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der Oktober sich in den Winter, so ist dann dieser um so gelinder. — Fängt der Winter sriih an zu toben, wird inan ihn int Januar loben. — Je fetter die Vögel und Dachse sind, desto kälter erscheint das Christuskind. — Aus den Tag Sankt Gallus (16.) die Weide- kuh in den Stall mutz und der Apfel in den Korb mutz. — Wenn Simon und Judas (28.) vorbei, rttckt der Winter herbei. — Wenn im Moor viel Irrlicht' stehn, bleibt das Wetter lange schön. — Ist im Oktober daS Wetter hell, bringt es her den Winter schnell. — Ist im Oktober Frost und Wmd, wird Januar und Hornung gelind. — Oktober und Marz gleichen sieh allerwärts. — Nordlichtschein bringt Kälte, em. — Sitzt das Laub an den Bäumen fest, sich strenger Winter erwarten laßt — Wandert die Feldmans nach dem Haus, bleibt der Frost nicht lange aus. — Von Lucä (18.) bis St. Simonstage (28.) zerstört der Raupennester Plage. — Wie im Oktober die Regen hausen, werden im Dezember die Sturme brausen. — Oktober rauh, Januar flau. — Oitoberhimmel voller Sterne, hat warme Oefen aerne. — Oktobergewitter sind Leichenbitter. — Kriechen die Eichhörnchen bald zu Nest, wird der Winter hart und fest. — Sankt Gallen (16.) läßt den Schnee fallen. — Ist St. Gallen (16.) nah, ist's dem Wein kein Spatz. .
* Die Bouillon des Kaisers. Wir lesen tit der „N. Fr. Pr.": „Auf einem Schlosse in Norddeutschland, das seit kurzem erst durch Heirat eine junge Herrin erhalten, hatte sich der deutsche Kaiser während eines seiner Jagdausflüge als Gast zum Frühstück angesagt. Als nun gleich zu Anfanst Bouillon in Tassen serviert wurde, verlangte der Kaiser, der nur die Tasse, nicht ihren Inhalt ins Auge gefaßt hatte, Sahne und Zucker zum vermeintlichen Tee. Die junge Schlotzsrau hatte in ihrer Verlegenheit nicht den Mut, Majestät über den Irrtum aufzuklären: der Lakai servierte Zucker und Sahne, und der Kaiser versenkte zwei Stückchen Zucker in die Fleischbrühe und goß etwas Sahne dazu. Beim ersten Schluck wurde er natürlich des Versehens inne, war aber aus Rücksicht für die Verlegenheit seiner blutjungen schönen Wirtin so artig, sich nichts merken zu lassen, sondern die Tasse bis auf den letzten Tropfen zu leeren. Es würde dem chevaleresken Benehmen des Kaisers sehr entgegengesetzt sein, wenn wir hier verraten wollten, wann und wo sich die Geschichte zugetragen; für ihre Tatsächlichkeit aber können wir einstehen."
* Ein japanischer Prinz im französischen Heeresdienste. Ein naher Verwandter des Kaisers von Japan, der Prinz Morimasa aus dem Hause Naschimoto, wird, wie man aus Paris berichtet, demnächst bei einem französischen Linien- Jnsanterie-Regiment eingestellt werden, dort zuerst praktischen Dienst tun, und dann an dem Studiengange der „Ecole de Guerre", der französischen Kriegsakademie, teilnehmen. Prinz Morimasa ist 32 Jahre alt, führt als ein Vetter des Mikado den Titel „Hoheit" und hat den ostasiatischen Feldzug gegen Rußland im japanischen Generalstabe mitgemacht. Er wird voraussichtlich nach seiner Rückkehr aus Europa ein höheres militärisches Kommando erhalten. Diese Nachricht ist insofern interessant, als man in drn übrigen Armeen Europas, die des deutschen Reiches nicht ausgenommen, nicht ohne ein gewisses Bedauern an das Entgegenkommen zurückdenkt, das man srüher den japanischen Offizieren bezeigte. Ging es doch so weit, daß man sie sogar an den Generalstabsreisen teilnehinen und auf diesem Wege theoretische und praktische Kenntnisse erwerben ließ, von denen für die gastliche europäische Macht jedenfalls kein Nutzen zu erwarten war.
* Das Mundspülglas bei Hofe. Es gibt kaum einen europäischen Hof, an dem sich nicht allerhand Bräuche und Sitten erhalten hätten, die auf eine lange und ehrwürdige Geschichte zurückblicken, in unserer heutigen praktischen und nüchternen Zeit jedoch fast humoristisch wirken. Am Hose der französischen Könige aus dem Hause der Bourbonen bestimmte ein sehr umständliches Zeremoniell, wie die königliche Majestät zn trinken habe, und es war da die Mitwirkung von so vielen Würdenträgern notwendig, daß eine geringe Zeit verging zwischen dem Augenblicke, da der König zu trinken verlangte, und dem, da er zu trinken bekam. Nicht weniger feierlich ward überall die Darbietung des Schüsselchens vollzogen, in welchem der Monarch sich nach beendeter Mahlzeit die serenissimen Fingerspitzen wusch, und des Glases oder Bechers, den er benutzte, nm sich den Mund zn reinigen. Am englischen Hofe hat das Mundspülglas lange geradezu eine wichtige Rolle gespielt. Als die Dynastie der Stuarts vertrieben und durch das Haus Dränten, beziehungsweise Hannover ersetzt worden war, da hatten die höfischen Anhänger des alten Königsstammes, die sogenannten „Jakvbiten" sich ein originelles Erkennungszeichen ausgedacht, das ihnen zugleich Gelegenheit bot, am Tische selbst des neuen Herrschers, der in ihren Mgen nur ein Usurpator war, ihre Treue zu dem Entthronten zum Ausdrucke zu bringen. Das geschah, indem sie ihr Mundspülglas über die Schalen zum Fingerwaschen hoben; dieser symbolisch: Akt sollte bedeuten, daß sie sich ihres eigentlichen königlichen Herrn erinnerten, — der durch das Wasser des Meeres von ihnen getrennt in der Verbannung lebte. Jetzt hat 'König Edward VII., der ja in jeder Beziehung ein moderner Mensch und nicht mit Unrecht der Ansicht ist, daß das Mundspülglas
seinem Throne keine Gefahr mehr bringen kann, ihm die Hoffähig, fett wieder verliehen. Man wird es also künftighin nach den großen Staatsdiners und den kleinen intimen Mahlen von Windsor Castle, Buckingham Palace und Sandringham House wieder den Gästen kredenzt sehen. Unwillkürlich erinnert man sich dabei jener wohlverbürgten Anekdote, deren Schauplatz die königliche Residenz in München und bereit Held ein braver, tüchtiger Maler war, für den höfische Etikette ein Buch mit sieben Siegeln bedeutete. Prinzregent Luitpold hatte den Künstler zu Tisch, geladen, nachdem diesem die Ausstellung des Jahres eine Medaille gebracht hatte. Der Maler war ob dieser Ehre ebenso aufgeregt wie verlegen. Zunächst galt es, einen Frack zu leihen. Das gelang. Dann aber nahmen ihn gute Freunde bei Seite und erzählten dem Gläubigen, am Schlüsse des Diners werde in dunkelblauen Gläsern ein ganz besonderer älter Wein gereicht, und Pflicht des zum ersten Male Erschienenen sei es, mit diesem Weine das Wohl des hohen Hausherrn auszubringen. Und so kam es, daß der Malersmann tatsächlich am Schluß des Essens das Mundspülglas ergriff, es mit Begeisterung erhob, den Prinzregenten dreimal leben ließ und die lauwarme Flüssigkeit in einem Zuge hinabstürzte, — zur sprachlosen Verblüffung aller Anwesenden.
* Der Ehefeind. „Du weißt also schon, daß ich verlobt bin?" — Hagestolz: „Ja. Wann ist die Verlobung eigentlich über Dich hereingebrochen?"
Musik.
— Ein musikalisches Weihnachtsalbum, enthaltend 39 Weihnachtslieder, legte uns der Musikverlag von Beruh. Tormann in Münster i. W. aus den Redaktionstisch. Die Ausstattung ift nobel, der Preis (1 Mk.) niedrig, die Einteilung wohlgeluugen. 7 Stücke sind für die allerersten Anfänger, 21 für mittlere und 5 für fortgeschrittene Spieler berechnet. So kann das Album ein steter Freund der ganzen Familie sein; zudem noch 6 vierhändige Lieder und 2 Festkompositionen das Werk vervollständigen.
Liree^vrscyes.
— Guy de Mau passant, Novellen. Umschlagzeichnnng von R. Wilke. Kleine Bibliothek Band 89. Preis drosch. 1 Mk. Verlag von Albert Laugen in München. Wie das bei Guy de Maupassant eigentlich selbstverständlich ist, findet sich unter den zehn Geschichten dieses Bandes nicht eine einzige, die einen gleichgültig ließe; jede einzelne ist ein kleines, vollendetes Kunstwerk. Und man erstaunt immer wieder über die Universalität dieses leider zu früh nmuachteten großen Geistes. Ob er uns die Tragödie eines armen Kutschers erzählt oder sich über bäurischen Aberglauben lustig macht, ob er das Problem der alten Jungfer behandelt oder den Liebestod eines Knaben, ob er uns die Nachtseiten der menschlichen Seele enthüllt und von Wahnsinn und Lebensverzweiflung spricht, ob er glühende oder tändelnde Liebe schildert, — immer erweist er sich als der große, tief greifende Seelenkünder, der etwas neues, überraschendes zu sagen weiß, was vor ihm noch keiner gesagt hat, es in einer künstlerisch seinen, vollendeten Form zu sagen weiß, die auch nach ihm noch keiner übertroffen hat.
Der Bauer.
Eh' das erste Morgenrot Durch den Nebeldämmer loht, Seine Seele, tagumwittert, Schon vor stolzer Kraft erzittert.
Vor dem ersten Lerchenlon
Jauchzet sie im Lichte schon, Hat sie Zwiefprach mit dem alten Weltenvater schon gehalten.
Und im ersten Sonnenstrahl Blitzt des Pfluges blanker Stahl. Und auf feinem Acker rollen Duftend die geborst'nen Schollen.
Reinhard Volker.
Rätsel.
Nachdruck verboten. "
„Das schmeckt ja herrlich zu dem Brote I" Rust der Soldat mit Schmunzeln aus.
Setz' statt des letzten Zeichens h und t, Sogleich erhältst du, was im Wald zu HauS. m.
(Auflösung in nächster Nummer.!
Auflösung des Citaienrätsels in voriger Nmnmerr Mir gab' es keine größre Pein, Wär''ich im Paradies allein.
Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Bucki- und Steindruckerei, R. Langem 6ft6«i


