1904.
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MiLltvoch den 28, Septemöer
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Aus LieAe.
Roman von M. v. Eschftruth.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nach Tisch wurde der Brautkranzausgetanzt, ebenso des Bräutigams Strauß. Der Kranz zierte bald das Haupt des jüngsten Mädchens hier, bildhübsch,, von altem Mel, doch, arm wie eine Kirchenmaus. Der Strauß fand seinen Platz auf der Brust eines schon etwas angejahrten Herrn mit starker Glatze, in der angenehmen Stellung eines Königlichen Landrats und mit einem Güterkomplex, wie solcher zu dem idealen Landrat gehört; weshalb man die:Sache sehr spaßig fand und die Beteiligten neckte, indem man im stillen meinte, die hübsche, kleine Karlsdorf hätte einen riesigen Dusel (so heißt das schöne Wort Glück jetzt), wenn etwa der Landrat, diesem orakelhaften Winke folgend, sie zur Frau Landrätin machen sollte. Dann begann der allgemeine Tanz. Der stattliche Husar in seiner glänzenden Uniform und sein junges Weib im bräutlichen Gewand eröffneten den Reigen.
Es mochte acht Uhr sein, die Zeit, wo die Neuvermählten an das Fortgehen denken mußten, was ohne Abschied geschehen sollte, ganz unmerklichj, so war verabredet wor- oen. Der Kommandierende und seine Gemahlin traten demnach, wie von ungefähr, an die Kinder heran. „Nun, Harro, halte Dikch tapfer", sagte der General. „Tu weißt, was ich Hamit meine. Du hast es so gewollt, und man kann auch so glücklich sein, wie ich aus Erfahrung weiß. Es heißt nur fest bleiben in Ehre und Pflicht. Du, Jutta, aber —" die Hand des älteren Offiziers strich dem jungen, lieblichen Geschöpf, das sich lange schon sein Herz, — ein Herz, all der Orden wert, welche seine Brust zierten, gewonnen hatte — über das blonde Haar — „Du, Jutta, habe Geduld mit ihm. Er ist. gut, aber ein Brausekopf und ein Sausewind. Doch das weißt Du ja — Du hast ihn lieb. Euer Leben wird nicht immer so leicht sein, als heute. Ich kann Dir, ich kann Euch beiden nichts besseres wünschen, als daß die kleine Frau wird, wie Deine Mutter, mein Zunge!" „Mer Papachen, Papachen!" Die Kommandierende, eine stattliche, gerade in ihrer Einfachheit durchaus vornehme Erscheinung, wehrte lächelnd dem Gemahl. Dann drückte sie den jungen Leuten verstohlen, doch so recht von Herzen die Hand und flüsterte leise: „Wenn einmal schwere Zeiten kommen, immer fest bleiben in der Liebe, das hilft. Und nun, lebt wohl. Gott sei mit Euch!"
Und als habe man sich die allergewöhnlichsten Dinge gesagt, schritt jetzt der General nach links zu einer Gruppe Herren hin, während sich seine Gemahlin nach rechts, einigen jungen Mädchen mit mütterlicher Freundlichkeit entgegenwandte. Harro und Jutta standen einen Augenblick sich selbst überlassen. Harro liebte seine Eltern. Er kannte die Geschichte, die Kämpfe ihrer Ehe und sah vor allem mit ehr
furchtsvoller Bewunderung zu seinem Vater in die Höhe. Sy wurden seine Züge ernst. Jutta, das verwöhnte Töchterchen einer vermögenden, überzärtlichen Mutter aber wußte es nicht anders, als daß jeder Tag seine Freuden haben müsse. „Du, Schatz, ich weiß gar nicht, warum man mir heute immer wieder von dem Ernst des Lebens redet. Nun auch noch die Mama", meinte sie jetzt in halb launigem, halb schmollendem Tone. Und dieses Schmollen, das kaum merkliche krause Fältchen auf der blütenweißen Stirn, das Zusammenschieben der kirschroten Lippen standen ihr so allerliebst, daß Harro nur im vollen Uebermut den entzückenden Augenblick empfinden konnte. Vielleicht — verzeihen sie es Dir nicht, daß — Tu mich gekapert hastf. hatte er sagen wollen. Ein natürlich ritterliches Gefühl hielt ihn heute von solchem Scherz zurück. „Vielleicht, verzeihen sie es Dir nicht, daß Tu kein Kochen gelernt hast", neckte er statt dessen, „wie sie es wollten." „Brrr!" Jutta hob ihre Hände und hielt sie gegen das Licht. Es waren entzückende Händchen, fein und weich in den Gelenken, mit fein zugespitzten Fingern. Rosig schimmerte das Blut durch die zarte Haut, jeder Nagel war leicht gewölbt, wohlgepflegt, s auft erglühend wie eine Blüte mit lichtem Blattes- saum, blank poliert und glänzend gleich einem Juwel. „Brrr!" Jutta schüttelte glücklich lachend die Hände in der Luft: „Dann hätte ich am Ende noch Hoftrauer, wie Hildegard Lindstedt."
Nun lachten sie beide. Hildegard Lindstedt war Juttas Cousine. Man sagte, Harro hätte ihr mal einen Mnter den; Hof gemacht. Das war jedoch schon lange vor Juttas Zeit gewesen, denn Hildegard zählte, wie Harro, fünfundzwanzig Jahre. Weshalb sie ihm jetzt nur noch ein spätes Mädchen bedeutete. Dazu waren in der Tat ihre etwas ungepflegten Hände dem verwöhnten Offizier nicht sympathisch Sie lachten also beide noch einmal.
Harro nahm dann die Hände seiner jungen Frau und küßte sie eine naich der anderen, langsam, als möchte er so ihre Schönheit auskosten. „Außerdem lieben wir uns", flüsterte Jutta und neigte ihr Köpfchen gegen seine Schulter. „Ja, über alles! Wollen wir jetzt gehen?" fragte er dann leise, tote ged.mpft durch die Seligkeit seiner Leidenschaft. Sie sah ihn an und nickte. Und er schlang den Arm um sein junges Weib im bräutlichen Gewände.
„Komm herab, o Madonna Theresa" — begannen die Geigen auf der Empore die heute schon etwas veraltete, aber immer noch neu elektrisierende Walzermelodie. Eng aneinandergeschmiegt, der Weise folgend, wie von der eigenen Liebe getragen, mischten sich Harro und Jutta in den Reigen und machten ein paarmal die Runde. Dannl aber tanzten sie hinaus aus dem Saal, in die Rokokogaleris und rveiter hinaus.
Bachmann hatte an der Tür gestanden, die Absicht des Herrn Leutnants begriffen, und die Flügel der Tür geöffnet „Zu nett, riesig nett", meinte drinnen, wer Notiz von dteseq Entführung genommen hatte. Das junge Paar draußen


