Während er dies sagte, trat Skott aus dem Turm- jtmmer au die Herreu heran und sagte:

Tie Abschrift ist fertig und liegt auf dem Pult." Tann verließ er das Zimmer.

Der Rechtsanwalt, dem seine Blässe und sein verstörtes klussehen nicht entgangen waren, sah ihm kopfschüttelnd mch, dann folgte er Herrn Mainwaring nach dem Turm- stmmer, um mit diesem die Abschrift des Testaments zu prüfen. Hierbei fiel ihm wie er sich später erinnerte iuf, daß das oberste Löschblatt der ihm bekannten Schreib- anterlage, das mit Schriftabdrücken bedeckt gewesen war, rls er zum letztenmal an dem Pult gestanden hatte, jetzt ein vollständig reines Aussehen zeigte, die frühere oberste ßage also weggenommen sein mußte.

Am Nachmittag hatte sich Skott mit Herrn Mainwaring Md Whitney in das Stadtbureau begeben, um die Durch­sicht wichtiger Schriftstücke fortzusctzen. Da . erhielt er ein int ihn persönlich gerichtetes Kabeltelegramm aus London oon der Rechtsanwaltfirma Barton & Barton, mit der rr seit länger als einem Jahre in eigener geschäftlicher Verw­undung stand. Das Kabeltelegramm an sich überraschte ihn deshalb nicht, wohl aber versetzte ihn sein Inhalt hi Bestürzung. Er lautete:

Sind Sie mit einem I. Henry Carruthers aus London zusammengetroffen? Segelte vermutlich vor zehn Tagen ab. Können Sie seinen Aufenthalt angeben?"

Glücklicherweise befand Skott sich allein im Bureau. Herr Mainwaring und Witney waren in die Privatgeschäfts- räume gegangen. Es sah also niemand seine Ucberraschung und wie er nachgrübclte, ob diese Anfrage eine Beziehung M dem Rätsel haben könnte, das er seit dem Verlassen des Turmzimmers vergeblich zu lösen trachtete. Endlich, nach etwa einer halben Stunde, erwachte er aus seinem Sinnen und schickte folgende Erwiderung ab:

^Fragliche Person am 7. d. M. gesehen. Seitdem verschwunden. Am 8. d. M. Schreiben abgesandt. An­weisungen per Kabel."

Um vier Uhr fuhr der Schöneicher Wagen vor, um die Herren zurückzubringen. Whitney kam, um Skott ab- zuholen. Dieser aber, noch in voller Arbeit, sagte:

Ich habe hier noch etwas zu vollenden und will die Nacht hier bleiben. Bitte, wollen Sie mein Ausbleiben! bet den Herrschaften entschuldigen."

Ms der Rechtsanwalt am nächsten Tage wieder ins Bureau kam, sand er folgenden Brief vor:

Werter Herr! Ich bedauere. Ihnen mitteilen zu müssen, daß ich zur Ordnung wichtiger Privatangelegen­heiten auf stnbestimmte Zeit verreisen und deshalb meine Stellung als Sekretär ausgeben muß. Auf das mir an- -gebotene Gehalt verzichte ich. Ihnen bisher nach meinen Mästen eine Hilfe gewesen zu sein, gereicht mir zu um so größerer Genugtuung, als ich nur allzugut weiß, welch schwere Ausgabe vor Ihnen liegt.

In der Hoffnung, Sie künftig wiederzusehen, bin ich Mit größter Hochachtung

Ihr ergebenster

Harry Skott."

Nachdem Whitney diese Zeilen gelesen hatte, mur­melte er:

Merrick scheint mit der harten Nuß recht zu haben. Ich fange schon jetzt an, daran zu beißen. Was mag den Menschen so eilig fortgcführt haben?"

Als er wieder nach Schöneiche zurückkam, fand er sämt­liche Hausgäste, einschließlich Merrick, der sich einige Zeit nicht hatte blicken lassen, aus der Veranda versammelt. Seine Mitteilung von der plötzlich unternommenen Reise des Sekretärs erregte allgemeines Erstaunen.

Nein, das istaber doch zu häßlich, so zu verschwinden", rief Edith Thornton.Er war ein so netter, interessanter Mensch. Wir alle fingen an, ihn gern zu haben."

Alle?" warf Fräulein Isabella verächtlich ein.Ich wüßte wirklich nicht, daß wir alle so bezaubert von ihm gewesen wären, wie Du es zu sein scheinst. Hier nimmt man zum Zeitvertreib eben mit jedem vorlieb, der etwas zur Unterhaltung beiträgt, und unterhaltend war er, das will ich zugeben."

Natürlich, Dir könnte ein Engel vom Himmel herunter­fallen, und Du würdest noch etwas an ihm auszusetzen haben", bemerkte ihr Bruder spitzig.Skott ist ein durch durch und durch, vornehmer, prächtiger Kerl: mir wird! kr sehr fehlen.""

Fräulein Carleton äußerte sich nicht, denn was sie dachte, wollte sie sich selbst kaum sagen. Sie fühlte sich enttäuscht und verletzt über die Art, wie Skott sich entfernt hatte. Daß er, scheinbar ohne einen Gedanken an sie fort­gehen würde, hatte sie nicht erwartet. Nach der Freund­schaft und dem Vertrauen, die sie ihm bezeigt hatte, hätte er ihr doch ivenigstens einen Abschiedsgrutz schicken müssen.

Am lautesten ließ sich Herr Mainwaring aus.Ich, für meine Person", sagte er zu dem Detektiv,bedauere gar nicht, daß er das Beispiel des Kutschers befolgt und sich aus dem Staube Gemacht hat. Er wird auch seine guten Gründe gehabt haben, so eilig zu verschwinden, und was das für Gründe waren, werden wir schon noch entdecken."

Unzweifelhaft!" stimmte der Detektiv mit großem Nach­druck bei.

Tu irrst Dich vollständig in Skott, Vater", rief der junge Mainwaring lebhaft.Er ist so echt wie Gold. An ihm ist kein Falsch, und wenn er Gründe hatte, uns in dieser Weise zu verlassen, so sind es sicher nicht solche, wie Tu Tir sie vorstellt."

O, ich weiß, Tir hat er ein X für ein U vorgeinacht, an mir aber hat er seine glatte Zunge nie versucht, denn er ahnte wohl, daß ich ihn durchschaute. Er ist das richtige Muster eines amerikanischen Hochstaplers, und nur hier­zulande ist es möglich, solch einen Burschen in der Gesell­schaft von Gentlemen zu dulden!"

Aber, bitte um Verzeihung, Herr Mainwaring", be­richtigte der Tetektiv,Herr Skott ist gar kein Amerikaner; er hat kaum zwei Jahre hier gelebt."

Diese Erklärung erregte allgemeine Verwunderung, und Fräulein Carleton rief so laut:Was? kein Amerikaner? Dann kann er nur ein Engländer sein!" daß Whitney, der neben ihr saß, betroffen von dem freudig klingenden Ruf, einen schnellen Blick auf sie warf. Tann fragte er:

Merrick, wissen Sie das ganz sicher?"

Ganz sicher; sonst hätte ich es nicht gesagt."

Hiermit endete das Gespräch über Skott, denn Ralph Mainwaring, sichtlich sehr unangenehm berührt, begann plötzlich von dem Testament zu reden.

A propos, Whitney", fragte er,wie steht es mit unserer Eingabe an das Gericht?"

Ich habe sie heute nachmittag persönlich dem Richter übergeben und den Bescheid erhalten, daß wir nächste Woche vorgeladen werden würden."

Mein Gott, wie lange zieht sich das noch hin!" ries Frau Mainwaring.Dann aber treten lvir doch endlich

tRüctxcife ent ? 2öte

Ei!" lachte Thornton,das bezweifle ich stark. Selbst im besten Fall, wenn uns die Erbschaft nicht streitig ge­macht wird, kann es noch Monate dauern- ehe wir die Verfügung über den ganzen Kram erhalten. Kommt es aber zum Prozeß, dann könnte sich die Sache wohl gut ein paar Jahre hinziehen. Was, Herr Whitney?"

Der Rechtsanwalt lächelte.Freilich, ein Prozeß würde sehr aufhalten. Länger als ein paar Monate aber kaum, denn ich wüßte in der Tat keine Gegenpartei, deren Mittel es aushalten würden, jahrelang mit nns zu prozessieren."

Guter Himmel, Ralph!" fuhr Frau Mainwaring er­schrocken auf,und Tu würdest mit Hugh so lange hier bleiben wollen?"

Wenigstens auf ganz unbestimmte Zeit", entgegnete er ausweichend.Aber das braucht Dich und die anderen nicht zu binden. Ihr fönnt reisen, wann Ihr wollt."

Das hättest Tu mir aber früher sagen können; ich und Isabella wären dann schon lange fort. Wir haben nur auf Dich gewartet. Nun bleibe ich auch keinen Tag länger als nötig. Wilson, bringen Sie mir die Morgen­zeitungen! Ter erste ab gehende Dampfer soll uns mit­nehmen. Thornton, tvie steht es mit Ihnen? Werden Sie mit Edith und Lizzy uns begleiten oder bleiben Sie noch hier?"

Wenn es nur aus mich ankäme", erwiderte der immer gut Gelaunte heiter,dann würde ich lieber bleiben und mir den Spaß bis zu Ende ansehen, aber ich will mich der Majorität fügen. Wie also denkst Tu über den Fall, mein Kind?" wandte er sich an seine Tochter.Ich vermute, Tu wirst wie die Romanschreiber sprechen: ,Von streiten­den Gefühlen zerrissen >"

Tu abscheulicher Papa, Tu!" unterbrach sie ihn.Ich bin gar nicht von streitenden Gefühlen zerrissen; wenn;