2
bienet schlepvte ein mächtiges, in j Eifenbeindeckei gebundenes Missaie herber, .*. , r Z- ...... ~ C X P WitÄVrf» frlTTt rtÄltll rr
etwas erstanden?" fragte er.
„Ich warte nur noch auf Nummer 482", antwortete Berndal. „Tas ist eine Lithographie von Seilefelder, eine der frühesten und fast unbetannt; soll die ^enny Lind darstellen, aber ich glaub' es nicht recht. Die Taten passen mir nicht. Ich habe sechs Porträts der Lind in meiner Sammlung und bin neugierig, ob die Lithographie eine Aelmlichkeit Lei.Lt."
nnM der ihm als das wertvollste Objekt der heutigen | Versteigerung erschien und den er sich gewissermaßen schon | . eefiCe?Sc gerade eine Mappe mit Kupferstichen der- ‘ steigert, als Urban Hammer in das Zimmer trat Er ■ ftufete als er die Menschensülle sah, und schien Lust zu | vlrivürem sich wieder zurückzuziehen. Aber eim Hand legte sich auf seine Sck)ulter, und eine etwas heisere Stimme
stosst Ihnen Platz, Herr Baumeister. Halten Sie sieb hinter mich: ich brauche meine Ellenbogen. !
Tas war der dicke Reporter Knappe, em Mann, der I überall dabei war, der leben Menschen kannte, der mit I derselben Sorgfalt einen gestürzten rrroscykengaul regi- | ftriertc wie das traurige Ende eines Liebespaares oder I einen Ball beim Kriegsminister oder den Vortrag eines ! Volarreisenden. Er fand immer seine Stosse und schrieb I unermeßlich viel, gleichzeitig für ein paar Tutzend Zeit- uiigen, die Zeile für fünf Pfennige Honorar, zuweilen auch ! billiger: er ließ mit sich handelm Aber aus den Pfennigen wurden Goldstücke, Banknoten, Pfandbriefe und schueßllch ein paar Häuser. Ter „Zeilen-Knappe" war mehrfacher Hausbesitzer und schrieb weiter und trug unentwegt emen I äußerst schäbigen Rock und Sommer wie Wmter einen offenstehenden erbsengelben, fettigen und fleckigen Paletot, I an dem der unterste Knopf fehlte. , ... .
„Erlauben Sie freundlichst", sagte er und puffte die Menschheit rechts und links mit den Ellenbogen. „Be^ 5 tretenJ der Presse. . . darf ich bitten . . . ich muß nach I Vorn . . Und so Mffte er sich weiter durch und schuf
mit seiner massiven Körperlichkeit zugleich eine beqneme | Wandelbahn für Urban Hammer. ,
Auch der Baumeister fand mancherlei Bekannte. Aus einer Fensternische grüßte ihn das feiste Vitellins ges icht Von Fridolin Meyer (in Firma Bahlen Sohne), her hier j nach Vieux Saxe Ausschau halten mochte, und Nicht wert davon sah er den Konsul Werner mit dem Monocle rm Auge und aufgedrehtem Schnurrbart, einen passionierten Bibliophilen, dem es vielleicht die Ankündigung einer seltenen Moliere-Ausgabe angetan hatte. Tie Sammler von Berus und aus Liebhaberei trafen sich immer wieder. Uebrigens hatte der Baumeister gar nicht die Absicht, heute große Ankäufe zu machen. Tas Geld war ihm knapp geworden, was öfters vorkam bei feiner ziemlich regellosen Wirtschaftsführung. Es gelüstete ihn nur, einmal, die Nase tn den Auktionssaal zu stecken, gewissermaßen im Borubergehen, auf ein paar Minuten, lind da er die weinerliche Stimme des alten Hofantiguars hörte, be<, die Rostflecken auf den Moteauschen Kupfern bemäkelte, I)ätte_ er am liebsten sofort kehrt gemacht. Wo diese gewaltige Hakennase umherschnüffelte, lieh sich kein Preis machen; samuel gönnte auch der ungefährlichen Konkurrenz der Liebhaber nichts: er wollte alles für sich haben.
Knappe hatte sich wahrhaftig bis tn die unmittelbare Nähe des Auktionators durchzudrängen verstanden. „Sehen Sie wohl, Herr Baumeister", sagte er schmunzelnd, „so muß Man es machen. Bei der Hochzeit des Prinzen Alfred har man mir beinahe die Kleider vom Leibe Mrifsen; aber ich bin doch durchgekommen und war der Einzige, der die Toilette der Prinzessin-Braut beschreiben konnte.
Tann verneigte er sich nach rechts hinüber. „Guten Moraen, Herr Berndal" — und dann abermals mit einem Sxi£e die Ehre, Herr Kammerherr" . . . Ten Kümmerherrn Grafen Frehlinghaus, Hofmarschall der Prinzessin Luise, kannte Hammer nur dem Namen nach; aber mit dem kleinen Berndal war er öfters zusammen gekommen. Josef Berndal war Mitinhaber des großen Warenhauses Gebrüder Berndal, ein eleganter, noch junger Herr mit hübschem liebenswürdigem Gesicht. Tie Spezialität feiner Mußestunden war das Theater. Ta durfte er auf dieser Auktion selbstverständlich nicht fehlen.
Ter Baumeister drängte sich an seine Seite, sodaß er die Wand im Rücken hatte, und reichte ihm die Hand, „schon
Und wenn ja, dann wird das Bild gekauft
"Aber versteht sich", entgegnete Berndal eifrig; „dann zahl ^ich^ jede$ ^nem Portefeuille. Hammer niuüte läckieln über diese Passion. Es war tn ©animter»1 Esten bekannt, daß Berndal eine ausgesucht schöne Theaterbibliothek und eine hervorragende Portratkollektion von Bühnenkünstlern besaß. Tas Theater w^ ^n Sieckenpferd. Er war ein tüchtiger Kaufmann, obwohl er ein vaar ^aljre Medistn studiert und sich in den Handel erst hatte Yntein- arbeiten müssett; aber jede seiner Mußestunden war bur Stiibne und was ihr zugehört gewidmet. Heute hatte er sich auf einige Stunden aus dem Geschäft frei gemacht, nur um die Lithographie der JennyLindbeauMnscheinigeli zu können, und wartete nun geduldig, bis die vcummer 4» bcS Tie°M?ppe"mit den^upftrstichen war dem Uiiersätt- lichen Hofantiquar zur Beute gefallen, und der Auktions- diener ‘ schleppte ein mächtiges, in wunderschön geschnitzte Elsenbeindeckel gebundenes Missale herbei, vas bei der Pe- i Jetfi als prunkhaftcs Ausstattungsstück auf einem altertümlichen Gebetstuhl gelegen hatte und wohl aus einein fränkischen Kloster des zwölfteti Jahrhunderts stammte. A-« wurden die gesamten anwesenden Antiquare wild und uni- hränaten den Tisch des Versteigerers und machten lauge Hälse^ "während der Auktionator langsam den wuchtigen I ^berdeckel des Missale zurückschlug und die erste yiinen | feite mit ihren roten Notenlinien, den gemalten Vignetten
und den farbenstraylenden
I U«ch Hammer, der für die Kleinkunst per alten -ouui illustration viel Interesse hatte, wollte naher treten als.
| -r fühlte, daß ihn jemand am Rocke zog, 68 war ein | fnttLr cserr in einem zugeknöpften braunen Havelock, über I b-u am Halse ein feuerroter, elegant geschlungener Schlips
fiel. Tie stark ausgeprägten Züge in dem^bartlosen Gesicht I Erinnerten an irgend einen großen Schauspieler, HMyofs
selbst behauvtete, er sei das Ebenbild I lands. Aber Clau- d?ns Imhoff hatte nicht dem Schauspiel angehört, sondern
I der Over. Meyerbeer hatte ihm dereinst gesagt, er sei b I geste Nelusko; doch mehr als eine immerhin braueppa e
Kraft war er in Wahrheit nie gewesen. Nun lebte er
I lissenkl'atfch kannte, Verbindungen ünknüpfte und lost ein gewandter Vermittler, der sich gelegentlich auch skrupel-
‘ 1 ff" S h°b° d-s Wnt« L
Hehie Priestap '. Pscht — ich habe nichts Erbe ht? ^Pnchtap^^ Baumeister. Sa-
niiiel scharrt zusammen, was er kriegen kann. Aber da. drinnen ^ist noch köstliches altes Mobiliar: ein schrank. Donnerwetter ein Schrank ans dem sechzehnten Hahr- bund-rt — das ist ein Wunderwerk! Und dann em Hun- melbett — lieber Baumeister, da wird Ihre seele lancyz >.
Die arme Rosalba harte. Geschmack. Gott, d^ bedauernswerte Geschöpf,!.. . . Sie warÜbrigens den Dierz g uns sachte hinaus..."
(Fortsetmng folgt.)
Säuglingsfürsorge und Säug'ingsMtlHüuchrn.
Von Dr. med. H. Koeppe.
(Originalartikel der Gießener Familienblätter.)
Wenn unser 20. Jahrhundert „das Jahrhundert des Kindes" genannt wird, so will das.besagen,daßman s) endlich klar bewußt wird, wie wenig man suh bisler um hie Kinder bekümmerte, und wie viel noch zu tun ist. wnr der ganzen Tatkraft, die unsere Zeit auszeichnet, hat man sich Öbem Studium des Kindes gewidmet: man sucht dem


