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Wogelgehirn. Sie dachte daran, rote wundervoll es sein müsse, mit zroöls Hntkoffern in die Bäder zu reisen und mit soviel Toiletten, daß man sich täglich viermal umkleiden könne. Be­sonders an ein Kleid dachte sie, das sie in einem Schaufenster gesehen hatte: ein herrliches Kostüm mit blitzenden Pailletten, eine schöne Schlangenhaut mit silbernen Achsel bändern. Dachte attch an einen Ring mit einem großem Brillanten und an ein Armband von farbigen Edelsteinen, an seidene ©trumpfe und an rauschenden Spitzenbesatz. Das alles roar wie eine Phantasmagorie ... ,

Sei kein Schaf, Nina!' beendete ihr Vater seine Rede. 8.

Das Bureau des Prinz-Ferdinand-Theaters roar eröffnet worden. Es war zugleich die Privatwohnung Claudius

Imhoffs, und Hammer hatte sie eingerichtet, das heißt, er

hatte das von ihm für die Firma Pfaff entworfene Mobiliar

zurückgekauft. DiesBureau" konnte sich sehen lassen. Es

bestand aus dem eigentlichen Kontor, einem Empfangs- und einem sogenannten Herrenzimmer. Daran schlossen sich das Schlafzimmer Imhoffs mit den Mobiliarresten aus der alten Wohnung und einBoudoir" für Nina.

Ank diese Neberraschung hatte sich Hammer ganz beson­ders gefreut. Auch die Einrichtung dieses entzückenden Nestchens hatte Hammer selbst entworfen und er machte Nina ein Geschenk damit. Es kostete ihm ein paar tausend Mark; aber darnach fragte er nicht. Das Meublement bestand aus rötlichem Vaduckholz mit diskreten Einlagen in Ornamenten, graziös und geschmeidig in der Form, zugleich eigenartig in der Unterbrechung der anfsteigenden Linien durch Konsolen und ähnliche Annexe: Schränke, Tische und Stühle, originell erfunden und einen individuellen Stil zeigend, wie ihn die Maschinenarbeit entbehrt das Ganze ungemein reizvoll auf dein Untergründe eines seegrünen Teppichs mit ein» gewebten Wasserrosen und mit dem Beischmuck der nilgrünen Fenstervorhänge.

Als Hammer Nina in das luxuriöse kleine Gemach führte und ihr erklärte, er habe sich dies All geb in de erlaubt, um seinem Mitarbeiter Imhoff eine kleine Freude zu be­reiten, wurde sie anfänglich purpurrot, jauchzte dann in kindischem Entzücken und fiel dem Baumeister plötzlich um den Hals. Hammer wurde ein wenig verlegen, tat dann väterlich und streichelte Nina die Wangen, während Im­hoff sich die Hände rieb und zu öfterem bemerkte:Es ist eigentlich nicht recht, Baumeister; Sie bringen uns in Ver­legenheit ... es ist nicht recht von Ihnen . . ." Mer er nahm dennoch alles dankend an.

Als Nina allein in ihrem Zimmer war, tanzte sie zunächst eine wilde Polka-Mazurka über den Teppich, lvarf sich der Länge nach zu Boden, legte sich auf die Causeuso und setzte sich auf jeden Stuhl einzeln. Tann inspizierte sie die Schränke und begann einzuräumen. Wer da wurde sie schwermütig. Tie Schränke waren herrlich, doch ganz gräßlich nahm sich der Inhalt aus. Es kam herzlich wenig ans ihrem Reisekorb heraus, und es war auch nicht schön: die Taschentücher hatten keine Spitzen, und Hemden und Höschen waren mehr derb m3 fein, und ach, die Unterröcke! Nichts von rauschender Seide und Falbeln und eleganten Besätzen. Traurig hing Nina ihr Jackett in den Kleider- schrank und daneben ihre beste Robe. Ein anderer Schrank, oas belehrte sie die Form der Einrichtung, war nur für Hüte bestimmt; dahinein kam das winterliche Monstrum und ein Strohhut mit blaßblauem Baude. Und wieder stand da ein anderes Schränkchen, nur halbmannshoch, mit Löwenfüßen und mit Sonne, Mond und Sternen als In­tarsien, ein entzückendes Kleinod, das zeigte im Innern Gefächer, die mit rotem Samt ausgeschlageu waren. Es war ein Schmuckschrank. Nun wurde Nina wieder lustig; das kam ihr drollig vor. Sie hatte zwei Broschen, die legte sie in das oberste Fach; ein billiger Ring mit Similis, den ihr der Vater einmal geschenkt hatte, kam ganz allein in das Mittelfach; und untenhin legte sie ihr Armband, einen silbernen Reif mit klirrenden Bettelmünzen. So füllte sie ihren Cchmuckschrank. Mer sie träumte doch auch von edlerer Füllung. Ties elegante Boudoir steigerte ihre Wünsche. Wenn sie zuweilen todmatt, mit ausge- schrieener Kehle, nach §au]e kam, öffnete sie sämtliche Schränke sperrweit, legte sich nieder und begann sich phan­

tastisch einznrichten. Da ging ein Blitzen und Leuchten von dem roten Samt ans, und die schneeweiße feine Wäsche bauschte sich, und es rauschte im Spitzengekräusel, und tonn» dervolle Hüte lagen im Gefach: tellergroß, bizarr in den Formen, mit Federn, Blumen und Straffen, ausschanend tote phantastische Wundergewächse aus einem Mürchengarten. Tie Hüte, das war ihre Leidenschaft. Bei Ehlermann in der Etalage hatte sie kürzlich einen Hut gesehen mein Gott, wie glücklich wäre sie gewesen, hätte sie ihn nur einmal aufprobieren dürfen. Und mitten im Träumen sprang sie zuweilen wütend auf, nahm ihr winterliches Monstrum zur Hand, warf es auf die Erde, hüpfte darüber hinweg, ohrfeigte es, daß die Federn stoben, hieb es rechts und links gegen eine Schrankecke und zupfte es dann wieder sorgfältig zurecht; denn wer konnte sagen, tote lange es noch auszuhalteu hatte! Ja, wie lange noch?! Wo blieb denn das Glück?!

Imhoff fühlte sich nicht so recht behaglich inmitten des neuen Glanzes. Er war an seinen Staub gewöhnt und auch an sein Morgeukostüm. Tas Nelusko-Trtkot und bie Bel- monte-Hosen waren verabschiedet worden und mit ihnen die übrigen Kostümreste aus großer Vergangenheit. Hammer hatte Imhoff eines Tages seinen eigenen Schneider zuge­schickt, und der wandelte das Aeußere des ehemaligen Teno­risten gründlich um. Tas lieg sich Imhoff gefallen; aber lieber als im Ärbeits- und Herrenzimmer iveilte er doch zwischen seinen alten Möbeln im Schlafgemach, bei seinen verblaßten Lorbeerkränzen mit den schmutzig gewordenen Schleifen Und den Porträts seiner drei Frauen.

Alle drei Vorderzimmer wurden zu Bureauzwecken be­nutzt. Im Empfangssalon (lichtgraugebeiztes Rosenholz) reichten zuweilen die Stühle nicht aus. Im Herrenzimmer (dunkle Eiche und russisches Leder) war Platz für ein Klavier geschaffen worden, um unbekcmntere Sängerinnen prüfen zu können. Im eigentlichen Bureau aber (helles Birken­holz mit Einlagen von härteren gefärbten Hölzern) tagte das Tirektionstrio: Seeben, Imhoff und Rafaeli. Giesecke war noch an Chemnitz gebunden, kam jedoch zutveilen zu wichtigen Konferenzen nach Berlin herüber.

Ten Sommer hindurch war es Ml gewesen; aber im Herbst wurde es lebhaft. Es war in der Tat eine riesige Arbeit zu bewältigen. Im Empfangszimmer waltete ein galonierter Diener seines Amtes; die Lwsegang war in das Departement der Küche verbannt worden und durfte fich bei schwerem Fluch nicht in den vorderen Räumlichkeiten sehen lassen. Ter Galonierte teilte Marken ans, wie bei den berühmten Spezialärzten: es kam einer nach dem andern an die Reibe. Und sie drängten sich: Bittsteller zu Haus; arme Komödianten, die Stellung suchten; Sängerinnen, die ihre Stimme verloren hatten und zum Schauspiel über­treten wollten; Schriststeller, welche auf einen Tramaturgenposten hofften; Reporter, die ihre Dienste an- boten; Sekretäre, Theatermeister, Regisseure und Sonff- leusen, Musiker und Autoren. Andere waren herbestellt worden und wurden abgefertigt. Zuweilen schickte Hammer den und jenen; er protegierte alle Welt und versprach jedem, der sich an ihn wandte, sicy für ihn verwenden zu wollen. Tiefe Schützlinge Hammers waren der Grimm Imhoffs. Mau mußte ihnen noch gute Worte geben, und keiner taugte etwas.

(Fortsetzung folgt.)

W in -dient»).

Von R u d. P r e s b e r.

Ich bitt nie Mediziner gewesen. Vielleicht wird mir aus diesem Grunde und weil ich das Klavierspiel recht­zeitig aufgab, im Himmel mancherlei verziehen, was ich sonst geleistet und was sich später als recht verbesseritugs- bedürftig erwies.

Aber ohne Mediziner zu sein, habe ich! doch meinen Patienten gehabt!

*) Aus Von Leutchen, die ich lieb gewann. Geh. 3.60 Mk. Wer Rudolf PrcSber mit seinem schier unerschöpflichen Born köst­lichen, mit trefflicher Satire verquickten Humors kennt, und wer kennt ihn nicht? der wird mit Freuden zu seinem neuen, spannend, interessant geschriebenen und geschmackvoll aus­gestatteten Buche greifen. Auch hier zeigt er wieder, daß der Jungbrunnen seiner Schaffenskraft wundersame Stoffe bewahrt, der kräftigste derselben ist ein echt poetisches und damit zugleich ein echt menschliches Empfinden. Welcher Tust und welche, Farbe sprechen aus bieten bumoristischdatirischen Geschichten, die so rM,