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mehr ihrem Glück im Wege stünde, dankten ihm die Liebenden.
„Ach, Kinder, ich tue ja nichts weiter als meine priesterliche und menschliche Pflicht", lehnte er mit mildem Lächeln ihre überguellenden Beteuerungen ab, „unser Herrgott lasse mich nur in Euch ein glückliches, in heiligem Frieden und ungetrübter Eintracht lebendes Paar sehen, dann bin ich für mein bißchen Selbstüberwindung reichlich und überreichlich belohnt."
Darauf begleitete er sie nach dem Hof, gab Auftrag zum Anspannen des Wagens und reichte ihnen, die sich mittlerweile auf ihre Pferde geschwungen hatten, zum Abschied die Hand.
Als sie zum Tore hinausritten, fuhr eben Herr von Szabo am Pfarrhaus vorüber. Er grüßte höflich und schaute ihnen mit hämischem, nichts Gutes prophezeiendem Lächeln nach.
Der auf so dumme Weise vereitelte Waldverkauf, für dessen Zustandekommen ihm von Brabar eine nicht un- bedeutende Provision zugesagt worden war, hatte ihm einen argen Strich durch die Rechnung gemacht. Seine Laune war daher die allerfchlimmste. Mit Herrn von Höchstfeld wegen dessen Narrheit zu rechten, durfte er natürlich nicht wagen, dafür bot sich aber jetzt die schönste Gelegenheit zur Rache an Erich für dessen offen und unverblümt zur Schau getragenes Mißtrauen.
Am Herrenhof angelangt, beeilte sich Szabo, den Major, der gerade sein Jagdgewehr vom Riegel nahm, aufzusuchen. Mit kurzen Worten erstattete er ihm Bericht von dem Ausladen der für die Zuckerfabrik angekommenen Maschinenteile.
Herr von Höchstfeld schmunzelte voller Behagen.
„lind wann kommen die Monteure?" erkundigte er sich eifrig.
„Sie sind für nächste Woche anaemeldet."
„Nun, dann werden wir diesen vorsintflutlichen Fnrchenritzern wohl bald zeigen können, was rationelle Wirtschaft heißt! "sagte der Major, die Hände vergnügt ineinanderreibend, „speziell auf das Gesicht dieses Besserwissers, dieses Stepenaz, bin ich begierig, der mir mit Sitter Großsprecherei zu imponieren glaubt! — Und nun dien, ich will noch vor Sonnenuntergang ein paar Hasen zur Strecke bringen."
Herr von Szabo räusperte sich ein wenig.
„Mollen Sie vielleicht noch etwas?"' fragte Herr von Höchstfeld, sich umwendend.
„Ich weiß nicht, Herr Major, ob ich mir erlauben darf, über Dinge zu Ihnen zu sprechen, die mich als Fremden eigentlich nichts angehen dürsten", sagte Szabo mit anscheinender Selbstüberwindung, „allein Ihr mir stets bewiesenes Vertrauen macht es mir zur Pflicht, Ihnen reinen Wein einzuschenken."
Der Major stutzte und kehrte sofort nm.
„Was ist's, sprechen Sie", bat er.
,!,Jch möchte nur nicht gern als Denunziant gelten", saldierte sich Szabo den Rücken.
„Unbesorgt, mir, der ich Sie so getrau kenne, liegt solch ein Gedanke fern und sonst wird niemand etwas von unserer Unterredung erfahren", versichert ihm der Major.
Noch einen Moment überlegte Szabo, dann begann er vorsichtig:
„Mir ist Ihre völlig begründete Aversion gegen den Grafen Stepenaz und gegen den Pfarrer schon sest langem bekannt — ebenso genau weiß ich aber auch, daß Ihr Herr Sohn Ihre Anschauungen nicht teilt, vielmehr. . ."
„Er hat sich einfach zu fügen-", unterbrach ihn der Major."
„Gewiß, das sollte und müßte er", pflichtete ilstn Szabo mit dem Brustton lauterer Biederkeit bei, und ebenso ehrlich klang der bedauernde Nachsatz — „aber wie selten begreifen Kinder die wohlmeinenden Warnungen der Eltern! Ich will gegen Herrn Erich gewiß nichts gesagt haben, er ist ein tüchtiger junger Manu, aus dem mit der Zeit ein S brauchbarer Landwirt werden könnte, — solange ihm
» Liebesgedanken im Kopfe stecken, werden war auf seine ernstliche Mitarbeit verzichten müssen."
Der Major begann zu verstehen und argwöhnisch fragte er: „Sie wissen etwas Bestimmtes ?"
,>Es ist mir wirklich, peinlich, darüber zu sprechjest", erklärte Szabo vorsichtigerweise noch einmal, „aber ich- Habe
alle Ursache, zu glauben', daß er in! eiste schlaugestellte Falls geraten ist."
„Wie das?"
„Ich sah ihn eben Mit Komtesse Lsubiza das Pfarrhaus verlassen, wo sie sich wohl nicht das erstemal getroffen! haben werden. Der geistliche Herr spielt zu gern die Vorsehung, und deshalb kann er es sich nicht versagen —"
„Nun, ich will ihm den Geschmack daran gründlich verleiden", fiel ihm der Major zornig ins Wort, „meinem Vetter hat er damit leider das Genick gebrochen, bei Erich soll es ihm sicherlich nicht so leicht gelingen. Sobald der Junge nach Hause kommt, will ich ihn ins Verhör nehmen und wehe ihm, wenn er nicht sofort Ordre pariert."
„Ich darf Ihnen nicht widersprechen, Herr Major. Sie müssen am besten wissen, was Sie zu tun und zu lassen haben", bestärkte ihn Szabo in seinem Vorsatz, „im Interesse des ferneren Zusammenarbeitens möchte ich Sie indes bitten, meine Perfon vollkommen ans dem Spiele zu lassen."
„Das ist ja ganz selbstverständlich", beruhigte ihn Herr von Höchstfeld, und nachdem er ihm für seine Aufrichtigkeit besonders herzlich gedankt, bat er, auch mit seinen! ferneren Beobachtungen nicht hinter dem Berge zu halten. Szabo gelobte es ihm in die Hand und ging.
Unruhig auf- und abwandelnd, überlegte der Major her und hin.
Daß sich Erich in das frische, lebenslusstge und lebensdurstige Ding verliebt hatte, fand er nur zu begreifliche unverzeihlich dünkte es ihm aber, daß er sich nicht vor Augen gehalten, wessen Tochter sie sei! War er denn wirklich so verblendet, zu glauben, ihm diejenige als Schwiegertochter ins Haus führen zu dürfen, deren Vater sich offen als Intimus des Todfeindes seiner Familie bekannte?
Ja, ja — sagte er sich nach einigem Ueberlegen seufzend — Szabo hat ganz Recht, der Junge ist einer schlau eingefädelten JNtrigue zum Opfer gefallen, hinter welcher wieder dieser Pfarrer steckt, dessen einziges Sinnen und Trachten nur dahin geht, uns um unsere Ruhe und Zufriedenheit zu bringen.
Wütend hing er das Gewehr über die Schulter und eilte nach dem Walde, um vielleicht dort etwas ruhiger zu werden. Das von ihm aufgescheuchte Wild hatte indes einen Festtag, denn, ohne es auch nur zu beachten, ging er immer weiter und weiter.
Durch ein dröhnendes „Halt!" wurde er plötzlich aus seinen, sich immer ent selben Kreise drehenden Gedanken ausgerüttelt.
Aergerlich blieb er stehen und schnarchte den vor ihm postierten Stepenazschen Waldhüter, der ihn erst jetzt erkannte, zornig an:
„Nanu, Du Esel, was willst Du denn?!"
„Eh, Herr, verzeihe nur", entschuldigte sich dieser, „aber „aber ich wußte ja nicht, daß Du es bist."
„Und wenn ich es nicht gewesen wäre, was dann fragte Herr von Höchstfeld.
„Ja, dann hätte ich Dich in den Gemeindearrest abgeführt, denn unser Herr Graf wills nicht länger dulden, daß ihm die Städtischen ohne Erlaubnis das Wild abschießen."
Der Major nickte. „Darin hat er recht."
„Eh, ob er recht hat, weiß ich nicht", bezweifelte der Bauer, „denn unser Herrgott hat ja das Viehzeug nicht allein für ihn in die Welt gesetzt; doch er hat zu befehlen und wir haben nicht zu fragen, sondern zu gehorchen."
Jetzt erst, kam es Herrn von Höchstfeld zum Bewußtsein, daß er auf fremde und noch dazu auf Stepenazev Gemarkung geraten fet.
Dem Bauer einzugesteyen, daß er die Grenzen feines Gutes nicht kenne, war ihm peinlich, und so kehrte er llrrzweg um.
Im Verlaufe des Gespräches hatte er aber eine Seitenschwenkung gemacht, und so wanderte er, ohne es zu wissen, immer noch aus „feindlichem" Territorium.
Nach kaum einer halben Stunde scholl ihm abermals ein donnerndes „Halt!" entgegen, und auch diesen Waldhüter fuhr er mit einem „vermaledeiter Esel" ans
Diesmal war er jedoch an den Unrechten gekommen, denn dieser, ein Bruder des entlassenen Verwalters, wollte sich die günstige Gelegenheit zur Vergeltung keinesfallss entschlüpfen lassest , Er tat also, als wenn er ihn nie itst Leben gesehen hätte, zwang ihst mit vorgehalt-enem Ge-


