1904.
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Kin angenehmes Gröe.
Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Es fiel ihm schwer, eine wahrheitsgemäße Antwort M geben, doch einsehend, daß er der Geliebten vor allem Wahrheit schulde, gestand er niedergeschlagen:
„Mein Vater wird meine Wahl kaum billigen, wenigstens . . ."
„Erich, was sagst Du?" ries Ljubiza ganz entsetzt.
Er drückte sie fest an sich und hielt den Arm, wie beschirmend, um sie geschlungen.
„Habe keine Angst, mein süßes Mädchen", redete er ihr zu, „solange wir selbst fest zu einander halten, kann uns keine Macht der Welt trennen."
, Mit bärbeißigem Gesicht, aber vergnügt die Hände ineinanderreibend, brummte der Pfarrer:
„So ist's recht, Schädel gegen Schädel!"
„Ja, was hat denn Dein Vater gegen mtd)?" fragte Ljubiza völlig verschüchtert, „er ist doch immer so lieb zu Mir gewesen und . . ."
„Wie könnte man auch anders zu Dir sein", schmeichelte er, „nicht Deinetwegen ist er gegen unsere Verbindung, sondern . . ." Erich stockte ein wenig und sah fragend zu dem Pfarrer hin.
„Nur heraus mit der vollen Wahrheit", ermunterte ihn dieser, „erfahren müssen wir sie ja doch."
Erich gab sich einen Ruck.
„Nun denn, da Sie es erlauben, will ich aufrichtig und ohne jedwede Beschönigung sprechen"- sagte er ent- schlofsen. „Mein Vater trägt es dem Herrn Grafen nach, daß er Ihre Partei gegen den Onkel ergriffen hat, und ehe er nicht sein Unrecht einräumt — verzeihen Sie, das rst nicht meine, sondern meines Vaters Meinung — solange er also nicht sein Unrecht einräumt, will er von einem engeren Anschluß unserer Familien absolut nichts wissen."
„Daß Dich doch gleich die Mücke sticht!" wetterte der Pfarrer, „demnach bin also ich in seinen Augen der Sündenbock!"
Erich nickte und sah dem Pfarrer, der, abgerissene Worte herausstoßend, auf und nieder rannte, mit besorgten Blicken nach Dann 'machte er sich sanft von der Geliebten los und vertrat dem Erregten den Weg.
„Vater Adame", bat er mit herzlicher Schlichtheit, „wenn Ihnen an unserem Glück etwas gelegen ist, dann sprechen Sie sich mit meinem Papa offen und ehrlich über die Vergangenheit aus. Wenn erst dieses unselige Mißverständnis — denn nur um ein solches kann es sich handeln — aus der Welt geschafft ist, dann wird er gewiß freudiaen Herzens unsere« Bund segnen."
Mit gesenktem Kopf hatte ihm der Alte zugehört. Nu« richtete er den Blick aus ihn und sagte mit tiefer Wehmut in der Stimme: „Es ist geradezu ungeheuerlich wie er mich, der ich wie ein echter Christ handelte, für de« Schuldigen halten konnte! Mich, der ich durch seinen Vetter so beschimpft wurde und der ich trotzdem nie an Vergeltung gedacht habe! Das tut weh, mein Sohn, bitter weh."
Er wandte sich übermannt durch die Erinnerung an die ihm widerfahrene Schmach, erschüttert um und suchte die jäh aufsteigenden Tränen gewaltsam zurückzuhalten. Das junge Paar sah sich betroffen an. In heißem Mitleid umschlang dann Ljubiza zaghaft seinen Nacken und fuhr ihm, ohne ein Wort dabei zu verlieren, mit der Hand liebkosend und beruhigend über die Stirn.
„Du bist ein liebes, ein gutes Kind", dankte er ihr.
Erich hatte seinen Schmerz durch Schweigen geehrt^ nun aber hielt er es für seine kindliche Pflicht, auch- für den Vater eine Lanze einzulegen, und entschlossen bat er: „Erlauben Sie mir ein offenes Wort?"
Der Pfarrer nickte nur, und Erich fuhr fort:
„Meinen Vater trifft nicht so schwere Schuld, als es den Anschein hat. Wenn er Ihnen Unrecht getan hat — woran ja gar nicht mehr zu zweifeln ist — so liegt es nur in dem blinden Vertrauen, das er seinem Vetter schenkte, der ihn ausdrücklich vor Ihnen — warnte."
„Und er, der solch namenloses Unhell über mein Haus brachte, hatte noch den traurigen Mut, vor mir zu warnen!" entrang es sich gequält des Pfarrers Brust. Dann sich zusammennehmend, sagte er ganz ungläubig: „Ich kann es mir gar nicht erklären, wie er ihm das schreckliche Ereignis dargelegt haben mag, daß überhaupt nur der Schatten einer Schuld auf mich fallen konnte?!"
„Wir wissen ja bis heute nicht, was geschehen ist", gestand Erich verlegen, „um es von Ihnen zu erfahren, kam ich ja heute herüber."
„In seinem Auftrage?" fragte der Pfarrer gespannt.
Einen Moment zögerte Erich mit der Antwort, dann gaö er der Wahrheit die Ehre und sagte: „Nein."
Der Pfarrer seufzte recht schwer.
„Also ungeprüft hält er mich irgend einer schlechte« HSndlung fähige', meinte er bitter.
„Lieber, lieber Vater Adame", bat Ljubiza herzlich, „vergessen Sie unseretwegen die Ihnen widerfahrene Kränkung, seien Sie großmütig und verzeihen Sie ihm seine« Arg^Mew liebes Kind" entgegnete der Alte voller Milde, „ich 'habe schon viel Schmerzliches verziehen, sogar ihm —i doch genug davon", unterbrach er sich, „ich fahre jetzt sofort zu Deinem Vater, um mit ihm zu beraten, ob er oder ob ich selbst ihm die Wahrheit hinterbringen soll, und reicht er mir dann, sein Unrecht bekennend die Hand, so habe ich vergeben und vergessen."
Gerübrt und in der sicheren Zuversicht, daß nun Nicht-


