Ausgabe 
1.8.1906
 
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Das bekr. Schriftstück ist hier bislang' nicht Meder ein- gegangen und must dort noch vorliegen. Im weiteren wolle die K. Postagentur im Schriftverkehr mit dem Postamte sich demselben gegenüber für die Folge eines angemessenen Tons befleißigen. , .3- M: M.

Nun kommt die Löfung des Rätsels m folgendem humorvollen Schreiben der Postagentur.

Zurück an das Postamt in I.

Ja, da haben wir die Teufelei! Diesmal haben Sre nun wirklich recht! Wie ich nach Eingang des Vorstehenden rm Hause herumschimpfte und teufelierte, sagt plötzlich meine Mutter (sie ist 80 Jahre alt): Johannes! ich hebb dar en Deinftbreif in min Kommoden-Lad innesloteir! schul! dat wol bei vermißte sin? Dar stunn, rot unnerstrecken, uppe: Eilt sehr! do hebb ick mi edacht, dat dei Breis wol sehr wichtig wör! uit hebb em Wegesloten, dat hei nich in anner Hanne Feent, Wil dat Du grad na de Wischen tau'm Heu emäken wärst! . . . und richtig! Da in der Kommoden- Lade lag der Brief seit dem 28. Juni und heute, sage und schreibe, haben wir schon den 6. Juli.

Hohes Kaiserliches Postamt! ich sage ja immer: Lange Haare, kurzer Verstand! Das Kaiserliche Postamt wolle hoch- und großmütig verzeihen! auch die jungen Herren von wegen meines frechen Ausdrucksverbummeln". J'a, ja, lange Haare, kurzer Verstand! Schaffen Sie sich auch man nicht so viele Fräuleins Bei der Post an! Wenn Sie so was, wie mit meiner Mutter, schon am grünen Holze sehen, was soll's dann erst am dürren? (mit dem letzteren meine ich in diesem Falle natürlich die Fräuleins). Na, das wäre dann ja Gottlob! mal wieder aus der Lust! Das gründlich erledigte Schriftstück füge ich nunmehr bei. Nochmals: Ver­zeihung; auch für meine Mutter, welche, wie ich schon sagte, 80 Jahre alt ist. Gehorsamst Johannes M., Post- agent. ?

* Fußball ein altes chtln. sisches SPiel. Daß das Fußballspiel, das sich auch bei uns von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit erfreut, schon Jahrhunderte vvr unserer Zeit in China in Hebung war, dürfte für viele eine überraschende Tatsache fein. Wie aber der Professor des Chinesischen in Cambridge H, A. Gilles in einem Artikel über Fußball und Polo in China, den er imNineteenth Century" veröffentlicht, erzählt, wird die Erfindung de§ Fußballspiels einem mythischen gelben Kaiser, der im dritten Jahrtausend vor Christi Geburt lebte, zugeschrieben. Jedenfalls hat das Spiel in China eine uralte Geschichte, und es findet bereits in den ältesten Dokumen­ten Erwähnung. So berichtet z. B. eine alte Urkunde von einem Kaiser, der das Fußballspiel über alles liebte:Der Kaiser Chieng Ti (3206 v. Ehr.) war ein großer Liebhaber des gußballspiels. Aber seine Offiziere stellten ihm vor, daß das Piel körperlich erschöpfend wäre und seiner kaiserlichen Würde nicht entspräche. Darauf erwiderte Se. Majestät:Wir lieben das Spiel, und was man sich selbst zu tun wählt, kann niemanden erschöpfen". Aber die Würdenträger konnten sich noch nicht be­ruhigen und wandten sich an die Kaiserin, und diese schlug das Grübchenspiel zur Belustigung des Kaisers vor." Bei mehreren Schriftstellern sinden sich auch Berichte über besonders große Spiele, die veranstaltet wurden. So heißt es in einem:Am Geburtstage des Kaisers spielten zwei Parteien vor dem kaiser­lichen Pavillon Fußball. Ein über dreißig Fuß hohes Mal wurde aufgestellt, das mit buntfarbiger Seide geschmückt war, und eine Oefsnung von über einem Fuß Durchmesser hatte." Jede Partei scheint nun den Ball durch die Oefsnung zu bringen gesucht zu haben: die Spieler kamen abwechselnd zum Stoß, und je nach ihren Erfolgen wurde Pointe verzeichnet. Die Siegerwurden mit Blumen, Früchten, Wein und selbst mit silbernen Schalen und Brokat beschenkt. Der Führer der ge­schlagenen Partei dagegen wurde ausgepeitscht und mußte noch anderen Schimpf über sich ergehen lassen." Ans den vcrschie- bcncu Jahrhunderten werden die Namen mehrerer berühmter Fußballspieler der Nachwelt überliefert, und tote die. griechi­schen Dichter den Ruhm der Siege in den olympischen Spielen besangen, so gibt es auch alte chinesische Dichtungen, die hervor­ragende Fußballspiele schildern.

* Verdeutschungen imEisenbahnwes en. (Aus der Sprachecke bc8 Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.) In der Mai-Nnmmer der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprach« Vereins berichtet Pokorny Über das erfolgreiche Bestreben derBau-- technikcr an der Sächsischen Staatsbahn, technische Fremdwörter gut und verständlich zu verdeutschen. Von denen, die noch tveniger bekannt sind, seien hier folgende erwähnt:

Kurve Krümmung normalspurig vollspnrig komprimieren verdichten Viadukt Talbrücke

justieren ausrichten

Zentrifugalkraft Fliehkraft Trasse Linienführung

. Gradientenzeiger Neigungszeiger Parzelle Flurstück Ventilator Entlüfter Zirkulation Luftumlauf Revisionszug Prüfungszug Garantie leisten haften Kaution Haft-, Sicherheitssumme Konventionalstrafe Verzugstrafe Akkord - Stücklohn.

Man sieht auch hier wieder, um wie viel deutlicher und all­gemein verständlicher die deutschen Ausdrücke sind, als die Fremd­wörter, mit denen nicht allein die Ungebildeten, nein, aach die Ge­bildeten sehr oft sie mögen. un§ das harte Wort verzeihen! nichts Rechtes anzusangen wissen.

Gesundheitspflege.

Die HeilbeHandlung Trunksüchtiger mittels Suggestion ist in den letzten Jahren wiederholt Gegenstand, eingehender Erörterung in der. medizinischen Literatur gewesen. Nervenarzt Dr. Stegmaun-Dresden hat sich im 2. Heft der Alkoholfrage" 1905 auf Grund eigener Erfahrung auf diesem interessanten Gebiet recht ausführlich dazu ausgesprochen: Im Dresdner Stadtirrenhaus werden etwa 30Ö Pfleglinge alljährlich wegen alkoholischer Krankheiten des Hirn- oder Nervensystems behandelt. Von den gebessert oder geheilt Entlassenen hat sich nur selten einer abstinent gehalten, selbst die den Abstinenz- organisationeu Ueberwiesenen wurden zumeist rückfällig. In den Jahren 1900 bis 1902 hat Stegmann 23 Alkoholkranke suggestiv zu heilen versucht. Von ihnensind nur 6 derartig nach­haltig beeinflußt worden, baß man sie als von der Trunksucht geheilt bezeichnen kann, 9 sind als gebessert zu betrachten, bei 8 anderen erzielte die Hypnose nicht mehr, als die sonst übliche Anstaltsbehandlung." Die mit Erfolg Behandelten bezeichnet St. als von Haus aus gut beansagte und mit kräftigem Willen ausgestattete Naturen. Wer von den Kranken es nicht so weit gebracht hat, daß er die völlige Enthaltsamkeit als das Normale betrachtet, öi'i kaum geheilt. Die ungünstigen äußeren Ver­hältnisse lassen ihn nur zu bald rückfällig werden. Das Material von Alkoholkranken, die in Irren- und Siechenhäuser eingeliefert werden, ist m. E. auch zu Hypnoseversuchen leider nicht mehr allzu geeignet. Handelt es sich doch gerade bet Viesen Alkoholikern in der Mehrzahl um Leute, die nicht nur schon viele Jahre lang, sondern die vor allem auch sehr kon­zentrierte Getränke anfgenommen und oft schwere Veränderungen ihrer Psyche davongetragen haben. So ist es erklärlich, daß auch die Zahl derjenigen, die St. aiiswählen konnte, an sich schon gering und daß auch unter diesen der Heilerfolg' nur bescheiden war. Man möchte aber wünschen, daß diese Snggestiv- behandltmg recht weitgehend und an noch verhältnismäßig in­takten Trinkern versucht und die Ergebnisse allseitig bekannt gegeben würden. Dr. Fl.

Für unsere Kleinen.

. Der Heilige Garten. Beiträge zur Aesthetik der Kindheit. Herausgeber: Franz Lichtenberger-Neuderben. Mo­natlich ein Heft.. Jahrespreis 1.50 Mk. Verlag von K. G. Th. Scheffer in Leipzig. Der Heilige Garten das bedeutet im weitesten Sinne: Die Kindheit. Oder enger: Die Kinder­seele. Oder noch enger: Das ästhetische Fühlen des Kindes. Die positive Arbeit der neuen Zeitschrift soll in der Hauptsache darin bestehen: die Gesamt-Aesthetik der Kindheit in allen Teilen zu erforschen. Und ein umfangreicher Arbeitsplan berechtigt zu den besten Hoffnungen. Aber das Kind ist nicht nur künst­lerisch genießend, sondern auch künstlerisch schaffend. Wir wollen dafür arbeiten, daß in jedem Kinde der Künstler erkannt und anerkannt wird und seine freie Wachstumsberechtigung bekammt." So kann man auf die Entwicklung der neuen Zeitschrift nur sehr gespannt sein. Jedenfalls sollten alle Pädagogen, vor allen Dingen auch alle Eltern, die sich um die Entwicklung ihrer Kinder kümmern, dem©eiligen Garten" ihre Beachtung schenken.

Ergänzuugsrätsel.

Nachdruck verboten.

H .. sn .. g k. i. t, . i. sch . a . h . s . äl.. h . it,

A .. h . u . . a . l. r F .. s.. w . nd;

H .. sn .. g l. u . h .. t u .. e. T . ä .. n,

. i. i. W .. s. r . e. D . m.. t.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilder-Rätsels in voriger Nummer;

Spatzennest.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'fchen Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.