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Samstag den 29. Hkloöer
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Aus Ließe.
Roman von M. v. Eschstruth.
(Nachdruck verboten.)
1-, (Fortsetzung.)
: ! 1 *14. Kapitel.
T:e Gesellschaft von Kaltenburg hatte sich bereits wieder vollzählig in den Winterquartieren eingefunden und rüstete sich für die Kampagne der Saison, was unter den heutigen Verhältnissen nicht ganz lercht ist, sintemalen eine Menge Tinge dazu gehören, die nicht jeder in dem hierhingehörenden Maße besitzt; als in erster Linie Geld und immer wieder Geld, ebenso Gesundheit, Ausdauer und Kraft. Wünschenswert wäre noch guter Geschmack. Ellinor v. Greditz verfügte über all diese notwendigen guten Tingje und war bereit für eine fröhliche Saifon. Denn der Rittmeister, iHv Gemahl, so erklärte sie mit glückstrahlender Miene, war wieder all right, ganz all right. Sie wollten also auch wieder „Verkehren", tüchtig verkehren, namentlich mit dem Regiment. Denn ■— hier neigte Frau Ellinor den Kops anmutig, wie gegen Männlein, so auch gegen Weiblein> und spielte ebenso den Taubenblick aus, — denn man konnte ja nicht wissen, wie lange sie noch in dem lieben Regiment bleiben würden. Der Rittmeister war nämlich erster geworden, da Dörrenbach durch seine Versetzung Platz gemacht hatte. „Der gute Dörrenbach" fügte dann Frau Ellinor gewöhnlich hinzu, „em unersetzlicher Verlust für das Regiment. Und er ging auch nicht gern. Wir, Iva und ich, werden untröstlich sein, wenn es einmal so weit ist." Dann folgten noch einige Beteuerungen gegenseitiger Kameradschaft und Freundschaft, die sich jeder umso billiger leisten kann, als er weiß, daß niemand gerade sein Haus darauf bauen wird. Und das Ende blieb einmal wie°das andere Mal, man mußte noch jo viel als möglich zusammen sein. Darum war von nun an Familie Greditz jeden Sonntag um fünf 'Uhr für einen verlängerten Abend für das Regiment zu Haus.
Ellinor erwies sich abermals als eine selten gewandte, kluge, tadellose Frau und Rittmeisterin auch. Selbst Hans Joachim war erstaunt, er wußte nicht, was er davon halten sollte, wenn Ellinor, an jenen Sonntagen wenigstens, eine für alle ganz gleich liebenswürdige Wirtin abgab, und kern Wort, kein Mick, keine Miene gegenüber dem Leutnapt p. Urem auch nur um einen Hauch wärmer gefärbt erschien, als gegenüber jedem der anderen seiner Offiziere. Eigentlich hätte gerade das ihm zu denken geben können. 'Aber er hielt es für einen recht geschickten Einfall, daß man das Regiment einmal wöchentlich bet sich sah. Er war seiner Frau dafür dankbar und meinte wieder einmal, 'Last er, indem er sich doch „rangieren" gemußt, trotz alledem und alledem mit dieser Heirat ein ganz; passendes Arrange- vrent getroffen habe. Msterdem liebte er den Svort und
war nicht minder dankbar, daß er für sein Pferd einen so brillanten Reiter gefunden, weshalb er diesem auch, wie bekannt, die Partnerschaft angeboten hatte. Freilich, die Anregung war hier ebenfalls von Ellinor ausgegangen) aber der Rittmeister freute sich auch an'dieser Partnerschaft. Und« so dachte er, wenn Er überhaupt darüber zum Denken kam, daß seine Frau, wie in allein, auch in diesem Falle klug genug wäre, um keine Torheiten zu machen und ihre jüngste Flirtation mit seinem schönen Leutnant bereits zu den Akten gelegt habe.
So ging denn alles seinen glatten Gang. Harro ritt seine und des Rittmeisters Renner und ging täglich bei Greditzens ein und aus. Die Urans erschiene,: jeden Sonntag in der Villa Ellinor. Tie Rittmeisterin war Von ausgezeichneter, ja fast mütterlicher Fürsorge gegen ihres Leutnants junge Frau, was für diese zuweilen recht am Platze schien. Denn im Grunde überzeugte man sich immer noch mehr, daß Frau v. Urau doch vieler Dinge ermangelte, um sich mit Schick und Geschick aus dem glatten Parkett der Salons zu behaupten. Ja, Man staunte, das nicht schon längst, gleich im Anfang, Berner ft zu haben. Niemand jedoch; lbefnerkte jetzt, wie die weltgewandte Frau keine Gelegenheit unbenutzt ließ, um eine Etwaige Lücke in-Wissest und Bildung, wie solche auch die höchsten Töchterschulen hinterlassen, in dem viel zu früh jedem Unterricht exvtir zogenen jungen Wesen bloßzustellen. Noch weniger konnte jemand auf die Idee kommen, wie sich Ellinor mit wahr- hast dämonischer Schlauheit gerade ihrer mütterlichen Nachsicht bediente, um die junge Frau zu reizen, wodurch dcurn nur allzu leicht bereit impulsives ungeschultes Temperament zum Ausbruch kam) sie in übermütigem Zorn oder zornigem Uebermut manches sagte oder tat, was besser ungesagt oder ungetan geblieben wäre, zumal 'ihr bester Schutz und 'treuester Freund, der es nie gelitten hätte, daß ;emand ein Goldhaar auf dem zierlichen Köpfchen krümmen durfte, nicht länger die kleine Frau vor sich selber und ihrem so gefährlich wachsenden Haß gegen die Petroleumtante zu hüten vermochte.
Ja, diese Petroleumtante! In dem Namen gipfelte alles, was Jutta für df« Rittmeisterin empfand. Petroleum- t ernte! So schalt sie jetzt ihre Feindin, aber nur noch im stillen, für sich allein. Harro hatte ein für allemal diese Bezeichnung für die Frau seines Eskadronchefs verboten. Und hinsichtlich der militärischen Disziplin lernte die Frau Leutnant doch nach und nach Appell. Außerdem jedoch liest sie sich nicht beirren. Sie hatte es mit ihrem noch untrüglich kindlichen Instinkt empfunden, daß ihr diese Frau von Anfang an übel gewollt. Und trotz allem gewahrten Schein, obwohl 'Ellinor sich nur als ihres Leutnants freundliche, liebenswürdige Rittmeisterin gab, obwohl ihr gegenüber Harro nur die ausgezeichnete Rücksicht und Höflichkeit übte, wie sie jeder Offizier für die Frau seines Vorgesetzten, jeder Kavalier für eine Dame betätigte: ja trotz der intnttr wieder auftebende« Freundlichkeit, auch


