Ausgabe 
26.8.1904
 
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Ein angenehmes Gröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die Erinnerung an letzteres entlockte ihm sogar ein zufriedenes Lächeln, und da ihm der Pfarrer nicht gleich antwortete, setzte er noch selbstgefällig hinzu:

Ich habe aber diesem Bummler von Kapitän, der da glaubte, daß das Publikum seinetwegen du sei, gehörig aus die Strümpfe geholfen. Wenn ich noch einmal mit ihm fahren sollte, wird er es sich! Wohl von Anfang an nicht e insallen lassen, die Abfahrtszeiten nach seinem per­sönlichen Gutdünken zu bestimmen dem ist durch mein energisches Auftreten ein Riegel vorgeschoben!"

Der Pfarrer hatte ihn, ohne eine Miene zu verziehen, ausreden lassen. Nun irrlichterte es aber doch pon ver­haltener Heiterkeit über sein Gesicht, und nur schwer seinen Ernst bewahrend, sagte er:

Sehen Sie, mein lieber Herr von Höchstfeld, da be­finden Sie sich wieder einmal auf dem Holzwege. Nicht Ihrer Energie, sondern einzig und allein einem Irrsinnigen haben Sie die schnelle Fahrt zu verdanken."

Der Major sah ihn betroffen an.

Ja, ja", nickte der Pfarrer,so kann man sich täuschen ! Ich erfuhr es durch einen Zufall, daß an dem fraglichen Tage ein armer Verrückter auf dem Dampfer war. Der Kapitän befürchtete bet diesem, der sich! ganz rabiat ge­bärdet haben soll, den Ausbruch der Tobsucht, und nur um seine Passagiere nicht unnötig lange einer möglichen Gefahr auszusetzen, die für ihn wahrscheinlich Scherereien im Erfolge gehabt hätte, beschleunigte er die Fahrt!"

Erich, dem nach und nach ein Licht aufging, wollte schon etwas sagen, als der Major voller Empörung aus­rief:Das ist ja die hirnverbrannteste Rücksichtslosigkeit! Anstatt einen zu verständigen, damit man sich vorsieht, oder, wie am richtigsten gewesen wäre, solch einen Kerl in die Zwangsjacke zu stecken, läßt man ihn frei herum- lausen!" Dann sich zu Erich wendend, sagte er:Mir ist übrigens nichts Besonderes aufgefallen, hast Du etwas bemerkt?"

Ich wüßte wirklich nicht", entgegnete dieser verlegen, vielleicht handelt es sich iiberhaupt unr um eine Ver­mutung."

Nein, nein", versicherte der Pfarrer,der unglück­liche Mensch, soll sich auffallend benommen haben, daß an seiner Unzurechnungsfähigkeit gar nicht zu zweifeln war."

Hinter des Vaters Rücken machte ihm Erich ununter­brochen Zeichen zu schweigen, doch der Pfarrer fuhr, ohne diese zu bemerken, unbeirrt fort:

,-Auch soll er die Mitreisenden durch! seine alb erneu

Redensarten in hohem Grade belästigt und sie geradezu yerausgefordert haben!"

Jetzt weiß ich- wer es Wert", erinnerte sich Herr vost Höchstseld,das kann doch einzig und allein nur dieser Semliner Holzhändler gewesen sein, der sich auch mir au die Fersen hängen wollte. Ich hielt den Kerl erst für eineU unverschämten Patron, nun ist mir aber sein aufdRnglich«s Benehmen freilich! erklärlich."

Erich atmete auf, und froh, daß der Vater absolut nicht ahnte, welche wenig schmeichelhafte Rolle er selbst in diesem beleidigenden Mißverständnis spielte, bestärkte er ihn eifrigst in seinem Verdacht gegen den Holzhändler.

Wissen Sie, was aus ihm geworden ist?" erkundigte sich der Major, und als der Pfarrer dies verneinte, sagt« er:Vielleicht kann uns Herr Brabar Auskunft gebens der sich für heute aus Semlin angemeldet hat."

Run, der kann ja jeden Moment hier sein", meint« der Pfarrer,da ja der Dampfer seit vierzehn Tagen immer morgens eintrifft."

Ich weiß es", sagte der Major,Herr von Szabo hat ihm auch schon einen Wagen an die Station geschickt. Er will die Südecke des Orlowwaldes- im ganzen zirka achthundert Eichenstämme kaufen und dieselben noch in diesem Winter abholzem

Hm, hm", räusperte sich der Pfarrer,da habe ich es unglücklich getroffen. Ich will lieber ein andermal kommen, wenn Sie weniger geschäftlich in Anspruch ge­nommen sind."

Herr von Höchstfeld, den nach einer nochmaligen Unter­haltung absolut nicht verlangte, protestierte daher:

Aber, ich, bitte, sagen Sie nur kurz, was Sie wünschen, sofern es sich, um eine Pflichterfüllung handelt, werd« ich daran nicht gemahnt werden müssen."

Nein, nein", wehrte Vater Adame lachend,solche An­gelegenheiten besprechen sich am besten zwischen Nachtisch und Kaffee, ich schaue also dieser Tage wieder einmal her. Jetzt muß ich aber sofort aufbrechen, sonst, bekomme rch auch zu Hause nichts zu essen."

Die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Pfarrer von! seinem Zutischbleiben sprach- machte Herrn von Höchstfeld so perplex, daß er ihn wie ein Wundertier aus einer anderen Welt anstarrte.

Dem Alten machte dies Spaß, und obgleich oder viel­mehr gerade deshalb, weil er den Gedankengang seines Gegners erriet, tat er vollkommen harmlos, hoffend, ihn dadurch am ehesten von seiner versöhnlichen und ehrlichen Stimmung zu überzeugen, und mit behaglichem Lächeln sagte er:

Ja, ja, Sie wundern sich, daß ich so kurz vor Tisch­zeit nach Hause fahren will, aber ich lasse mich auf keinen Fall zurückhalten. Geschäft ist Geschäft und ich spiele nicht gern den Störenfried. Wenn Sre erlauben, begrüße ich nur noch in, der Schnelligkeit Ihre liebe Frau und dann. H Adieu!"