Ausgabe 
31.10.1904
 
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wir gestern bereits passiert statten, japanische Kavallerie n in größeren Massen hervorkam. Die Kavallerie hatte also jedensalls mit uns zusammen hier Rast gehalten, ohne daß ich davon eine Ahnung gehabt hatte, und jetzt sah ich auch die Artillerie hetvorkommen, und zwar Feldgeschütze, Von sechs Ponies gezogen, und Gebirgsgeschütze auf dem Rücken der kleinen Pferdchen. Kavallerie und Artillerie rückten also, wie das immer fiter den Japanern auf dem Marsche der Fall ist, zusammen vor und folgten dem sicheren Schutze der Infanterie. Endlich waren die Kolonnen vor­über, und während die Maultiere der Trainabteilung nun­mehr zum Abmarsch gesammelt wurden, schwang ich mich auf meinen Gaul und eilte der Infanterie nach. Das war schnell geschehen, denn die Japaner kommen eigentlich nicht sehr schnell von der Stelle, wahrscheinlich liegt das daran, daß fielt Leuten das europäische Schuhwerk unbequem ist. Ich hatte vielfach Gelegenheit, zu beobachten, daß die Sol­daten sich selber Strohsanfialen anfertigten und diese trugen, um ihren gedrückten Füßen etwas Erholung zu gewähren, auch sah ich vielfach, daß verwundete Japaner alsbald die europäische Tracht afilegen und sich 'wieder japanisch kleiden. Es gewährte ost einen komischen Anblick, weuw so ein kleiner in europäische Uniform gezwängter Japaner einen großen verwundeten Landsmann tragen mußte, der in lang wallenden Gewändern auf ihm ritt.

Ter Vorliebe der Japaner für unzugängliches Gelände entsprechend, schlug die Kolonne alsbald den Weg hoch über die Kämme der Berge ein. Derartige Wege bieten ja allerdings dem Marsche mehr Schwierigkeiten, aber sie gewähren andererseits auch einen um so sichreren Schutz, vor dem Gegner, der des Krieges int Gebirge unkundige sich lieber an die ebenen Straßen hält. So ging es auch, in unserem Falle, wir bekamen überhaupt keinen Russen zu sehen. Dafür aber kamen wir in der Nähe des Zu­ganges zu dem Motienling an interessanten Städten vor­fier, wo japanische Auftnerksamkeit und Gewandtheit sich der russischen Schwerfälligkeit überlegen gezeigt hatte und auf welche die Japaner mit berechtigtem! Stolze hinwiesen. Es war etwa an der Stelle, wo sich die Straßen zum Motien und Jängtseling trennten. Hier erhob sich ein kleines Gehöft, in dem vor wenigen Tagen ein japanischer Vorposten gelegen hatte, der aus einem Bataillon bestand, aber in viele kleine Trupps zerlegt war. Tie einzelnen, und zwar die weitesten nach Norden hin vorgeschobenen Posten wurden in einer Nacht plötzlich von drei Bataillonen sibirischer Infanterie überrumpelt. Die japanischen Außen­posten hatten sie für Japaner gehalten. Dem ersten An­griff mit dem Bajonett hielten die Japaner natürlich nicht stand, sie eilten zurück, bis zu dem Graben, der die Landstraße säumt, und eröffneten Npu'Mehr ein mörderisches Feuer gegen die Russen. Als diese ihre Front nach dieser Feuerlinie richten wollten, erhielten sie von den übrigen japanischen Picketts in ihrem Rücken ebenfalls Feuer. Jtetzt geriet der Angriff fier Russen ins Stocken und Major Taka- kusakr stürmte mit seiner einen ihm noch gebliebenen Kom­pagnie mit aufgepflanztem Bajonett den Russen in die Flanke. Tie Russen ließen 56 Tote und 44 Verwundete in den Händen der Sieger, welche ihrerseits 13 Tote und' 30 Verwundete hatten. Als wir das Gehöft passierten, sahen wir, daß hier eine Feldschmiede errichtet war. Eine solche Schmiede ist höchst primitiv eingerichtet. Zwischen zwei mäch- ttgen Pfählen hängt eine kräftige Stange, an der das zu beschlagende Tier durch Gurte so befestigt wird, daß es eben noch mit den Füßen den Boden berührt, sonst aber keine Bewegungsfreiheit hat, und falls es schlagen will, hängen Bleibt. Die Tiere halten in dieser Lage ganz still und lassen sich ruhig beschlagen. Ist ein Tier sehr wild',, wird es zu Boden gerissen und ihm die Beine zusamtnen- geschnürt. Tas Beschlagen erfolgt sodann, während das Tier auf dem Rücken liegt. Zwischen dem Höhenzuge, den wir passierten, und den Bergen, durch welche der Jangtse- ling führt, suchte sich ein Gebirgsfluß feine Bahn. Es war höchst interessant zu beobachten, wie die Japaner diesen überschritten. Die Pioniere waren auch 'hier schon lange vor unserem Eintressen tätig gewesen und hatten eine schmale Brücke konstruiert, auf welcher drei Mann neben­einander gehen konnten. Es ivaren Wähle in den aller­dings nur flachen Strom geschlagen worden, die mit Hanf­seilen verbunden waren, über die Seile waren Mais- urtd

Bämbüsstangen gelegt und diese wieder mit Stroh bedeckt. Die Infanterie zog über diesen schwankenden Bau, die Kavallerie ritt durch das Wasser, Betin Train gingen die Treiber über die Brücke, das Weh wurde daneben durchs das Wasser gejagt. Die Drahtleitungen, die uns schon den ganzen Weg begleitet hatten, überschritten den I-luß eben­falls an langen Stangen. Kaum war der Fluß passiert, als ein dumpfes Grollen aus der Ferne vernehmbar wurde, wie wenn ein ferner Donner langsam verhallt. Durch die Reihen lief eine Erregung. Man hörte den Feind, fafy ihn aber noch Nicht. Der Marsch geriet ins Stocken, die Kompagnien rückten auf, die Regimenter formierten sich. Ich wollte mich etwas weiter nach vorn begeben, aber mit einemmale war unsere japanische Begleitmannschaft, die ich seit Tagen nicht gesehen hatte, zur Stelle und ihr Offizier bedeutete uns, wenn auch in liebenswürdigster Weise, daß wir vorderhand zurückbleiben müßten.

Musik.

Musikfreunde machen wir ans das Erscheinen einer popu- laren, vielversprechenden musikalischen Zeitschrift aufmerksam, die den TitelMusik-Mappe" trägt. Tie Hefte derMusik- Mappe" sollen abwechselnd Lieder, Tänze und Salonstücke ent­halten. Tas erste uns vorliegende Heft derMusik-Mappe", die in dem Verlage von W. Vobach & Co. in Berlin erscheint, bringt zwei Lieder des bekannten Liederkomponisten Eugen Hildach und drei weitere Liederkompositionen. Es kostet 40 Pfg.

TieNeue Musik-Zeitung" in Stuttgart, ein alter Freund aller Musikliebhaber, trat ttt ihren 26. Jahrhang. Tas Blatt kann als Fachschrift derjenigen gebildeten musikalischen Kreise bezeichnet werden, denen an einer gediegenen, be­lehrenden und dabei preiswerten Lektüre gelegen ist. Schon die erste Nummer des neuen Jahrgangs gibt Zeugnis davon. Ter Wiener Aesthetiker Max Graf behandelt das ThemaMethoden und Aufgaben der Musikästhetik". Professor Wilhelm Weber (Augsburg) beginnt einen Artikel:Wie studiert man das Wohl- temperiette Klavier von Bach?" Egon v. Komorzynski bringt in seinem AufsatzBeethoven-Landschaften" die Natur in der Umgebung Wiens mit Kompositionen des Meisters in Beziehung. Biographische Skizzen mit Porträts von Komponisten, einer Sängerin und einer Geigerin folgen, sowie ein Ättikel, Musik- Exlibris mit 5 Abbildungen bekannter Maler. Tnrch Gedichte, Novelletten und Anekdoten aus dem Musikleben ist auch für die Unterhaltung gesorgt. Ter textlich und illustrativ reichhaktigen Nummer, deren Beilagen Besprechungen neuer Tonstücke und einenBriefkasten" enthalten (in diesem werden eingereichte Kom­positionen fachmännisch beurteilt), sind Musikstücke ftir Klavier und für Gesang, beigegeben. Da fier Preis der Zeitschttft 1.50 Mk. für das Quartal Von 6 Nummern beträgt, so kann dieNeue Musik-Zeitung" eine populäre Zeitschrift im besten Sinne des Wortes genannt werden. (Probenummern sind durch jede Bnch- und Musikalienhandlung kostenlos zu beziehen. )

Mue Wucher.

Müller-Jahnke, Clara, Ich bekenne. Tie Geschichte einer Frau. (218 S.) Goslar, F. A. Lattmann. Geb. 3 Mk.

Reuter, Gabriele, Das Böfe. Prinzeßchen. Ein Märchen­spiel für Kinder in 3 Aufzügen. (80 S.) Berlin, S. Fischer. 1.50 Mk.

Pädagogische Reform. 1904, Heft 3. Hamburg. 80 Pfg.

Dreieckrätsel.

Nachdruck verboten.

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Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart einzu­tragen, daß die drei Außenseiten und die drei wagerechten Mittel­reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. künstlerischer Berni; 2. sagenhafte Gestalt der altrömischen Geschichte; 3. König von Phrygien, bekannt aus der griechischen Mythe; 4. brasilianisch^ Tier; 5. Teil des Auges; 6. weiblicher Vorname.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in vor. Nr^ Duett Duell.

Redaktion: August Goetz, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerkitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lanae. Metzen.