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deutscher Erde treu geblieben, der englische Badeluxus blüht viel­leicht in Homburg jetzt nicht mehr so wie ehedem, aber neben Deutschland stellt England auch heute noch die meisten Kurgäste, und wenn der Prozentsatz der englischen Besucher sich etwas ver­ringert hat, so ist das dem Umstande _ zuzuschreiben, daß die Besucherzahl aus Deutschland alljährlich steigt. Im Jahre 1895 stellte England 26.7 v. H. und Deutschland 51.2 v. H. der Kurgäste, im vergangenen Jahre war Deutschland in Homburg auf 62.2 v. H. gestiegen und England auf 19.1 v. H. gefallen. Das englische Gesellschastsleben bildet in seiner Abgeschlossenheit auch heute noch ein Charakteristikum Homburgs sowie einen Beweis dafür, wie wohl sich hier Albions Söhne und Töchter fühlen. Der Golf­klub, dessen Präsident der Herzog von Cambridge ist, sowie der Krocketklub, zu dessen Ehren-Mitgliedern auch der deutsche Kronprinz gehört, sind, trotzdem ihnen auch Deutsche als Vor­stands- sowie als gewöhnliche Mitglieder angehören, in ihrem Wesen doch englische Sportvereinigungen auf deutschem Boden.

In keinem deutschen Badeorte wird der Sport so kultiviert wie in Homburg, das in kurzer Zeit der Schauplatz des, bedeut­samsten internationalen, sportlichen Ereignisses fein wird.

An einer Jahrtausend alten Stätte soll der jüngste Sport seine Kraft entfalten, an der Saalburg wird sich die Hauptszene ittn den Gordon-Bennet-Preis abspielen, das Römerkastell wird Start und Ziel bilden. An dem Ort verfallener Vergangenheit, aus deren lleberreften auf Geheiß unseres Kaisers zum An­denken an Kaiser Friedrich bie neue Saalburg ersteht, wird am 17. Juni jenes sportliche Schauspiel in Szene gehen, das dem nüchternen, realen Streben und Hasten der Gegenwart entspringt. Aber welcher Glanz wird das Unternehmen begleiten, von welch prunkvollem Hintergründe wird sich dieses Ereignis abheben, in dem alle Kulturländer ihr sportliches und technisches Können entwickeln werden; denn der Sieger hat seinen Sieg in erster Reihe dock der Technik zu danken, die das Automobil geschaffen hat. Der beste Chauffeur ist nur ein tüchtiges Werkzeug im Dienste der Automobiltechnik. Ein deutsches Fabrikat, der Deirn- lersche Mercedes-Wagen, hat einstens den Gordon-Bennett-Preis errungen, der jetzt aus deutschem Boden bestritten und verteidigt wird, und in einer seltsam schönen Szenerie, zu der die junge Natur das Herrlichste gegeben hat, wird der Wettkampf beginnen und enden. Auf mächtigen Tribünen und in zahllosen Automo­bilen werden am 17. Juni Tausende, die von weit Herkommen, dem Ausgange eines Kampfes entgegensehen, der für eine aus­strebende Industrie von Wichtigkeit ist. Elf Tage währen die sportlichen und geselligen Festlichkeiten, die mit dem Gordon- Bennett-Preis verknüpft sind. Das sportliche Hauptarrangement trifft der deutsche Automobilklub, dessen Generalsekretär von Brandenstein bereits seit Wochen in Homburg tätig ist. Das Kaiserpaar wird nur am 17. Juni, an dem die Konkurrenz stattfindet, dem Sportfeste beiwohnen.

Die Tribünen, auf denen sich auch die Kaiserloge befindet, werden, um die Wagenbahn frei zu halten, durch Tunnels ver­bunden, ein Fußverkehr findet nicht statt. Unter den Tribünen werden Restaurants, Cafss, Post- und Telegraphenamt, Lese- und Schreibzimmer usw. eingerichtet. Jene, die den ganzen Tag auf die Entscheidung warten, brauchen also keinen Komfort zu entbehren.

Homburgs Hotels können zurzeit des Gordon-Bennett-Rennens ihre Häuser mit dem schönen WortAusverkauft" schmücken; allein es haben Private zu annehmbaren Preisen so viele Zimmer zur.Verfügung gestellt, daß noch Tausende von Schaulustigen Unterkunst finden können. Und wie kommt hier die Schaulust auf ihre Rechnung! Konzerte, Reunions, Feuerwerke, Festvor­stellungen, Gartenfeste, Illuminationen, Bankette, Subskriptions­bälle, Blumenkorso, Ballettaufführungen im Freien, in denen alle Renn-Nationen allegoristert werden und alle Nationalhymnen ertönen, (Soiree dansante, Grand bat pars, kurz alles, was nur an Badefestlichkeiten möglich ist, wird in Homburg veranstaltet werden. Der Gordon-Bennett-Preis wird nicht nur über das beste Automobilfabrikat entscheiden, sondern auch den Beweis erbringen, daß, wenn es sein muß, auch ein deutsches Heilbad für einige Tage ein internationales Luxusbad sein kann, das allen Prunk zu entfalten versteht. Alfred Holzbock

(intBerl. Lok.-Anz.")

Vermischtes.

* Der brünette und blonde Typus. Heber diesen Gegenstand hielt jungst der Professor der Anatomie an der Uni­versität in Amsterdam, Volk, in der Sitzung der naturivissen- schastlichen Abteilung der königlichen Akademie der Wissenschaften einen äußerst fesfelnden Vortrag. Der Redner beschränkte zwar seine Ausführungen auf die niederländischen Verhältnisse, aber hinsichtlich ihrer Begründung verdienen sie ein allgemeines, über die örtlichen Grenzen hinausgehendes Interesse. In Holland ist das Gebiet dieses Teiles der physischen Anthropologie, die Verbreitung des brünetten und blonden Typus, noch vollständiger Neubruch, und Professor Volk stand also zunächst vor der fchwie- rtgen Ausgabe, sich zur Grundlage feinet Untersuchungen das nötige statistische Material zu verschaffen. .Dies gelang ihm

dadurch, daß er an die Vorsteher sämtlicher öffentlichen und kon­fessionellen Schulen im Lande mittels Briefkarten die entsprechen- dett Fragen richtete, und das Ergebnis war, daß über 477 200 Kinder hinsichtlich ihrer Haar- und Augenfarbe die gewünschten Berichte einliefen, wobei indessen zu bemerken ist, daß sich die Untersuchung auf israelitische Kinder nicht erstreckt hat. Aus dem statistischen SOtaterial, über welches Professor Volk nunmehr ver­fügte, mag nur hervorgehoben werden, daß in südlicher Richtung der brünette Typus zunimmt, daß er am schwächsten in Kiessand vertreten ist, während er in Zeeland, Limburg und einem Teil von Nordbrabant durchschnittlich bei 40 und in manchen Gemein­den bei 50 Prozent der Bevölkerung angetroffen wird; außer­dem konnten plötzliche unvermittelte Uebergänge in einem und demselben Landstrich sowie förmliche Inseln der einen Farbe inmitten der anderen festgestellt werden, so daß also, wie Professor Volk überzeugt ist, bei keinem andern Volk in Europa solche scharfen und unvermittelten Gegensätze nebeneinander Vorkommen. Als Grund für diese physiologischen Erscheinungen nimmt der Redner historische, tellurische und psychologische Fattoren an, die natürlich im Verhältnis der Wechselwirkung zueinander standen. Der Redner sucht auf Grund anthropologischer Tatsachen sest- zustellen, daß die Kelten keineswegs spurlos verschwunden sind, man finde sie noch da, wo Cäsar sie gefunden habe, und gerade da, wo der Rhein das niederländische Gebiet betrete, liege die Grenze zwischen dem brünettenreichen und brünettenarmen Teile der Bevölkerung. Die Zone, wo der Linguist den fränkischen Dialekt antreffe, falle mit dem Gebiet zusammen, in dem der Anthropolog die brünette keltische Rasse finde, der fränkische Dialekt sei deshalb als eine germanische, von Kelten gesprochene Sprache zu betrachten. Daher sei es auch widersinnig, von den Niederländern als einem rein germanischen Volksstamm zu sprechen, sie seien vielmehr ein Volk von kelto-germanischem Ursprung, wobei sich die beiden Elemente wie 1:2 verhalten. Ob dieser Standpunkt des Redners, der das brünette Element von der keltischen Abstammung ableitet, der tatsächlichen Wirk­lichkeit entspricht,' muß dahin gestellt bleiben, in jedem Falle hat er dem historischen Element nicht die volle ihm gebührende Berechtigung zuteil werden lassen, indem doch sicher die Anwesen­heit von Spaniern und andern Romanen in den Niederlanden während des 80 jährigen Freiheitskrieges sicher nicht ohne einen sehr merkbaren Einfluß gewesen ist. Schließlich möge noch stuf den Unterschied hingewiesen werden, den der konfessionelle Faktor hier spielt: von 9000 Schulkindern in Utrecht waren 34,2 Prozent brünett; die katholischen konfessionellen Schulen hatten einen Brünettenbestandteil von 41,4, die orthodox-protestantischen Schulen aber nur von 26,1 Prozent.

Literarisches.

Wie soll die zukünftige Mädchenschule be­schaffen fein? Diese Frage, an deren praktischer Losung Frauen und Männer mitzuarbeiten gleich berufen sind, ist das Thema, das Eleonore von Friedeburg in der illu­strierten WochenschriftF r a u e n - R u n d s ch a u" auf Grund eines Reformplanes, der von der Karlsruher Lehrerin Anna Jungk entworfen das Thema mit großem Verständnis in gesund fortschrittlichem Geist behandelt. In demselben Heft plaudert die Münchener Frauenrechtlerin JkaFreudenberg über dieneue Frau". Ein ganz besonders wertvoller Beitrag, der gegenwärtig in Fortsetzungen in der Frauen-Rundschau zum Abdruck gelangt, ist eine Reiseschilderung durch Bulgarien und die angrenzenden Balkanstaaten aus der Feder von Marie F ü r ft i n zu Erbach-Schönberg, geb. Prinzessin von Battenberg und Schwester des ersten Bulgarenfürsten Alexander von Battenberg. Die Frauenwelt wird von diesen fesselnden, Schilderungen jener Länder und Gesellschaftskreise, wo sich orientalische und euro­päischer Kultur seltsam mischen, mit großem Interesse Kenntnis nehmen, um so mehr, als es sich hier um teilweise ganz intime nur für die engeren Hof- und Familienkreise bestimmte Berichte handelt. Einer der Fortsetzungen ist auch das Bild der Prin­zessin von Bulgarien im bulgarischen Nationalkostüm beigegeben.

Zahlerträtsel.

Nachdruck verboten.

12345267 beliebtes Getränk» (Schlüssel:

1 2 3 6 deutscher Fluß.

1 3 4 5 2 priesterliche Kopfbedeckung.

3 5 2 6 Land in Asien.

7 2 11 Tottettegegenstand.

7 3 6 6 Teil des Kopfes.

2 5 2 Vogelart.

1 3 6 6 2 Vorname.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr. k Sein, Berlin. (Berlin.)

Redaktion: Aue ns: Götz. 8-otatictiSbrud und Verlag der Vrtihl'sckeu Universitäts-Luch- und Ctcindrnckerei. R. Lange, Gießen.