Ausgabe 
2.3.1906
 
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zügliche und wertvolle Sawmlung besitzt, 'eine Frau noch niemals, entbehrt zu haben. Higgens ist erst 37 Jahre alt und daher weiblichen Eroberungen noch zugänglicher. Er ist nicht Junggeselle aus Prinzip und hegt die Absicht, sür den Rest seines Lebens sich eine Gefährtin beizugesellen; aber bis jetzt findet er noch mehr Vergnügen daran, auf einer Jacht zu segeln, als auf die Brautschau zu gehen. Auf feiner prachtvoll ausgerüsteten Tampferjacht suhlt er sich wahrhaft zu Hause und führt ein strenges Regiment. Er hat beit Befehl erteilt, daß auf der Jacht jeder ihm zu gehorchen habe. Vielleicht ahnt er, daß er em so schrankenloses Regiment in der Ehe nicht wird führen können. So ist denn das Bezeichnende in derBrautschau" dm alle diese Millionäre halten, daß sie es nicht notig haben, wie schüchterne und verliebte Jünglinge errötend den Spuren der Frauen zu folgen, sondern sie können die Lache ruhig an sich herankommen lassen.

Ist Tätowieren ein Zeichen von Degeneration?

Von Dr. Paul Gruuibach.

gefellfchast, aber er hat sich wegen gewisser Mißhelligkeiten > jüngst davon zurückgezogen. Er ist 29 Jahre alt, eine große und schöne Erscheinung, dem die dunklen Haare etwas Romantisches verleihen. Seine ganze Liebe gehört I der französischen Literatur, und im letzten Winter hat er zu Ehren der Röjane bei ihrer großen Tournee durch I Amerika ein feenhaftes Fest veranstaltet, das ihm 400000 I Mark gekostet haben soll. Er läßt alle seine Kleider in Paris wachen und hat französische Sitten und Gewohnheiten so I völlig angenommen, daß man ihn durchaus für einen | Pariser halten kann. Vor kurzer Zeit wurde er zum Ritter der Ehrenlegion erwählt, und er ist aus diese Auszeich­nung stolzer als aus alle seine Millionen. Es ist daher anzunehmen, daß, wenn er sich einmal dem Ehejoch an- I bequemt, er in die Netze einer reizenden Pariserin ge- I raten wird. Ebenso reich, aber ihm sonst sehr unähnlich, I ist Marcellus Hartley Dodge, der erst das 23. Lebensjahr I erreicht hat. Er ist jüngst an der Kolumbia-Nniversität I graduiert worden und hat dann das Geschäft seines Groß- I Vaters übernommen. Dodge ist ein tüchtiger Arbeiter, der Von morgens 6 Uhr in seinem Bureau sitzt. Seine Muße­zeit verwendet er zu sportlichen Hebungen; er ist ein aus- j gezeichneter Boxer und verwendet auf diese edle Kunst fast alle die Zeit, die ihm die Arbeit an der Verdoppelung seiner Millionen übrig läßt. Sein Herz, so viel darf man wohl I sagen, ist in Liebessachen noch ein unbeschriebenes Blatt I und eröffnet daher ein weites Feld für jugendliche Mädchen­träume. Er kennt nur eine Extravaganz, und die besteht I in äußerster Feinheit der Kleidung. Noch nie hat er über die höchste Schneiderrechnung auch nur eine Miene ver- I zogen und für feine künftige Frau steht daher eine glänzende 1 Aussicht bevor, selbst wenn sie die allerteuersten Schneider- I rechnungen ihrem Gatten vorlegen sollte. Tadge ist auch | ein großer Bucherliebhaber und hat eine der schönsten Bibliotheken Newyorks. Er hat bei mehr als einer Ge- I legenheit bereits erklärt, daß er dem Heiraten durchaus nicht abgeneigt ist, und wenn ihm die Rechte über den Weg läuft, so Wird er sie mit Vergnügen zum Altar führen, i Gegen diesen Gentleman und Krösus ist Robert Walton \ Goelet eigentlich ein armer Mann, denn sein Vermögen i beläuft sich nicht auf viel mehr als 40 Millionen Mark. Doch hat Robert vielversprechende Aussichten ans mehr, und wenn einst seine Mutter stirbt, was, tote er hofft, erst recht spät eintreten möge, dann wird er noch die statt­liche Glimme von etwa 160 Millionen Mark erhalten. Er ist ein außergewöhnlich schöner Mann mit aristokratischen und exklusiven Gesinnungen; mit seinen 30 Jahren hat er auch noch nicht einen einzigen Tag gearbeitet und er wird bei Auswahl seiner Gattin nicht nur auf die Stimme seines Herzens, sondern auch auf die Rechte der Geburt sehen. Damen, welche auch mit einem älteren Millionär zufrieden sind, ist der Kupferkönig Augustus Heinze zu empfehlen. Sem Vermögen soll etwa 120 Millionen Mark betragen und wird sich in zehn Jahren wenigstens verdoppelt haben. Heinze, von Abstammung ein Deutscher, ist ein vornehm aussehender glattrasierter Herr, über sechs Fuß hoch und besitzt eine vorzügliche Gesundheit. Vor einigen Jahren, als sein Vermögen etwa 40 Millionen betrug, fragte ihn ein Freund, ob er sich nicht jetzt von dem Geschäft zuruck- ,lieben werde. Aus diese Aeutzerung hin malte sich namen- loses Erstaunen auf Heinzes Gesicht und er rief entrustei nus- Wie? Ich will doch reich werden, und letzt, wo ich gerade auf dem Wege dazu bin, soll ich aufhören?" Tas 'Interesse, das dem Millionär seine Kupferminen noch übrig bissen, wendet er der Politik und dem Atlethenfport 8Uj um ans Heiraten zu denken, dazu, meint er, hatte er bis jetzt noch keine Zeit gehabt. Zwei andere Millionäre, die beide über etwa 200 Millionen Mark verfugen, James Hetiry Smith und Eugene Higgens, sind ebenfalls noch Junggesellen. Smith ist 50 Jahre alt und hat die ganze Zeit seines Lebeiis iit Newhork verbracht Zelten sieht nmn ihn lächeln, selten hört man ihn sprechen. Wegen der Passivität, mit der. er sich an Gesprächen beteiligt, hat man ihm den NameiiJim, der Schweiger", gegeben, und er ist auf diese Benennung stolz.Schwatzen kann jeher Narr", pflegt er bann zu sagen,aber bas Zeichen eines klugen Mannes ist es, den Schiiabel zu halten Aus biesen Worten kann man entnehmen, baß «mich em Philosoph ist Tie Philosophie verführt ihn wohl auch zu einer etwas skeptischen Auffassung von her Ehe, unb er gesteht frei­mütig, unter feineii Kunstwerken, von denen er eine vor-

(Nachdruck verboten.)

Lombroso behauptete, die Sitte des Tütolvierens sei bei Ver­brechern wesentlich häufiger, als bet anderen Angehörigen kulti­vierter Völker. Er schloß daraus auf eine Degeneration, au, eine instinktive Rückkehr zu den Gepflogenheiten der Wilden, aus ein Abblassen der durch die Kultur verfeinerten Hautempsmdlich- keit und sah in der Art der einverleibten Zeichnungen besonders, unverhüllte.Sinnlichkeit, zügellose Rachsucht oder das Bestreben, durch Symbole die innersten Empfindungen kund zu um.

$1111 verbreitetsten ist die Sitte des tätowierens, >.. _b- beu Einverleibens bestimmter Zeichnungen durch Einreiben von Farben in kleine Hautstichwunden, entschieden bet Seeleuten und dann b i Soldaten Es sind dies eben Leute, welche über keinen ar oßen Unterhaltungsstoff verfügen und zeitweise gezwungen, find, in enger körperlicher Gemeinschaft ohne genügende Beschäftigung und Abwechselung zu leben. Diese jungen, für augenblickliche Regungen leicht empfänglichen Personen zeichnen sich als A 'sdrnck ihrer beruflichen Schncidigkeit aus Brust und Arme Waffen, Sol­daten, Fürsten. Und zwar sind es zunächst die Eiteln und Phantastischen, welche zuerst an die Lache Herangehen, wahrend bic SDuntwcn uodjlj'cr gcbnntcnloS nticpnuidjeii.

Dann kommen erst der Zahl nach die tätolmerten Verbrecher. Aber nicht die schweren und gefährlichen Verbrecher tätowieren sich besonders, sondern die Vagabunden, das^ arbeitvschen in Stadt und Land herumlungernde Gesindel. Das sind die ~euL, ivcldie nicht wissen, wie sie die Zeit totschlagen sollen und welcm den Schmerz des Tätowierens verhältnismäßig am wenigsten | weil ihr Hautempsinden in Sturm, Wetter, Kalte und

S,6»Ä? SmÄüSU «i« -«mmiwch- *

S: b S&lniteW i°Il °-m Tm,--.d,n «» »m °-b°u. als habe er bei den schwarzen Husaren gedient, der Lowe oll einen Tierbändiger vortäuschen. Die best ausgesnhrten Hand- werWwnppen findet man bei Leuten, welche das£>andwerk nber- Haupt nicht ausgelernt haben, sondern m ihrer Liederlichkeit sich ! nur den Anschein geben wollen, als seien sie ehrbar und zünftig

Andererseits bildet sür den jugendlichen Großstadtarbeiter da^ höchste Vergnügungsideal der Zirkus mit seinen Athleten, Turnern und Ballettänzerinnen. Es hängt dies zusammen mit dein seit piniaer Zeit in allen Ständen gepflegten Lportwescn. .>ahc.r ab TäwLeLngsmoüv7 die vielen Hanteln, Athleten, Kngelianse- ^""^Vor ^einigen" Jahren wär es unter den LondonerElegantS" Mode sich die Arme tätowieren und sie mit verschiedenartigen nhpr bciit Vorträt der ,,Angebeteten versehen zu

I imjcit Diese Mode ist, wie alle Moden, in England bald vor- überqegangen, aber von den Gecken Rumäniens wieder amgenom- I men' wvrden; vielleicht macht sie. noch eine Rundreife durch ch I p.rinber des Kontinents. Auch hierbei handelt es sich nati.rlich I um eine (nach Lombroso) plötzlicheDegeneration, eine I Rückkehr zu den Gepflogenheiten der Wilden", sondern es spwün I k;er auch wieder dieselben beiden Faktoren die Hauptrolle: erstens I vas aus dem moderneu vielfach übertriebenen Sportwesen hervor- gegangene Renomniieren mit Sportabzeichen und MK-Sern

I Zweitens der in jenen Geckenkreisen vorhandene Ilebeislnß an I Z^t und Mangel an geistigen Interessen.

Sein Schäfchen ins Trockene bringen.

Mit der Redensartsein Schäfchen ins Trockene bringen hat

I heiüpir sondern cs mußSchiffchen" lauten, zumal man ja quch I ®tX*Weiinf©eic"Uim^Gegenteib^sie' müssm H Wind j uud Wetter draußen bleiben, in Regen und Sturm, bei nig unb