Ausgabe 
27.7.1904
 
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1904.

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Gin angenehmes Gröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Gott sei Dank!" entrang es sich befreiend aus Mamas Brust, aber noch war nicht das letzte Wort verklungen, da fielen Schüsse von rechts und von links, von vorn und von rückwärts und dazu erhob sich infernalisches, nicht mehr menschenähnliches Geheul. Die Pferde scheuten uild ob­gleich sich Erich mit aller Macht in die Zügel legte, rasten sie in wilder Flucht davon. Wie ein vom Sturm gepeitschter Kahn versank der Wagen in abgründige Löcher, um gleich darauf wieder über hohe Steine zu sausen. Er flog nach rechts und nach links, die zersprungenen Scheiben fielen klirrend nach außen und innen, und wie von Furien gejagt, stürmten die waldschnaubenden Tiere weiter und weiter. Da ein heftiger Anprall, lautes, entsetztes Aufschreien, und Wagen und Pferde lagen im schmutzigen Ehaussee- graben.

Totenruhe!

Erst nach bangen Minuten hörte man Frau von Höchst­feld leise weinen.

Eveline, liebes Wieib, lebst Du?" fragte der Major in höchster Angst.

Ja, Erwin. Und Du?" fragte sie zurück.

Mir scheint nichts geschehen zu sein" entgegnete er, sich mühsam aufrichtend.

Und wirklich, durch ein wahres Wunder Gottes waren sie alle, mit Ausnahme unbedeutender Schrammen und Quetschungen, mit dem bloßen Schreck davongekommen.

Jetzt kamen auch zögernd uich zagend die Gutsleute, die durch ihrenfestlichen Empfang" beinahe unermeßliches Unglück angerichtet hatten, mit Laternen und Kienfackeln heran.

Natürlich waren auch sie, wenigstens was den männ­lichen Teil anbetras, nicht ganz nüchtern und aus dem wirren Durcheinander von Beteuerungen und Entschuldig­ungen verstand Herr von Höchstfeld nur so viel, daß auch hier wieder der Pfarrer die Hände im Spiel hatte. Um die Herrschaft würdig zu empfangen, war von ihm ein Fäßchen Wein zum Besten gegeben und ihnen strengstens eingefchärft worden, nicht früher zur Ruhe zu gehen, bis sie nicht ihre freudige Untertänigkeit durch lauten Willkom- mensjubel bezeugt hätten!

Herr von Höchstseld war durch die Angst, die er um die Seinen 'ausgestanden hatte, so weichmütig, daß er wenigstens für heute auf ein strafendes Donnerwetter verzichtete. Und als Man sich endlich, endlich zur Rache begab, sagte er fast kleinlaut zu seiner Frau:

Ich fürchte, ich fürchte, daß !vir gegen diesen ust« seligen Pfarrer einen schweren Stand haben werden." , Erich war der erste am nächsten Morgen wach.

Er zog sich notdürftig an und hielt im Hause Umschau, ob sich nicht eine dienende Seele finden ließe. Aber außer einigen im Hofe sich herumbalgendcn Kindern, die ihn nur scheu anglotzten, war kein lebendes Wesen zu entdecken. Schließlich holte er sich selbst Wässer vom Ziehbrunnen und beendete feine Toilette.

Als er dann einen Blick zum Fenster hinaus auf den Gutshof warf, entrang sich ihm ein schwerer Seufzer. Hier standen ihnen entschieden noch viele heiße Tage bevor, ehe sie in diesen Schlendrian Ordnung gebracht haben würden.

Der Onkel mußte sich ja rein um gar nichts mehr ge­kümmert haben, daß solch eine Liederlichkeit überhaupt Platz greisen konnte.

Am hellen Morgen standen noch sämtliche Wirtschafts- Wagen auf dem Hofe, und ein Teil der Knechte schlief hier, der andere wahrscheinlich in der Dorsschenke seinen schweren Ransch ans!

Wenn das ans dem Herrenhof und noch dazu am Tage der Ankunft der Herrschaft passieren konnte, wie mochte es dann erst ans dem Borwerk und auf den anderen entlegenen Pusten aussehen, die nicht so direkt unter den Angen des Herrn lagen.

Er fühlte, wie ihm die Zornesader schwoll, und rasch schritt er zur erstbesten Arbeiterwohnung, dort die Tür mit kräftigem Fußtritt aufstoßend.

Mit verglastem Blick starrte ihn der Baner zuerst an, bann besann er sich, daß dies ja einer der gnädigen Herren sei, und fragte demütig:

Eh, Herr was befiehlst Du?"

Erich winkte ihn heraus und zog sich mehr nach bet; der Mitte des Hofes, in die reinere Lust zurück.

Warum ist die Arbeit noch nicht ausgenommen?"- stellte er ihn dort zur Rede.

Eh, Herr", meinte dieser, der von seiner Militärzeit her noch etwas deutsch konnte,wir dachten, daß der Tag Euerer Ankunft als Feiertag gilt. Das Meh haben wir ja zur Zeit bersorgt, dann gingen wir aber unsere Räusche weiter ausschlafen."

Sofort weckst Du alle auf", befahl ihm Erich,in einer Viertelstunde habt Ihr anzufangen."

Schön, Herr, wenn Du befiehlst, wird es ja geschehen, nur mußt Du uns auch sagen, mit was wir an fangen sollen."

Erich wurde ein wenig verlegen.

Nun, mit derselben Arbeit, die Ihr gestern unter­brochen habt."

Eh, gnädiger Herr, nimm mirs nicht übel", meinte der Bauer pfiffig schmunzelnd,dann müßten wir eben weitersaufeu, denn gestern haben wir nichts anderes getan?' Den ganzen Tag?"