen sich in diesen Skizzen ans Dieses Buck, das die weiteste Verbreitung verdient,t erinnert in vielem anLeberecht Hühnchen", doch ist cS' in ferner Art ganz neu. Wie selten einer versteht Presber ö» fesseln Er ist eine ivarmblütige Natur, die mtä der Fülle des Albflerlebteti schöpft und alles wahr und eckt mit der Fröhlichkeit Kiner Heimat wie vergibt, doch entbehren diese Geschachten auch nicht einen gedankenvollen, zu Herzen sprechenden Emin.

Eines Abends nun gab ein gemeinsamer Bekannter seinen Toktorschmaus. .

Wilhelm Möpsel wohnte in der Etage über uns bei der Witwe eines Totengräbers, die durch ihre äußerst er­schrecklichen und ebenso unappetitlichen Geschichten über Geschehnisse auf dem alten Friedhof unter dem ihr äußerst verhaßten Nachfolger ihres vorzüglichen, aber leider zu früh am Trunk Heimgegangenen Gatten sehr berühmt war. Vielleicht war es Aberglaube getvesen, der den vortrefjltchen Wilhelm Möpsel, der seit fünfzehn Semestern Med tzm studierte, als Mieter bei dieser unheimlichen Witwe des Totengräbers festhielt, die in ihrem Blick und Wesen noch etwas von dein düsteren Beruf des verewigten Ehegatten mit sich Herumtrug. Ja, es gab in unserem Kreise Leute, die ganz ernsthaft in Erwägung zogen, ob nicht geheimnis­volle Kräfte, düstere Zaubermittel und verwerfliche Hexereien dieser unheimlicheti alten Tame ihren Mieter schließlich durch das böse Examen gesteuert, das er so lange und mchi aus unzureichenden Gründen ängstlich gemiedeti hatte. Las wäre allerdings einem Wunder gleich gekommen. Und Misere aufgeklärte Zeit ist den Wundern abhold. Aber daß Wil­helm Möpsel, der etoige Kandidat, das Examen ohne fremde und geheimnisvoll wirkende Zauberkräfte bestanden haben sollte, das mußte eben allen, die seine heftige. Neigung znni interessanten Skatspiel und seine Vorliebe )ur kraft­voll gemischte Knickebeiiie kamiten, ein noch viel größeres.

Meichviel?* 201111 b c r ober nicht Wilhelm Möpsel war praktischer Mzt, und auch feine staatlich geprüfte Knust als Geburtshelfer drohte bett noch angeborenen Genera-

Einen einzigen nur. Wer ich hatte genug davon; und i ich habe gute Gründe mizunehmen, daß auch er genug | davon hatte. , , . , |

Ich wohnte als Student nut einemstud. jur. et eam." Wand an Wand. Auf daseam." legte er stets besonderen Wert. Tas stand ihm frei, denn solange ich ihn kannte, hat er sich nm das edle Jus ebensowenig gekümmert, wie nm die Cameralia. Er hieß Thomas Conradm von und zu Glotzbach und war aus sehr gutem alten Hause.

Wenti er etwas getrunken hatte und er trank stets I etwas so wurde das Haus immer besser und älter. Nach dein dritten Glas hatten seine Ahnen in den spanischen Niederlandeti gegen Ludwig XIV. gekämpft; nach dem fünften I Glas hatten sie teilgenomnien an jener denkwürdigen Fahrt i des Admirals Walter Raleigh, als er die Kartoffel ans Virginien nach Irland brachte; nach dem siebenten Glase hatten sie händeringend unten an der Martiuswand ge- I standen, als Kaiser Maximilia!, L, der letzte Ritter, llch dort oben verstiegen hatte; und nach dem neunten Glase waren sie es gewesen, die aus der Kirchenversammlung zu Clermont den Papst Urban II. bestimmt hatten, den Kreuzzug predigen zu lassen. . 1

Nach dem neunten Glase aber waren die Milleilungmi I Thomas Corinidins leider niemals mehr recht verständlich. I Sonst hätte die erstaunte Tafelrunde vielleicht erfahren, I daß ein Ahnherr dieses braven und gerührten Burschen unter dem großen Theoderich am Jsonzo gegen Odoaker | gefochten habe ober hinter der Leiche Konstantins als vor- I nehmster Leidtragender durch die Straßen von Ravenna I geschritten sei. v -«<. s. I

Theodor Conradi» war ein baumlanger Kerl, dürr und sehnig. Erstand" wundervoll auf der Mensur; aber feine Fechtkunst war gering. Er ,stöpselte", wie der technische | Ausdruck lautet. Rur ein Tuselhieb von ihm war ge­fürchtet, eine steile Quart, die er vermöge der enormen Länge seines Afsenarmes auf das Hinterhaupt des Geg­ners zu setzen wußte. Wer dieseWfuhr" von ihm bekam, | der schimpfte weidlich. Das war nicht nur das Gegenteil von einemRenommierschmiß", sondern es sah, wie der kleine dicke Schwabe Birlebach behauptete,allemal eher aus, als hätt' einer mit Prolete g'ranft und mit 'n alle Rägeschirm eini aufs Dach kriegt".

Thomas Conradin war ein grundanstanbiger, ehrlicher ®erl. Aber bei der Erfindung des Schießpulvers war er im Neben zimmer gewesen. Und wenn es sich wirklich so verhielt, daß seine Ahnen mit Sir Walter Raleigh bte Kartoffeln nach Europa brachten, so waren sie es gewiß, die Aehnlichkeit mit dem Enkel vorausgesetzt die sich durch Einführung der dicksten dieser sympathischen Knollenfrüchte verdient gemacht hatten.

Eine rechte Last für mich, der ich freundschaftliche Nach­barschaft mit Thomas Conradin hielt, war feilte große Vorliebe für und seine geringe Widerstandskraft gegen den Alkohol. Gingen wir zusammen aus, so hatte ich meistens den Vorzug, euteti schwer Geladenen nach Hattse zu bringen. Und die überschwängliche Zärtllchkeit, mit der er mich bann, glücklich in seiner Stube angelaiigt, auf beide Backen küßte, entschädigte mich nur gering für den Aufwand an Zeit und Kraft, mit dem ich ihn durch die Fährnisse der schlecht erleuchteten Straßen gesteuert.

Ich verdanke ihm die Bekanntschaft mit sämtlichen Nachtwächtern und mit reichlich zlvei Dutzend Philistern der Wma mater. Ja, einmal, als ich ihn nicht hindern konnte, aus mir unbekannten Gründen seinen weichen und neuen Filzhut in einen königlichen Briefkasten zu stopfen, wurde ich sogar mit ihm auf die Wache gebracht, wo er durch Altstimmen unzähliger au sich schöner, aber hier durchaus deplazierter Lieder und durch Mitteilungen über einen Großvater mütterlicherseits, der bei Aitsterlitz sterbend dem vorbeireitenden Kaiser Napoleon derb die Wahrheit gesagt haben sollte, die Verhandlung sehr in die Länge zog.