die Tante reift, reise ich natürlich mit. Lizzy, was sagst Tn?"

Mir bleibt ja keine Wahl", antwortete Fräulein Carle- ton ruhiger, als es sonst ihre Art war.

Ah, da kommen die Zeitungen!" rief jetzt Frau Main- waring, ihren Kneifer aufsetzend und sofort hastig in den Blättern suchendNach England gehen Schiffe: Don­nerstag, drei Uhr nachmittags, dieCampania" vor­trefflich ! Kinder, dann reisen wir morgen."

Morgen schon?" schrieen die jungen Mädchen.

Nun, freut Euch das denn nicht?" entgegnete Frau Mainwaring aufstehend.Ich will sogleich das Packen bestellen."

Sie rauschte eilig ab, und ihr Aufbruch gab das Zeichen für die ganze Gesellschaft.

Während sich einer nach dem anderen entfernte, hielt Herr Whitney noch einige Augenblicke Fräulein Carleton fest und sagte ihr warme Worte des Bedauerns über ihre plötzliche Abreise, die sie höflich, aber nur kurz, be­antwortete. Als er sie verlassen hatte, trat sie noch ein­mal an die Brüstung der Veranda und blickte träumerisch auf den Fluß und die fernen Berge. Merrick, der noch auf und ab schritt, beobachtete das schöne, junge Mädchen jetzt ebenso, wie er vorher Whitney mit ihr zusammen! beobachtet hatte, und sah ihr mit einem eigentümlich! lachenden Blick nach, als sie endlich mit freundlichem Gruß die Veranda verließ.

(Fortsetzung folgt.)

Aas Märchen vom KäHnchem*)

Es war einmal ein alter Mann und eine alte Frau. Tie lebten einsam am Ende eines Torfes in einem niedrigen Häns­chen. Sie hatten ein kleines Hähnchen, das sie wie ihr eigenes Kind liebten, es hegten und pflegten.

Eines Tages mußten sie in den Wald gehen und Holz für den Winter fällen. Sie stellten eine Schale mit Roggenkörnern und eine andere Schale mit Wasser neben den Ofen und sprachsen dann zum Hähnchen:Hier hast du zu essen und zu trinken.

nun hübsch in der Stube. Tie Füchsin lauert draußen vor aus, und wenn du dich zeigst, wrck> sie dich fressen. Darum sch brav."

Hähnchen versprach alles zu tun, was die Alten ihm he­ckten, und so machten sie sich aus den Weg in den

aber hatten sie sich vom Hause entfernt, so kam die '< yces Weges und sah, daß die Leiden Mten sortgingen.

U :u)te sie, jetzt könnte sie das Hähnchen verlocken, ans

dem Zensier zu schauen. Und fing an zu singen:

Hähnchen, Hähnchen,

Mit dem goldnen Kämmchen, Schon zum Fenster hinaus. Edellentc fuhren vorbei. Ein Sack Erbsen riß entzwei, Und niemand ist da, Sie zu picken.

Tas Hähnchen aber wär sehr gierig, sprang auf das Fenster­brett, machte das Fenster auf und wollte sehen, ob die Erbsen auch wirklich auf der Straße lägen.

Tiefen Augeirblick benutzte die Füchsin, ergriff das Hähnchen und schleppte es mit sich fort, ihrem Hause zu. Da fing das Hähnchen an jämmerlich um Hilfe zu rufen und zu schreien:

Bauer und Bäuerin

Es schleppt mich die Füchsin Ueber Stock und Stein, Helft mir, helft mir!

Ter Bauer und seine Frau waren eben dabei, einen' Baum zu füllen, da sprach die Frau:Horch mal, mir schien es eben, als hörte ich die Stimme unseres Hähnchens!" Und richtig, da hörten ste auch das Hähnchen um Hilfe rufen.

Sie ließen Arbeit Arbeit sein, und liefen der Stimme nach. Bald Holten sie die Füchsin ein und nahmen ihr das arg zerraufte Hähnchen ab.

Zu Hause angekommen, wurde das Hähnchen wegen seines Ungehorjams sehr gescholten und es versprach gute Besserung.

Es verging einige Zeit, da mußten die beiden Mten wieder in den Wald, um Holz zu fällen.

Sie ermahnten das Hühnchen, ja recht folgsam zu sein, gaben ihm ein Schälchen mit schönem Futter und ein Schälchen mit Wasser und machten sich auf den Weg.

*) Als köstliche Probe der äußerst liebevollen Pflege, deren sich dasMärchen" in der neuen, von Hofrat Alexander Koch herausgegebenen ZeitschriftKind und Kunsts (Verlag von Alexander Koch-Darmstadt, jährliche 12 reichillustrierte Hefte 12 Mk., Preis des einzelnen Heftes mit 50 Illustrationen 1.25 Mk.) zu er­freuen hat, bringen wir hiermit dieses Märchen mit besonderer Genehmigung des Herausgebers zum Abdruck.

Kaum «aber waren sie fortgegangen, da kam die Füchsin vor das Haus. Tic hatte schon die ganze Zeit auf das Hähnchen ge­lauert und hoffte, daß ihr diesmal die Gelegenheit günstiger sein würde.

Das Hähnchen aber saß vor seinem Napf mit Gerste und sprach:Heute will ich nicht so dumm sein und mich von der Füchsin fangen lassen. Gerste ist doch viel schmackhafter als Erbsen."

Ta fing die Füchsin an zu singen:

Hähnchen, Hähnchen, Mit dem goldnen Kämmchen, Schau zum Fenster hinaus. Edelleute fuhren vorbei. Ein Sack Weizen riß entzwei. Und niemand ist da. Ihn zu picken.

Tas Hähnchen fraß ein Körnchen Gerste, aber jie wollte ihm gar nicht schmecken, immer mußte es an den Sack Weizen denken, der draußen verstreut lag.

Und wieder fing die Füchsin ihr Lied an. Ta dachte das Hähnchen:Wenn ich nur mit einem Auge hinausschaue, so kann mir doch nichts geschehen." Und es sprang aus das Fensterbrett, machte das Fenster ein ganz klein bischen auf und schielte mit dem linken Auge aus die Straße.

Ta hatte es aber auch schon die Füchsin beim Schopf und schleppte es ihrem Hause zu.

Vergebens rief das Hähnchen um Hilfe: die beiden Alten waren so tief in den Wald gegangen, daß sie es nicht hörten.

Wie der Bauer und seine Frau nach Hause kamen, da sanden sie das Hans leer; nur ein paar ausgerupfte Federn lagen auf der Straße vor dem Fenster. Tie beiden Alten waren sehr betrübt und weinten, denn sie dachten nicht anders, als daß ihr armes Hähn­chen von der bösen Füchsin gefressen worden sei.

Ter Bauer aber sprach zu seiner Frau:Wenn ich unser armes Hähnchen auch nicht lebendig machen kann, so will ich doch versuchen, die böse Füchsin zu finden und sie zu bestrafen."

Er zog daher einen großen Schafspelz und seine hohen Wasserstiefel an, hing sich einen Sack über die Schulter und nahm seine Leier in die Hand. Tann zog er wie ein Spielmann timt Torf zu Dorf, von Haus zu Haus. Vor jedem Hause sang er sein Lied und merkte auf, wer hinaussah.

So kam er auch vor das Haus der Füchsin und fing an zu spielen und sein Lied zu singen:

Klinge, klinge, meine Leier, Klinge, klinge, gold'ne Saite. Ist Frau Füchsin wohl zu Hause, Sind die Töchter auch daheim?

Tie erste ist das Zierpüpplein, Tie zweite ist das Habgierlein, Tie dritte ist das Fresserlein, Tie vierte ast das Geizhälslein.

Wie die Füchsin das Lied hörte, sprach sie zur ältesten Tochter:Geh, Zierpüpplein, und gib dem armen Mann ein Stückchen Brot, er wird wohl hungrig sein." Tenn wenn die Füchsin satt war, dann war sie auch wohltätig. Ta ging Zier­püpplein hinaus zum Spielmann. Kaum aber war es in seine Nähe gekommen, so packte es der Mte, drehte ihm den Hals um und steckte es in den Sack, den er Über dem Rücken trug,und fing sein Lied von neuem an zu singen.

Ta sprach die Füchsin zur zweiten Tochter:Geh, Habgier­lein, und rufe deine Schwester, was schwatzt sie da so lange mit dem Spielmann." Wer auch Habgierlein wurde vom Alten in den Sack gesteckt. So schickte die Füchsin nach und nach Fresserlein unt> Geizhälslein hinaus und konnte sich nicht genug wundern, daß sie alle nicht wiederkmuen. Endlich ging sic selbst hinaus, und konnte sich nicht genug wundern, daß sie alle nicht wieder- kamcn. Endlich ging sie selbst hinaus, um ihre schwatzlustigen Töchter zu rufen. Ta packte der Mte die böse Füchsin und steckte sie zu ihren Töchtern in den Sack. Ta ging er in das Haus und fand da das arme zerzauste reumütige Hähnchen, das ihn um Verzeihung bat und versprach, nie wieder ungehorsam zu sein. Ter Alte hob das Hähnchen ans fütterte es, tränkte es und brachte es seiner Frau, die überglücklich war, ihr totge­glaubtes Hähnchen wieder zu haben.

Aus den Fellen der Füchsin und ihrer Töchter ließ der Alte seiner Frau einen schönen Pelz nähen.

Clara Kramer-Weucclides.

Sven Hedin über de» russischen Kaiser.

Der Forschungsreisende Tr. Sven v. Hedin war kürzlich in Zarskoje Selo, um dem Kaiser Nikolaus, der ihn in so tat­kräftiger Weise ans der Reise nach Tibet gefördert und unterstützt hat, ein Exemplar der russischen Auslage seines Buches zu über­reichen. In einem Artikel inSveuska Tagbladet" teilt Hedin nun seine Eindrücke mit. .Der Kaiser", berichtet er,saß an seinem Schreibtisch, der mit Schriststücken, augenscheinlich Re­gierungssachen, bedeckt war. Er erhob sich sofort, kam mit freundlich entgegen, und es entspann sich nun eine halbstündige Unterhaltung über meine Reisen und Arbeiten. In St. Peters­burg hatte man mir gesagt, der Kaiser wäre im letzten Jahre ab­gefallen. Ties ist nicht wahr. Er sieht genau so wohl unti.