Ausgabe 
29.8.1904
 
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Redaktion: Paul Witiko. Rotationsdruck und Verlaa der B rüKl'idicn Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».

Dafür nicht, mein Lieber/' c

Na, 46 Mark. Ich wilt nicht gesund von der Stelle gehen, wenn ich noch einen Pfennig zulege, nicht gesund tvill ich blechen, so wahr ich Hier stehe", und er fängt an, sich zu. verfluchen und zu verschwören, daß er durchauv nicht mehr geben könne.Mensch, stoß' Dein Glück nicht von Dir. Nachher tut Drr'K leib, wirst man sehen!" spricht er zum Schluß.

48 Mark, Thiel, wenn Du sie durchaus haben willst. Meine Krau hat Dir ja den Preis gestellt. 48 Mark und dabei bleibt's. Gibst es, ist es gut, gibst es nicht, ist es auch gut, deswegen keine Feindschaft. Legst Du nicht zu, tut's ein anderer.

Ein anderer? he, der Gollnick, was? Der, der Plöter! Mag er bei seinem Rindvichhandel bleiben und die Rinder auf­kaufen Der Mensch versteht überhaupt keine Schweme zu kaufen, der Gollnick, der kann .gar keine Schweine kaufen, der hat gar kein Geld dazu, der Gollnick!" schreit er in ferner überlauten

Was, der Gollnick hat kein Geld? Hast seine Taschen ge­sehen, oder hat er sich schon von Dir etwas geborgt?" erwidert lemand, der durch die Gartenpforte den Hof betreten hat. Wir wenden uns ihm zu. . Es ist ein Mann von mittlerer Große und etwa in den fünfziger Jahren. r .

Na ist er ja schon, la, ja, wenn man vom Wolf spricht, ja, ja, man soll's nicht glauben", sagt Frau Prahl.

Ja, da ist er und kommt gerade zur rechten Zelt. Ich werde mal wieder schlecht gemacht. .Thiel, .Thiel, sieh Dich vor, sonst sprechen wir uns noch wo anders. Guten Morgen auch!

Guten Morgen!" antwortet das Ehepaar und reicht dem Kommenden die Hände. Mir nickt er zu, ich nicke wieder. Thiel sieht ihn von der Seite an, reicht ihm zurückhaltend die Hand 1Uli>6iet gibt's keine Rinder zn kaufen, Hörst! Mach/ .daß Du

Nanu", lacht Gollnick,ist das Dem Hof?" und zu Prahl gewendet fragt er:

Wo sind die Ferkel?" t

Dort im Stall", antwortet dieser und zeigt auf die offene Tür.

Du wirst Dir nicht die Schweine ansehen!" spricht Thiel.

Warum nicht? Sind es schon Deine, Thiel?"

So gut wie meine. Du siehst ja, daß ich tnt Handel stehe ,- spricht er und handelt weiter: ...» <

Also 46i/2 Mark, Prahl, und dann find wir fertig', und er ergreift Prahls Rechte und schüttelt sie. ,

47 Mark geb' ich unbesehen", ruft Gollnick.

Was, wie darfst Du Dick unterstehen, .hier zu bieten, wo ich schon die Schweine so gut wie ausgehandelt habe? Ist das 'ne Sache?" fährt Thiel auf ihn los. , ,

Hast Du es mir nicht vorgemacht und mir beim Schulzen tn Heliodrowo die Färsen vor der Nase weggenommen? Prahl,

Himmeldonnerwetter", flucht Thiel/ .hälft Dein Maul? Du kriegst sie doch nicht, das sag' ich Dir. 47i/2 Mark, Prahl, sind verkauft, sind verkauft!" und er schüttelt Prahls Rechte wieder und wieder und schlügt mit seiner Rechten wiederholt auf die-

48 Mark", ruft Gollnick und schüttelt Prahls Linke.

Abwechselnd wird Fenchen bald, nach der rechten, bald nach der linken Seite gezogen, sodaß es ihm schließlich zu viel !mrd. Er macht sich frei und spricht in komischem Ernst:

Wollt Ihr mich auseiuanderreißen? Dazu sucht Euch einen andern aus! , , ,

Satanas!" ruft Thiel und stellt sich dicht vor feinen Kon­kurrenten,kauf' Rindvieh, Ms Du verstehst, und schikanier nicht alte Leute. Ich hab' schon Schweine gekauft, als Du noch in den Windeln gelegen hast. Schämen sollst Dich, aber Du hast keine Scham mehr. , Zum letztenmal geb' ich Dir den Rat: Mach, daß Du fortkommst! Laß' mich nicht erst wütend werden, sonst passiert ein Unglück!" und. er knirscht mit den Zähnen.

Ich befürchte Schlimmes, doch Fenchen lacht mich aus und spricht:Hab' keine Angst, die beiden tun sich nichts."

Du kannst lange reden, ehe mir was gefällt",- entgegnet Goll­nick.Jeder Mensch weiß, daß Du ein grober Kerl bist und einen großen Hals hast", und er dreht ihm den Rücken zu und wendet sich zu Prahl: .

Ich hab' 48 Mark geboten, hast nichts gehört?

Zulegen mußt!" erklärt dieser,es geht äufs Meistgebot." 481/2 Mark", ruft Thiel.

49 Mark", überbietet ihn Gollnick.

491/» Mark", schreit Thiel, und als er sieht, daß sein Gegner den Mund öffnet, um zu reden, brüllt er weiter:

50 Mark der Zentner! Immer rüber, Gollnick,- oder ist Dir die Puste ausgegangen?"

So dumm!" erwidert der Angeredete.

Sind mit 50 Mark verkauft, Thiel hat sie"/ entscheidet Prahl.

Aber Gollnick fährt fort:So dumm! Denkst, ich wollt die

Schweine haben, ja? Treiben tooltf ich Dich, weiter nichts. Und jetzt kann ich gehen. Adjes! 50 Mark der Zentner ist schönes Geld, Prahl, und der alte Thiel hat viel Geld, der kann zahlen", .und damit "verschwindet er durch die Pforte, durch "welche er gekommen^istz Gollnick, das kriegst wieder ab!" schreit

ihm Thiel nach. ,

Hulda, Hulda!" ruft der Hausherr.

Die Gerufene erscheint und fragt:Was soll ich?

Laß Mr Schwanzgeld geben", spricht die Hausfrau/.Herr Thiel hat die Schweine gekauft."

O das is grell!" entgegnet sie und hält ihm die offene

Gewiß, .Mädchen, sollst haben", und er öffnet sein Porte­monnaie, nimmt ein großes, blankes Geldstück heraus, legt es in ihre Hand und fahrt fort:Hier hast "'nen Dahler, schon egal/ so oder so pleite." , ... , ,.

Das is aber ein recht großer, das is wohl mehr?" fragt

'Hälst's Maul, dumme Marjell!" mahiit ihre Herrin. /.Was Du hast, hast Du, steck' weg und red' nicht!"

Sie gehorcht geschwind. . .... , m

Ach, da habe ich mich vergriffen und Mr fünf Mark ge­geben. Na laß man, Hulda, es kommt doch alles in einen Topp, wenn wir zum Winter heiraten", erklärt Thiel.

Hulda bedankt sich bei ihm. .

Darauf zieht Thiel seine Brieftasche vor, entnimmt ihr emen HuNdertmarffcheiN!.-und händigt ihn Prahl ein.Hier hast Hand­geld", spricht er,das andere Freitag vormittags bei Prinz­müllern in Antonienhof. Sv um achte, Uhre neune rum kannst mit ihnen da sein." , ... .

Wir brechen hier ab. Wer aber menten sollte, der alte Händ­ler habe sich im Wer wirklich zu einem leichtsinnigen Kauf ver­leiten lassen, wäre sehr im Irrtum. Er hatte natürlich em Tele­gramm tn der Tasche, das ihn anwies, für gute Schweme bis 52 Mark zu zahlen.

Gesundheitspflege.

Von der Monats-ZeitschriftW e r d e g e s u n d. Zeitschrift für "Volksgesundheitspflege, und. Krankheitsverhutung , heraus­gegeben von Dr. Georg Liebe m Waldhof Algershausen (Verlag von Theodor Krische in Erlangen) ging uns das Angusthest zu. Folgendes ist sein Inhalt: Goethe Lebenskunst, Auszug aus einem Vortrag des Herausgebers Gartenstädte. Von M. L ch- mann-Berlin. Fleticherisieren. Von Dr Kellogg. Verschiedene Artikel zur Alkoholfrage. Notizen zur Tuberkulose. Heilstatt cm- Chronik. Bücher- und Zeitschriftenschau. MiiteMngen und Lese­früchte. Wir empfehlen die Zeitschrift, welche nm 7-5> Plg. vierteljährlich eine Fülle von Belehrung, Anregung und Unter­haltung bietet.

Verwandlungs-Aufgabe.

In vorstehender Verwandlungs-Aufgabe soll das Wort Habe durch stufenweise Umänderung in die Worte Traufe, Nebel, Biber, Doge umgewandelt werden und zwar darf immer nur em Buch­stabe durch einen andern ersetzt oder em neuer hinzugefugt werden. Jedes Wort darf nur einmal vorkommen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.r

(Schlüssel: Für, jeden Buchstaben wird der im Alphabet vorangehende gesetzt; für az.) . r

Man kann viel, wenn man sich nur recht vwl L"iaut.^^^^

Traufe

Habe

Biber

& o CQ