Ausgabe 
30.4.1904
 
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er heiter.

Briefchen? kommen."

gern wissen, ob Sie wohl sind, ob Ihnen nichts abgeht und ob man sie auch höflich behandelt und so weiter."

Es war sehr freundlich von Ihnen, zu kommen. Auch möchte ich Ihnen noch herzlich danken für die Blumen, Bücher und Zeitungen, die Sie mir schickten."

Und hoffentlich auch sür meine Briefchen?" vollendete

Nein. Ich habe niemals einen Brief be- (Fortsetzung folgt.) Kunstverem.

GieHen, 30. April.

rend der kleine, zukünftige Herrscher Kodappa einen klaren, aufgeweckten Kopf, aber einen zarten Körper und dre schönen, milden Augen seiner Mutter hatte. Daber war er äußerst wißbegierig und lebhaft. Betreffs der Bucher und der Art des Unterrichts hatte man imr vollständig freie Hand gelassen, sodaß ich meine Absicht, Belehrimg und Unterhaltung möglichst zu vereinigen, ungehindert aus- sühren konnte. Auch hatte ich nicht versäumt, Mich ut Ma­dras reichlich mit den notwendigen Büchern, Bildern und Karten zu versehen. Als nach Ablauf des ersten Vor­mittags zwei prächtig gekleidete Diener erschienen, um meine Schüler wieder abzuholen, verließen sie mich Mit einem Widerstreben, das für mich schmeichelhaft sein mußte; allem, ich war eben noch etwas Neues und durfte mir deshalb Nicht zuviel darauf einbilden. , .

Die Rani, meine Mutter, hat Sie gern", flüsterte Mucksmi mir eines Tages zu, während sie meine Hand hielt und aufmerksam meine nicht bemalten Nagel be­trachtete.Die Rani Sundaram dagegen sagt, Sie seien hübsch, aber sehr böse." -

Sollte ich hier innerhalb meines Wirkungskreises am Ende gar eine zweite Jaeosta finden? Sofort beschloß ich, | diese Vertraulichkeiten im Keime zu ersticken.

Ich entzog ihr meine Hand.Eure Hoheit müssen lernen, niemals einem Menschen das wiederzuerzählen, was ein anderer von ihm gesagt hat."

Aber das tun wir immer, auch meine Mutter, die Rani Gindia und jedermann. Das ist doch nichts schlimmes! Bon was soll man denn sonst reden?"

Von einer Menge anderer Dinge, wie Sie bald selbst herausfinden werden, wenn Sie hübsche Bücher lesen dürfen. Jedenfalls muß ich darauf bestehen, daß Sie wenigstens mir gegenüber niemals eine Bemerkung über | mich wiederholen."

Wirklich?" Sie war aufs höchste erstaunt.Ich könnte Ihnen aber auch Gutes erzählen, das über Sie gesprochen worden ist."

Nein, weder Gutes, noch Schlechtes. Zuträgerinnen mag ich nicht. Nun aber werde ich Ihnen ein recht schönes Märchen erzählen."

Vorläufig sprach ich noch mit Englisch vermischtesTe- lagn", allein von Tag zu Tag konnte ich dieses mehr und mehr beiseite lassen, da meine kleinen Schüler eine äußerst rasche Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis hatten.

Mr. Thorold mochte mit feiner Bemerkung, daß ich mich den Umständen anzupassen vermöge, wohl recht haben, denn ich wunderte mich selbst, in wie kurzer Zeit ich mich an das Leben im Palast von Rayopetta gewöhnte. Mit den übrigen Bewohnern, so viele ich auch um mich herum huschen und flüstern sah, kam ich nur wenig in Berührung. Da es mir jedoch nicht an Büchern und Zeitungen fehlte, die ich ohne Zweifel Mr. Thorold zu verdanken hatte, so verging mir die Zeit, die ich meinen Schülern, der Musik uno auch täglichen Spaziergängen widmete, rasch genug. Das Gesicht war blaß und schmal, die glänzenden Augen lagen tief in ihren Höhlen, und die Kleider schienen ihm nur so am Leibe zu hängen.

Sie sehen aus, als ob Sie selbst viel eher des Bei­standes bedürftig wären", ries ich erschrocken.Sie scheinen sich raum ausrecht halten zu können. Kommen Sie, wir wollen uns setzen." Ich zeigte auf zwei gelbseidene Lehn­stühle.

Nun ja" er ließ sich mit sichtlicher Erleichterung auf einen der Stühle niedersinkenich habe allerdings einen recht abscheulichen Anfall von Malaria gehabt. Es ist unglaublich, wie rasch man da in wenigen Tagen von seinen Kräften kommt. Zudem hatte ich gerade jetzt be­sonders viel zu tun, und die endlose Audienzgeschichte diesen Morgen gab mir vollends den Treff."

Hoffentlich geht Ihr Unwohlsein bald vorüber." Ich war ängstlich, denn seine Blässe war wirklich beunruhigend. Was sagt denn der Arzt dazu?"

Der alte Flemming will, daß ich schon morgen auf mindestens zehn Tage ins Gebirge gehe. Das paßt mir gerade jetzt durchaus nicht, allein er behauptet, daß, wenn ich ihm nicht gehorche, ich bald ganz zusammenbreche und mir dann ein Krankenurlaub nach England nicht erspart bleibe. Das aber" er richtete sich plötzlich auf und sah mich fest anwäre gerade jetzt das allerschlimmste,. . . Udbrigens bin ich nicht hergekommen, um Sie mit meinen Klagen zu belästigen. Ich wollte vor meiner Abreise nur

Die Kunstausstellung im Turmhaus am Brand hat in den letzten Wochen die lang beabsichtigte Umgestaltung erfahren. Die beiden langen Bildergestelle die in 1-Form zusammenstießen, fügten sich zwar gut der Gesamtform des Saales ein und boten mit ihren ausgedehnten Flachen Raum für Bilder verschiedenster Größe, aber fast die Hälfte dieses Raumes war ungünstig, nämlich durch gerade auf­fallendes Licht, beleuchtet. Und mißlicher noch war die Enge der Räume zwischen der Langwand und den Fenstern und der Umstand, daß die günstig beleuchtete, einheitliche Rückwand des Saales, die sieb von selbst für die größten und bedeutendsten Gemälde empfahl, durch die hölzerne Querwand um die meist unentbehrliche Fernwirkung ge­bracht wurde. Jetzt ist das anders geworden. Vier kürzere Wände stehen rechtwinklig zu den Fensterwanden in gutem Seitenlicht und bilden einen Vorraum und einen großen ! Hauptraum, von dem sich dreiKabinette abfondern. Die Abstände sind durchweg angemessener, der Beschauer kann seinen Standpunkt vielfach wechseln, er kann das Ganze wie die Einzelheiten nach Belieben auf sich wirken lassen. Die Hauptwand ist in ihrem größeren Teil schon von weitem frei sichtbar und kann in besonderen Fällen, tote es bei- pielsweise bei der jüngsten Kaiser-Ausstellung wünschens­wert gewesen wäre, noch freier gelegt werden, indem die auf Rollen stehende letzte Querwand entfernt wird. Da endlich au sämtlichen Gestellen die Tischplatten tiefer ge- | rückt worden sind und seitlichem Ueberragen der Bilder nichts entgegensteht, so können künftig auch mehr Bildes als bisher gehängt werden. So zweifeln wir nicht, daß die Besucher unserer Ausstellung sich in die neuen Verhält­nisse bald eingewöhnen und sie als Verbesserung empfinden werden Als erster Schmuck der neuen Räume erjcgemt eine größere Zahl von Merken des namhaften, 1901 ver- I storbenen Münchener Malers Professor Ernst Zimms-.mann, j Als Sohn eines Genremalers und als Schüler von Wilhelm Diez hat er eine ausgesprochene Neigung für das Genre von Natur besessen und mit Bewußtsein gepflegt; aber angewendet hat er es am liebsten in Bildern aus der heiligen Geschichte, unter denen dieAnbetung der Hirten in der Münchener Neuen Pinakothek wohl das bedeutendste ist. An dieses Werk, zu dem interessante Studien hier | ausgestellt sind, erinnert die schöneRast auf der flucht nach Aegypten", während der Maler in dem großen -rnld !Kommet zu mir, die Ihr mühselig und beladen seid | sich zu monumentalerer Höhe zu heben suche. Hier wie in den meisten seiner Bilder, besonders auch der vor­trefflichen Porträts, wirkt etwas befremdend das dunkel- bräunliche Kolorit, mit dem eine fein studierte Farben- | äbstufung in interessanter Wechselwirkung steht; tote dieser die Pilotyschule, so merkt man jenem die großen alten Vorbilder, vor allem Rembrandt, aber auch die Spanier und Rubens au (man sehe den ungläubigen Thoma^ und daskleine Kind", eines der wenigen lichteren - Bilder). In helleren Tönen, in Freilichtmalerei spricht sich dieser Künstler zwar nicht zaghaft, aber mit absichtlicher Zuiuck- haltung aus. Nackte Gestalten,^ die da alv Siafsage ge- I legeutlich vorkommen, find offenbar nicht seine Starke. I Dagegen hatte er noch eine Spezialität, von der die -Mün­chener Pinakothek ebenfalls ein Beispiel, unsere Aus- I stellung mehrere aufweist: er war ein ausgezeichneter

Fischmaler, wußte das feucht Schimmernde die zart ver- schwimmenden Farben der Wassergeschopfe vortrefflich ime- I der-maeben. Die Landschaften und Seestuae von Th.

v. Stenin (Weimar) geben von der Kunst dieses Malers noch I keine genügende Vorstellung. Nicht zu vergessen sind zwei niedliche Werke der Kleinplastik, eineMadonna und ein I Savojardenknabe" von M. Bergen-Gießen. Als Proben