Yr. 161
1906
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Isrcttag den 8. Uovemöer
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Im Manne des Geljeirumsses.
Noman von H. v. Raesfeld.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Er spazierte zur Farm hinunter, um die Wirkung seiner neuesten Errungenschaft an Betsy zu erproben imb fand zu seinem Entzücken, daß sie ihren Eindruck auf Betsy nicht verfehlte, obwohl diese für gewöhnlich für Derartiges nicht sehr empfänglich war, Tas flößte Jack Vertrauen ein.
„Sehr bald jetzt, Betsy", sagte er, werde ich dir etwas niittcilcn können, was du gern hörst".
Betsy lächelte, hielt ihm die rote Wange zum Kusse hin, und Jack nahm in bester Laune Abschied, um seinen Plan auszuführen. —
Es war ihm eine ganz großartige Idee gekommen. Ganze Tage und Nächte hatte er damit zugcbracht, einen Gedanken zu sassen, onf welche Art und Weise er den Namen des Ortes erfahren könne, wo sein Vater gelebt hatte und verunglückt war.
Wenn er das ausfindig machen konnte, so war sein Glück gcnracht. Er brauchte dann nur dorthin zu gehen und Nachforschungen anzustcllcn, alles über seine Mutter auszukundschaften, und dann ■— um mit Geheimpolizisten voin Fach zu reden — auf die erhaltene Auskunft hin handeln.
Aber wie dies ausfindig machen? Seine Mutter war nicht zum Sprechen zu bewegen; ebenso gut hätte er ihr zu- muten können, sie solle fliegen.
Aus ihr konnte er kein einziges Wort herausbringcn; aber die großartige Idee, die ihm kam, war folgende:
Sicher war doch jeder Unglücksfall in den Zeitungen berichtet. Das Verunglücken eines Bahnwärters war damals noch kein so gewöhnliches und alltägliches Vorkommnis wie heutzutage — es wurde etwas mehr Aufhebens davon ge- macht; vielleicht stand ein Menschenleben damals noch höher und die Menschen entsetzten sich mehr darüber, wenn einer der ihrigen ein schreckliches Ende fand.
Wenn er nach London gehen und dort irgendwo eine Sammlung älterer Jahrgänge von Zeitungen durchsetzen könnte, so wäre cs möglicherweise herauszubekommen. Er hatte gehört, daß in irgend einem Casä — war's Pccle's Garraway's oder welches? — die ,Timesh vom allerersten Jahrgange an gesammelt, vorhanden war. Er brauchte nur das Jahr ausfindig zu machen, worin das Unglück vorge- kommen, und dann den betreffenden Jahrgang genau durch- zusehcn.
Wäre Kate Jefferies eine klügere oder argwöhncrischere Fran gewesen, so hätte sie in seinem beständigen Plaudern von einem Vater Anlaß zu Befürchtungen gesehen.
Er stellte endlose Fragen über ihn, die alle ganz arglos von der Frau, die den Verunglückten so treu geliebt, beantwortet wurden.
„Es kommt einem, wie mir, wirklich hart vor, daß man gar nie auch nur etwas von seinem Vater gewußt hat. Wenn er am Leben geblieben wäre, so wäre er wohl recht stolz auf mich gewesen, was?"
„Ja, das wäre er, Jack."
Und die Thräncn standen Kate Jefferies in den Augen bei diesen Wortrn.
„Hat er mich denn überhaupt noch gesehen", fuhr er arglistig fort.
„Gewiß. Du warst — laß mich sehen — wie alt, als er starb? O, Jack, ich komme nicht mehr darauf. Du solltest mich nicht immer mit Fragen darüber quälen. Du weißt doch, wenn ich an diese Sachen und das schreckliche Unglück denke, werde ich jedesmal ganz verwirrt im Kopf."
Kate hatte ganz unabsichtlich im Begriffe gestanden, die Wahrheit zu sagen, sic hatte sagen wollen:
„Tu warst erst zwei Monate alt als er starb", als iHv plötzlich eingefallen war, daß Werner für seinen jüngeren Bruder galt.
Er sah ihr Stocken, ihre Verwirrung und ihren Schrecken und verfehlte nächt, seine Position sofort auszunutzen.
„Ich bin zwciundzwanzig Jahre alt, nicht wahr?" sagte er.
„Ja, aber Jack", klagte sie, „was quälst du mich so? Warum fragst du mich immer nach diesen Sachen?"
Aber Jack wußte jetzt genug für seinen Zweck.
„Ich will Metten", sagte er bei sich, „ich war ein Wickelkind, als er starb, und von Master Werner hat er überhaupt nichts gewußt. Bor einundzwanzig Jahren a£fo, wollen wir sagen; das ergibt das Jahr 18—. Jetzt will ich den Rest bald heraushaben."
Jack schrieb abermals an seinen Bruder — und zwar diesmal um zehn Pfund, nicht um drei, und Werner, der noch immer auf Kenninghall weilte, begann zu erwägen^ mit welchen Gründen er sich gegen weitere brüderliche Anzapfungen verteidigen solle.
Er schickte ihm gleichwohl noch die zehn Pfund, teilte ihm aber mit, daß er vorläufig nicht mit weiteren Forderungen kommen müsse. „Ich bin augenblicklich auf Ken- uinghall", schrieb er, „und >vie Du weißt, Jack, kann man an 'einem derartigen Platze nicht ohne Geld sein. Ich habe letzt kaum genug, um noch auszukommen."
Worauf Jack erwiderte: „Daß niemand, der eine Fee zur Patin habe, eigentlich an etwas Mangel leiden dürfe."
„Wo ist dies Kenninghall? "dachte Jack. „Wenn ich etwas entdecke, so könnte es sein, daß ich Werner besuchen müßte."


