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Rumpf Zusammengestellten Zahlen der großen Hamburger Staatskrankenanstalten, wo der Prozentsatz der Todesfälle seit Jahren sich um die Zahl 16 bewegt. Zur richtigen Einschätzung dieser verhältnismäßig ^Hohen Sterblichkeit mutz mau aber bedenken, das; eilt großer*Teil der Kranken bereits mit entwickelter allgemeiner Bauchfellentzündung oder einer anderen schweren Komplikation in hoffnungslosem Zustande im Hospital eiutrifft und hier selbst durch einen energischen Eingriff nicht mehr gerettet werden kann. Das Streben der Aerzte ist daher schon seit mehreren Jahren darauf gerichtet, die Bedingungen des Zustandekommens derartiger lebensgefährlicher Prozesse, und die geeignetsten Methoden zu ihrer Verhütung genauer kennen zu lernen. Welche Aufmerksamkeit dieser Angelegenheit gewidmet wird, erhellt daraus, das; die Berliner medizinische Gesellschaft im verflossenen Monat volle drei Sitzungen hindurch nur über die Appendizitis- srage beratschlagt hat. Bei diesen Verhandlungen, denen durch die Gegenwart des Grasen Posadowskl) auch äußerlich der Stempel der besonderen Bedeutung aufgedrückt wurde, handelte es sich ganz besonders um die Beantwortung der beiden Fragen, durch welche Mittel die Diagnose der Blinddarmentzündung möglichst früh gestellt werden kann und in welchen Stadien der Krankheit der Chirurg in die Behandlung einzugreifen hat, um die Gefahren des einzelnen Anfalls zu beseitigen. Wenn auch die Ergebnisse dieser interessanten Aussprache, an der sich säst alle berühmten Kliniker Berlins mit längeren Aussührungen beteiligten, rein fachwissenschaftlicher Natur sind und sich bnljet der Wiedergabe an dieser Stelle entziehen, so darf doch so viel gesagt werden, daß die meisten Redner sich für die möglichst schleunige Operation aller schon am ersten Tage mit bedrohlichen Krauk- Heitserscheinungen einsetzenden Appendizitisfälle ausspracheu, weil nur auf diesem Wege die Bildung schlimmer Eiterungen und ähnlicher gefährlicher Verwicklungen verhütet werden kann. Denn bekanntlich entsteht die Appendizitis nur in den seltensten Fällen durch Emailsplitter oder Traubenkerne, sondern fast stets durch das Eindringen mikroskopisch kleiner Eitererreger in den Wurmfortsatz. Um die Operation innerhalb der ersten 48 Standen vornehmen zu können, ist es natürlich notwendig, die Diagnose der Erkrankung mindestens am zweite Tage sicherzustellen und die drohende Bauchfellentzündung rechtzeitig zu erkennen. Auch darin sind in letzter Zeit erfreuliche Fortschritte erzielt worden, namentlich auch durch die Untersuchung des Bluts und die genaue Zählung der weißen Blutkörperchen, deren Menge nach den Beobachtungen zuverlässiger Forscher bei beginnender Eiterung ausfallend vermehrt erscheint. Hat schon diese Berliner Beratung zu einer Klärung der Sachlage erheblich beigetragen, so dürfen wir weitere wertvolle Aufschlüsse von einer Sammel- statistik erwarten, die auf Anordnung des Reichsgesundheitsamtes in der nächsten Zukunft erhoben wird.
Erlöschende Aynastieerr.
Tie große Welt hat nicht viel von der Prinzessin Pauline zur Lippe gewußt, die vor ein paar Tagen so still, wie sie gelebt, in deni Stifte Kappel gestorben ist, Lessen Aebtissin sie war. Ja, man kann vielleicht sagen, daß die Oefsentlichkeit sich nie soviel mit ihrem Dasein beschäftigt hat, lvie jetzt, da man sie zur ewigen Ruhe beigesetzt hat. Denn mit ihr ist, wie man weiß, das Fürstenhaus Lippe in seiner älteren, vormals regierenden und erst nach heftigem Streite durch den Zweig der Grafen zur Lippe-Biester- fe'ld in Detmold ersetzten Linie gänzlich erloschen. Und die Tatsache erinnert daran, daß es noch eine ganze Anzahl zurzeit in Europa herrschender Monarchenfamilien gibt, denen das Schicksal bestimmt scheint, in absehbarer Zeit vom Schauplatze zu verschwinden. Seit Jahrhunderten hat sich im übrigen die Zahl der in Teutschlano bestehenden selbständigen Staaten auf dem Wege dieses natürlichen Prozesses stetig verringert. In der Periode zwischen dem Wiener Kongreß und der Neubegründung der deutschen Einheit unter der Führung Preußens sind durch Ab sterb en z. B. die Herzogtümer Sachsen-Gotha, Anhalt-Beruburg und Anhalt-Köthen, sowie Nassau-Usingen und die neuerdings so vielgenannte Landgrafschaft Homburg von der vielfarbigen Landkarte Deutschlands als souveräne Reiche gestrichen worden. Tas gleiche Loos steht in berechenbarer Zukunft unter den heutigen Bundesstaaten des Deutschen Reiches dem Fürstentume Schwarzburg- Sondershausen und dem Fürstentume Reuß älterer Linie bevor. Ter greise Fürst Karl Günther von Schwarzburg- Sondershausen, der im vorigen Jahre das Jubiläum seiner 25jährigen Regierung feiern konnte, hat aus feiner Ehe mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Altenburg keine Kinder. Vor wenigen Wochen starb sein Bruder, der Prinz Leopold, und seitdem setzt sick das Haus Schwarzburg- Sondershausen, außer ihm, nur noch aus zwei gleichfalls hochbetagten Prinzessinnen zusammen. So ist cs gewiß, daß Schwarzburg-Sonoershausen und Schwärzburg-Rudolstadt
sich einmal zu einem Fürstentume Schwarzburg vereinigen werden, — wenn Rudolstadt die Erbschaft von Sondershausen angetreten haben wird. Bekanntlich war auch die Linie Rudolstadt ohne Hoffnung auf Fortpflanzung, ehe ein bis dahin als unebenbürtig angesehener Sproß, Prinz Sizzo von Leutenberg, durch Gesetz zum Prinzen von Schwarzburg gemacht wurde. Fürst Heinrich XXIV. Reuß älterer Linie ist durch Krankheit an der Ausübung der Regierung verhindert und diese Wird daher durch einen Regenten wahrgenommen; da die ältere Linie Reuß außer ihm uur noch durch fünf Prinzessinnen repräsentiert wird, so ist auch er der Letzte seines Stammes und ein einziges, einheitliches Fürstentum Reuß wird später int Rate der deutschen Länder vorhanden sein. Jin Königreich Württemberg geht, wenn einmal König Wilhelm II. die Augen für immer schließt, die Krone an jenen (katholischen) herzoglichen Zweig über, der seine Abstammung auf den vor- jüugsten Bruder Alexander des ersten Königs, Friedrich I., zurückführt, und ein ähnliches Los wird dem Großherzog- tume Hessen widerfahren, wenn nicht, wie erhofft werden kann, dem zweiten Ehebündnisse des Großherzogs Ernst Ludwig noch ein Sohn entsprießen sollte.
Aus dem nichtdeutschen Europa lassen sich andere Beispiele anführen. Das alte Geschlecht von Nassau-Oranien, das Teutschland einen Kaiser und manchen tapferen Kriegshelden gestellt hat, und das früher an Mitgliedern, Zweigen und Zweiglein eins der reichsten war, wird, aller Voraussicht nach, in einem Menschenalter nicht mehr existieren. In den Niederlanden steht es nur noch auf den beiden Äugen der jungen Königin Wilhelmina, und in Luxemburg hat dem Großherzoge Wilhelm seine Gemahlin wohl sechs Töchter, aber keinen einzigen Sohn geschenkt. Auch der allerkleinsten aller europäischen Monarchien wäre hier zu gedenken, des Fürstentums Monaco, wo der regierende Fürst Albert nur einen einzigen, 36jährigen Sohn hat, der, wie man hört, keine Ehe zu schließen gedenkt. Politisch würde das Erlöschen der Fürsten von Monaeo, die teils französischer, teils italienischer Abkunft find, allerdings keine Erschütterung des europäischen Gleichgewichtes zur Folge haben; ist doch Monaeo in'Wirklichkeit längst eine De Pendenz Frankreichs.
Zum Schluß noch ein Blick auf die entthronten Th- naftieen. Tie Königin-Witwe Karola von Sachsen ist die letzte Ueberlebende des Hauses Holstein-Gottorp-Wasa, das von 1751 bis 1818 die Krone Schwedens trug. Mit ihr wird der Name Wasa in den Reihen der Lebenden untergehen und nur noch der Vergangenheit angehören. Ebenso kann es aber auch den Napoleoniden ergehen, und es ist wohl möglich, daß die noch heute bestehende, sehr starke Partei der Bonapartisten in Frankreich eines Tages ganz einfach deshalb zur Auflösung gelangte, — weil kein Bonaparte mehr da wäre. Zurzeit blüht der Stamm, aus dem Napoleon I. hervorging, in den Abkömmlingen seiner Brüder Jerome und Lueien. Jeromes, des Exkönigs von Westfalen Enkel sind der in Brüssel lebende Prätendent Prinz Viktor und sein Bruder, der russische General Prinz Louis Napoleon. Beide sind unvermählt und haben die ominösen Vierzig längst hinter sich. Und der einzige männliche Tcs- zendent Luciens, der Prinz Roland Bonaparte, besitzt ans seiner früh durch den Tod gelösten Ehe mit einer Tochter des. Spielpächters von Monte-Carlo Blanc, eine einzige Tochter Jeanne, die, nebenbei bemerkt, eine der reichsten Erbinnen Frankreichs ist. . . . Geschlechter kommen, Geschlechter vergehen. v. W.
vermischte».
"„Ein geprellter Fuchs" ist eine Redensart, die man noch heute in der Sprache des Volkes vielfach ange- weudet findet. Man versteht im übertragenen Sinne darunter einen betrogenen Betrüger, wie er cluch in vielen Theaterstücken der Vergangenheit auf die Bühne gebracht worden ist. Wie für zahlreiche ähnliche stehende Redensarten, ist auch für diese der eigentliche Ursprung verloren gegangen; man braucht sie, aber man we-iH nicht, wie sie entstanden ist. Tas Wort vom „geprellten Fuchs" nun ist der Jägersprache, entnommen und knüpft seinen Ursprung an gewisse Hoffeste des 18. Jahrhunderts, die von unserm Standpunkt betrachtet, eines barbarischen Beigeschmacks nicht entbehren, aber unter der Bezeichnung „Fuchsprellen" in jener Zeit gang und gäbe waren. Zu diesen Festlichkeiten wurden auf fürstlichen Befehl in allen Jägereien des Landes.


