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(Nachdruck verboten.)
Mssa Kafconieri.
Von RichardVoß.
Zweiter Band.
(Fortsetzung.)
Aber sie bleibt stumm.
Jede Nacht brennt mein einsames Licht-
Aber unter mir bleibt es dunkel.
Wenn ich gegen Morgen in Erschöpfung sinke, so reiße ich mich gewaltsam heraus. Früh am Morgen lasse ich mich hinaustragen vor das Haus, unter die Steineichen.
Es könnte ja doch sein, daß sie schon früh morgens käme . . .
Unter den Steineichen sitze ich und erwarte sie. Ich warte von Stunde zu Stuude. Ich warte, bis es Abend wird, bis die Nacht anbricht. Unverwandt blicke ich auf den einen einzigen Weg, den sie kommen kann.
Heute kam sie nicht.
Sie wird morgen kommen.
Morgen kommt sie gewiß!
Inzwischen schreibe idji ihr.
*
Ich weiß nicht mehr, was ich ihr jede Nacht unter dem Haupte des Sterbenden schreibe. Es ist immer dasselbe: daß sie mich ja doch liebt, daß sie sich mir ja doch aus freien Stücken gegeben hat, daß es nicht möglich ist!
Ich mache ihr keinen Vorwurf — ganz gewiß nicht!
Vielleicht war ihre Liebe nur Mitleid?
Mitleid.
Tas arme, kleine Ding! Was muß es gelitten haben! Denn ich kenne das.
*
"Wochen und Wochen sind verstrichen.
Es ist Minter geworden.
Sie tragen mich nickt mehr jeden Morgen vor das Haus unter die Steineichen.
Tie letzten acht Tage lag ich still und starr wie in der Agonie . . . Ich weiß nicht mehr, was ich in diesen fürchterlichen acht Tagen machte. Ich weiß nur, daß ich heute aufstand und ihr noch einmal schrieb.
Ich schrieb ihr nur ein einziges Mort:
Lebewohl!
Und jetzt warte ich- nicht mehr.
*
Ich lebe so still dahin in der Villa Faleonieri, die mein Capua war.
Es ist mir gleich, wo ich lebe.
Ueberall muß ich Atem holen.
Es ist gewiß sehr unmännlich, sehr jammervoll, an thtet Leidenschaft zu Grunde zu gehen-
Assunta Neri war bei mir. Ich merkte wohl, daß sie sehr erschrak, als sie mich sah. Sie sprach von meinem Stück. Ich mußte mich erst besinnen, was sie eigentlich meinte.
Ach ja, mein Drama, meinen Frühlingsgesang!
Inzwischen ist es eben Winter geworden.
*
Assunta Neri will mein Stück durchaus spielen.
So, so, so, so. Was geht das mich an? Sie meint, es könnte mich retten.
Warum ich wohl durchaus gerettet werden soll?
Noch immer!
Ich glaube, die Aufführung soll schon nächste Woche stattfinden. Assunta Neri will, daß ich dabei sein soll.
Ich tue alles, was Assunta Neri will.
Tiefe Frau kennt sie, die mich einstmals während einer kurzen Sommernacht aus MitleÜ» geliebt hat.
Aus Mitleid!
Hörst Tu, Maria?
*
Morgen fahre ich nach Rom.
Ueberrnorgen soll im Nationaltheater die erste Aufführung meines „Frühlings" stattfinden.
Ich bin so milbe, so alt. <
*
Mißerfolg.
Assunta Neri
an
Herrn Richard Voß
Berchtesgaden, Villa Bergfrieden, Deutschland.
Rom, Hotel Quirinal, 10. Dezember 1893. Geehrter Herr!
Ihr Freund befindet sich bereits wieder in der Villa Faleonieri. Maria ist bei ihm. Soeben depeschierte sie mir: er sei ganz ruhig.
Meinen verschiedenen Telegrammen en Sie lasse ich diesen Brief folgen. Er wird für Sie manches Erklärende enthalten.
Letzten Frühling lernte ich in Rom die Prinzessin von Sora kennen.
„Kennenlernen" ist nicht das richtige Wort; denn die Prinzessin gehört zu den Frauen, die man niemals kennen lernt. Wenigstens gelingt das nicht einem Manne. Selbst wir Frauen können uns einander nur ahnen. Ich ahnte in der Prinzessin eine von den wenigen Naturen, die für ein großes Schicksal geschaffen scheinen. Ein „großes Schicksal" haben, nenne ich für die Frau: eine große Leidenschaft einflößen und selbst fühlen.
Wir Frauen wissen von keinem andern „großen Schicksal".


