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Siegesallee unter Wasser, sondern auch eine aanze Reihe toll karrikierter Zeitgenossen, die in Moabit und anderswo zu Ruf gelangt waren; und mancher schlanke Jüngling, der aus einer kleinen oder größeren Garnison an diesen lustigen Badestrand gekommen sein mochte, plätscherte in der etwas heißen Wanne dieses Abends vergnügt neben all den Spöttern umher. Tiefer Ball, vom Redaktionsstabe einer hnmoristischen Wochenschrift veranstaltet, fängt an, Schule zu machen; denn schon in kurzem folgt ihm ein Ball, vom Leiter des „Humoristischen Extrablattes" ar- rangiert, und wer we «„ ob uns die Zukunft nicht auch noch einmal einen „Kladderadatschball", ein Tanzfest des „Vorwärts", ein Kränzchen der „Preußischen Jahrbücher" oder einen mailichen Ringelreihen der „Kreuzzeitung" beschert? Aus der näheren und weiteren Umgebung Berlins haben wir zu derlei Veranstaltungen sicher nicht wenig Gäste, wie's uns alljährlich der Presseball beweist, zu dem manch fernes Städtleüi oft sein Kontingent stellt. Wie traurig es freilich für viele nachher um die Heimfahrt bestellt ist, lassen sich die guten Berliner, die ihr Welt- stadttum mit großem Nachdruck zu betonen pflegen, nicht träumen. Berlins Bahnhöfe unterscheiden sich nämlich von vielen anderen kleineren dieser Verkehrsgebäude draußen im Reich nud anderswo dadurch, daß sie knapp nach Einlanf des letzten Zuges geschlossen werden, um erst kurz vor der Abfahrt des ersten Frühzuges ihre Pforten ivieder zu öffnen. Tas arme Fräulein, das beispielsweise auf dem Stettiner Bahnhof gegen 1 Uhr nachts eintrifft nnd erst gegen 4 Uhr etwa weiterfahren kann, darf während dieser Zeit nicht etwa im Wartesaal bleiben, sondern muß auf die unbekannten, im Gaslicht flimmernden Straßen Berlins hinaus. Aehulich sind die Verhältnisse auf Bahnhof Friedrichstraße, der ja als so eine Art Weltbahnhof gilt. Wer also in der Nacht hier ankommt, orientiere sich vorher gründlich. Berlin als Turchgangsstation ist eine seltsame Sache, vor allem für junge Damen, die allein reisen müssen. Dafür sind freilich die Ersparnisse an Beleuchtung, die während dieser schönen Betriebspansen bei uns gemacht werden, es sicher wert, tagtäglich jungem Volk Gelegenheit zn geben, sich zur Selbständigkeit zu er» ziehn. Oder woran liegt hier der Haken? A. R.
Vcmn!dchtes.
— Warum heißt der Februar auch"Hor- nrittg? Tiefer deutsche Name des zweiten Jahresmonats wird auf vielerlei Weife erklärt, und manche von diesen Teutungen klingen sehr gezwungen. Bekanntlich hat Kaiser Karl der Große die deutsche Bezeichnung der Monate als die offizielle eingeführt, und dabei erhielt nun der Februar den Namen Hornung, weil in diesem Monat der jagdbare Hirsch sein Gehörn oder Geweih abwirst. Ter Geweihwechsel gehört zu den merkwürdigsten und wunderbarsten Erscheinungen in der gesamten Welt der Säugetiere und wird wohl nur darum nicht allgemein als solche gewürdigt, weil es sich um einen ganz bekannten Vorgang handelt, den man nicht näher untersucht. Ties tut in sehr interessanter Weise Prof. Tr. W. Marshall in der kürzlich ausgegebenen 19. Lieferung seines populären Prachtwerkes: „Tie Tiere der Erde" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt), die von den Paarzehern handelt. Tiefe volkstümliche Tierkunde für jedermann, die in 50 Lieferungen zu je 60 Pfg. erscheint, steht in illustrativer Hinsicht ganz einzig da, indem sie über 1000 Abbildungen (darunter 25 Farben- driicktafelu) enthält, die ausnahmslos nach photographischen Aufnahmen lebender Tiere hergestellt worden sind.
* Radium strahlen als Entdecker von Fälschf- ungen. Zu den hervorragendsten Eigenschaften der Ra- dinmstrahlen gehört ihre phorphoreszenzerregende Kraft. Sie sind in dieser Beziehung den Röntgenstrahlen und den ultravioletten Strahlen sehr ähnlich Von dem eigentlichen Vorgang bei dieser Erscheinung kann man sich jedoch kaum einen rechten Begriff machen; wahrscheinlich werden außerordentlich kleine Partikelchen, viel kleiner als ein Atom, von den radioaktiven Präparaten mit ganz ungeheurer Gewalt in den Raum hiuansgeschleudert. Einem Hagelschauer^ gleich prasseln sie auf die Moleküle eines ihnen int Wege stehenden Körpers nieder. Unter diesem Anprall erbeben die Moleküle und geraten schließlich in Lichtschwingungen. Je nach, der Natur des fluoreszierenden Körpers
ist der Farbenton ein sehr verschiedener. Man denke nur an die wundervollen Leuchtwirkungen in den Crookesscheu Röhren. Auch dort geht eine Transformation außerordentlich frequenter, mechanischer Stöße in eine Lichtwellenwirkung vor sich. Unter den Schlägen der Kathodenstrahlen in der CrookesschssN Röhre leuchtet das gewöhnliche GlaI grün, Tidymglas dagegen rot, der Heragomt gelb, der Rubin feuerrot usw. Jedem Körper kommt eine für ihn durchaus charakteristische Phosphoreszenz — richtiger Fluoreszenz^ denn das Leuchten erlischt meist sofort mit dem Berschwinden der Kathodenstrahlnng — zu. Ter Gedanke, die Phosphoreszenz zur Bestimmung eines beliebigen Körpers zu benutzen/ mag daher recht nahe liegen. Wirklich wurden auch gleich nach der Entdeckung der Kathodenstrahlen durch Hittorf im Jahre 1869 dahingehende Versuche gemacht, und zwar mit einigem Erfolg; in neuester Zeit dienen auch die Röntgenstrahlen und die vielgenannten Radiumstrahlew dem gleichen Zweck. Mit Hilfe der Röntgenstrahlen ist es ganz leicht möglich nicht nur unechte von echten Rubinen, sondern auch die verschiedene Herkunft echter Rubine zu unterfcheiden. Radiumstrahlen haben sich besonders bei der Prüfung von Diamanten gut verwenden lassen. Das Mark Walds che Polonium — eine der bekannten radioaktiven Verbindungen — vermag den Diamanten in eine sehr charakteristische Fluoreszenz zu versetzen, während es am Glase keinerlei bemerkenswerte Erscheinungen hervorbringt. Auch der Bergkristall reagiert nicht, ebensowenig andere Edelsteine, wie Rubine, Smaragde, die den echten, aber gefärbten Diamanten bisweilen mit Erfolg untergeschoben werden. Und doch dürfte Wohl kein Juwelier sich des Radiums zur Prüfung von Edelsteinen bedienen. Dazu kann er einfachere Mittel anwend en und vor allem auch billigere.
Der Frager.")
Von Emanuel von Bodmann.
So eigen hallen meine Schritte, Ein Regen hat die Nacht durchweicht, Ich höre, wie mit leisem Tritte Ein Unsichtbares mich umschleicht. Viel näher scheinen mir die Eichen, Sie wachsen fast in mich hinein, Wie lange Fragen. Um die bleichen Waldgräser irrt ein fremder Schein. Ob droben da auf jenem Sterne Die Wesen anders, feiner sind? Ob jene dort in ihrer Ferne Tie Welt anstaunen wie ein Kind? Ob wir in Erde einst zerfallen? In Blumen, Tieren aufersteh'n? Ob wir vereinigt einst nut allen Wesen in Einen Geist zerweh'n?
Nur Einer könnte Antwort senden, Ter wartet fern in stummer Ruh Und hält mit seinen Knochenhänden Ten dunklen Vorhang krampfhaft zu.
*) Aus den „Neuen Liedern" von Emanuel von Bodmann. (Verlag von Albert Langen in München.)
Wortsprel.
(Nachdruck verboten.)
Es sind 8 Wörter zu suchen von der Bedeutung unter a. Von jedem dieser Wörter ist durch Umstellung der Buchstaben ein neues Wort zu bilden, der Bedeutung unter b. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstaben der Wörter unter b im Zusammenhang gelesen eine Zeit'des Frohsinns und der Lustigkeit. a. b.
1. Insel im Mittelmeer
2. Bezeichnung
3. Alter Gott
4. Gefäß
5. Bindemittel
6, Nebenfluß der Donau
7. Vorname
8. Kopfbedeckung
Auflösung in nln
— Haustier
— Kirchlicher Ausdruu
— Blume
— Zeichen
— Vorname
— Ge?äß
— Singvogel
— Erdärt.'
er Nummer.
Auflösung des Rösselsprungs in vor. Nr.: gweiset ist der Erkenutniß erste Stufe und letzte, der die Mitte verklärt tröstend ein höherer Glanz.
(Jens Holmen.)
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn llniverstints-Vuch- und Cteindruckerci. N. Lange, Gießen.


