Ausgabe 
26.11.1904
 
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wenn nicht Ansteckungen, so doch Erkältungen und den gewöhn­lichen Kinderkrankheiten stärker ausgesetzt sind, als andere von mehr menschlicher Gestalt. Zumal in der heißen Jahreszeit, die jungen Erdenbürgern so leicht verhängnisvoll wird, gibt der Ueberschuß an Körpcrfett verhältnismäßig leicht Veranlassung zu allerlei Erkrankungen. Fette Kinder schwitzen im (Sommer mehr als andere, sie werden leichter wund, schlafen schlechter, und sind bei irgend einer ernsten Erkrankung Nervenzufällcn in höherem Maße ausgesetzt. Besteht eine fieberhafte Krankheit, so ist das Fett, das alle Organe des Kindes mehr oder weniger einschließt, stets ein wesentliches Hindernis für eine schnelle Heilung. Taß Erwachsene, die über ein starkes Embonpoint ver­fügen, ihr Dasein häufig als eiire schwere Last empfinden und in gewissem Sinne als kranke Menschen zu gelten haben, wird all­gemein zugegeben. Warum sollten die jungen Geschöpfe, die unser Ebenbild gleichsam in verkleinerten! Maßstabe darstellcn, anders zu beurteilen sein? Es mnß daher immer lvieder mit Entschiedenheit darauf hingewiesen werden, daß ein klind mit geringerem Gewicht, aber festem Körperbau gesünder und wider­standsfähiger ist als ein kleiner Fettklmnpen.

Wie die weidliche Kleidung entstand. Ter be­kleidete Mensch gleicht darin der Mutter Erde, daß er von Schichten umgeben ist, deren Alter sehr ungleichartig ist. Als Regel gilt die Turchwanderung der Schicksten von innen nach außen, so daß unmittelbar am Leibe die jüngsten Bekleidungs- fornien entstehen und die älteren immer weiter hinausdrängen. Doch gibt es auch Ausnahmen wie Zier, Putz und andere Neben- bestandteile der Kleidung, die zuerst an den äußersten Schichten angebracht werden und dann mehr und mehr auch nach den inneren drängen. Tas Gesetz der Schichtenwanderung von innen nach außen hat zur Folge, daß die Hüllkleider, die unmittelbar am Leibe entstehen, sich stärker vermehren, daß die äußere Kleid­ung stets ältere Formen und Ornamente aufweist als die innere und daß die Schichten immer zahlreicher werden. Tie moderne Frau ist, ähnlich wie die Zwiebel, von sieben Schichten um­hüllt, mitunter gibt es deren sogar noch mehr. Der fundamentale llnterschied zivifchen der männlichen und der weiblichen Kleidung, die einst sehr ähnlich und verwandt waren, drückt sich jetzt am bezeichnendsten dadurch aus, daß der Mann der äußersten Schicht seines Oberkörpers denselben Namen gibt, mit dem die Frau die äußerste Schicht des Unterkörpers benennt: Rock. Und bei Oer Frauenkleidung selbst charakterisiert sich der Unterschied zwischen einst und jetzt durch die Taille. Tie antike Welt kannte die Taille nicht. Ihrer Ausbildung ist die Entstehung des von den Hygienikern so viel bekämpften Korsetts zu ver­danken. Wiewohl es jüngeren Ursprungs ist, hat sein Name ein hohes Mer aufzuweisen. Man kannte ihn schon im zwölften Jahrhundert, nur bezeichnete er damals ein besonderes Oberkleid, das mit Pelz gefüttert war. Aus dem Wort Korsett, das zweifel- .os aus Frankreich stammt, bildete sich später der Ausdruck Kursen und daraus wieder das Wort Kursch, das auf die Bezeich­nung des Verfertigers, des Kürschners, übergcgangen ist. Tas Korsett im heutigen Sinne ist aber auch schon in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts geboren. Bis dahin be­fand das Frauenkleid von oben bis unten aus einem L>tück, und die Taille wurde durch den Gürtel markiert. Nun trat die Trennung des Kleides ein, es entstanden das Mieder und der Rock als selbständige Stücke. Tiefe Umänderung blieb bei allen Wandlungen der Mode für alle Zeiten, sie ersetzte den alten Gürtel völlig, ermöglichte die Wespentaille und führte im Laufe der Zeiten die Culs, die Schnürbrüste und die Krinoline als Ge­folge mit sich. Ein anderes, auch schon im fünfzehnten Jahr­hundert übliches Oberkleid der deutschen Frauen war der Mantel, der in der Geschichte der weiblichen Kleidung insofern eine be­merkenswerte Stellung entnimmt, als er ehedem nur den ver­heirateten Frauen gestattet war, während er auch im strengsten Winter den Jungfrauen durch "die Sitte versagt blieb,bis daß sie Bräute waren". Man sieht, tote gut es heute die ledigen Tarnen haben, man möchte beinahe glauben, zu gut, weil ihnen selbst der grimmige Frost nicht beikommen kann. Ter Hut ist das wandelbarste Kleidungsstück, das schon dadurch eine Ausnahme- stellitng hat, daß er allein sitzt, während alle anderen Kleidungs­stücke hängen oder stehen. Tie Damen trugen ihn in weit mannig­faltigerer Gestalt als die Männer, und immer ziemlich grotesk, daß er sich noch gegen die mächtige Frisur, die er decken sollte, in einigem Ansehen halten konnte. Sie trugen ihn von Kastor mit hohen! oder niedrigem Kopf, mit schmalem oder breitem Rand, auch trugen sie ihn leichter von Seide, Taft, geflochtenen! Stroh und anderen Stoffen. Mit Rand und Kopf fingen sie ein launenhaft phantastisches Spiel an, und wußten Hunderte von Formen herauszubriugen, denen sie Aehren, Blumen, Bänder und vielen anderen Schmuck hinzugesellten. Später kehrten sie wieder mehr zu der Form der Männerhüte zurück, die sich bis auf den heutigen Tag Geltung zu verschaffen weiß. Einer Eingebung des Augenblicks ist es übrigens zuzuschreiben, daß sich die Frauen plötzlich einen Eingriff in das rechtmäßige Eigentum der Männer gestatteten und so mir nichts dir nichts den Herrenpaletot zu einem lveiblichen Kleidungsstück machten. Auf dem ersten Wett­rennen von Ehantilly bei Paris fand die Herozgin von Morny

ihren Kaschmirschal zu kalt und zog ungeniert den Paletot ihres Herrn Gemahls an. Mle anderen Damen fanden das Kleidungs­stück sofort reizend und entzückend, und als acht Tage später das zweite Rennen stattfand, erschienen alle Damen der großen Welt, obwohl ihnen der Schal Schutz genug geboten hätte, da das Wetter recht angenehm war, in Herrenpaletots, die dann bald darauf allgemein Mode wurden und sich bis heute in der Gunst der Frauen erhalten haben. Tas geschah vor vierzig Jahren. Unter solchen Umständen kann man freilich nicht wissen, was die Frauen von der Männerkleidnng nicht noch alles annek­tieren werden. < i

«Literarisches.

Unter dem Gesamttitel Roths Jugendbibliothek sind im Berlage von Emil Roth in Gießen drei stattliche Leinenbände: Im Forst hause Falkenhorst", Erzählungen und Schil­derungen ans dem Leben im Bergforsthause und im Bergwalde, von Albert Klein schmidt erschienen, deren Inhaber in spannenden, anregenden Bolksgeschichten hauptsächlich das Land­leben und das Walten der freien Natur schildert und besonders recht geeignet ist, die empfängliche Knabenwelt für die Poesie des Waldes zu begeistern. Diese Erzählungen, im ganzen 16, stehen zueinander in Verbindung; jeder Band (Preis geb. 4 Mk.) bildet aber doch ein abgeschlossenes Ganzes. Ter reiche Bilder- schmnck besteht zum größten Teile in Tarstellungen aus dem Tier- und Pflanzenleben des Waldes; außer Lichdruck-Text- bildern weist jeder Band vier prächtige Farbendrucktafeln auf. Mehrere hervorragende Pädagogen haben mit Anerkennung den hohen Wert dieser Erzählungen als Bildungsmittel für die Jugend betont.

Der Rosen wirt von Wimpfen. Eine alte Geschichte ans einer alten Stadt. Von Konr. Fron (Geh. Kirchenrat D. Frohnhausen). Brosch. 2 Mk. (Verlag von E. Ungleich, Leipzig.) Eine köstliche Gelchichte, volkstümlich und packend. Ter Verfasser kennt sein Wimpfen und die Vergangenheit der Stadt. Was er erzählt, ist nur znm Teil ersonnen und erdichtet, znm andern Teil ist es aus ben Ueberlieferungen heransgewonnen und gestaltet. Tie Schilderungen find getreu, lebendig, liebevoll im einzelnen und bis ins kleine hinein durchgearbeitet und vom Geiste der Zeit durchtränkt. Sie führen besser und schneller in die Zeit hinein, als langatmige Abhandlungen über wissenschaftlich zugestntzte Erörterungen. Deshalb ist das Fron'sche Buch der reiferen Jugend und dem Volke zu empfehlen.

Gefärbte Frauen und andere" (Verlag von I. Goetsch, Gotha) nennt Paul v. Schönthan seinen neuestes Novellenband. Dieser Band bietet uns eine Reihe köstlicher No­vellen mit interessanter Handlung, fein pointiertem Dialog und sprühendem Humor. Dazu gesellt sich eine leise Ironie, die wie ein Hauch ans jeder Zeile weht und das Buch zu einer angenehmen Lektüre gestaltet, die imstande ist, Grillen zu verscheuchen und behagliche Stimmung zu erwecken.

Eine originelle Neuheit, welche in vielen Fällen berufen zu fein scheint, die Frage des passenden Weihnachts­geschenkes zu lösen, ist im Verlage von August Beil in Stuttgart unter dem TitelW as spielen wirwährend derReise daheim?" erschienen. Ein in Taschenformat zufammensalt- barer Spielplan aus Pappe wird durch Klammern brettartig steif gemacht, so daß er während der Eifenbahnfahrt über die Kniee der Reisenden gelegt den schönsten Spieltisch abgibt, auf dem alle möglichen Karten- und andere Spiele ausgeführt werden können. Aufgedruckt ist dem Plan auf der einen Seite Schach- bez. Dame­spiel, auf der anderen das Mühlespiel. Znsammengefaltet und mit den dazugehörigen Figuren in Mappe ruhend eignet sich diese Spielsammlung einerseits für längere Eifenbahnreifen, da sie in der Rocktasche, im Handgepäck oder im Rucksack mitgetragen werden kann, und so auch dem Wanderer oder Sommerfrischler, wenn er einmal eingeregnet wird, Zeitvertreib bietet, anderseits bildet sie ein Unterhaltungsmittel für jung und alt, während der Winterabende im Freundes- und Familienkreise. Schön aus- gefiattet repräsentiert sich diese aparte Neuheit als ein Fest- geschenk für jedermann und kann für 1.20. Mk. durch alle Buchhandlungen bezogen toerben.

Auslaffmlgs-AufgaSe.

(Nachdruck verboten.)

Aus nachstehenden 18 Worten

Check Code Gehre Geier Heros Hort Kost Leich Oede Regel Reibe Reigen Staat

so durch Ausstoßung eines Buchstaben ein neues Wort gebildet werden, während die ausgestoßenen Buchstaben, richtig, aneinander­gereiht, eine besonders in letzter Zeit vielgenannte Behörde ergeben. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Homonym in vor. Nr.:

Marsch Attila Restauration Talent Ilse Nickel Stör Treff Acht Gericht.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'ichen Universitäts-Buck» und Steindruckerei. R.Lanae. Gieße».