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vermischtes.
"Duften deSchmetterlinge. Man hat die Schmetterlinge, insbesondere die exotischen Arten, .wegen ihrer Farbenpracht sehr oft mit lebendigen Blumen verglichen. Nun macht Dr. Jllig im Prometheus eine interessante Mitteilung/ die den Vergleich nach gewissen Richtungen hin noch berechtigter erscheinen läßt. Viele Schmetterlinge find nicht allein bunt und schön, sondern sie duften auch, oder sagen wir lieber, sie riechen, denn für Menschennasen ist ihr Parfum nicht immer sehr angenehm. Namentlich die Schmetterlingsweibchen verstehen cs, ihre Anbeter durch derlei Kunstgriffe mit geschickt gewählten Parfüms anzuziehen, und jeder Sammler weiß, daß er durch ein- gcspcrrte und im Freien ausgesetzte Weibchen die Männchen derselben Gattung cheranlocken kann. Immerhin ist der Duft so geringfügig, daß man ihn in den meisten Fällen nicht wahrzunehmen vermag. Ganz anders aber verhält es sich mit den Ausscheidungen der Männchen. Sperrt man z. B. den bekannten Kohlweißling in mehreren Exemplaren in ein Glas und riecht nach einiger Zeit hinein, so wird man deutlich einen ausgesprochenen Rettich- oder Rapsgeruch wahrnehmen; das Totenkopfmännchen riecht dagegen nach Kartoffelkraut. Es soll aber brasilianische Falter geben, von denen schon ein einziges Exemplar ein ganzes Zimmer nach Vanille duften läßt. Selbstverständlich hat sich die Wissenschaft mit dem Sitz der Dustorganc beschäftigt, und sie in den meisten Fällen in kleinen Drüsen entdeckt, die an den verschiedensten Körperteilen eingelagcrt sein können. .Meist findet man sie in den Flügeln und zwar unter Schuppen verteilt, die durch ihre zweckentsprechende Umformierung offenbar der Verteilung des Riechstoffes dienen und daher geradezu als Duftschuppen bezeichnet werden müssen. Oft erkennt man jedoch auch die Seine und andere Körperteile als Träger der Duftorgane. So besitzt z. B. ein niederer Nachtschmetterling, eine sogenannte Eule, .an jedem Vorderbein drei feine Pinsel, die zweifellos dem genannten Zweck dienen sollen. Uebri- gens kann, wie man annimmt, der Dustapparat durch geeignete Schutzvorrichtungen willkürlich in Betrieb gesetzt werden. Das Männchen gebraucht ihn allemal dann, wenn ein Weibchen sich in der Nähe befindet, und unterstützt damit in nachdrücklicher Weise seine Liebeserklärung.
* Eine bedeutende Abnahme im Bierkonsum Münchens ergabt sich abermals aus den soeben veröffentlichten Berechnungen, des städtischen statistischen Amtes für 1903. Diese sind von nun ab auf neuer Grundlage durchgeführt. Bis letzt wurde angenommen, daß von 1 Hektoliter Malz 2,2 Hektoliter Bier gebraut werden; cs stellte sich aber heraus, daß mit den Fortschritten der Brautechnik viel mehr Bier aus der gleichen Menge Malz gebraut wird als in früheren Zeiten, und so wird von jetzt ab auf 1 Hektoliter Malz 2,45 Hektoliter Bier berechnet. Mit anderen Worten, die Brauereien haben viel mehr Bier aus dem Malz bereitet, als angenommen wurde, und die Biertrinker mehr vertrunken, als die Statisttk nachwies. Nach alter Berechnung hatte München in der Periode 1886—1890 den höchsten Stand des Bierverbrauchs mtt 487 Liter auf den Kopf der Bevölkerung. -Seitdem nimmt diese Zahl regelmäßig ab. .In der Periode 1891—95 war sie auf 412, 1896 auf 401, m den folgenden Jahren stufenweise auf 395, 391, 364, 356, 941 und inr vorletzten Jahre auf 298 gesunken. Im letzten Jahre 1903, würde die auf den Kopf der Bevölkerung treffende Jahresmenge auf 273 Liter gesunken fein. Nach der neuen Berechnung wären es 1902 aber 368 Liter gewesen und 1903 noch o38 Liter. .Sicher ist, daß der Malzverbrauch Münchens, trotz bei: Bevölkernngszunahme um etwa 15 000 Seelen, die betraastliche Abnahme von 64000 Hektoliter Malz gegen das Boriahr ausweist. Die Ausfuhr ist wieder etwas zurückgegangen gegen 1902 mit 1572 272 Hektoliter im Jahr 1903 aus 1545 450 Hektoliter. .Nicht schön und fast ein Zeichen des Uebermutes ist es, daß fremdes Bier mehr aufkommt. Rund 20 000 Hekto- Itter Bier wurden von außen cingestihrt, mehr als das Doppelte, wie vor wenigen Fahren, allerdings noch verschwindend wenig gegen die is/i Millionen Hektoliter (1740 000), was München ön eigenem Gebräu vertrinkt.
p e jlt n5 Wege zur Verlängerung b/s Lebens hat Srr Hermann Weber, der Klassiker und zugleich Senior unter den deutschen Aerzten Londons, einen Vor
Alte anknüpfen. .Unsere alten Dorfkirchen bieten durchweg ein erfreuliches Bild davon, wie man früher diese Aufgaben künstlerisch .befriedigend löste, .weil man schlicht, einfach, wahr und echt baute, nicht prunkte und protzte, nicht mehr scheinen wollte, .als man war; weil man aber auch auf der anderen Seite die Sache mit Liebe anfaßte und ein gut Teil deutschen Gemütes hineinbante. Darum sprechen diese Schöpfungen zum Herzen, die Kopien aus Musterbüchern lassen uns kalt. Man lerne wieder volkstümlich bauen, in den dem Volkstum entsprossenen und dem Volke verständlichen Bauformen, das wird nicht nur die Landschaft verschönen, sondern auf das gesamte geistige, auf das religiöse Leben günstig zurückwirken. K. Spieß.
trag im Royal College of Physicians gehalten, welchem wir folgende Bemerkungen entnehmen: „Ueber die vielnmstrittenc Al- koholfrage will ich nur wenige Worte sagen. Für gesunde Menschen ist der Alkohol überflüssig, und man befindet sich im allgemeinen besser bei der Absttnenz. Viele Krankheiten werden durch Alkohol hervorgerufen, manches hoffnungsvolle Leben ward durch den Trunk zerstört; er ist die häufigste Ursache zum Verbrechen und zum Ruin der Familie. Wirte und andere Personen, die mit dem Verkaufe von Alkohol zu tun haben, haben so schlechte Lebensaussichten, daß Versicherungs-Gesellschaften sie ablehnen oder nur ausnahmsweise mit stark erhöhtem Prämium aufnehmen. Trotzdem ist ein Glas Wein, Schnaps oder Bier für viele Leute nicht schädlich, manchmal sogar nützlich. Die ,Ansicht, daß Alkohol für alte Leute nützlich sei (Milch der Greist), ist falsch und gefährlich. Wer in feiner Jugend reichlich und ohne Schaden getrunken hat, findet mit zunehmendem Alter, daß er dies lassen muß, wenn er gesund bleiben will. Reichlicher Alkoholgenuß schädigt die Blutgefäße, das Gehirn und die Nerven und vermindert die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegen Mikroben, Erkaltungen und andere Krankheitsursachen. Diese Widerstandsfähigkeit als einer der Hauptförderer eines langen Lebens soll aber auf jede Weise gestärkt und nicht ^Herabgesetzt werden. Personen mit leichter Albuminurie und Zeichen von Arteriosklerose können durch große Mäßigkeit im Genüsse von Alkohol und Fleisch ihr Leben bedeutend verlängern. Meist schlagen sie aber einen bezüglichen Rat in den Wind und sagen: Dr. Y. habe ihnen gesagt, Beschränkung .sei überflüssig; sie essen und trinken gut und sterben nach .drei Jahren.
* Sv eN v. H edin, der berühmte schwedische Forschnngs- reisende, spricht sich in seinem neuesten Reisewerke „Im Herzen von Asien" (Leipzig, Brockhaus, 1903) auch gegen den Alkohol aus. .Als einmal zu medizinischen Zwecken Alkohol gebraucht wurde, mußte er aus einer der Flaschen für die zoologischen Sammlungen genommen werden: „Sonst gab .es keine Spirituosen in der Karawane, und zur Ehre 'der Kosaken muß ich sagen, daß keiner von ihnen, und von den andern ebenfalls keiner, sie entbehrten. Alkoholische Getränke sind ein böses Ding in einer Karawane, sie machen Kräfte nnd Disziplin schlaff."
LiievNrss<chss.
— Georg von der' G'abelentz: Das weiße Tier. Novellen. — Verlag von Egon Fleischel n. Co., Berlin W. 35. Preis 3.50 Mk. — Von seltsamen Menschen und absonderlichen Dingen weiß Georg von der Gabelentz mit suggestiver Kraft zu erzählen. .Er wählt mit Vorliebe geheimnisvolle Stoffe zu seinen Novellen; ihn reizen Vorgänge, die abseits vom alltäglichen Erlebnis geschehen, die etwas Fremdartiges, Spukhaftes, Unheimliches an sich tragen und der simplen Deutung durch kühle Vernunft widerstreben. Gleich in der Titelerzählung wird .die geheimnisvolle Macht der Suggestion geschildert, die einen vor aller Welt sich .verbergenden Verbrecher wie eine Nemesis in ewiger Unruhe hält, ihm quälende fixe Ideen vortzaukeln und ihn schließlich zu Grunde gehen läßt. Stets ist es der starke Einfluß solch dunkler Gewalten auf den Menschen oder auch der Einfluß der Natur, dem Gabelentz 'mit feinstem Empfinden nachspürt und den er glaubhaft, ja oft mit verblüffender Anschaulichkeit zu schildern weiß. Diesem Einfluß der düsteren, schwermütig schönen Natur erliegen seine Menschen, auch wo sie äußerlich roh und robust erscheinen. Und da ist es nur die Sicherheit und Klarheit in der Erzählnngs- knnst des Autors, die über alle psychologischen Bedenken hinweghelfen. Er erinnert hier und da an E. T. A. Hoffmann und Edgar Allan Pos, indem er gleich .ihnen auch unter den Menschen am liebsten Originale und solche'Naturen schildert, denen ein unheimliches Geschick die Fledermaus-Flügel ums Haupt schlägt. Im übrigen bietet die Novellensammlung trotz der vorherrschenden: Grnttdstimmung des Geheimnisvollen reiche Abwechslung, und mit dem Schauplatz wechseln bunt die Situationen, mögen sie nun draußen im Nebel von Wald und Heide, draußen auf der einsamen, unendlichen See oder hinter grauen, kalten Häusermauern oder fern im Süden unter roter Sonne und roten Rosen spielen.
Tauschriitfel.
(Nachdruck verboten.)
Wange, Geld, Bonn, Weib, Fuder, Meise, Bier, Wald, Feier, Tier, Motte, Ruh, Boni, Wolle, Engel, Zink, Schilf, Mode, Beil, Esel,
Von jedem Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an beliebiger Stelle ein anderes Hauptwort zu bilden und zwar derart, daß die eingefügteu Buchstaben ein Sprichwort ergeben.
tAnflosung in nächster Nummer.)
Auflösung des Anagramms in vor. Nr.:
Inka, Nagel, Vater, Estrich, Neige, Tafel, Ulanen, Reis.
I n v e n t « r.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck nnd Verlag der Vrühl'schcn Universitäts-Buch- nnd Steindrnckerei. R, Lange, Gießen.


