Ausgabe 
26.3.1904
 
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* Mei Kempinski. *)

Hat der Berliner sechs Mark fünfzig Und geht mit einer Dame aus, So nimmt er davon fünfzig Pfennig Und kaust ihr einen Blumenstraus;. Ganz überrascht sagt sie dann:Danke!" Denn sie ist nicht verwöhnt darin;

Drauf führt er sie mit Rothschilds Miene Zum Restaurant Kempinski hin;

*) Diese kleine Satire, zur Zeit in Berliner Cabarets ge­sungen, entnehmen wir der WochenschriftKüche und Keller".

alsbald klettert, erfreut sich nicht etwa des Vorzuges, sein Eigentum zu sein. Er bezieht für seine monatlichen 20 Mk. alljährlich etliche Paar funkelnagelneuer Beinkleider, Westen, Jacketts und Paletots, die er strapazieren kann, wie's ihm beliebt und die ihm nach vorher bestimmter Zeitdauer durch neue uach seiner Wahl ersetzt werden. Der Zylinder gehört ihm vielleicht noch Mindestens ist er da aber aufs Aus- bügeln abonniert. Vielleicht lenkt er nun sein Schritte zum Friseur, der ihm das Haar schneidet und den nötigen Haby- schen Parenthesenschwung in das Schnurrbärtchen bringt; vielleicht auch wandert er ins Bad und läßt sich «massieren, oder zur Manicure, die ihm die Fingernägel zu aristokrati­schen Krällchen verwandelt: alles im Abonnement! Und nun fährt er ins Geschäft. Seine Monatskarte genügt, um ihn beim Bahnsteigkirippser passieren zu lassen. Auch sein Mittagsmahl bezahlt er mit einem Koupon. Für sein Abend- Varieto besitzt er eine Passe-Partout ebenso gut wie für sein Sonntagsziel das berühmte SchrammscheSeebad" in Wilmersdorf, wo so viele der kleinen, abenteuerlustigen Mädchen Berlins ihre freudvolle und leidvolle Laufbahn gedankenlos anfangen. So ist er faktisch auf alles Menschen­mögliche abonniert, und wenn ihm dabei ein bißchen natür­liche Grazie zu eigen ist, vermag er sich selber -zu Zeiten nicht von einem waschechten Baron zu unterscheiden. Schade nur, daß man zuletzt nicht auch auf ein bißchen anständiges Deutsch abonnieren kann! Tas ist ein Mangel, der bei solch einem Patentherrchen mitunter recht fühlbar wird. Aber tver weiß, vielleicht schafft ein geriebener Unter» nehmer der Zukunft auch hierfür noch, Rat. Und an solchen ist in Berlin niemals Mangel. Ter letzte dieser Menschheits­beglücker hat es sich zur Aufgabe gemacht, Uhren zu ver­schenken, 14karätige, goldplattiert oder echte silberne, für Herren oder für Damen, ganz wie Sie wünschen! Und eine fünfjährige schriftliche Garantie gibt 's noch obendrein! Aber die Sache hat natürlich einen Haken. Sie müssen dem guten Mann nämlich- vorher neunamerikanische" gold­plattierte Schmucksachen ä 1,75 Mk. verkaufen oder selbst raufen. Sobald das Geld dafür im Kasten klingt, die Uhr in Ihre Weste springt! Eine schamhafte Umgehung des Hydra-Systems unseligen Angedenkens, auf die eine ganze Menge jener lieben Zeitgenossen, die nach einem unwandel­baren Naturgesetz nie alle werden, hereinfallen werden. Es müßte sonst die Polizei dafür sorgen wollen, daß der Uhrenverschenker seine kostbaren Chronometer auf dem Halse und das Publikum sein Geld behält.

Ihr Geld wieder heraushaben wollten vor ein paar Tagen eine ganze Anzahl von Besuchern des Metropol­theaters, die dem neuesten Possenragout Julius Freund's ihren Obulus geopfert hatten und durch den Eigensinn des eisernen Vorhangs, der sich nicht wieder Heraufziehen lassen wollte, um die Schlußakte dergroßen dramatische- satirischen Revue (bum!) betrogen wurden. Aber der intelli­gente Kassierer ließ die Klappe herunter und sich- auf nichts ein. Er registrierte den bedauerlichen Vorfall unter die unabwendbaren Naturereignisse, wie Erdbeben, Wassernöte usw. und verschwand. Einige der in ihrem Kunstgenuß so arg zu kurz gekommenen Zuschauer aber vermögen sich dieser Kassiereransicht nicht anzuschließen, und so wird nun­mehr der Richter zu entscheiden haben, ob die Direktion heraitszahlen muß oder nicht. Da es indessen schlechte Menschen genug gibt, die da behaupten, daß man nichts verloren habe, wenn man die ganze Revue nicht sähe, so weiß man wirklich nicht, wie sich der Berliner Salomo aus dieser Affäre ziehen wird. Und das hat mit seinen Tücken der eiserne Vorhang getan! A. R.

Denn erstens ist e? da sehr billig, Und zweitens ist das Essen schön, Und drittens sieht man dort Bekannt«^ Und viertens wird man dort gesehn. Besonders aus dem letzten Grunde Geht man in dieses Bienenhaus, Denn ein Berliner mit zwei Talern Gibt die nie ungesehen aus.

Zunächst sucht man nun zehn Minuten Nach einem Tisch, der unbesetzt, Natürlich ist der nicht zu finden, Und man ist froh zu guter Letzt, Wenn man an einen Tisch für viere Als drittes Paar wird eingezwängt: Man sieht, geht er erst zu Kempinski, Ist der Berliner selbst beschränkt.

Man sitzt nun da; ein Summen, Murmeln Turchschwirrt die dicke Gasthausluit, Teils riechl's nach Speisen, teils nach Menschen Und teils nach Rauch und andrem Dust; Tie Kellner, schwer beladen, schwitzen, Im Gange neue Gäste stehn, Obwohl kein einziger Stuhl mehr frei ist, Doch könnte grade Jemand gehn.

Man ißt zunächst zwei Erbsen-Suppen, Bestellt 'ne Mosel:Leicht, ganz leicht!" Tas heißt: den billigsten der Karte, Tie Zeche hat zwei Mark erreicht. Dann ein Filet, dazu zwei Teller: Wir essen dann was and'res noch!" Tas And're wird ein Schweizerkäse,

r ißt den Käse, sie das Loch.

le Zeche macht drei fünfundfünfzig, ?7it Trinkgeld zwanzig Pfennig mehr, Tenn bei Kempinski ist man nobel. Sonst gäb' man fünfe weniger.

Tram nimmt man einen Taxameter Und führt die Dame stolz nach Haus, Nau hat ja noch zivei sünfuiidzwanzig Und außerdem sieht's fürstlich aus. Beim Abschied sagt sie freudigDanke", Tenn sie ist nicht verwöhnt darin, Und hat er wieder sechs Mark fünfzig, Geht's wieder zu Kempinski hin, Demr erstens ist es dort sehr billig, Und zweitens ist das Essen schön, Unb drittens sieht man dort Bekannte, Und viertens wird man dort gesehn.

Literarisches.

Heft 2 derGesundheit in Wort und Bild", herausgegeben von Tr. med. Weißbein und Tr. med. Lip- liawsky, Verlag Ad. Haußmann, Berlin SW. 12, Preis monatlich 40 Pf., enthält eine Reihe von belehrenden Ar­tikeln aus der Feder hervorragender Professoren, Aerzte und Lehrer. Wir erwähnen aus der Fülle der Aufsätze: Berufswahl und Augenkrankheiten. Von Prof. Tr. P. Silex- Berlin. Tie Fliegen als Schädlinge des Menschen. Von Prof. Tr. med. Erich Peiper-Greifswald. Blinddarm-Ent­zündung. Von Sanitätsrat Tr. R. Paasch-Berlin. Tie Reform der ersten Kindererziehung, ein nach mancher Richtung hin anregender, namentlich für junge Eltern sehr lesenswerter Aufsatz von Lehrer Otto Weudlandt-Berlin. Tie Behandlung der Verwundeten auf dem Schlachtfeld. Von Oberstabsarzt Tr. Velde-Charlotteuburg usw. Ter letztere Artikel dürfte besonders jetzt allgemeines Interesse Hervorrufen, da die Augen der ganzen Welt sich nach dem fernen Osten richten.

Geheimschrift.

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Auflösung in nächster Nummer.

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Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu NniversitW-Luch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.