Ausgabe 
2.4.1906
 
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Zwecken der Kunst dienen, jedes andere Interesse tritt in den Hintergrund. Maus, ich habe dir die Pläne absichtlich noch nicht gezeigt; wenn wir wieder nach Hause koinmen, erläutere ich sie dir. Ich setze keine Inschrift über das Portal. Ich verspreche nichts mehr. Aber hoffen will ich, daß das neue Haus mehr dem Wahren, Schönen und Edlen dienen wird als dies hier, das meine Liebe war und nun mein Schmerz geworden ist. Und cs ist gut, daß ich noch hoffen kann. Da wachsen mir immer wieder die Flügel. Evvtva uns're grüne Hoffnung!"

K rzog Ocorg II. und Men von Kettburg.

Zum 80. Geburtstage des Herzogs Georg am 2. April.

Als der für Oesterreich und seine Verbündeten so unglückliche Ausgang des Krieges des Jahres 1866 den greisen Herzog Bern­hard Erich Freund von Sachsen-Meiningen veranlaßte, enttäuscht und verbittert die Regierung zu Gunsten seines Sohnes, des Erbprinzen Georg, niederzulegen, da war dieser schon aus erster, nach kurzer Dauer durch den Tod gelöster Ehe Witwer der Prin- zessin Charlotte von Preußen, einer Schwester des jetzigen Re­genten Albrecht von Braunschweig, und seit acht Jahren wieder­vermählt mit der Prinzessin Feodora zu Hohenlohe-Langenburg. Diese, eine der edelsten Frauen auf deutschen Thronen, raubte ihm ebenfalls der Tod, als sie noch in der Blüte ihrer Jahre stand am 10. Februar 1872. Unter dem Eindrücke dieses Schmerzes wandte der Herzog sich noch eifriger als früher in den Stunden, die sein hoher Beruf ihm freiliest, dem Theater zu, das ihm ja, wie allbekannt, nie eine Quelle müßiger Zer­streuung, sondern nur ernster künstlerischer Arbeit und Ver­tiefung war.

Dem Meininger Hoftheater gehörte damals! seit sechs Jahren Fräulein Ellen Franz als jugendliche Liebhaberin an, die der Intendant Friedrich Badenstedt dorthin berufen hatte. Sie war am 20. Oktober 1866 alsJulia" zum ersten Male auf­getreten und hatte durch ihre bezaubernde Anmut und ihr voll- »endetes schauspielerisches Können die Verehrung und Anhänglich,- keit des Publikums gewonnen. Der Herzog war ein warmer Be- wunderer ihrer Kunst und eilt verständnisvoller Förderer ihres Talentes geworden. Hermine Helene Marie Auguste Franz, von den ElternEllen" genannt, war 1839 in Naumburg als einzige Tochter des damaligen Lehrers an der Domschule, Dr. Hermann Franz (er starb 1870) geboren und hatte durch ihre Mutter, eine Engländerin, eine vortreffliche Erziehung erhalten. Dem dringenden Wunsche der Tochter, zur Bühne zu gehen, gab die Mutter endlich auf Zureden der ihr befreundeten Cosima von Bülow und Liszts nach. Die Etappen ihrer Bühnenlaufbahn tvaren Koburg, Stettin, Oldenburg, Mannheim und Meiningen. Wie hier zwischen dem vereinsamten Fürsten und der feinsinnigen Künstlerin allmählich ein stärkeres Gefühl erwuchs, wie in ihn: allmählich der Entschluß reifte, sie zur Gattin zu gewinnen, das blieb selbst Denen verborgen, die Beiden am nächsten standen. Auch als Herzog Georg und Ellen Franz sich gegenseitig das Jawort gegeben hatten, hielten sie ihre Verlobung zunächst noch geheim. Aber um die Braut nicht müßigem Gerede in seiner Residenzstadt auszusetzen, bewog der Herzog sie, jetzt schon der Bühne zu entsagen und Meiningen zu verlassen. Dieser Schritt war cs, der seinen Vater sein Vorhaben erraten ließ. Der Unwille des. alten Herzogs Bernhard bekundete sich hierbei so stark, daß er laut erklärte, er würde sich, falls fein L>ohn wirklich an eine solche Heirat dächte, mit einer Proklamation an das Land wenden und cs zum Proteste dagegen auffordern. Die Aeußerung gelangte zu den Ohren des Herzogs Georg und nun beschloß er, kurzer Hand und ohne Aufschub seine Absicht zur Ausführung zu bringen. Ohne Begleitung begab er sich am 18. März 1873 nach dem Schlosse Liebensteiu, dort traf wenige Stunden später Fräulein Franz ein, und noch an dem­selben Tage wurde beider Trauung in der Kirche zu Schweina durch Standesbeamten und Pfarrer vollzogen. Am gleichen Abend teilte der Herzog telegraphisch seinem Staatsminister v. Krosigk, sowie den obersten Beamten seines Hofes die Tatsache seiner Vermählung mit und beauftragte den Minister, sie öffentlich be­kannt zu gelben und hinzuzufügen, daß er seiner Gemahlin den Titel einerFreifrau von Heldburg" und den ersten Rang am Hose nach den Prinzessinnen verliehen habe. Herr v. Krosigk erwiderte damit, daß er sich krank meldete und zugleich seine Entlassung einreichte.

Und so spaltete sich ganz Meiningen bald in zwei Lager, für und gegen Fran von Heldburg. Der Herzog sowohl wie sie setzten zunächst der oft bis die Grenze der guten Sitte und - der Wohlerzogenheit reichenden Opposition vornehme Gleichgiltig­keit entgegen. Ein einziges Mal griff der Herzog ein, da aber in energischer Weise. Der Kommandeur des in Meiningen garni- sonierenden 32. Infanterieregiments, Oberst von Zeuner, hatte nicht nur seinen Ofsizieren verboten, Frau von Heldburg einen Gruß zu erweisen, sondern als er eines Tages auf einem Spazier­gang in der Walldorfer Chaussee mit seiner Frau dem Herzoge

und der Baronin begegnete, versteckte das Zeuuersche Ehepaar sich hinter einem Baume, um uicht zum Grüßen gezwungen zu fein. Noch am selben Abend sandte Herzog Georg seinen Hof- marschall nach Berlin, um Beschwerde zu führen. Dieser fand Gelegenheit, sie nicht nur dem damaligen KriegSminister von Kameke, sondern auch dem Kaiser selbst und dem Kronprinzen vorzutragen. Das Ergebnis war die sofortige Mberufung des Obersten v. Zenner.

Schwieriger noch gestalteten sich für Frau Von Heldburg bie; Verhältnisse am Hofe selbst, innerhalb der Familie ihres Ge­mahls. Dessen Kinder erster Ehe, der Erbprinz Bernhard und die Prinzessin Marie, verhielten sich ihr gegenüber zu Anbeginn schroff ablehnend. Es war das Verdienst der Mutter des Herzogs, der verwitweten Herzogin Marie, daß endlich 'eine Aussöhnung stattfand. Des Herzogs Söhne, die Prinzen Ernst und Friedrich/ die sich auf dem Gymnasium in Hildburghausen befanden, nahmen Dank der Einwirkung ihres vortrefflichen Erziehers, des jetzigen Weimarischen Geh. Staatsrates und Kürators der Universität Jena Dr. Eggeling, nie gegen den Vater Partei.

Seit jenem Tage, an dem Georg II. und Ellen Franz in einer thüringer Do^fkirche den Bund fürs Leben schloffen, sind 33 Jahre vergangen, Jahre, in denen die Künstlerin ihrem fürstlichen Gatten die liebevollste Gefährtin und verstünduisreichste Freundin wurde und durch "die Güte ihres Wesens und den Takt ihres Herzens ihre früheren Gegner entwaffnet und sich die Achtung und Anhänglichkeit eines ganzen Landes erobert hall Auch ihrer ziemt es' daher wohl, am Ehrentage des Herzogs Georg zu gebellten. v. W.

Gesundheitspflege.

Mittel gegen Schnupfen. Ein Vertreiben des Schnupfens, wie es manche Mittel austrebcn, ist stets vom Ucbcl. Da die Erkrankung des Körpers dann nicht mehr durch die Nase entweichen kann, legt sich bei derartigen Versuchen der ungesunde Stoff ans einen anderen Teil; meistens entsteht daraus ein benommener Kopf, wenn nicht gar arge Schmerzen, ein aufgedunsenes Gesicht oder sonst irgend eine Unannehmlich­keit. Ist der Schnupfen einmal da, so muß er nii beschleunigt, nicht aber vertrieben werden. Häufig hilft eine Schwitzkur, die ja auch nur den Zweck verfolgt, die schädlichen Säfte zu entfernen. Das Liegenbleiben im Bett nnd Trinken von Fliedertee ruft bald den gewünschten Zustand der Hitze hervor. Aber cs ist nicht jedermanns Sache, so tatenlos in den Federn zu ruhen, nnd für solche Menschen gibt eS grade ein entgegengesetztes Heil­mittel : fleißige Bewegung in frischer Luft. Man geht in scharfem Tempo 1 bis 2 Stunden spazieren; das Umwehen der reinen Winteratmosphäre wirkt namentlich ans die entzündeten Schleimhänte kräftigend, und bald merkt man, daß der Schnupfen nachläßt. Auch das Radfahren, Schlittschuh­laufen oder sonstige sportliche andauernde Bewegung, sogar das Tanzen, ist unfehlbar. Die Hauttätigkeit wird dadurch in erhöhtem Maße angeregt, so daß die schädlichen Stoffe auf diesem Wege entweichen können nnd nicht mehr unseren GesichtSerker dazu ausersehen brauchen. Alles Verzärteln nnd ängstliches Pflegen seines Schnupfens aber ruft mir eine gesteigerte Empfänglichkeit für neue Erkältungen hervor.

' Körtigspromenade.

Nachdruck verboten.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mit einander verbinden, daß man wie der König ans dem Schachbrett stets von einem Feld au? ans ein benachbartes übergeht.

Auflösung in nächster Nummer.

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Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer:

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Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerstläts-Vuch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen,