Ausgabe 
29.4.1904
 
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meines hochseligen Herrn, und als ich ihm meinen Vortrag gehalten hatte, sagte er:Machen wir." Und so wurde, es gemacht."

Zum Schluß sei noch ein Urteil Bismarcks über Cham­berlain angeführt. Bon Chamberlains Politik und seinem Bramarbasieren sprechend, sagte Bismarck:Chamberlain kommt urir immer so vor, wie der Riese in einem englischen Bilderbuch, das ich besessen, der sich in seine Höhle zurück­zieht, die Stiefel Davor aufhängt und hineintritt und un­gefähr so sagt: The man, who wants these boots so steal, must first to my strength appeal. Wer den Diebstahl dieser Stiefel will probieren, Muß erHh an meine Stärke appel­lieren.) Die Engländer trinken heute weniger wie friiher, deshalb ist auch ihre Politik schlechter geworden. Die Schiveden trinken noch viel, die Norweger weniger."

Iie Kygiene des Aauch-ns.

Die Ursachen der beim Tabakraucher: ost auftretenden schweren. Erkrankungen, ivelche man gemeinhin mit Nikotin­vergiftung bezeichnet, bilden seit längerer Zeit den Gegen­stand lebhafter Diskussion in medizinischen Kreisen. Bei den verschieden angestelltcn Bestrebungen, Mittel zur Ver­hütung dieser üblen Folgeerscheinungen zu finden, zeigte es sich, daß unsere bisherigen Vorstellungen von dem Ursprung und dem Wesen dieser Krankheit nicht zutreffen. Im allgemeinen wird von einer Nikotinvergiftung ge­sprochen, womit gemeint ist, daß das beim Rauchen der Pfeife oder der Zigarre aufgenommene Nikotin die Ver­giftungserscheinungen zur Folge habe. Mkotin ist aller­dings eines der stärksten Giftstoffe und es wäre keineswegs verwunderlich, daß der Genuß dieses Giftes die schtversten Gesundheitsstörungen Hervorrufen würde. Neuestens haben medizinische Forscher jedoch sowohl bei der Beurteilung der erwähnten Leiden der Tabakraucher, als auch bei der Untersuchung des Rauchens au sich immer mehr Zweifel in die Annahme gesetzt, daß das Mkotin die Krankheits­ursache sei. Und die Ergebnisse, welche jetzt von ver­schiedenen Universitäts-Laboratorien auf Grund genauer Studien übereinstimmend festgestellt wurden, weichen tat­sächlich von unseren bisherigen Vorstellungen ab und schaffen ganz neue Gesichtspunkte. Das Rauchen ist eigent­lich eine trockene Destillation, bei welchem die Bestandteile des Tabaks teils Itt Dampf verwandelt, teils zersetzt iwerden, wobei sie sich in den kälteren Teilen des Apparates zu einer dickflüssigen Masse ansainmeln. Dies geschieht bei der Pfeife im Pfeifenrohr und bei der Zigarre im oberen Mundende und man kann am richtigsten von einem soge- nannten Rauchteer sprechen. Es wären also zunächst beim Rauchgenuß zwei Produkte zu unterscheiden: der Rauch und der Rauchteer. In diesen beiden Produkten fand man die folgenden chemischen Substanzen: Nikotin, Tabaks- kampfer, aromatische Riechstoffe und Wasser, ferner bilden sich Pyridin, Kohlenoxyd, Blausäuregas, Schwefelwasser­stoff und endlich ein eigentümliches Oel. Es ist nun die Frage, welche von diesen hier angeführten Stoffen den Genuß beim Rauchen'verursachen und wieviel wir von diese:: Stoffen dabei in uns aufnehmen. Neben den aromati­schen sind es zweifellos jene Stoffe, welche eine wohlige Anregung gu schaffen vermögen, es wären dies Pyridin, Blausäure und Nikotin; da die erstgenannten Stoffe bisher nicht bekannt ivaren, wurde allgemein das Nikotin allein hierfür gehalten. Von dein Rauchteer gelangt nun immer­hin ein Minimunr in den Mund und wird von uns aufge­sogen. Die Hauptsache bildet jedoch der eingesogene Rauch. Mindestens die Hälfte des Gesamtrauches wird vom Rau­cher cingesogen. Es bliebe nur zu untersuchen, wie viel dieser Rauch nebst den anderen chemischen Produkten Niko­tin enthalte. Würde das gesamte Nikotin in den Rauch übergehen, dann würde auch bei der schwachen Zigarre mindestens ein Gramm Nikotin sich entwickeln und die Halste davon würde der Raucher einsaugen. Nachdem jedoch fünf Zentigramm Nikotin für den Menschen schon schädlich sind, müßte jeder nach dem Genuß auch nur einer Zigarre in Vergiftungsgefahr kominen. Außerdem aber hat reines Nikotin einen unerträglichen Geruch und nur einige Tropfen davon in der Zimmerluft verbreitet, würden den Aufenthalt daselbst unmöglich machen. In einen: Rauch-

zimnler müßte cs demnach überhaupt nicht auszuhalterr sein. Es ist also erwiesen, daß Nikotin keineswegs in größerer Menge im Rauch enthalten sein kann, sondern nur mit unter den anderen chemischen Stoffen vor kommt. Es tväre demnach auch falsch, von einer Nikotinvergiftung zu sprechen, sondern es müßte richtiger Tabakrauchvergift­ung heißen. Denn alle diese Stoffe wirken zusammen bei übermäßigem oder unzweckmäßigem Genüsse schädlich. Und eine Verhütung dieser üblen Folgen kann also nur dadurch erreicht werden, daß man das Aufsaugen dieser Stoffe mög­lichst vermeidet, indem man bei der Pfeife den Rauchteer stets öfter entfernt, nämlich den dicken, braunen Saft im Pfeifenrohr, und bei der Zigarre darauf achtet, daß das Endstück, wo der Rauchteer sich ansammelt, nicht ausgeraucht und was rioch wichtiger ist, auch nicht gekaut iverde, denn zum Kauen tvird deshalb ein eigens gereinigter und prä­parierter Tabak hergestellt. Aus dem gleichen Grunde wäre noch zu empfehlen, daß die Zigarren hell seien, gut trocken und nicht zu fest gewickelt.

Vermischtes. ______

*Vonraucheuden Königinnen erzählt ein fran­zösisches Blatt:Weiß man, daß die reizende Königin von Portugal es liebt, im intimen Kreise einige Cigaretten zu schmauchen? Sie schätzt besonders eine Sorte deutschen Tabak, den man ihr eigens von Dresden kommen läßt. Ihre Mutter, die Gräfin von Paris, liebt nur echten Havanna, den sie aber nur höchst selten in leichten Cigaretten genießt. Dieses sind aber nicht die einzigen Königinnen, die diesen Genuß lieben. Die Mehrzahl raucht mehr oder weniger. Die unglückliche Kaiserin von Oesterreich, Vie so traurig endete, rauchte 30 bis 40 Cigaretten im Tag, türkische oder russische, ja sie hatte sogar die Gewohnheit, kleine italienische Cigaretten zu rauchen, indem sie eine Tasse starken braunen Kaffees dazu trank. Auch die Z ar in liebt es, ihre wenigen Mußestunden mit einigen Cigaretten zu würzen. Es heißt, auf ihrem Schreibtisch liegt immer eine schöne, kunstvolle, goldene Cigarettentasche, dazu ein silberner Aschenbecher und eben­solcher Streichholzhalter. Die Königin von Italien raucht selten. Die Mutter Alphons XIII. konsumiert dagegen täglich eine enorme Quantität ägyptischer Ciga­retten. Die Königin Natalie von Serbie besitzt ein wunderbares Cigarettenzeug, welches sie ost benutzt. Die Königin von Rumänien (als Carmen Silva in der Literatur bekannt) führt bei sich reizende Cigarrenetuis in Gold und Silber, kann aber den Rauch des Tabaks nicht vertragen. Am englischen Hofe endlich strenges Verbot, zu rauchen für die Damen. Die Königin, scheint es, würde nie dulden, daß man in ihrer Gegenwart raucht. Was sagt dazu im Stillen wohl die hohe Aristokratie Englands, in der man bis jetzt die unerschrockensten Raucherinnen zähltet

Ein Festmahl mit 1200 Gedecken fand un­längst zu Ehren der Einführung des neuen Kanzlers der Kansas-Staats-Universität, Tr. Strong, unter Beteiligung zahlreicher Vertreter der amerikanischen Ge­lehrtenkreise statt. Bemerkenswert war das Fehlen je­des alkoholischen Getränkes. Ten Gästen wurde nach beendetem Mahle nur eine Tasse Kaffee gereicht. Tie seltene Feier machte auf alle Teilnehmer einen tiefen Eindruck, der jedenfalls bleibender sein wird, als es bei ähnlichen Anlässen in Deutschland unter dem dann herr­schenden Trinkzwange sein kann.

Logogriph.

(Nachdruck verboten.)

Lab nimmer dich von mir umstricken Und sieht dein Blick auch ringsum Nacht. Dich wird doch wieder neu erquicken Des jungen Morgens Sonnenpracht.

Faß Mut, du mußt mich kräftig regen, Mich kopslos, du verstehst mich recht! Nur unter Kamps und Schicksalsschlägen Wächst auf ein rnännliches Geschlecht.

(Auslösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Merkrätsels in vor. Nr.r Buchhandlung.

Redaktion: Nngnst Ek(-. Rotationsdruck und Berka» der Brnhl'schcn '.lnirerstlätk-Buch- und Ctcindriickerci. R. Lange, Gießen.