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zu laufen, mit Weicker sie der noch immer bewußtlose« Mama die Schläfe einrieb.
Nur langsam erholte sich diese und suchte mit irren Blicken in der Runde umher.
„Liebe Mama, so rege Dich doch nicht unnötigerweise so schrecklich auf", sprach Erich besänftigend auf sie ein, „was sollte ihm denn passiert sein — ein alter Militär wird wohl mit dem Schießprügel umzugehen verstehen!"
„Nein, nein, es ijt ihm sicher ein Unglück zugestoßen, ich fühle es, meine Ahnung betrügt mich nicht", beharrte diese, vor Angst an allen Gliedern zitternd.
„Nun sage aber doch selbst, was kann ihm denn passiert sein?" drang Erich in sie.
„Wäre es vielleicht das erstemal, daß auf der Jagd ein Unglück geschah?" jammerte sie, ,-er kann über eine Baumwurzel gefallen sein — das Gewehr sich dabei entladen haben — oder..."
„Aber, liebe Mama, Du weißt doch wie vorsichtig unser Vater ist", suchte ihr Erich diesen Gedanken auszureden, und daun einer anderen, nicht ganz unwahrscheinlichen Vermutung Ausdruck gebend, sagte er: „Wir ängstigen uns sicherlich ganz grundlos, Papa wird sich der augekommenen Maschinen erinnert haben, und um diese in Augenschein zu nehmen, wird er zur Station gegangen sein."
Frau von Höchstfeld schüttelte nur den Kopf, und plötzlich in krampfhaftes Schluchzen ausbrechend, ries sie voller Entsetzen:
„Er ist. Räubern oder Wilddieben in die Hände gefallen — sie haben ihn sicher schon ermordet!"
„Rein, gnädige Frau, das ist ausgeschlossen, hier gibt es keine Räuber, mußte sogar Szabo, obgleich widerwillig, der Wahrheit die Ehre geben, „wenn es indes zu Ihrer Beruhigung dient, will ich sofort mit den Leuten die Waldungen abstreifen."
„Ich gehe Mitt', erklärte Frau von Höchstfeld in voller Aufregung.
Erich hatte alle Mühe, sie davon abzubringech und nachdem er Erna eingeschärft, die Mutter keine Minute allein zu lassen, stellte er sich an die Spitze der Männer Und Burschen, die sich mittlerweile mit alten rostigen Flinten, Dunggabeln und Hacken bewaffnet hatten, mrd unter dem flackernden Licht der Kienspäne zog man gruppenweise in verschiedenen Richtungen ab.
Um Mitterimcht kehrte die erste, gegen zwei Uhr morgens die letzte Abteilung — resultatlos — zurück.
Erich, nunmehr selbst in höchster Aufregung, die pr Nur schwer vor der Mutter verbergen konnte, ließ sofort anspannen.
(Fortsetzung folgt.)
ZIeim Schrveineyandel.
Das Leben der Bauern im Netzebruch schildert .Franz Werner in seinem „Roman aus der Ostmark". Man 'findet in dem Roman eine Reihe gut beobachteter Bilder dörslichen Lebens. .Eins davon, an dem sich Freunde derber Komik erfreuen werden, geben wir int folgenden wieder.
„Wir waren eben mit dem zweiten Frühstück fertig geworden, als ein kleiner Wagen mit hohen Rädern und einem großen, starkknochigen, schwarzen Gaul davor auf den Hof saust, daß Hühner und Enten erschreckt emporflattern und der Hofhund wütend 4X11 feiner ^ette Tcifxt.
„Das ist der alte Thiel!" spricht Prahl, ohne hinzusehen, >,so fährt nur der!"
„Du Ferdinand, Thiel ist da" spricht Frau Prahl, welche eben zu uns hereintritt.
„Ich habe ihn schon gehört, Mutter; heute wollen wir ihn zappeln lassen, er hat uns das letzte Mal zu wenig gezahlt." „Wie stehen sie denn jetzt?" fragte sie.
. „Solche Ware wie unsre fünfzig Mark der Zentner, da wird ex doch höchstens sünfundvierzig Mark geben wollen."
,,«ie haben auch noch 'Zeit, ein bißchen fetter können sie noch werden."
„Ach was", bestimmt er, „zahlt er 46 Mark, fort mit Schaden."
Indessen ist Thiel abgestiegen. Er ist ein großer, starker Mann tm fettigen grauen Anzuge mit dito kleiner Mütze auf dem Kopfe, unter der das kurzgeschorene, weiße Haar hervorsieht. Um den Lew. geschnallt trägt er eine Geldkatze. Er knallt einigemale Mtt der Peitsche und ruft „Holla!" mit seiner mächtigen Stimme.
Da kommt die Hulda mit einem Eimer von den Ställen her nnd nähertfich dem Hause.
„Na, Mädchen, der Herr zu Haufe?" ftagt er, faßt sie um dre Taille^ und zieht sie an sich
„Er ist da", .antwortet sie, „.aber lassen Sie mich dock lern,
ich hab' keine Zeit nicht!" und sie sucht sich zu Befreie«, was ihr aber nicht gelingt.
„Stramme Marjell bist, wenn wir uns heirate«, so gibt's lauter Gardisten. Willst den alten Thiel haben, was?"
„Laß' mir die Hulda in Ruh', alter Sünder!" mahnt Prahl- der aufgestanden ist und durchs offene Fenster steht.
Er gibt sie frei und spricht: „Willst alles für Dich haben, hast nicht Deine Olle? Guten Morgen auch, komm mal 'raus, tch hab' nicht lange Zeit."
„Guten Morgen, Thiel- ich komme schon", und zu mir (dem Erzähler): „Kommst nicht mit?"
„Ja", antwortete ich.
Wir betreten den Hof, und die beiden begrüßen einander.
„Nun, wie ist's?"
„Was meinst?" fragt Prahl zurück.
„Was ich meine? Ich komme wegen der Schweinchen."-.
„Ach so. ,Da kommst zu früh."
„Die müssen doch schon fett sein?"
„Sie sind mir noch nicht recht koscher."
„Ansehen werd' ich sie mir."
„Wozu, wenn sie doch nicht kaufen kannst?"
„Rackerzeug, dies Kolonistenpack! Nun die Schweine kitapp sind, sind sie dem Herrn Prahl noch nicht fett genug. War? man, Brüderchen, es kommt die Zeit, wo ihr noch betteln werdet, daß wir sie Euch abnehmen."
., . »Das wirst nicht erleben, Freundchen- meine Ware werde ich 'mit Kußhand los, und dann kann ich's aushalten."
„Daß Du mir nicht die Schweine verkaufst, Fernad!" ruft Frau Ottilie, die aus dem Hause kommt.
„Aha, die Olle!" brummt Thiel. Laut aber sagt er: 5/®uten Morgen Madame!" nimmt seine Mütze ab, geht ihr entgegen, drückt ihr die Land und spricht^ „Weiß der Deubel, Mutter Prahls Sie werden alle Tage hübscher."
„Seht den altert Katzoff, tote er schmeicheln kann. Die Schweins kriegen Sie deshalb doch nicht."
„Darati hab' ich wahrhastig nicht gedacht. Aber es ist wahr. Lassen Sie sich von Ihrem Kreppenseher scheiden, und dann heiraten wir beide."
„Wir? Sie wollen doch die Hulda haben? Sie und heiraten, machen Sie sich man mit dem Erdmann bekannt!"
Ich? Ich leb' so lang sch will."
Zusammen gehen wir zu den Ställen, Thiel voran und öffnet. Er weiß Bescheid. Vorn links liegen die Fraglichen. Thiel jagt sie tauf. .Zehn sind's, die ein kleines Kapital repräsentieren. Er steich.scher den Zaun und befühlt eins mit kundiger Hand. Dann klettert er wieder zurück, öffnet die Klappe, wirst einen prüfettden Blick in die Krippe und sagt:
„Ich nehme sie natürlich. Mit Pfeffer und Salz lassen sie sich schon essen."
„Wie teuer der Zentner?" fragt Thiel.
„Wir schlagen sie noch nicht los", antwortet die Hausmutter.
„Warum nicht?"
„Weil sie jetzt am schnellsten itts Geld wachsen", antwortet sie, „Für tven spart Ihr eigentlich? Also Fernand, wie teuer?" „Hörst ja, was Mutter sagt."
„Unsinn, 43 Mark der Zentner, lebend Gewicht, willst?" Das.Ehepaar lacht laut auf.
„Nu aber 'raus aus dem Stall!" spricht Prahl und nimmt ihn unter den Arm.
Sie treten hinaus und wir gehen in die Mitte des Hofes.
„Red' doch, Mensch, fordere doch! Man weiß nicht, woran man bei. Dir ist."
„Sie haben noch Zeit."
„Dummheit!"
„48 Mark der Zentner", spricht Frau Prahl lächelnd, „bann können Sie sie kriegen."
„Wie viel? Soll ich auf meine alten Tage Prachern gehen?"
„Prachern? Dann lassen Sie sie doch stehen!" gibt sie ihm zurück.
„43i/o Mark gebe ich, .keinen Pfennig mehr."
„Denk' ich gar nicht dran", antwortet Prahl.
„44 Mark, Hand her!" Er greift Prahls Hand mit der Linken, hält sie fest, schlügt mit seiner Rechten in dieselbe und ruft: „Sind verkauft, find verkauft!"
Prahl schüttelt den Kopf.
„Denn nickst, Adjes! Ihr wißt, ..handeln tu ich nicht gerne, und viel reden ist nicht meine Mcst>e."
„Handeln und reden tust Du nicht viel, Du hast recht", sacht Prahl. .Thiel geht brummend auf seinen Wagen zu, macht aber Kehrt und kommt zurück.
„Ich werde Dir >vas sagen, Fernarch, 44ya Mark. Wir machen Schaden, nnd mein Schwiegersohn dreht mir bas Genick um, aber das schadet nichts. Dir zn Liebe riskier ich alles, denn Du bist mein bester Freund. Also 44>/2 Mark, willst?"
„Laß sie man stehen, Thiel, ich komme wieder!"
„Willst 45 Mark? Da» ist mein letztes Gebot. Das sag? ich Dir, tvahrhastiger Gott. Hand her!"
Wieder nimmt er PrahlS Rechte, bearbeitet sie nnd spricht» „Such verkauft, sind verkauft!"


