Ausgabe 
2.3.1906
 
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ein fiel, daß Laura nicht vornehm klinge, so sagte er von nun abLoor".

Tas kleine Tiner verlief angeregt. Alle waren in bester Laune, und es saß sich auch wirklich hübsch hier unten am Wasser, in dem die Fische sprangen und die Libellen sich über dein Schiff wiegten. Die Sonne war im Ab­steigen, und über dem See funkelte roter Glast; ein paar Kähne trieben über die kaum bewegte Fläche; man hörte das Plätschern der Ruder und den Gesang einer Männer­stimme. In den Buchen zwitscherten die Vögel; das Däm- mergrün der Bäume schattete sich auch in das Goldrund der Bowle ein.

Tas Essen !var gut, und das erhöhte die Stimmung. Tie Liesegaug wollte ihre Handschuhe nicht ausziehen; es ging auch so. Sie saß steif auf ihrem Platze und rührte sich nicht; denn sie fürchtete, der zweite Riß im Schwarz- seidenen könne unheilvoll werden. Sie sprach auch wenig; Imhoff hielt das für richtig. Nur einmal bemerkte sie schüchtern:Jetzt denke ich dran heute ist Freitag der dreizehnte August; da wären wir besser zu Hause ge­blieben ..."

Priestap saß zwischen Laura und Nina. Er brach für beide die Krebse und schälte sie aus. Er tont Kavalier gegen Laura und unigab Nina mit heimlichem Werben. Sic merkte das wohl. Sie sah auch toieder das heiße Flimmern in seinen Augen. Mer sie benahm sich ver­ständig und nach gegebener Vorschrift, war sehr liebens­würdig und kam ihm auf halbem Wege entgegen, senkte jedoch die Lider, wenn sein Blick sie traf und zog den Fuß zurück, wenn der seine zu weit rechts seitwärts schweifte.

Man saß über eine Stunde bei Tisch. Je tiefer das Niveau der Bowle sank, uin so angeregter wurde die Stim­mung. Imhoff begann zu renommieren und immer größer zil werden. Er hatte sich behaglich zurückgelchnt, rauchte seine Zigarette und begleitete jeden Satz mit lebhaften Gesten.Hammer soll für den Theaterbau den Kronen­orden bekommen", erzählte er;cs steht fest.Baron, und wir? Sie und ich? Seien wir doch ehrlich: sind wir zwei beide im Grunde genommen nicht die Urheber des Ganzen, die eigentlichen Begründer des Prinz Ferdinand- Theaters? Es ist unrecht, daß Sie sich zurückgezogen haben, Baron; Sie hätten auch int Aufsichtsrate verbleiben sollen. Ein großes Kapital von Ihnen steckt in dem Unternehmen; da muß mau die Hand drin behalten . .Es fehlt mir die Lust, Imhoff", antwortete Priestap,auch das Ber- stäudnis . . ."Hätten Sie mich bevollmächtigt, Baron", rief Claudius;ich hätte Ihre Jnteressett am besten ver­treten. Tas können Sie noch. Wer weiß, wie alles komntt. Mesecke ist ein Stümper. Seeben ist auch nicht viel wert. Rafaöli ist von dem Erfolg seiner,Astarte' berauscht ivordeu; aber laßt uns abwarten, ob die neue Oper einschlägt. Es ist übrigens keine Oper; es ist mehr ein Singspiel, eine Art Melodram mit Nezitativen. Baron, man brauchte nicht mrt einer Novität zu beginnen, weder in der Oper noch im Schauspiel. Ich war dafür, mit ,Aida' und dem /Sommer- nachtstraum! zu eröffnen. Ta mußte die Kritik schweigen oder konnte sich doch nur gegen die mitwirkenden Kräfte austoben. Aber mein Vorschlag wurde überstimmt. Ich nehme kern Blatt vor den Mund; ich sage immer die Wahr- hett. Tie will man nicht hören. Ta intrigiert denn alles unch mit Ausnahme Hammers; aber Haininer versteht dafür von der Theaterleitung nichts, gar' nichts. Wer versteht denn etivas davon, Baron.?! Der Schmieren- komvdrant Gieseckc? Der verbohrte Feudale Seeben? Ah bah 1 ch bin der einzige im ganzen Getriebe, der eine Ahnung von der Sache hat! . . ." Er warf seine Zigarette m Die Luft.Ter einzige, mein lieber Baron", wiederholte er nut umfassender Bewegung beider Arme.

Er lugte aufmerksam zwischen den Bäumen hindurch. Ist das nicht Josef Berndal?" fragte er.

In der Ferne schritt ein Pärchen vorüber: ein Herr m grauem Ueberzieher und Arm in Arni mit ihm ein Dämchen. Sie kamen aus dem Restauraut und sahen die Gruppe am See wohl kaum.

Priestap nickte.Ja, das ist Berndal", sagte er,mit ferner Frau..." 5 ' "

Nun und nimmer", warf Frau Laura ein;die ist blond, und das drüben ist eine kleine Brünette. . ."

Imhoff hatte sich erhoben.Eecte, meinte er lächelnd, ich weiß auch, wer das ist. Das ist Gieseckes erste Naive, Fräulein Tilde Eberhard. Berndal hat sie ansbilden lassen.

Sie stößt mit der Zunge an und geht überivendlich. Aber in Gieseckes geheimnisvoller Premiere spielt sie natürlich mit. Herrschaften, das ist eine Welt! ..."

Priestap bat Frau Laura um die Erlaubnis, die Tafel aufheben ztr dürfen. Nur die Liesegang blieb noch sitzen. Sie traute sich nicht recht, aufzustehen. Sie hatte einen roten Kopf von der Bowle, und ihr Kleid ängstigte sie. Imhoff nahm seine Frau an dem Arm und spazierte mit ihr auf und ab, während die Liesegang einen liegen gebliebenen Pfirsich und vier Stück Zilcker in die Tasche steckte.

Nina wollte die Spatzen füttern. Sie hatte ein Brötchen genommen und sprang davon. Ein paar Schritt weiter gleißte noch der volle Sonnenschein über einen freien Platz, auf dem auch ein paar Hühner im Sande scharrten.Kommen Sie, Herr von Priestap," rief Nina,aber nehmen Sie sich auch ein Brötchen mit! Ist das nicht ein bildschöner Hahn? Ganz weiß, und was er für Sporen hat! Das ist ein Garde du Corps-Offizier unter seinesgleichen . . ." Und nun streuten die beiden Krumen unter das Geflügel, und Priestap erzählte, daß er niemals versäume, die Vögel unter seinem Schlaf- zimmerfenster zu füttern. Darüber freute sich Nina.Ich glaube, Sie sind ein sehr guter Mensch," sagte sie;iver tierlieb ist, hat einen guten Charakter. Wir wollen ein bissel den See hinabschlendern. Da hinten seh ich auch Enten, und wahrhaftig, zivei Schwäne! . . . Vater," rief sie zurück,wie gehen am See spazieren . . ."Schön, Kinderchen," ivar die Antwort,aber nicht zu weit . . ."

Imhoff und seine Gattin hatten wichtiges zu besprechen; es geschah in gedämpftem Tone, halb flüsternd.

Laura, ich glaube sagen zu dürfen: wir sind am Ziel," begann Claudius.Das Interesse Priestaps für Nina ist nicht erloschen; im Gegenteil: er ist nur noch verliebter ge­worden. Er wird sie heiraten. Er wird sehen, daß sie un­nahbar ist und wird sie heiraten. Doch, Laura, auch dann werden ivir noch nicht ohne weiteres unseren Segen geben. Wir iverden zunächst nein sagen."

Aber warum?" fragte die Gattin.Seien wir dock) froh, wenn es so weit ist."

Diplomatisch sein, Laura," mahnte Imhoff.Das Leben spielt wunderbar. Er kann ihrer überdrüssig werden; sie kann Torheiten machen. Es muß alles bedacht werden. Ich werbe einen Heiratskontrakt fordern und die Sicherstellung eines gewissen Kapitals, das dem Kinde für alle Fülle verbleibt."

Laura nickte.Der Gedanke ist glänzend, Clauditts. Ich glaube auch, Harry tvird ohne weiteres darauf eingehen. Heißt et nicht Harry? Er ist ein netter und anständiger Mensch."

Aber er ist faul. Doch das schadet nichts: ich werbe für ihn arbeiten."

(Fortsetzung folgt.)

Millionäre auf der Brantschau.

In Amerika ist der Gedanke aufgetaucht, daß die Millionäre, die zeitlebens Junggesellen bleiben, mit einer Steuer von fünf Prozent ihres Einkommens belegt werden, sollen. Würde dieser Gedanke zum Gesetz erhoben werden, so hätte gar mancher Amerikaner jährlich bis zu einer Summe von 500000 Mk. au den Staat zu zahlen. Tenn so unglaublich es auch erscheinen mag nicht wenige von den Krösussen aus dem Dollarland sind bis jetzt den verführerischen Lockungen der Frauen entgangen und haben unter den Unzähligen, die mit ihnen gar zu gerne vor den Altar treten würden, keine Wahl getroffen.' Ein eng­lisches Blatt ruft nun die jungen Damen Albions auf, sich an den Amerikanerinnen, die aus der europäischen Ari­stokratie ihre Gatten wählen, zu rächen, und erzählt ihnen von einer ganzen Reihe solcher eheloser Geldkönige, bei deren Beschreibung und Schilderung gewiß auch das Herz mancher deutschen Jungfrau höher schlagen wird. Ter ver- sührerifchste unter ihnen allen ist James Hazen Hyde, dessen Vermögen auf 100 Millionen Dollar geschätzt wirb und der öffentlich erklärt hat, daß ihm bis jetzt noch kein Mädcheit begegnet fei, ^-das seinem Herzen eine größere Anzahl Schläge als gewöhnliche habe o6gemimten können. Hyde war Präsidettt der größten amerikanischen Lebensversicherungs-