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Dazu bemerkt der „Kunstwart":
„Wir haben dieses Beiträglem überschrieben. „Die Dorf- kirche". Ja, so darf man's nennen, denn ungefähr so geht es bei uns int Lande ja fast überall zu."
Unsere Aorfkirchen.
Im „Kun st wart" war vor einiger Zeit folgendes zu lesen:
nach unseren Wünschen abzuändern.
Anstatt eines Werkes von Theodor Irscher also (wohlverstan- den bei gleichen Kosten!) eine „cvenluelle" von 9lit 7 und Nr. 4 der Mnster sur kleine Kirchenbauten!
Geh. Hofrat Dr. Rolfs."
Uns wird geschrieben: . . , r,
„Wir wollten uns hier in einem kleinen Marktflecken Oberbayerns, Miesbach, eine protestantische Kirche bauen. . . Mir schien die Gelegenheit günstig, hier außen m der friedlichen Stille einer unvergleichlich schonen Natur auch der Kunst zu ihrem Reckte zu verhelfen, indem man rm Anschluß an den Ort, die Landschaft und eine« hier durchaus eigenartig ausgeprägten Stil ein bescheidenes, seinen Zwecken entsprechendes Bauwerk errichtete... Ich Hütte auch das Gluck, meinen Freund Theodor Fischer für die Sache zu gewinnen und bemerkte mit Freude, daß sein Name bei dem Kirchenbau-Ausschuß „zog .
, Mollen Sie es mir verraten?"
Warum nicht? Es hat mir damals — erinnern Sie «di noch vor zwei Jahren? — imponiert, daß Sie trotz [er Feindschaf? mit Ihrem Onkel meinem Papa das Ver- Ipr-ch-n gabm, sich M R--- »»nft M u»s Men ri> fassen Das zeugte von einem Charakter, der selbst zu untersuchen gesonnen war, aus welcher Seite das Un-
Erich^wußte nicht gleich, was er erwidern sollte, doch enthob sie ihn einer Antwort, indem sie m immer steigender Erregung fortfuhr:
„Ich weiß nicht, ob Sie den Grund zu diesem jahrelangen Zwiespalt kennen - ich kenne ihn jedenfalls nicht, denn das liegt weit zurück. Aber eines weiß ich, daß mein Vater einer ungerechten Parteinahme unfähig ist, und wenn Sie erst unseren lieben Vater Adame tote der Pfarrer von Alt und Jung genannt wird — von Angesicht zu Angesicht gesehen und erkannt haben werden, welch goldenes Herz in der Brust dieses Mannes schlagt, dann werden auch Sie sagen, daß die Schuld nicht an ihm
Unkultur. lisiziertett auf das Bauernhaus, um deutlich zu machen, was wir an der heutigen Praxis des landläufigen ^orf- kirchenbaues vermissen. .Es wird nun kaum noch notig , m, die Unterstellung abzuwehren, als verlangten wir sur tzde erbauende Dorfkirche einen erstklafsmeu Arc,unkten undeinen Aufwand voll gleißender Prackst. schlimmer konnte, man urö nicht mißverstehen. Allerdings ist M nach her Durch! chmtts- anschauung Kunst gleichbedeutendmit luxMöser Pracht W Durchschnittsanschauung aber beweist nur, W tief unsere asth^ tifdi» Kultur fteM Denn gerade das Gegenteil in wahr. Kunft ist allemal nicht das Gleißende, Prunkende, Protzende, sondern das Schlichte, Einfache, Echte, Wahre. Und in diesem Smne sordern wir, daß man in jedem "U^lnen Falle die Cebanung einer Dorfkirche ansehe als eine künstlerische Aufgabe.
Daß ein Architekt vom Rufe Theodor Fisches eine Dork- baut, wird immer eine Selteu^nt bleiben. Aber daß dabei nicht der Kostenpunkt aus schlag a c beiid ist, wird doch genugsam dadurch bewiesen, daß die Kirche Fischers die MlesbaÄw nicht teurer zu stehen gekommen wäre, E die von ihnen „angestrebte" Kombination von Nr. 4 und Nr. 7 des Mn ßei^ buchs. Im höchsten Grade wünschenswert wäre es, wenn sich gerade die besten unserer Architekten dwser Aufgabe ännahmen. So lange unsere Baugewerkschulen die Verbreiter der pletie^en, ödesten Unkultur sind, werden die, bie von daher ihre .Weisheit sich bolcN zur Lösung der Ausgabe unfähig bleiben. Und doch ist' sie wahrlich nicht unlösbar. Wie man den Bauern Hausern seht wieder an die gesunde, Maastige Tradition anzumupfen sucht und sie, den veränderten Verhältnissen entsprechend, weiter- bildet, so müßte auch der Kirchenbau an das vorhandene gucke
Nun ist dieser Fall ja besonders eklatant, denn Theodor Fischer ist einer unserer geistvollsten tnodernen Architekten, dem München, wo er längere Zeit wirkte, eine ganze Reihe der prächtigsten Neubauten verdankt und dessen Weggang von dort seiner Zeit von allen Kunstfreunden als unersetzlicher Berwst empfunden wurde. Und wenn die biederen Miesbacher ihren Beschluß nickt alsbald revidieren, haben sie alle Aussicht, als moderne Schildbürger sortzuleben. Aber selbst, wenn wir das beiseite lassen, was gerade diesen Emzelfall fast unbegreiflich macht und jedenfalls den Unverstand und. ine Sinnlosigkeit auf Nicht mehr zu steigernder Höhe zeigt, bleibt doch noch genug übrig, um ihn typisch .für unsere ästhetische Kultur erscheinen zu lassen und die Bemerkung von Avenarius zu rechtfertigen, daß es „ungefähr so bei uns im Lande ja fast überall zngeut , auch da, wo man iiicht das Gluck hat, eine Schöpfung Theodor Fischers zu denselben Kosten wie eine Kopie aus den „Musterii für kleine Kirchenbauten" zu erhalten. ....
Wa ist denn nun das Charakteristische, das Typische an diesem Einzelfall? Typisch ist die vollendete Geistlosigkeit, die Philisterhaftigkeit, die Kopflosigkeit, mit der man zu Werke geht, wenn man vor einer derartigen Aufgabe steht, tme die Miesbacher. Mit demselben Gleichmut, als gelte es die Beschaffung eines Ofens für die Schule oder die Anfuhr von Kleinschlag für die Dorfstraße, behandelt man die Angelegenheit. Höchstens die Platzfrage bringt die Gemüter in Bewegung, weil da die selbstsüchtigen Interessen der Baustellenbesitzer miteinander streiten. Hat dieser Kampf mit dem Sieg des Starreren geendigt — und er endigt in jedem Falle so —, dann ist die Angelegenheit im Wesentlichen erledigt. Alles übrige „besorgt ja der Baumeister. Der hat die Vaugewerkschule besucht, besitzt
liegen kann V
(Fortsetzung folgt.)
wohl auch eiste Mappe mit „Mustern für kleine Kirchenbauten,» aus der man etwas Passendes sich aussuchen kann — gerade Wit int Katalog des Osenhändlers. Er ist natürlich .gern bereit, entsprechende Wünsche zu berücksichtigen, dies oder lenes Muster abzuändern, zu streichen, .was die Sache unnutz verteuert, mndet stch im „Musterbuch" nichts Passendes, .dann leimt er selbst em paar gotische Stilsormen — denn nur diese schicken sich für eine Kirche — zusammen, setzt ein Kreuz, daraus und die Aulgabe ist gelöst. Kann er gar eine Kirche Leigen, die er in ». gebaut lwt, und die „prachtvoll ausgefallen", ist, dann ftnd selbst. lMsien Wünsche erfüllt. Du liebe Zeck, er hat schon Schwier^ geres zur Zufriedenheit der Besteller geliefert. Eine Dorfknche, was ist denn das Befondercs! Vier Mauern, em Turm, Nebenpfeiler und Spitzbogen, das sind die Ingredienzien, die nur zu- samuiengesetzt zu werden brauchen, und die Sache ist fertig, Keinem der Beteiligten,, weder dem Bau-Ausschuß noch dem Baumeister, bämmert eine Ahnung, .daß hier eene Aufgabe gestellt ist von solcher Wichtigkeit, wie ste rn Hunderten von Jahren in demselben Dorf nicht wieder vorkommen wird, daß diese Aufgabe unter genauer Berücksichtigung der örtlichen Ve^ hältnisse gelöst .werden muß — eme Kirche, die ,tn L. fsth ivunderschön ausnimmt, paßt barum noch lange Nicht für y. — und daß sie in künstlerischem Srune gelöst werden muß — „Kunst" ist ja nach Ansicht der Meisten ein »Luxus und eme künstlerisch-schöne Kirche gar etwas, was ÜÄ nur reiche Städte gestatten können —, kommt Niemandem zum Bewusstsein. Mres
bach .hat viele Genossen. „
Man beklagt die Entstellung der landschaftlichen LchönlM unserer Dörfer durch die .entsetzlichen Poesie- und gemutlosen Steinkasten, die jetzt selbst am dem entlegensten. Dorfe auftauchen. dirau und schmutzig, öde und langweilig stehen sie da, daß einem unwillkürlich ein Gruseln kommt und man die armen Menschen bedauert, die rnsolch ungemütlichen wer SBang den ihr Leben verbringen muffen, ^st es denn da wirklich ein so großes uilbegreistiches Wunder, wenn m solcher, Umgebung das Geniüt verroht, der Geist allen besseren höheren Einflüssen unzugänglich wird und materielle Genüsse einer Unterhaltung mit Büchern und Bildern vorzieht. Man braucht nicht Materialist zu sein und kann es doch begreiflich stnden. daß hier die Umgebung abstumpseud,, alles geistige. Eigemeben towid wirkt. Und dabei sieht man in denselben Dörfern, die iefct Mik ui-vuuc, .uuq „v, —,--- •;;~r- < • I hurnt diese Bauteil verunziert werden, unsere alten, yenen.
Die unmittelbare Folge war ine Zusage, ihn undMich bei | c üblichen Bauernhäuser, auch berfelbe Typus, unb boch hat der Ausführung zu Rate zu ziehen. Aber es Eamanbers... I t • , . eiaeneS Gesicht und bei allen hat man den Embruck: Meine gelegentliche Abwesenheit .benutzend, beschloß ber Aus- | jedes lern eigenes ®eu^tman schlechterdings nicht nws s°- **«,» *£..■«■« sä:ä*<£ sammengestellt von Julius Zeißig, Leipzig, .wäre die Kirche I § . verlassen können, wie es überhaupt möglich war, Nr. 7 anstrebenswürdig. .. . Q , JL Schönheit unserer Dörfer in der unveraickwort-
2. Die zu bauende Kirche in A. .soll in "aHster Zeit. .. . ,.af; ma ,^ony »ersteht eS nicht, und muß des-
besichtigt werden und eventuell mit dem Erbauer derselben Ruck- I . . nte»nien' ^afi jn vollkommener Sinn-, Kopf- und spräche genommen werden, um die in Nr. 4 angestrebte Kirche ! 1 l Y man nicht wußte, was man tat. Getistß
nbwonbern. .... lasteii^ich wirtschaftliche Gründe für Einzelnes anführen, z. B.
wor ötwr «n? iww» sü- das Abkommen des FackWerrbaucsdas Holz ist teurer .eventuelle" Zusammenstellung | S’" n ®ietta«enmerf kann heute selbst ein reicher
Bauer kaum noch denken. Aber das ist doch feine genügende Erklärung sür das völlige Verlassen der voftstumlichen Bauweise, die Schuld' daran tragt ber „praktische Sinn unserer Zeck als ob die alten Bauernhäuser unpraktisch und nicht vielmehr Muster votz wohlüberlegter Raumverteilung und wohltuender SachMkeit wären b. h. .mit anbern Worten Unverstand und


