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frisch wie vor zwei Jahren aus, wo ich ihn zuletzt sah. Er sprach schnell und lebhaft und mit Sachkenntnis. In seinem Wesen findet sich eine Andeutung Schüchternheit, die seine Per­sönlichkeit nur noch gewinnender und sympathischer macht. Sein ganzes Austrcten ist so einsach und anspruchslos, daß es einem schwer wird, $u glauben, daß dieser Mann, der ak Padischah ist, vor dem die Mohammedaner zittern, der tsazgan khan, dessen Ruf tief in Asien, ja bis zu den südlichen Ländern des Konti­nents gedrungen ist Man vergißt, daß man sich dem Selbst­herrscher gegenüber befindet, und einige Male ertappte ich mich dabei, statt Eiv. kaiserliche Majestät die einfache Anrede Sie zu gebrauchen Tann lächelt er freundlich, und man glaubt zu merken, daß cs ihm ein Genuß ist, sich als Mensch zu fühlen, der srei und offen mit einem Fremden sprechen kann. Mit einem traurigen Blick begann er:Wie geht's Ihnen, Doktor nun, ich brauche ja kaum zu fragen", und als ich mir eme gleiche Frage gestattete, erwiderte er lachend:Ausgezeichnet, meinen Sie, daß ich irgendwie leidend aussehe?" Er hatw schon mein Buch gesehen und schlug die Tedikation auf, die ich an meine vier Kosaken richtete, wobei er äußerte: ,,^hre Worte an die Kosaken haben mich tief gerührt." lieber die ersten Teste meiner wissenschaftlichen Arbeit, die ich ihm im Sommer schickte, äußerte er sich sehr freundlich und bemerkte, er und die Kai­serin hätten die Illustrationen mit großem Vergnügen besehen. Er sprach über seine eigene Reise in Indien mit deren angenehmen Erinnerungen und bedauerte, niemals Gelegenheit gehabt zu haben, die Bekanntschaft Lord Eurzons zu machen, den er für den grüßten Staatsmann unserer Zeit hielt. . . . Dann fiel die Rede auf Tinge, die ich kluglicherweise übergehe, und zuletzt schenkte mir der Zar sein Porträt mit eigenhändiger Unter­schrift. Betreffs meiner Zukunftspläne äußerte er, ohne H'be Andeutung von meiner Seite:Erinnern Sie sich meines Ver­sprechens, daß ich Ihnen für die nächste Reise so viele Kosaken, wie Sie haben wollen, als Eskorte zur Verfügung stelle, mag Krieg oder Frieden im Lande herrschen".

Zar Nikolaus ist eine empfindsame und weiche Natur, em edler und warmherziger Mensch, und die Räubergeschichten, die in diesem Jahre über ihn verbreitet wurden, sind gehässige Er­findungen, entweder von Rachbegier oder Schadenfreude diktiert. Er hat diesen unglücklichen Krieg, der plötzlich wie eine unheim­liche Wirklichkeit über ihn gekommen ist, weder gewünscht noch beschleunigt, und niemand sehnt sich aufrichtiger nach dessen Ende als er. Seine Stellung zu den Bewegungen, die letzt Rußland in seinen Grundpfeilern erschüttern, ist wohl die schwierigste, die ins Los eines Selbstherrschers fallen kann, und er verdient Teilnahme, nicht Tadel. Es sind Verhältnisse und Strömungen der Zeit, die während langer Jahre reiften und jetzt, vom Krieg beschleunigt, zum Ausbruch kommen."

Im übrigen erwähnt Mut auch die in Rußland herrschende Mißstimniung gegen Schiveden. Er bekam oft Anspielungen auf die Vorgänge bei der Toggerbank zu hören. Man meinte,. die Japaner hätten Torpedoboote in irgend einem norwegischen Mord verborgen gehalten, und als Hediu auf das energische Tementi des schwedisch-norwegischen Gesandten in St. Petersburg hin­wies, wurde ihm erwidert:W as bedeuten in unserer Zeit offizielle Dementis?"

* Ein neues Porträt der Pompadour, lieber den Porträts der Mad. Pompadour von Nattier scheint ein nierk- wnrdiger Unstern geschwebt zu haben. Keines von ihnen war uns bis jetzt wieder bekannt geworden, so schreibt Pierre de Nolhae in derGazette des Beaux' Arts", obwohl wir genau wissen, daß sie viele Male von diesem Maler, den sie bereits als einfache Mme. de Le Normand d'Etoiles gekannt hatte, por­trätiert worden ist. Schon bald nachdem sie erklärte Maitresse Ludf wigs XV. geworden war, ward sie als jagende Tiana von Nottier gemalt, doch ist dieses Gemälde ganz verschollen. Von anderen Porträts Nattiers sind nur noch Stiche erhalten. Besonders bekannt ist eines dieser Blätter, das nach ihrem Tode hergestellt wurde. Es ist das eine Büste der Pompadour, die von einer leicht über der rechten Schulter festgehaltenen Draperie umrahmt wird; sie trägt die Haare glatt. Das Oval des runden zier­lichen Gesichts zeigt nicht allzuviele Reize und eine gewisse uniiebenswürdige Strenge. So sah sie uns aus Stichen der Cathelin und le Beau entgegen. Aber das Urbild dieser ver­führerischen und berückenden Frau war nicht mehr herauszulesen aus diesen blassen Wiedergaben der Nattierfchen Werke. Te Volhae weist nun das Original zu dem Stich Cathclins in einem un­beachteten Bilde des Provinzialmuseums von Saint-Omer nach, das eineunbekannte Dame" darstellen sollte, das sich nun aber als das Bild der Pompadour herausstellt, jener Frau, deren Name auch heute noch in der Bezeichnung unzähliger Gegen­stände der Mode genannt wird, ja deren Persönlichkeit uns die ganze Kultur des Rokoko vorzaubert. Durch diese Entdeckung fällt auch neues Licht aus ein. Bild des Museums von Versailles, das bis jetzt für ein Porträt der Luise-Henriette von Bourbon- Conti gehalten wurde, aus dem aber ebenfalls die Züge der

Verbrechen.

Tondichtung.

quälende Empfindung.

Zahlwort.

sind gleichlautend mit den senkrechten.

Die wagerechlen Reihen .

(Auflösung in nächster Nummer.)

Pompadour uns anlächeln, während die Prinzessin auf ihren authentischen Porträts ganz anders aussieht. Diese Pompadour des Nattier ist eine ganz andere als die stolze majestätische Dame, die Herrscherin und imponierende Erscheinung, als die sie sich sonst darstellt. Ein zierlich rundes Gesicht von entzückendster Lieblichkeit bietet sich dar, große Helle freundlich blickende Augen, eine etwas breite niedliche Naie ein neckisch geschürzter voller Mund und das rundeste Kinn. Wie dies Köpfchen aus dem herr­lich hervorblühenden Halse sich neigt, wie die schlichten Haare auf der hohen und klaren, schön geivölbten Stirn lockig ansetzen, das ist von einer bezaubernden Charme. Nun erst sind uns die Reize dieser Frau erschlossen und wir ahnen alle die Anmut, mit der sie einen König gefangen nahm, wenn wir auch freilich nicht ihre starke Persönlichkeit, die machtvolle Geisteskraft, die hinter dieser schönen Stirn lebte, die kräftige Energie, die diese weichen Züge beseelte, vergessen wollen. Nattier hat uns erst, besser als die Goncourts, in der großen Frau auch das reizende Weib gezeigt.

Literarisches.

Goethe und seine Eltern von Hermann Kruger- Westeud. Verlag von Hermann Böhlaus Nachfolgern in Weimar. Preis 1 Mk. Tie vorliegende Arbeit macht mit den zahlreichen Wesens- und Charaktereigenschaften bekannt, die der große Dichter mit seinen Eltern gemein hatte. Kruger weist nach, daß Goethe seine erhabene Olympiergröße, überhaupt seine ganze große dich­terische Persönlichkeit in erster Linie seinen trefflichen Eltern verdankt. In ihnen treten uns die beiden geistigen Haupt- strömnngen des achtzehnten Jahrhunderts entgegen, die sich nn Weisen von Weimar zu reinster Harmonie verklären. Tas Leoen der Eltern hat der Dichter in schönster Vollendung nachgelebt. Tas hat Krüger in erschöpfender Weise bargetan. Tie Broschüre ist flott geschrieben und für den großen Kreis der Freunde Goethes und der Freunde unserer Nachbarstadt Frankfurt bestimmt.

Das erste Heft des neuen Jahrganges derSüddeuts ch en Monatshefte (München, Georg Müller, Jahrespreis 15 Mk., das Quartal 4 Mk.) hat folgenden Inhalt: Ter Anfang einer längeren Erzählung von Wilhelm Fischer,Haus ^entzsiu ; Schneehendlpseisen", Erzählung von Ludwig Thonia;Un- gedruckte Briefe von Peter Cornelius und buch ar d Wagner"; München im Anfang der 70er Jahre" von Haus Thoma;Spinoza" von Fritz Mauthuer;Scyulfragenvon FriedrichNaumann; die neue RubrikRundschau" mit Bei­trägen von Stadtrat Flesch (Wohnungskongreß); Ma or Faller (Port Arthur); Hans Pfitzuer (Berliner Theater'; Paul Marsop (Mottl); Hermann Hesse (Karillou); o. v. Halle (Funanzrundschau). ,

Hoffmaun-Kutschke, Allerlei aus Krieg und Frieden Ernste und humoristische patriotische Erzählungen und Gedichte für Jedermann. Mit einem Vorwort von Pro­fessor Tr. H. Unbescheid.. Mit zahlreichen Illustrationen 228 Seiten oktav Geh. 3 Mk. Breslau, Schlesische Verlags-Anstalt von S. Schottlaender. Ter seit seiner Gleiberg er Sommer­frische in Gießen wohlbekannte Verfasser des Kutschke-LiedeS hat seiner Liedersammlung einen Band in Poesie und Proia, folgen lassen. In einfacher, ungekünstelter Sprache gibt er feine Erinnerungen aus dem Kriege. 1870/71 bis zur schlacht oei Sedan, in welcher er selbst schwer verwundet wurde, sonne spätere Erlebnisse. Interessant und oft humoristisch wird das Leben int Felde, mit ergreifender Anschaulichkeit das Toben der Schlacht geschildert, und die Reifebeschreibungen zeigen, wie der tapfere Kämpfer auch später geehrt und ausgezeichnet worden. Tie Gedichte sind größtenteils in Veranlassung militarilwer Fest­lichkeiten und Gedenktage entstanden. Ueberall leuchtet begetlterie Vaterlandsliebe und echt deutsche Gesinnung durch, und so wird das Werk nicht nur für die, welche an lenen Kämpfen selbst tätig teilgenommen haben, sondern für Jeden, dem das gegenwärtige und zukünftige Wohl des Vaterlandes am Herzen siegt, ne liebe Lektüre bilden. Porträts der deutschen Fürsten und . d- herren und Bilder aus dem Kriege sind zahlreich betg. r tt. Es ist ein patriotisches Buch, dessen Widmung der Kontg von Württemberg, unter Auszeichnung des Verfassers durch Ver­leihung seines Bildes mit Unterschrift, anzunehmen geruhte.

Magisches Quadrat.

^Nachdruck verboten.)

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Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr: Tausendkünstler.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.