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an zu lachen, unb, kein besseres Unknüpfungsmittel, als gemeinsames Lachen, die Konversation ist emgeleitet.
„Gnädiges Fräulein zeichnen?"
„O, nur 'n bißchen."
„Darf ich mal?"
Er beugt sich mit Kennermiene übler das Skizzenbuch.
Schön ist das gerade nicht, was er da steht. Die Bäume sehen aus wie Streichhölzer mit Watte oben drauf und dabet stehen sie schief. —
„Es ist noch lange nicht fertig, ich habe eben erst an- gefangen", lügt sie munter drauf los, denn sie quält sich schon den vierten Tag daran herum. Wie rot sie wieder geworden ist, die niedliche Krabbe, denn das ist sie ent» chieden, sehr niedlich sogar. Gut, daß sie vorhin so laut ;eseuszt hat, sonst hätte er sie gar nicht mal bemerkt in einer Versunkenheit.
„Hm", machte er ernst, „nicht übel, ohne Zweifel Stimmung drin, nur ein bischen, wenn ich mir gestatten darf, — stehen die Bäume nicht ein bischen schlief?"
„Schief?"
Sie kneift die Augen halb zu. Mrklich, er hat recht, ein bischen schief stehen sie.
„Es mag sein, gestern liefen hier so viele Menschen herum, man kam gar nicht zur Ruhe", verrät sie sich. Er merkt es aber gar nicht, er ist ganz in den Anblick ihres schönen, braunen Haares versunken, auf dem ein Sonnenstrahl rote Lichter weckt. Dann gleiten seine Blicke wieder zu den Bruchstückchen blauen Himmels hinauf, die zwischen der Blättermasse vorleuchten. — Mrklich gut, daß ihm die Kleine in den Weg gelaufen, sie wirkt günstig auf seine Stimmung ein. Bon der reinen Naturschrlderuna wird er nun absehen. Sie vertiefen sich beide in ihre Arbeit. — Um diese frühe Morgenstunde ist es noch ziemlich still im Tiergarten. Ein paar Reiter jagen fast lautlos durch den nahen Reitweg, Kinderstimmchen zwitschern vom Spielplatz herüber und mischen sich mit dem fröhlichen Morgengesang der Vögel. Ein Arbeiter kommt mit Besen und Hacke daher, säubert die Wege und Pfeift eines der neuesten der 110 prachtvollen Lieder; dann ist für lange Zeit wieder alles still, weltabgeschieden still. In den Augen des jungen Tages, der eben erst aufgestcmden, leuchtet noch ein schöner Traum. —
Ja, so aus der Natur herausschöpfen können, die Seele, wie ein junges Bienchen in die FrühlingSmorgenberrlich- keit hinausschwirren lassen, daß ffe heimkehrt, beladen mit köstlichem Blütenstaub.
Ter junge Tichter macht wieder die Handbewegung nach den fehlenden Locken hin.
Dieses sich Hineinschmiegen in das schimmernde Gemisch von Farve, Licht und Luft. Wie geheimnisvoll das Rauschen und Raunen rings, wie die tausend zarten Stimmchen einem ins Herz hinein wispern: „Hör' mal mi, ich weiß was."
Stno sie nicht alle seine MitarbeÜer, nahmen sie nicht Teil an seinem Schaffen, die stolzen Bäume, in deren Kronen der laue Mnd bunte Geschichten erzählt, die schaukelnden Halme, die blühenden Gesträuche, das Vogelgezwitscher und Kinderlachen, und nicht zum wenigsten das junge, hübsche Mädchen ihm zur Seite?
Die Arme möchte man ausbreiten und alles umschließen.
„Tas ew'ge All an meine Brust zu drücken."
Ter Vers hatte sich gleichsam aus seiner Empsindung heraus krystallisiert; er stenographiert ihn, dann läßt er den Blick wieder in unabsehbare Ferne schweifen.
Ta steht man nun auf der Höhe seiner Kraft und Jugend, auf der Höhe, von der man herabblickt ins Tal, wo der Mtag den Taktstock schwingt, klopf, klopf, Kipp, klapp, pink, pink, schafft und schmiedet und baut der Hände Fleiß. Und ernste Stimmen tönen dazwischen in gewicht tiger Rede und die Wissenschaft kommt, nimmt das gebaute, gehämmerte und geschmiedete und lehrt und heut und richtet.
Hoch über dem Tal aber erhebt sich sonnengeküßt ein schimmernder Hügel — nach ihm breitet ine Sehnsucht ihre Arme. Tort unter den Edelbäumen ruhen, den berauschenden Duft märchenbunter Blumen atmen, von süßen Melodien sich umwiegen lassen, an den singenden Quellen knieen und einen Zweig brechen, nur ein Zweiglein vom stolzen Lorbeer.
Me der Opferbuft aufsteigt aus tausend goldenen
Schalen i— weiße Gewänder schimmern durchs schwarzgrüne Gebüsche, an denen rote Blüten, wie Flammen aufsprühen.. In rhythmischem Gange schreiten schöne Menschen dahfth ihre Augen leuchten, ihr Mund lächelt, ibr Fuß versehrt keine der zarten Blumen, die hingestreut oen Weg weisen zum Tempel der Gottheit. Golden leuchtet die Schwelle, wie tausend weiße Arme heben die Säulen sich an die blassen Marmorwände, wie zärtliche Locken an bleiche Mädchenwangen. Und auf die goldene Schwelle fetzt die Sehnsucht ihren Fuß. — Da aber greift das Schicksal sie bei den leuchtenden Schwingen und stößt sie hinab ins Tal, wo der Alltag den Taktstock schwingt.
(Schluß folgt.)
— Max Hesses Volks-Bücherei (jede Nr.20Ps.)« Soeben erschienen nachstehende neue Nummern: 71—72. John Brinckman, Vagel Grip. 'n Tönkenbok. Ein Band plattdeutscher Lyrik, der an Wert Groths Quickborn nicht nachsteht. — 73—75. Hoffmann, Tie Serapionsbrüder.- Gesammelte Erzählungen und Märchen I. — y6. Hauff, Tas Bild des Kaisers. — 77. Petersen, Die Irrlichter. — 78—79. Ger stacker, Ausgew. Erzählungen VIII. Herrn Mahlhubers Reise-Abenteuer. Zacharias Hasenmeiers Abenteuer. Humoresken. Zwei der besten Humoresken des Tichters. — 80. Eichendorfs, Brel Lärmen um nichts. Tas Marmorbild. — Diese neue Volksbücherei will die Meisterwerke der schönen Literatur aller Zeiten bringen, hierbei aber besonders Gewicht auf die Auswahl guter Unterhaltungs-Schriften legen. Tie Ausstattung der Bändchen ist sowohl in Bezug auf das Format (Oktav), als auf die vorzüglich deutliche Schrift, auf den guten Truck und das kräftige schöne Papier eine so gediegene, wie man sie bisher frei so billigen Ausgaben nicht gewohnt war. Mir wünschen dieser wirklichen Volks-Bücherei, die regel-, mäßig weiter erscheinen wird, weiteste Verbreitung l
Merkreime für japanische Aeldherrnname».
Jeder gute Zeitungsleser Merke sich der Japaneser Namen, weil er dann verstehh WaS im Osten vor sich geht. Hauptmintster in natura Ist Herr Gras Taro Katsura. Daß im Kriege nichts geht sutschh Kato, sorgt Graf Teraouitschi, Ferner kämpft alldort pro domo Jamagata Aritomo Dem zur Seite steht im Drama GeneralstabSches Oyama, Nebst dem Herrn Baron Kodamch Weiter ist zu merken dito Präsidente Marquis Ito, Nimmst die Hauptstadt Du inS Maul, Von Korea, so sprich Schauh Weil Du, wenn Du Sö-ul sagst, Einen großen Fehler machst. So l Hiermit ist eS genug.
Qutoi-quaai tschiner- ♦«^hang-tschung I (Münchener Jugend.)
Merkrätsel.
(Nachdruck verböte«).
ToSkana, Harfen, Freundschaft, Nachmittag, Aaentur.
Von jedem Wort sind zwei nebeneinanderstehende Buchstaben tu merken, die im Zusammenhang gelesen, einen christlichen Feiev» iag bezeichnen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.r
Mag auch die Welt dich betten, In Trübsal und in Pein, Einst springen alle Ketten, Dann wird dein Ostern sein.
(JenS Holmen^
Sei: Für die Buchstaben ist jedesmal der vorhergehende be zu setzen, für die Striche passende Vokale.)
Redaktion: Angnfl Köb. — Rotationsdruck und Verlag der Brüht'schen vniversitäts-Buch« und Cteindruckerei. R. Lange, Eießen


