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Gut denn, ich will mein Möglichstes tun". Sie reichte mir die Hand.Es ist also abgemacht."

Anscheinend gelang es Mrs. Evans auch, die trübe Stimmung zu verscheuchen, jedenfalls kam sie nie mehr daraus zurück. Inzwischen >var der Monsum mit seiner ganzen elementaren Gewalt losgebrochen, mit heulenden eiskalten Winden, ungeheueren dunkelen Wolkenmassen, zuckenden Blitzen und krachenden Tonnerschlägen, bis end­lich der Himmel seine Schleusen öffnete und den lang ersehnten, wolkeubruchartigen Regen herniedersandte.

Ach, und wie willkommen war dann der Geruch der feuchten Erde, das aus allen Tachrinnen niederplätschernde Wasser, das wunderbar rafcye Sprossen der Pflanzen; ja elbst das Quaken der Fröscbe wurde mit Wonne begrüßt, kindlich war die Hitze vorüber! Menschen und Tiere fühlten ich in gleichem Maße erleichtert, befreit von der brüten» >en Stille eines ehernen Himmels.

Auch Mrs. Evans' Lebensmut kehrte sofort zurück, lebte ebenso wunderbar rasa) wieder auf wie einer ihrer verwelkten Geranienstöcke, und wir machten uns eifrig an die Gartenarbeit, wobei ich mich nebenher auch noch mit Tennisspielen belustigte. Machte ich je einmal eine Anspielung auf meine bevorstehende Abreise, so wurde ich mit den Worten abgewiesen:

Auf nächsten Minter hatte unsere Verabredung ge­lautet. So weit sind wir aber noch nicht. An Weihnachten ist es, wenn überhaupt nötig, noch immer Zeit genug, Pläne zu machen. Wir selbst möchten Sie am hebften immer bei uns behalten:"

Ich wollte, ich könnte bleiben. Allein ich habe so eine Ahnung", fuhr ich lachend fort,daß Ihre eigene Tochter bald kommen wird, und ich muß nun doch endlich ein­mal lernen, eine ernste Erzieherin zu werden, anstatt nur immer den verwöhnten Gast zu spielen."

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Meine Ahnung erfüllte sich freilich nicht, aber mit Mrs. Evans' Vorgefühlen war es anders. Ter herrliche Monat Oktober hatte begonnen. Eifrig trafen wir unsere Vorbereitungen zu einem Ausflug in dieEbene", wie wir die unter uns liegenden Wälder nannten. Mr. Evans hatte sich ein neues Pferd angeschafst, Mrs. Evans einen verschwenderischen Bestellzettel für Lebensmittel an eine bekannte Firma in Bombay geschickt, und wir alle waren voller Unternehmungslust und Pläne.

Eines Abends kehrte ich mit den Dennisschuhen in der Hand und dem Schläger über der Schulter von einer inter- Hscmten Partie zurück und sah schon von weitem Mrs. Evans fest eingeschlafen unter dem Tamarindenbaum sitzen. Tie Post war gekommen; Zeitungen lagen auf dem Gartentisch aufgestapelt, auch uneröffnete Briefe, und einen hielt sie entfaltet auf dem Schloße, einen Bries mit schwarzem Rand.

Ein entsetzlicher Gedanke durchfuhr mich, wie ich in ihr blasses, stilles Gesicht sah. Ich legte die Hand auf ihre Schulter, um sie zu wecken. Schlief sie wirklich so fest? Ich sprach sie laut an, schüttelte sie am Arm er ftihlte sich seltsam starr und steif an. Sollte dies der Schlaf sein, für den es kein Erwachen gießt?

J a, er war es.

Ter Schrecken hatte mico wie gelähmt, so daß ich einige Augenblicke lang weder sprechen, noch mich bewegen konnte. Endlich rief ich die Tiener herbei, die nun die Entschlafene in den Bungalow trugen. Ter Arzt kam in atemloser Hast herbeigelaufen, vermochte jedoch nur noch festzustellen, daß Mrs. Evans seit einer Stunde tot fei. Ter in ihrer Hand befindliche, an ihren gerade abwesenden Gatten gerichtete Brief enthielt die Nachricht, daß ihr jüngstes Söhnchen, Andrey, aus dem Fenster gestürzt und auf der Stelle tot gewesen sei. Tiefer unvermutete Schlag hatte die Mutter getötet.

Solange ich lebe, werde ich der schrecklichen Stunden jenes Tages gedenken, die mich, tote ich fest überzeugt bin, Um Jahre älter machten. Ich hatte Mr. Evans, der an diesem Tage ganz erfüllt von angenehmen Plänen nach Hause kam, die furchtbare Nachricht von zwei Todesfällen mitzuteilen. Bei der ersten Andeutung hielt er mich- ent­schieden nicht für ganz zurechnungsfähig und doch: wo blieb sie, sollst immer die erste, die ihn willkommen hieß?

Ich ergriff seine Hand und geleitete tot in den Raum, .tpv sie mit gesalfeten Händen untM toeißenBlWen M

kettet lag. Schön, friedlich und glücklich sah sie auch nicht länger mehr dastraurige Wrack", wie sie sich selbst genannt hatte. Mr. Evans brach unter dem doppelten Schlage fast zusammen, und mir fiel es zu, alle Anord­nungen, die ein solch trauriger Fall erheischt, AU treffen. Ich mußte Drahtnachrichten abschicken, Beileidsbesuche emp­fangen und Briefe schreiben.

Tas Begräbnis fand am folgenden Morgen statt. Wft! durch einen Zauberstab herbeigerufen, in solcher Meng« strömten die Eingeborenen herbei, um dieWaldftau" nach ihrer letzten irdischen Ruhestätte zu geleiten.

Und dort, auf dem kleinen Friedhöfe, wurde sie nuui auch, wie sie es vorausgesagt hatte, allein gelassen. Tie Verhältnisse zwangen Mr. Evans, sofort nach England zurückzukehren. Ich für meinen Teil fand die erwähnten schriftlichen Verfügungen der Verstorbenen und darunter! auch die Adresse von Mrs. Berners, jener in Punah leben­den Tarne, der Mrs. Evans mich anempfohlen hatte. Aus meine an sie gerichtete Trahtnachricht kam umgehen« die freundliche Aufforderung, mich sogleich zu ihr zu be­geben, und ich beschloß, ihr zu folgen, sobald Mrp Evans nach England abgereist sein würde. Meine, Auf­gabe war es, zu packen, die Möbel sicher unterzubringen und die Tienstboten zu entlassen; meine Hand mußt« das kleine, auch mir so lieb gewordene Heim zerstörens Kein Wunder, daß ich mir bei der auf mir lastenden Ver­antwortung wie eine ganz alte, ernste Frau vorkam.

*

IN Mrs. Evans' Anordnungen toar ausdrücklich be­merkt, daß Mary-Anu, die schon Jähre lang in ihren Tiensten stehende Ajah, mich nach Punah begleiten solle, da diese Stadt auf dem Wege nach Madras, ihrer Heimat, lag. Tie gute Mary-Anu, die tiefbetrübten Herzens zu ihren Angehörigen zurückkehren sollte, war eine hübsche. Jndierin mittleren Alters, welche die ihrem Stamme eigene malerische Tracht, das sogenannte Saree trug, einen viele Meter langen schmalen Stofsstreifen, in den sich die Eingeborenen von Madras mit großer Geschicklichkeit zu hüllen verstehen.

Als endlich alle Vorbereitungen getroffen waren, schrieb ich an Mrs. Berners nach Punah und teilte ihr den Tag meiner Abreise mit. Tann gab ich Mr. Evans noch das Geleite auf die Bahn. Er fuhr in nördlicher Richtung, mein Reiseziel lag gen Süden. Unter herzlichem Mitgefühl und mit dem Versprechen, uns gegenseitig zu schreiben, ver­abschiedeten wir uns, dann heftigen Mary-Anu und ich unfern Ochsenwagen, und fort ging es in gemächlicher Gangart.

Nachdem wir einen steilen Abhang glücklich hinter uns hatten, gelangten wir auf die sogenannte Jubbulpore, eine Hauptverkehrsstraße, auf der wir einen Weg von neunzig Meilen bis zur Eisenbahnstation zurückzulegen hatten. Für diese Entfernung rechnete mau zwei Tage, doch hatte es allen Anschein, daß wir länger unterwegs fein würden,^ denn es kam öfters vor, daß keine frischen Ochsen aufge- ttleben werden konnten, was oft Stunden lange Verzöger­ungen zur Folge hatte. Tie Nacht verbrachten wir in Gasthäusern, die Eigentum der Regierung und von dieser den Reifenden für die Unterkunft zur Verfügung gestellt waren und in der Nähe der Hauptverkehrsstraßen lagen. Tas erste dieser Gebäude stand in einem Orangenhain, hatte ein rotes Dach und sah hübsch und freundlich aus. Ein anderes, in dem wir die nächste Nacht zubrachten, war von Bäumen überschattet, dicht an einem Flußufer ge­legen und von Ratten bewohnt, großen, kecken Ratten, die an den Punkahschnüren*) auf und ab liefen und mir das fürchterlichste Entsetzen einflößten.

Am Abend des dritten Tages waren wir noch immer vierzig Meilen von der Station entfernt, da die Schwierig­keit, frische Ochse» zu bekommen, immer mehr wuchs, und so langten wir an uuserm nächsten Bestimmungsort mit einem Gespann an, das durch die doppelte Wegestrecke, die man ihm zugemutet hatte, vollständig erschöpft toar. Schon den ganzen Tag hatte die Ajah über Kopfweh und Fieber geklagt, und wir beide waren von Herzen dankbar, als unsere Ochsen endlich zu einem hübschen, weißen Bunga­low hinaufkeuchten, der etwas abseits von der Land­straße mitten in einem Bambusgebüsch stand.

*) Punkah ist ein großer indischer Fächer mit einer Vorrichtung, daß er von einem außerhalb des Zimmers WWW . bewegt werden tzW,