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fein dürfte, geschäftliche Angelegenheiten zu besprechens es sei denn, daß diese von «ganz besonderer Wichtigkeit wären."
„Ter Fall liegt bei mir vor. Es würde mir daher sehr erwünscht fein, wenigstens morgen für kurze Zeit angenommen zu werden."
„Dazu würden Sie möglicherweise nur dann Aussicht haben, wenn Sie Herrn Mainwariug in die Lage setzen wollten, die Tringlichkeit Ihres Ansuchens beurteilen zu können, also geneigt wären, mir eine Andeutung zu machens um was es sich handelt. Sonst erscheint mir auch fiir morgen die Hoffnung, Ihren Wunsch erfüllt zu sehen, sehr fraglich, da morgen der Geburtstag des Herrn Mainwariug ist, den er im Kreise seiner Verwandten besonders feierlich zu begehen gedenkt."
„Ah, richftg, richtig; morgen ist ja der Geburtstag! Das hatte ich ganz vergessen", bemerkte Herr Carruthers ausstehend, während Skott fühlte, wie die hinter der dunklen Brille verborgenen Augen ihn eigentümlich forschend betrachteten. „Und bei der Feier soll gleichzeitig der junge Londoner Namensvetter zum Universalerben erklärt werden. Freilich, zu so ungelegener Zeit darf ich mich nicht mrfdrängen."
Skotts Gesicht drückte lebhafte Verwunderung aus.
„Es befremdet mich, daß Herrn Mainwarings Absicht so allgemein bekannt ist."
„O, das ist sie wohl kaum", erwiderte der Fremde in sonderbarem Tone; „ich hörte nur zufällig davon. Also, bitte, sagen Sie nur. Herrn Mainwariug, ich hoffe nach der Feier auf möglichst baldige Berücksichtigung. Eine Benachrichtigung toirb mich vorläufig im Hotel Arlington treffen. Entschuldigen Sie, wenn ich gestört habe."
Hiermit machte er eine verabschiedende Verbeugung, und Skott trat an die Klingel, um den Diener zur Begleitung herbeizumfen; der Fremde aber wehrte ab: „Bemühen Sie sich nicht, ich finde den Weg."
Skott öffnete die Tür zur südlichen Vorhalle.
„Bitte, hier gelangen Sie am nächsten znm Ausgange."
„Danke, danke."
Inzwischen waren mehrere Stunden verstrichen, und Skott setzte sich nunmehr wieder eilig an feine Arbeit. Ms er eben den letzten Federstrich getan hatte, rollten die zurückkommenden Equipagen heran, und kurze Zeit darauf trat Herr Mainwariug ein. Dieser betrachtete aufmerksam die ihm überreichte Karte Carruthers und war sehr unangenehm von der Mitteilung berührt, daß dieser Fremde von seiner Testierung Kenntnis hatte. Indessen schien er das bald vergessen zu haben, denn er teilte sowohl bei. der Mittagstafel als auch den ganzen Abend die Heiterkeit der anderen.
Als ihm zu später Stunde feine Gäste in der matt erleuchteten Veranda Gute Nacht wünschten und als letzter Mch der junge Namensvetter an ihn herantrat, ergriff er dessen Hand und sagte in auffallend weichem Töne:
„Hugh, mein Junge, die Strecke zwischen dem fiinf- undzwanzigsten unb fünfzigsten Meilenstein der Lebensreife ist lang; jgkebe der Himmel, daß, wenn Du den letzteren erreicht hast. Tu mtf einen helleren Pfad zurückblicken kannst, als ich es heute abend tue!" Endlich, ganz allein, sprach er trübsinnig vor sich hin: „Wäre mir doch ein Sohn, wie er, befchieden worden!"
In Gedanken verloren, blieb er noch eine Weile stehen und bemerkte nicht, daß eine Frau mit boshaft glühenden Augen, dicht an die Veranda geschmiegt, davonschlich und eilig im Dunkel verschwand.
Ein schreckliches Erwachen.
Hugh Mainwariug, der das Bedürfnis fühlte, sich noch etwas in der frischen Nachtluft zu ergehen, stieg in den .Garten hinab und wandelte dort im Schein der Sterne gedankenvoll auf und nieder. Als er zurückkehrte, begegnete er seinem Sekretär, der eben das Hans verließ, um auch noch etwas Luft zu schöpfen.
„Kommen Sie noch einmal in die Bibliothek, ehe Sie schlafen gehen, Herr Otott", redete er ihn an.
„Sofort, Herr Mainwariug, wenn Sie es wünschen."
„Nein, es hat keine Eile; innerhalb einer Stunde." Dann betrat er das Haus.
Eine halbe Stunde später schritt Skott auf dem langen
Korridor nach der Bibliothek, blieb aber vor dieser stehens als er drin eine zornige Stimme hörte, die er sogleich für die von Frau La Grange erkannte.
„Wo würdest Tu in diesem Augenblick sein?" schrie sie. „Wo würdest Du all die vergangenen Jahre gewesen! fein, wenn ich Deine Schlechtigkeit und Falschheit ans Licht gebracht hätte? Du hast Temen Bruder hintergaugen und betrogen; Tu hast Deinen Sohn, Dein eigenes Fleisch und Blut, hartnäckig verleugnet, und nun willst Du ihn auch noch bestehlen, willst ihm nicht nur seinen Namen, sondern! auch sein Erbe rauben — ihn mit einem bloßen Bettel abfinden! An seinen rechtmäßigen Platz willst Du diesen Fremden setzen, von dem Du Dich nicht entblödest zu sagen; „Wäre mir doch ein Sohn, wie er, befchieden worden!"< Na, warte, das sollst Du büßen! Du bist in meiner Gewalt; Du und Deine Sippschaft, ihr sollt das Werk dieses Tages bereuen, ich werde es zunichte machen!"
Mainwarings Erwiderung auf diesen Wutausbruch blieb unverständlich, und Skott, der schon zuviel gehört zu haben glaubte, zog sich in eine Fensternische zurück, bis. die Tür aufging und Frau La Grange heraustrat. Sie lies blind vor Zorn, scheinbar ohne ihn zu bemerken, vorüber, als er aber an die Tür der Bibliothek klopfte, sah er, wie sie sich nmwandte und seinen Eintritt beobachtete^
Hugh Mainwariug war bleich und verstört beim Eintritt seines Sekretärs, und seine Stimme klang matt/, als er sagte:
„Ich will Sie nicht lange aufhalten, lieber Skott; nehmen Sie diesen Zettel; er enthält die Anweisungen,- die ich Ihnen noch zu geben hatte. Im übrigen wollte ich Sie nur noch bitten, sich morgen als meinen Gast zu betrachten und die Festlichkeiten des Tages mit uns zu; teilen."
Skott verbeugte und empfahl sich mit einigen Dankes- worten; ein scharfer Beobachter hätte indessen eine gewisse kühle Zurückhaltung an ihm gewahren können.
Er begab sich auf sein Zimmer, legte sich aber noch nicht zu Bett. Noch war er zu erfüllt von den Ereigniffep des Tages und denen, die morgen zu erwarten standen. Seine Gedanken kehrten zu dem von ihm aufgefundenen! Dokument zurück, und das vergilbte Papier ans der Tasche, ziehend, las er es immer und immer wieder aufs neue mit gespannter Aufmerksamkeit und zunehmender Erregung.
(Fortsetzung folgt.)
Der Löwen- und Sonnenorderr.
(Nachdruck verboten.)
Von A n t o n T s ch e ch o f i.
In einer der diesseits des Urals gelegenen Städte hatte sich das Gerücht verbreitet, daß ein persischer Würdenträger namens Rachat-Chelam angekommen sei und im Hotel „Japan" Wohnung genommen hätte. Dieses Gerücht machte auf die Einwohner keinen besonderen Eindruck, man begnügte sich damit, zu wissen, daß ein Perser da fei. Nur das Stadthaupt, Stepan Iwanowitsch Kuzin, wurde nachdenklich, als er vom Syndikus des Stadtamts von der Ankunft des Orientalen erfuhr, und fragte:
„Wohin reist er denn?"
„Ich glaube nach "Paris oder London."
„Hm! . . . Also ein hohes Tier?"
„Weiß der Kuckuck."
Als das Stadthaupt aus dem Bureau nach Hause gekommen war und zu Mittag gegessen hatte, verfiel er wieder in Gedanken, und diesmal grübelte und dachte er bis zum Abend. Tie Ankunft des persischen Würdenträgers beschäftigte ihn stark. Es schien ihm, daß das Schicksal selbst ihm diesen Rachat-Chelam geschickt hätte, und daß jetzt der richtige Augenblick gekommen sei, seinen sehnsüchtigen, leidenschaftlichen Wunsch zu verwirklichen. Kurzin besaß nämlich zwei Medaillen, den Stanislans- orden dritter Klasse, das Abzeichen des Roten Kreuzes
und das Abzeichen der Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrüchiger. Außerdem hatte er sich noch eine Berlocke anfertigen lassen — eine goldne Flinte gekreuzt mit einer Guitarre —, die er an der llhrkette zum Knopfloch der Uniform heraushängen ließ; von weitem sah die Berlocke etwas außergewöhnlich ans und konnte recht gut für ein Ehrenzeichen gehalten werden.
Nun ist es ja bekannt, je mehr einer Orden hat, umsomehr möchte er noch welche haben, und so wünschte sich denn das Stadt- hanpt schon lange, den persischen Löwen- und Sonneuorden zu erhalten. Jaein Wunsch war brennend und unbezwingbar. Er wußte, daß man, um disieu Orden zu bekommen, weder zu kämpfen noch eine Wohltätigkeitsanstalt zu dotieren, noch 'sich im Gemeindedienst hervorzutun brauchte, sondern daß dazu nur eilte


