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Füchse lebend gefangen und zu Hofe geschickt, wo sie Gegenstand eines stark tierquälerischen Vergnügens wurden. In einem durch eine hohe Holzwand umschlossenen Raum los- gelassen, wurden sie von Herren und Damen des Hofes empfangen, die sie aus laugen Prelltüchern so oft in die Last emporschnellten, bis die geängstigten Tiere tot zur LErde fielen Füchse von besonders zäher Lebenskraft wurden von Bedienten mit Knütteln erschlagen. Eine solche seltsame Hoffestlichkeit führt die vierte Lieferung (60 Pfg.) deS Hans Kroemerschen Prachttverkes „Der Mensch und die Erde" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W. 57) in einem äußerst anschaulichen Bilde aus 6ent Jähre 1724 vor, das auf den Titel eines historischen Dokuments Anspruch machen darf und durch den beigedruckten Text aus derselben Zeit eine Erläuterung erfährt, die eines gewissen komischen Aurstichs nicht entbehrt. Die übrigen Veröffentlichungen dieser Lieferung stehen auf der glänzenden Höhe der vorhergegangenen. Im Text beendet Julius Hart seine feinsinnige Arbeit über „Tierkultus und Tierfabel", während Professor Paul Matschie, der Kustos des Berliner Zoologischen Museums, eine Abhandlung über die „Verbreitung der Säugetiere" beginnt, die gerade für unsere Zeit beS herrschenden Darwinismus von Bedeutung sein dürfte, da sie über einige wichtige, strittige Fragen neue und überraschende Aufschlüsse gewährt.
* Kind er zimmer, wie sie nicht sein sollen. Der alte Spruch vom Splitter, den man in des Fremden Auge entdeckt, während man des Balkens im eigenen Auge nicht gewahr wird ist woht schon manchem Stadtvater in den Sinn gekommen, wenn er die Ansprüche, die das Publikum im Interesse der Ge- sundheitspslege des Heranwachsenden Geschlechts an die Verwaltung zu stellen pflegt, und die mehr als dürftigen Leistungen um die Gesundheit ihrer Kinder besorgter Eltern im eigenen Hause gegen einander abwog. Da heißt cs, daß Spielplätze geschaffen werden müssen, hygienische Schulgebäude, Badeanstalten usw., und tut man einen Blick in das Heim der Jugend selbst wohlhabender Kreise, so muß man sich fragen, ob es nicht an der Zeit sei, daß die Eltern der Hygiene des Hauses einige Aufmerksamkeit schenkten. Man betrete den gewöhnlichen Ausenthaltsraum eines Kindes. Die Wände sind mit einer dunklen Papiertapete beklebt, die möglichst viel Licht verschluckt, und wegen ihrer Abneigung gegen Wasser einen geeigneten Ablagerungsort für Staub, Kraukheitskeime usw. darstetlt. Eine lvaschbare Tapete oder ein einfacher Anstrich wäre garnicht viel teurer, dafür aber der Gesundheit dienlicher gewesen. Eine ganze Menge schwerfälliger dunkler Möbel mit scharfen Kanten und dicken Polstern tragen das Ihrige dazu bei, den Staub zu konservieren, das Licht zu verschlucken, und dem Kinde einige Beulen als Denkzettel auf oen Lebensweg zu geben. Die fürsorglichen Eltern möchten aber, daß cs wenigstens weich fällt, und spannten daher einen dicken Teppich über den Fußboden. Eine gründliche Reinigung des Fußbodens lvird dadurch allerdings unmöglich. Das Kind, das sich während seiner Kriechperiode fortwährend auf dem Boden aufhält und auf dem Teppich stets mit Staub und den an ihm haftenden Krankheitskeimen in Berührung kommt, ist auf diese Weise einer ganzen Reihe von Ansteckungen ausgesetzt. Auch auf die Spielsachen sollte geachtet werden. Einfache, dauerhafte, leicht waschbare Spielsachen sind gewiß nicht teurer und sowohl aus gesundheitlichen als auch aus erziehlichen Gründen zweckmäßiger als Tiere mit Fellen, und Festungen und Soldaten mit giftigen Anstrichen. Die Temperatur des Zimmers muß 17—20 Grad Celsius betragen. Die Federn sind aus dem Bett zu entfernen. Meistens kann man den Kinderbetten oder Wagen ihre gesundheitsschädigende Beschaffenheit schon von außen ansehen. Der Körper des Kindes wird vor jeder Berührung mit der Lust ängstlich bewahrt und damit der Zweck des Ausziehens zunichte gemacht. Das Kind soll auf Roßhaarpolstern schlafen und mit einer leichten Decke zugedeckt lverden, die durch Klammern oder durch Bänder in der richtigen Lage sestgehalten wird. Wenn eine ganze Reihe dieser Ratschläge, die von Theodor Escherich in der „Wiener Klinischen Wochenschrift" erteilt werden, sich leider nur auf Familien beziehen, die gewisse Ausgaben nicht zu scheuen brauchen, und auch tatsächlich nicht scheuen, sie aber an falschem Orte anbringcn, so muß doch im Interesse weiterer Kreise auf den gesundheitsschädigenden Unfug, der mit Saugflaschen und Lutschern getrieben wird, aufmerksam gemacht werden. Alle Verschlüsse von Saugslaschcn, die eine gründliche Reinigung nicht gestatten, sind unbedingt zu verwerfen. Der mit Semmel gefüllte Schnuller ist eine Brutstätte für Krankheits- kcime und die Ursache schwerer Verdauungsstörungen bei Säuglingen und schlechter Zähne bei größeren Kindern.
Lire^sreyeycs.
,— Deutsche Kultur. Schriftleiter: Heinrich Driesmans. Heft 17. Jahrespreis 12 Mk. Einzelheft
1 Mk. Deutscher Kulturverlag, Leipzig. — Das Augststheft ist dem Andenkeit jeues Märtyrers deutscher Freiheit, des Buchhändlers und Schriftstellers Johann Philipp Palm gewidmet. Korruption und Astslese, eine scharfe Kritik russischer und deutscher Verhältnisse und ein Protest gegen- ü b e r den n e it e ft e n Auslassungen des Kaisers über die Journalisten aus der Feder von Heinrich, Driesmans, eröffnen das Heft. Klassisch sind Gustav Wy- nekens Ausführungen über religiöse Erziehung zu nennen, der mit weitem Blick und Begeisterung das Problem faßt, lieber den tragischen Untergang der letzten deutschen Bamberger in der Ostmark, jener von Friedrich den Großen zur Kolonisierung Posens herbeigerufenen süddeutschen Katholiken, berichtet Dr. E. Below, und nicht minder dürfte in unserer Zeit der „Kinderkultur" ein Essay aus der Feder Marx Möllers über „Das Kiu d v or d er Büh ne und auf der Bühne interessierest, in dem vor der Ueber- sättiguug der naiv empfindenden Kindesseele gewarnt wird, und unter Anerkennung der Notwendigkeit des Anftretens von Kindern auf der Bühne in manchen Stücken wie ist „Nora", „Götz" zu Leib gegaugeu wird. Des fernere« spricht Heinrich Pudor über Aesthetik des Sportes, Wilhelm Schöler- mann über Hugo Lederers Bismarck-Roland. Friedrich Wilhelm Weber von I. Hüls, Tie Liebesprobe von Mela Esche- risch. Weimar, Genio hujus loei, Distichen von Livynius, Kaufmann und Persönlichkeit von Walter Lund, Handels- Attachss, kolonialkritische Postulate von demselben. Briefe einer Braut von 1813, Aphoristische Gänge von Hugo Oswald, Essays über Lienhard und Fidus vervollständigen das reiche Heft.
— Freiherr v. Schlicht, Die Kommandeuse. Militärhumoresken. Umschlagzeichnung von E. Thöny. Geheftet 2 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Eist neuer Band Militärhumoresken des Freiherrn v. Schlicht wird von seinen Freunden immer wieder mit Freude willkommen geheißen. Und das mit Recht. Versteht er es doch, gegen Hypochondrie und Langeweile erfolgreich zu Felde zu ziehen. Und unerschöpflich ist der Quell seiner Laune und seine Fähigkeit, dem Militärleben seine dankbaren und wohlverstanden humorvollen Stoffe zu entnehmen. Er bleibt in seinen Schilderungen frisch und sein Zugreifen ist keck und humorvoll. Tas zeigt er in deut vorliegenden Bande, der nach der ersten Humoreske „Die Kommandeuse" benannt ist. Gleich diese erste Geschichte von der energischen Kommandeuse, die noch unerbittlicher als der gestrenge Hprr- Gemahl, das Zepter über die Damen des Regiments schwingen will, dabei aber von einer blutjungen"Leutnantsfrau eine empfindliche Schlappe erleidet, ist eine Perle frisch-fröhlichen Humors. Aber sie ivird noch übertroffen von der amüsanten Geschichte tiom' „Gefechtsesel", der frommen Stute des Herrn Hauptmanns, die au Umfang immer mehr zunimmt, ohne daß es sich der Hauptmann erklären kann, und die dann im entscheidenden Moment der Schlacht, gerade als der Herr Hauptmann zum Angriff vorgehen soll, sich uiederlegt und nicht eher iuieber aufsteht, bis statt bes einen Gefechtsesels deren zwei das Ende der Schlacht mitansehen.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Ein SlppcH an die Furcht findet im deutschen Herzen niemals ein Echo.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gieße«,


