Ausgabe 
30.3.1904
 
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(Nachdruck verboten.)

Im Mtak der Aajah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Mehrere Sekunden lang starrte auch er mich unbeweg­lich cm, als könne er seinen Augen nicht trauen.

Miß Ferrars? Ist es möglich!" stieß er endlich leise hervor. Und dann fügte er lauter hinzu:Was um des Himmels willen führt Sie hierher?"

Ich befinde mich auf der Reise von Lohara nach der Station Tassi", begann ich zitternd. Cs wurde mir schwer, die Worte hervorzubringen, da der Atem mir tatsächlich einen Augenblick stockte.Ich gehe in eine Stell­ung nach Punah."

Sie hätten diesen Weg zu keiner schlimmeren Zeit machen können, denn die Pest wütet in der ganzen Gegend. Ihnen kann ich wohl unbesorgt diese ernste, fürchterliche Wahrheit sagen, da Sie, wie ich weiß, gute Nerven haben."

Mas wollte er damit sagen? Lag irgend eine höhnische Anspielung in seinen Worten verborgen? Doch letzt war keine Zeit, darüber zu grübeln.

Wir wollen ja gewiß gleich morgen in aller Frühe wieder abfahren, falls wir frische Ochsen bekommen können, denn die unserigen sind halb tot", antwortete ich demütig. Und dann wäre ich so dankbar, wenn Sie mir ein wenig Milch für die Ajah verschaffen würden. Sie fühlt sich so sehr krank."

Krank?" Er griff sofort nach der Lampe.Erlauben Sie, daß ich nach ihr sehe."

Rasch- trat er ans Lager, hielt die Lampe in die Höhe und schaute der Ajah scharf prüfend ins Gesicht. Vom Lichte geblendet, blinzelte sie ihn an und 'murmelte stöhnend:O Sahib, ich sehr krank. . . bald sterben."

Ihre Augen hatten .einen angstvollen Ausdruck, die Stimme war verschleiert, die Zunge schwer. Mit einer Miene, als sei er ein Arzt von Beruf, befühlte Mr. Thorold ihre glühende Hand und dann den Puls.

Nur Mut, Ajah Jee!" sagte er auf hindostanisch. Hier­auf trat er zum Tisch zurück, stellte die Lampe wieder zwischen uns und nickte bedeutungsvoll mit dem Kopfe:

Es ist ein Pestfall", flüsterte er mir zu.

Wissen Sie das gewiß? Sie sind doch kein Arzt?"

Rem, aber ich habe viel Erfahrung. Ich bin der Kom­mandant des Pestlagers."

Sprachlos starrte ich! ihn an.

Warum sehen Sie so erstaunt aus?"

Ich glaubte. Sie seien Jurist."

Das bin ich auch. Mein wir Beamten in Indien "müssen alle an dem Orte zu helfen suchen, wo man uns gerade am notwendigsten braucht. Die Bevölkerung dieses Bezirkes hat sich durch die Seuche auf entsetzliche Weise

vermindert, und da hat mich meine vorgesetzte Behörde! sozusagenausgeltehen"."

Haben Sie noch immer viel Kranke?" stammelte ich

Ach, fragen Sie mich danach lieber nicht! Immerhin' ist es doch schon etwas besser geworden. Mein es fehlt entsetzlich an Personal. Einer unserer Hilfsärzte liegt nun! auch, darnieder, und unsere Oberschwester starb am Montag."- Er warf einen Blick nach der Ajab hinüber und fuhr fort»

Ich werde Ihre Ajah sogleich auf einer Tragbahre! ins Krankenhaus bringen lassen. Wenn Sie Ihren Ochsen­führer entbehren können, so ivill ich ihn mit einem Zettel fortschicken."

Er zog Notizbuch und Bleistift hervor und begann zu schreiben.

Ich möchte so gern, daß Sie noch heute abend von hier fortkümen", sagte er dann,und wäre es auch nur zwei oder drei Meilen weit. Sicherlich können Ihre Ochsen sich noch so weit schleppen?"

Ich antwortete nicht, sondern nahm den Zettel aus seiner Hand, trat vor die Tür und rief in die Macht Hinaus: Golab Sing ! Golab Sing! O Golab Sing!" Allein die einzige Antwort war der Schrei eines Nachtraben.

Warten Sie, ich will selbst gehen und ihn suchen. . . . Doch nein, es ist besser, ich überbringe die Botschaft selbst. Zugleich will ich Befehl geben, daß Ihre Tonga hierher­gebracht wird, und sobald wir die Ajah fortgeschafft und Sie etwas gegessen haben, müssen Sie weiterfahren. So grausam und gewalttätig es auch erscheinen mag, Sie allein! in die Nacht hinauszuschicken, so liegen doch Kvingende Gründe dazu vor, und ich weiß, daß Sie eine tapfere junge Dame sind."

So sprechend, suchte er ein Kerzenstümpfchen hervor, zündete es an und steckte es in eine Flasche, dann eilte er mit seiner Windlaterne fort. Müde setzte ich mich an den Tisch und wartete, wie mir schien, eine endlos lange Zeit. Doch waren wohl nicht mehr als zwanzig Minuten ver­flossen, als Mr. Thorold außer Atem wieder erschien.

Ter Bursche muß Verdacht geschöpft haben. Er ist durchgebrannt und zwar, was das schlimmste ist, mitsamt dem Wagen und den Ochsen, und ich! bin nicht in der Lage, ihn einholen zu lassen. Tas ist eine sehr schlimme Geschichte", fuhr er fort, indem er die Laterne niedersetzte und mich nachdenklich ansah.Die Ajah kann ja leicht fortgebracht werden, was ich aber mit Ihnen anfangen soll, weiß ich wirklich! nicht."

Jedenfalls werde ich nicht allein hierbleiben", erklärte ich bestimmt.

Nein, das sollen Sie auch nicht; dieser Bungalow ist verseucht."

Ich dachte nicht an die Ansteckung; davor fürchte ich mich nicht, vielmehr aber vor Ratten. Wissen Sie ganz bestimmt, daß der Ochfenführer durchgegangen ist? Er ist einer von Mr. Evans' Dienern und sehr zuverlässig und ehrlich."