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Liebe hatte er nur einmal empfunden. Tu war sie vvm Schicksal getötet worden. Nun wuchs sie wieder in seinem vereinsamten Herzen und wurde beinahe zur Qual. Wie fein empfindsam, wie mimosenzart sein junges Herz, und dennoch wie grausam verödet es war, das wußte er selbst nicht. Er spürte nur den allmächtigen Sehnsuchtsdrang und das heiße Verlangen nach Liebe.
Tie letzten Worte des Prinzen beschäftigten ihn lebhaft. Daß da ein edler Geist zu ihm gesprochen hatte, fühlte er. Er verstand auch, was Arenstein mit der Reinheit der Seele gemeint hatte. Tas war etwas Köstliches. Er lächelte nicht darüber, der versonnene junge Mann, dem das Leben keine Arbeit gab. Ter Gedanke hatte etwas Beglückendes für ihn, diese Kleine in ihrer Unberührtheit für sich zu gewinnen und festzuhalten: als seine Geliebte, nicht als Dirne. —
(Sortierung folgt.)
Ais Wattenöerg.
Die englische Presse, namentlich diejenige, die mit dem Londoner Hofe gute Fühlung unterhält oder doch wenigstens unterhalten möchte, ist augenblicklich eifrig an der Arbeit, um den Nachweis zu führen, daß König Alfons XIII. von Spanien in der Prinzessin Ena von Battenberg eine rein englische Gemahlin erhalten wird, die nur in sehr losen verwandtschaftlichen Bezieh- ungen zu Deutschland steht. In der Tat hat die künftige spanische Königin ja eine vollkommen englische Erziehung erhalten, und man darf keinen Augenblick bezweifeln, daß sie sich durchaus nur als Engländerin fühlt. Das ändert indessen nichts daran, daß in ihren Adern mehr deutsches als englisches Blut fließt. Es ändert auch nichts daran, daß, für die meisten deutschen Monarchen eine Heirat mit der Prinzessin Ena, ihrer Abstammung wegen, den Hausgesetzeu zufolge keine standesgleiche und ebenbürtige, sondern, wie der fürstenrechtliche Begriff lautet, eine „Mißheirat", eine „Mesalliance" gewesen sein würde..
Es ist ja noch gar nicht so lange her, daß gerade von London aus das Gerücht lanciert wurde, man sei am Berliner Hofe bestrebt, die Hand der Prinzessin für einen der Söhne des deutschen Kaiserpaares zu gewimien. Hier war höchstens der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn die Verbindung eines preußischen Prinzen mit einer Batteirberg hätte ohne Zweifel zur Ausschließung ihrer Nachkommen von der Thronfolge geführt. Es braucht nur daran erinnert zu werden, wie Wiser Wilhelm I. einst auf seine Neigung zu der Prinzessin Elisa Radziwill ans dieser Erwägung Verzicht leisten mußte. Wir konstatieren hier nur diese Tatsachen und enthalten uns jeder Kritik ihrer Berechtigung, speziell der verfänglichen Frage, ob und wie weit das Fürstenrecht und seine Anschauungen in unsere Zeit noch hineirt- passen. . .
„Battenberg, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf, an der Eder, hat eine evangelische Pfarrkirche, eut Amtsgericht und 999 Einwohner". — Das ist alles, was Ms Konversationslexikon von dein nassanischen Städtchen zu melden weiß, das seinen Namen der Braut des jungen Herrschers gab, in dessen Reiche die Sonne einstmals nicht unterging. Und wir vermögen nicht zu verraten, was den Großherzog Ludwig III. von Hessen bestimmte, gerade den Titel einer „Gräfin von Battenberg" zu wählen, als er sich in der Notwendigkeit sah, 1851 der morganatischen Gemahlin seines Bruders, des Prinzen Alexander, einen Namen und Stand zu verleihen, da sie deren des Prinzen nicht teilhaftig werden konnte. (Eine Beziehung zu unserer Gegend hatte Julie von Hauke doch: sie war die Enkelin des Pfarrers Heinrich Wilhelm Schweppenhänser zu Groß-Rechteren im Kreis Wetzlar; allerdings dürfte dies bei ihrer Standeserhöhung nicht bekannt gewesen sein. Red.) Die Familiengeschichte der Battenberg erstreckt sich demnach nur über ein halbes Jahrhundert, aber sie ist dafür von Anfang an reicher an romantischen Kapiteln als die manches anderen Hauses. Prinz Alexander von Hessen war noch nicht 17 Jahre alt, als er seine Schwester Marie nach St. Petersburg begleitete, wo diese am 28., April 1841 die Gemahlin des damaligen Cesarewitsch, des spätereii Kaisers Alexander II. wurde. Wie manche deutsche Prmzen es in ähnlicher Lage getan haben, verknüpfte er sein
rr? ihrem glänzenden Lose und trat als Rittmeister in das Chevaliers-Garde-Regiment ein, wo er natürlicherweise schnell avancierte und dann auch Gelegenheit hatte, im Kaukasus kriegerische Lorbeeren zu ernten. Er verließ den russischen Dienst yuo vertauschte ihn, gegen den Oesterreichs, nachdem er trotz des Widerstrebens feiner Schwester und seines Schwagers ein Ehrenfräulein ihres Hofes, die Gräfiil Julie von Hauke als seuie Frau heimgeführt hatte, die Tochter des russischen Generals der Artillerie und pvliiischen WiegsNiinisters Grafen Moritz tion Hauke, dessen Vater aus Flandern nach Sachsen gekommen, Sekretär des allmächtigeii Ministers Grafen von Brühl geworden und diesem nach Warschau gefolgt war. Die Gräfin Julie Battenberg — Prinzessin wurde sie erst 1858 — war, nach den von ihr vorhandenen Bildern zu urteilen, eine ebenso schöne Frau, wie ihr Gatte, der hefsische Prinz Alexander, eine edle und ritter
liche Erscheinung. Mes« Äußeren Vorzüge wurden auch ihre« Kindern zuteil und haben, wenigstens bei einigen von ihnen, gewiß dazu beitragen, deren Glück zu machen. Der älteste, Prinz Ludwig, trat in englische Ilottendienste und vermähltesiich mit einer Cousine, der Prinzessin Viktoria von Hessen. Die Schicksale des zweiten, der als Fürst von Bulgarien Alexander I. hieß und als Graf von Hartenau und Gatte der Sängerin Johanna Loi- singer starb, sind bekannt. Der jüngste, Prinz Franz Josef, hat eilte der hübschen Töchter des Fürsten von Montenegro, Schwester der Königin von Italien, zur Frau, aber allen Drei überlegen an auffallend einnehmendem Aeußeren, einem fast klassisch geschnittenen Antlitze und einer prachtvoll gewachsenen Figur, war der dritte, Prinz Heinrich von Battenberg. Er stand als Leutnant bei den Potsdamer GardeS-du-Corps und seine Kameraden nannten ihn den „Schönen Heinrich". Von Charakter war er der 'liebenswürdigste, freundlichste Mensch, vielleicht nicht ohne eine gewisse Weichheit und Nachgiebigkeit. Auf ihn fiel die Wahl, als die Königin Viktoria von England unter den „kleinen" deutschen Prinzen Umschau hielt, um ihrer bereits den dreißig nahen und von der Natur äußerlich nicht sehr verschwenderisch ausgestatteten jüngsten Tochter Beatrice einen Gatten zu suchen Man hat damals wissen wollen, daß der Prinz lange schwankte, ehe er auf ein Angebot einging, das ihm wohl eine glänzende Zukunft, auch in materieller Hinsicht, verhieß, zugleich aber für ihn doch eine Einbuße an persönlicher Freiheit und das Ausgeben des ihm lieb gewordenen militärischen Berufes bedeutete. Iht6 als er sich dennoch dazu entschlossen, sehnte er sich gewiß später noch oft nach der frischen, ftöhlichen Leutnantszeit zurück. Er mußte sich nicht nur verpflichten, nach England überzusiedeln, und selbst Engländer zu werden, sondern auch bis zum Tode der Königin Vittoria, die die Gesellschaft und Pflege ihrer letzten Tochter nicht missen wollte, mit seiner Gemahlin in der unmittelbaren Nähe der nicht immer bequemen Königin zu leben. Dafür ward er denn „Königliche Hoheit" — ein Prädikat, das ihn aber nach deutschen Begriffen, ebenso wie seine Nachkommen, die „Hoheiten" wurden, nicht aus dem Stande des einfachen niederen Adels herausheben konnte. In der Tat tangieren nach diesen Begriffen alle Battenberg z. B. hinter den Mitgliedern der nur gräflichen, mediatisierten Häuser Stolberg, Pappenheim oder Schönborn. Das Ende des Prinzen Heinrich — oder des Priirce Henry, wie er nun hieß — verdient fast ein tragisches genannt zu werden. Die rein dekorative Würde eines „Gouverneurs und Generalkapitäns der JnKl Wight" konnte ihn wenig befriedigen. Er sehnte sich au§ der erzwungenen Untätigkeit und der engen Luft des nur von Frauen beherrschten Hofes und setzte es endlich durch, daß er 1896 ein Kommando nach Indien erhielt. Aber eine kurze Krankheit raffle ihn schon hin, ehe er es antreten konnte.
Selbstverständlich war bei feiner Verheiratung auch ans« bedungen worden, daß feine Nachkommen in England und als englische Bürger aufwachsen müßten. Und insofern wird es der Prinzessin Ena Niemand verübeln, daß in ihr nie ein Gefühl für ihren deutschen Ursprung lebendig werden konnte. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß die Verlobte des Königs von Spanien ihren Prinzessintitel und ihren Namen nur ihrer Zugehörigkeit zu dem morganatischen, unebenBürtigcn Zweige eines deutschen Fürstengeschlechtes zu danken hat. v. W.
Aus Sud rMarms „Stem unter St in?n".
Im Hauptblatte ist die Gießener Aufführung von Sudermanns „Stein unter Steinen" ausführlich besprochen worden. An dieser Stelle sei eine Ärbeitspkatzszene auszugsweise wiedergegeben, deren aummende Frische anerkannt zu werden verdient. Insbesondere ergötzt der SpihbubewHumor Struves, der wieder einmal einen Einbruch versuchte und dem Prinzipal, der ihn gern der Justiz entziehen möchte, sagt, „was ein reelles Alibi ist, kostet wenigstens fünfzig Mark". Den Kameraden auf dem Arbeitsplatz aber imponiert er nicht wenig mit seiner Zuchthaus-Herrlichkeit. Hören wir ihm zu:
Sprengel:
Der tut sich noch dicke auf sein Zuchthaus.
Struve:
Nil ob. Da kommt ihr noch lange nich rin. Da sind bloß seine Leute drin. Ja.
Die Anderen (lachen).
Lohmann:
Darum heißt es auch die hohe Schule.
Struve:
Jawoll. Da lernt man was. Hast du überhaupt ’ne Kleider- bürschte? Die hat mir der Staat immer franko geliefert. Aus lauter persönlicher Hochachtung . . . Oder gar 'ne Zahnbürschte? Aber ich — siehstel . . . Kiek dir mal an, wie der Dreck an dir 'rumklebt . . . Aber wir machen dort zu Mittag immer Toi—lette. Und Handtuch tragen wir immer auf’it Arm, da laufen wir den janzen Tag mit 'rum. Vor lauter Feinheit. Ja.
Die Anderen (lachen).
Struve:
Ueberhaupt, was bist du hier? Und was bin i ch hier? Und was sind wir alle hier? . . . Dreck sind wir. Hoch über dir kommen erst die Steinmetzen . . . und da hoch drüber die Bild»


