Samstag den 3. Irörua

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Dem Wairren, Edlen, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.

(Naclidruck verboten.) (Fortsetzung.)

Tas Wendrot verglomm sacht unter den Baumwipfekn, Und Priestap schritt weiter, hierhin und dorthin, kreuz und quer, mit gesenktem Kopse und arbeitender Phantasie. Wer die melancholische Stimmung wich allgemach; ihm wurde freier um Herz und Seele. Er lächelte wieder, nicht trium­phierend, sondern weich und glücklich. Ihm kamen aller­hand beseligende Gedanken, während der große Park um ihn in lauen Tämmer versank und es aus den verschlungenen Pfaden still zu werden begann.

Priestap schritt weiter, hierhin und dorthin und kreuz und quer. Vereinzelte Laternen leuchteten auf; in einer schnurgraden Allee eine ganze Reihe von Lichtern. Aber Harry wich der Helle aus und trug seine Gedanken tiefer in das Dunkel hinein. Da war es ganz einsam geworden, auch still; nur ein Flüstern lebte. Auf einer Bank vor einer schwarzen Taxuswand sah ein Liebespärchen; ein an­deres schritt eng umschlungen mit leisem Raunen auf und nieder;, ein drittes verlor sich wegab unter die Buchen und seine Schritte raschelten im Laube. . . Priestap blieb stehen. Etwas Weißes blinkte ihm entgegen. Und wieder lächelte er: das war ein kleiner Amor aus Sandstein, und auf seinem Köcher saßen zwei Vögelchen und zwitscherten.

Imhoff hatte sich eine geschlossene Droschke genommen und fuhr mit Nina nach Hause. Tas Mädchen spürte, daß der Vater schlechter Laune war, verhielt sich, still imd drückte sich in die Wagenecke.

Hör!" sagte Imhoff,Nina, hörst Du?"

Ja, VaterI"

»Du hast mir beute wenig gefallen. Du hast kein Be­nehmen, es steckt nichts von vornehmer Würde in Dir, Ein Schühenliesel hat mehr Anstand wie Tu. Du warft auch betrunken"

Aber Vater," fuhr Nina auf.

Schweig!" sagte der Alte.Es fiel nicht nur mir auf; alle Welt mokierte sich über Dich. Tas ist gemein."

Vater, ich habe ja ganz stille gesessen und rnich nicht vom Tische gerührt"

Eben, das ist es. Du klucktest immer hinter dem Prinzen. O Nina, hüte Dich. . Ich habe Falkeuaugen; ich wache über Dich. Was ist dieser Prinz? Ein Prinz imponiert mir nicht. Ich habe in meinem Leben genug mit Fürstlichkeiten zu tun gehabt; der alte Kaiser hat noch mit mir gesprochen. Nina, hüte Dich; ich sage Dir nichts weiter."

Vater, ich iveiß nicht, waö Tu willst. WaS schert mich der Prinz! Er machte verliebte Augen. DaS machen mir vrMre auch. Dex^. Baumeister schielt mir nach, wo er geht

und steht. Und der kleine Priestap. Er hat gesagt, morgen mache er uns seine Aufwartung. Vater, der ist wie verrückt. Er drückt mir die Hand, daß mir die Finger weh tun, und seine Hand glüht immer. Und stiert mich an und stiert mich an, daß einem angst werden kann. Ter ist rein närrisch ver­liebt. Ach natürlich sag nicht nein, ich fühle es ja! Aber willst Tu nicht, so nehmen wir ihn nicht an; mir liegt nichts an ihm"

Imhoff drehte die Zigarre in seinem Munde hin und her. Em Weilchen verging; er sann nach. Tann sagte et langsam:Das geht nicht. Er gehört zu uns, ist Haupt- aktionä-, ist ein Ehrenmann. Macht er uns Besuch, so wird er empfangen. Nina, Du bist ein Schaf. Schweig, rede nichts, Tu bist ein Schaf. Was Prinz, was Baumeister, was andere: dieser Priestap, das wäre einer. Er weiß nicht, wo­hin mit seinem unmenschlichen Mammon. Er ist schwach und haltlos wie ein Kind. Und ist er wirklich so rasend verliebt, dann . . . Nina, unter uns: Deine Stimme ist jammervoll*

Na aber, Vater!"

Sie klingt zuweilen, als schlage man mit einem blechernen Löffel gegen einen eisernen Kochtopf. Von Ausdruck und Empfinden keine Spur; auch Tein Spiel ist hölzern. Tn hast absolut kein Talent."

Ta begann 9iina leise zu meinen und näßte den Schleier mit ihren Zähren.

Heule nicht," fuhr Imhoff fort,es ist zwecklos. Und die Zweckmäßigkeit ist die Hauptsache im Leben, sagt Mac­chia vell. Vorläufig bist Tu engagiert und dabei bleibt es. Möge sich das Weitere in logischer Folge entwickeln. Logisch heißt dies: Priestap wird Dich verfolgen und zu gewinnen suchen. Du kennst meine Ansichten. Prügel ist bei mit Wort und Tat zugleich. Tu wirst kein Dummkopf fein; Du wirft Dich nicht fortwerfen. Es gab Frauenzimmer unter den alten Griechen, die hießen Sirenen. Tie lockten bloß. Aber Priestap ist kein Odysseus; er wird den Deubel tun und sich die Ohren zustopfen. Und da sei klug, mein Kind. Hörst Tu, 9iina ? Sei klug, sage ich. Du hast es nicht nötig, seine Geliebte zu werben. Will er das, so möge er Dich zu seiner Frau machen. Eine Geliebte kann man verstoßen, eine Frau nicht so leicht--"

Er sprach noch lange weiter, dieser gute Vater, während die Droschke über das Asphalt rollte. Er gab Belehrungen; er wurde zum reifen Berater. Er sprach von allem, von den Millionen Priestaps, von Glanz und Glück, ja auch vom Glück; nur von der Liebe nicht. Das war nicht nötig, Nina würde das auch seltsam gefunden haben. Sie hörte schweigend zu. Sie weinte nicht mehr, ihre rosigen Wangen färbten sich lebhafter. Es kreuzten wirre Gedanken ihr dummes, kleine»