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ziert. Neben den Wrsorgestellen sind' ein Weiteres dringendes Erfordernis Heime für die vorgeschrittenen Kranken. Wie die Karte der deutschen Tuberkulose-Einrichtungen zeigt, sind bereits zwei derartige JNvalidenheime von Versicherungsanstalten in Betrieb gefetzt, nämlich Groß-Hansdorff bei Hamburg und in Lichtenberg bei Berlin. Die Schaffung weiterer derartiger Anstalten ist dringend nötig, da ja die vorgeschrittenen Tuberkulösen in außerordentlich großem Umfange Krankheitskeime verstreuen und zu Hause in der Regel 'der zur Linderung ihrer Leiden erforderlichen Pflege
Die Bedeutung, die die Tuberkulose im Kindesalter für das Volkswohl hat, steht in innigem Zusammenhang mit der Säuglingssterblichkeit. Der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, die in Deutschland zurzeit ein außerordentlich wichtiges Problem des Volkswohls darstellt, ist eine fernere Abteilung der Ausstellung gewidmet.
Aus deu ausgestellten Tabellen geht hervor, daß in Deutschland ein Fünftel aller lebend Geborenen sterben, ehe sie das erste Lebensjahr vollendet haben. Diese hohe Sterblichkeit ist umso betrübender, als andere Länder weit günstigere Ziffern aufweisen. In Schweden stirbt z. B. nur der zehnte Teil der lebend Geborenen, in Norwegen ist die Sterblichkeit noch geringer. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die hohe Sterblichkeit in erster Linie daraufzurückzuführen ist, daß die Mütter ihre Kinder nicht mehr selbst stillen und auf künstliche Weise ernähren.
Bedauerlicherweise fehlt es in weiten Kreisen an der Kenntnis der Grundsätze einer zweckmäßigenErnä.hr- ung. Diese ist in der Ausstellung an der Hand von Zeichnungen, sowie unter Vorführung der in den verschiedenen Lebensmonaten zur Ernährung der Säuglinge erforderlichen Milchmengen vorgeführt. Auch die modernen Grundsätze der Pslege erkrankter Säuglinge werden an der Hand eines Modelles, eines Krankensaales der Heubner- schen Kinderklinik in Berlin, sowie von Abbildungen der Charlottenburger Säuglingsfürsorgestelle demoustriert. Das reiche statistische Material, das tu dieser Abteilung zu- sammengebracht ist, wird jedem, der sich für Einzelheiten in dieser Frage interessiert, eine Fülle von Aufklärungen bringen.
In der letzten Abteilung sind sodann die Schädlichkeiten, die der Al ko Holismus zur Folge hat und die auch zu der Tuberkulose in innigem Zusammenhang stehen, gezeigt. Es sind hier ausgestellt Abbildungen der Organe, die besonders durch Alkoholmißbrauch geschädigt werden, des Magens,, des Darmes, des Herzens und der Nieren, sowie Tabellen, die den Einfluß des Alkohols auf Unfallhäufigkeit, Verbrechen und Geisteskrankheiten ausüben.
In den obigen Ausführungen sind nur ganz kurz die hauptsächlichsten Gegenstände skizziert, die ausgestellt sind. Keiner, der sich für die wichtigen Fragen des Bolkswohls interessiert, sollte versäumen, die Ausstellung einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Es ist bei der Einrichtung derselben besonderer Wert darauf gelegt, daß nicht eine Ueberfiille aller möglichen Sachen hier zusammcn- getragen ist, sondern daß nur solche Gegenstände ausgestellt sind, die auch von dem Laien verstanden werden und ihm eine dauernde Belehrung bieten. Zur Förderung des Verständnisses sind an den einzelnen Gruppen und Gegenständen Merkworte angebracht. )'
Es ist Vorsorge getroffen, daß während der Dauer der Ausstellung Führungen vorgenommen werden, sodaß etwaige Anfragen sofort in sachkundiger Weise beantwortet werden können.
Auch Vorträge aus dem Gebiete der Tuberkulose sind während der Ausstellung vorgesehen.
So möge sie denn dazu beitragen, die breitesten Schichten der Bevölkerung über die Tuberkulose zu belehren und sie im Kampfe gegen diese Bolksseuche zu wärmen, auf daß in nicht allzu ferner Zeit das große Ziel unserer sozialhumanitären Bestrebungen, die Ausrottung der Tuberkulose, erfüllt werde. Der Volksbelehrung kommt hierbei ein er-
1er Anteil zu, denn nur wenn jeder einzelne weiß, r sich der Tuberkulose gegenüber zu verhalten hat, nun ist dies Ziel erreichbar.
Etwas vom gemünzten Gelds.
’-t moderne Kulturmensch kann sich kaum vorstellen, s einmal eine Zeit gab, wo im Leben des Menschen ztes Metall als Täuschmittel 'überhaupt noch reine
Rofle spielte, dazu noch zu einer Zeit, in der schon ein ziemlich lebhafter Verkehr vorhanden wär. Zwar wären Gold und Silber schon mehr als tausend Jähre vor Christi Geburt in Vorderasien als Geld in Gebrauch- jedoch noch nicht als ausgemünztes Geld, sondern in Form von Barren und Ringen. Erst im 7. Jahrhundert v. Chr. begann in den griechischen Städten Kleinasiens die Prägung von Münzen. Die ersten Münzen wären Goldmünzen, erst später wurden auch Silbermünzen ausgeprägt. Nachdem nun aber einmal das gemünzte Geld sozusagen „erfunden" war, bürgerte sich die Münzprägung bald in allen Kulturländern des Altertums ein. Hierbei fanden neben Gold und Silber nach und nach auch andere Metalle Verwendung; am bekamitesten sind die spartanischen Eisenmünzen und die auf Kupferwährung beruhende As-Prägung der römischen Republik. Unterwertige Auspräguug wurde in Zeiten der Geldnot auch schon int Altertum als finanzielles Hilfs- inittet angewandt, in der späteren römischen Kaiserzeit z. B. richtete sie eine arge Verwirrung der Geldverhältnisse an. Aber auch in den späteren Jahrhunderten war sie oft sehr int Schwange, besonders zu Kriegszeiten, wenn es au Bargeld mangelte. So sind z. B. die berüchtigten Kippermünzett zu Beginn des 30jährigen Krieges derartige Kriegsnotmünzen. Selbst Friedrich der Große griff int siebenjährigen Kriege zu diesem Hilfsmittel. Als in Leipzig die Stempel der sächsischen Münzstätten in seine Hände fielen, überließ er die Ausprägung von Kriegsmünzen mit diesem Stempel einem Juden Ephraim, der statt 14 Taler erst 20 und zuletzt gar 45 Stück auf die feine Mark schlttg. Ueber diese Taler spottete der Berliner Volkswitz:
„Von außen schön, von innen schlimm, Von außen Friedrich, von innen Ephraim."
Eine andere eigenartige Erscheinung der mittelalter- licheit Geldprägung fl.^die sogen. Beischläge oder Nachpräg,- uugeu. Wenn uämli! in Münzherr eine Münzsorte hatte, die gut ging, wie dies z. B. bei dem Florentiner Goldgulden, dem „Florenus" — zuerst im Jahre 1253 ausgeprägt — der Fall war, so sanden sich bald benachbarte Münzherren, die ihre Münzen äußerlich ebenso herstellten, damit auch diese des Vorteils eines weiteren Umlaufs teilhaftig würden. Man kennt allein über 80 verschiedene Goldgulden, die dem „Florenus" nachgeprägt worden sind, obgleich die Florentiner sogar die päpstliche Hilfe gegen diesen unlauteren Wettbewerb angerufen und erhalten haben sollen. — Die Technik der Münzprägung erreichte schon int Altertum einen hohen Grad der Vervollkommnung; namentlich die Prägungen verschiedener griechischer Stadtstaaten, z. B. Syrakus, zeigten eine hohe künstlerische Ausführung. Ebenso gibt es unter den Münzen der römischen Kaiser viele künstlerisch wirklich hervorragende Stücke. In den Stürmen der Völkerwanderung verfiel dann aber die Münzkunst wieder vollständig, und durch das ganze Mittelalter bis in die neueste Zeit finden wir meistens »mr recht schlechte und unkünstlerische Prägnngen. Die frauzös. Republik ist jetzt auf diesem Gebiete reformierend vorangegangen, indem sie ihren Münzen seit 1898 eine künstlerisch geschmackvollere Ausstattung nach Entwürfen erster Künstler, wie Chaplain, Roty und Daniel Dupuis gegeben hat. IN Deutschland folgte kürzlich als erster Staat Bremen diesem französischen Beispiel, und zwar mit seinen seit 1904 geprägten Zwei- nnd Fünfmarkstücken. Wenn auch die übrigen Bundesstaaten sich dazu entschließen könnten, würde es nichts schaden.
Vermischte».
* Humor im Po st dien st. Zum Zeichen, daß der Humor im postdienstlichen Alltagsleben tioch nicht uuter= gegangen ist, teilt die „Deutsche Verkehrsztg." aus dem Schriftwechselbuch zwischen einem Postamt und einer Post- agentur einige belustigende Schriftstücke mit. Es handelt sich um die Erlediguttg einer Anfrage des Postamts I an die Postagentur D. Letztere meldet nach mehrmaligem Him und Herschreibeu wie folgt:
Das Schriftstück liegt hier nicht vor. Dasselbe muß dort eiitgegangen fein! (Dort vielleicht durch einen der jungen Herrn verbummelt?) Müller.
Darauf antwortet das Postamt:
G. R. an die K. Postagentur in D. mit dem Auftrage, sofort sämtliche Gelasse, Spinde pp., welche dort zur Aufbewahrung von Postsachen PP. benutzt werden, genau nach etwa dort liegen gebliebenen Sendungen zu durchsuchen.


