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(Nachdruck verboten.)
Im Makak der WajaH.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.
(Fortsetzung.)
Allmählich rückte die heiße Jahreszeit heran und mahnte uns, das Lagerleben auszugeben und uns in den Schutz eines Bungalows zu flüchten. Ter ausgedörrte Boden hatte tiefe Risse, die Flüsse waren nahezu eingetrocknet, im glühend heißen Winde schrumpften die Blätter ein, und drohend schlich das Gespenst des Fiebers über die kahle Ebene hin. Es war in der Tat höchste Zeit, unsere Zelte zusammenzupacken und uns nach dem Keinen, abgelegenen Städtchen auf den Weg zu machen, wo die Familie Evans ihren Hauptwohnsttz hatte.
Lohara lag an einem Bergabhang, war streckenweise von Getreidefeldern umgeben und gewährte eine herrliche Aussicht auf ein wahres Meeö von Wald. Einige mit Strohdächern bedeckte Däuser, eine winzige Kirche, ein Kramladen, ein großer Hindutempel, eine Cisterne und ein Tennisplatz, das war alles, was das Städtchen ausHvweisen fiatte. Ter von üppigen Schlingpflanzen umrankte Bunga- ow des Forstmeisters lag in einem hübschen Garten, der zwar noch etwas ans Waldrevier erinnerte, sich aber durch einen prächiigen Tamarindenbaum auszeichnete, unter dessen Schatten wir zu sitzen pflegten, wenn die Hitze des Tages nachließ. Tas Haus selbst war klein und einfach eingerichtet, dafür standen aber an den weiß getünchten Wänden ganze Reihen ausgewählter und teurer Bücher. Tarin sowie in den Reisen zu ihren Kindern konnte das nur über bescheidene Mittel verfügende Ehepaar Evans wohl einmal verschwenderisch sein. Ter Anblick dieses Bücher- reichtums gewährte mir eine unerwartete Freude, und wenn sein Inhalt auch meist volkswirtschaftlicher und naturwissenschaftlicher Art war, so fanden doch auch mein Geschmack und meine Geistesrichtung reichliche Nahrung.
Während der Monate Mai und Juni war die Luft besonders heiß und drückend. Mit einer Glut wie aus einem Feuerofen kommend, Miefen die heißen Winde um uns her. Von sieben Uhr morgens bis nach Sonnenuntergang blieben wir deshalb im dämmrig verschlossenen Hause, aber mit meinen jungen Augen konnte ich dennoch nähen und Mrs. Evans vorlesen; häufig spielten wir auch Schach oder Bezigue. Ter Forstmeister hatte täglich feine Bureaustunden und mit Schreibern, ankommenden Boten oder sonstigen Untergebenen zu verhandeln. Zweimal beteiligte er sich auch an einer Tigerjagd, die ihn mehrere Tage von zu Hause fernhielt.
Ms Mrs. Evans und ich bei einer solchen Gelegenheit allein waren und ich ihr aus einem neuen Roman vor- laS, sah ich plötzlich, daß sie die Augen geschlossen hatte, und da ich sie eingeschkafen wähnte, hielt ich mit Lesen
inne. Me elend und angegriffen sah sie aus! Noch nie* mals war es mir aufgefallen, wie sehr sie gealtert hatte, seitdem wir vor fünf Monaten zum erstenmal mit einander zusarmnengetroffen waren. Trug die Hitze allein die Schuld, oder was mochte der Grund sein? Mit einem Male öffnete sie die Augen, und als sie meinen nachdenklichen Blick sah, sagte sie lächelnd:
„Nein, nein, ich schlafe nicht, ich hörte Ihnen int Gegenteil sehr aufmerksam zu. Mir scheint, der Schrift- steller will uns auf ein trauriges Ende vorbereiten. Wen« einer dieser Herren seine gefeierte Heldin auf der! letzten Seite sterben läßt, dann möchte ich ihn am liebste« dafür vor Gericht ziehen."
Lachend antwortete ich: „Nun, soll ich aufs Gericht schicken? Tenn der Tod kommt unwiderruflich"
„Ja, der Tod kommt unwiderruflich!" wiederholte fia „Pamela, glauben Sie an Ahnungen?"
„Nein", — ich war durch ihren Ton erschreckt — „aber warum diese Frage?"
„Weil ich das bestimmte und unüberwindliche Gefühl habe, daß ich die Hermat nicht widersehen werde. Mim, niemals mehr werde ich auf der holperigen Straße nach der Station Mirpur fahren. Ihr tverdet alle fortgehen und mich allein auf dem kleinen Kirchhof hier zurucklassen."
„Nein, das werden wir nicht tun!" entgegnete ich hastig. „Reden Sie doch, bitte, keine solch entsetzlichen Tinge .. „ Kein Wunder übrigens, wenn einem in diesem ewige« Dämmerlicht ohne Arbeit und Bewegung schwarze Gedanken kommen; das sind die Wirkungen der Hitze, nichts weiter. Wissen Sie was, wir wollen Ms zur Teezeit noch eine Partie Wzique spielen. Nachher wird dann Mrs. Connon" — die Frau eines Zollbeamten — „zu uns herüb erkommen."
„Tann müssen wir schon Schach spielen, denn Karte« mag sie nicht leiden. Sie spotten also über Ahnungen?^
,Lch habe Sie bis jetzt immer für eine aufgeklärtes hochgebildete Frau gehallen", entgegnete ich scherzend.
„Wirklich ? Eigentlich sollte ich es ja wohl auch sein. Nun, mag kommen, was will, ich bin vorbereitet. In meiner Schreibmappe habe ich einige Anordnungen niedergelegt und auch Sie dabei nicht vergessen. Mrs. Berners, eine in Punah lebende Freundin von mir, hat mir neulich schriftlich versprochen. Sie bei sich aufzunehmen und Jhrrert zu einer angenehmen Stellung zu verhelfen. Es scheint mir fast, als habe die Vorsehung Sie mir zum Tröste geschickt. Sie glauben gar nicht, ivelche unendliche Wohltat Ihre Gesellschaft für meinen Mann und mich gewesen ist, und tvenn meine Ahnungen sich bestätigen sollten, dann werden Sie über die traurigste Zeit eine unschätzbare Stütze für Robbie sein. Nicht wahr? Versprechen Sie es mir" Angstvoll fragend sah sie mich an.
„Alles, was Sie wollen, verspreche ich, wenn Sitz Ihrerseits mir versprechen, sich diese düsteren Gedanken aus dem Sinn zu schlagen."


