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scheiterte aber an den maßlos übertriebenen Preisen, die von einzelnen Fuhrwerksbesitzern gefordert wurden.
Jeder will eben an diesem Tage sein eigenes Geschäft machen, ivie es ja auch manche Unternehmer gibt, die an allen möglichen Punkten der Strecke auf eigene Kosten eine Tribüne errichten und heute schon durch geschickte Reklame Teilnehmer zu werben suchen: ich möchte nicht versäumen, darauf aufmerksam zu machen, daß es, angesichts der äußerst strengen Absperrung, zum mindesten zweifelhaft erscheint, ob man am Tage selber diesen oder jenen Punkt überhaupt bei Zeiten erreichen kann. Ferner aber muß man auch bedenken, daß die Rennen kaum vor 7 Uhr beendet sein dürsten, und es ist dann zum mindesten noch sehr fraglich, ob man dann noch am Abend überhaupt nach Hanse gelangen kann oder zu den Festlichkeiten nach Homburg oder ob man nicht zu teuren Preisen mit einem Strohsack vorlieb nehmen muß. Und schließlich liegt man außerhalb des Saalburggeländes vollkommen aus der Welt, denn nur dorthin gelangen die ständigen Nachrichten über den Verlauf des Rennens und nur dort spielt sich das imposanteste Leben ab, das kein Nizza, kein Baden-Baden und keine Stadt der Welt wohl je wieder aufzuweisen haben dürfte. Dort sind sämtliche Nationen des Erdballs vereint, dort ist Start und Ziel und dort ziehen die aufregendsten Phasen des Rennens an einem vorüber und dort werden sich Tausende allein schon einfinden, um den Kaiser zu sehen.
Eduard Engler.
Vermischter.
* Ein wirklicher lOOjähriger Wetterkalender. In der Bolksmeinung spielt noch immer der 100jährige Kalender mit den obligaten Wetterprophezeiungen eine große Rolle, obgleich man vergeblich fragt, wo sich denn dieser Kalender eigentlich befindet und worauf er beruht. Denn 100jährige Wetterbeobachtungen an einem und demselben Orte sind höchst selten, abgesehen natürlich davon, daß daraus nichts über die kommende Witterung eines Jahres, eines Monats oder selbst nur eines Tages mit Sicherheit geschlossen werden kann. Neuerdings hat sich nun der einzig dastehende Fall ereignet, daß in einer und derselben Stadt (Calw in Württemberg) ein Vater und zwei seiner Söhne, größtenteils in demselben Hause 103 Jahre hindurch ohne Unterbrechung meteorologische Aufzeichnungen angestellt haben. Es war der Hofmedikus Dr. Georg H. Müller, der in Calw 1798 seine Wctteraufzeichnungen begann und sie bis 1832 fortsetzte. Ihm folgte sein zweiter Sohn, Medizinalrat Dr. K. Müller, und beobachtete von 1832 bis 1876, und diesem der Rektor Dr. H. Müller, der von 1876 bis zur Gegenwart die Aufzeichnungen fortsetzte und die Ergebnisse daraus jetzt veröffentlicht hat. Was folgt aber aus diesen? Vor allem, daß das Wetter nicht in lOOjähriger Periode wiederkehrt, daß cs also mit Wette rprophezciungen nach dem 100jährigen Kalender nichts ist. Andererseits ergab sich aber, daß die durchschnittliche Temperatur sich während des Jahrhunderts von 1801 bis 1900 nicht verändert hat, denn sie betrug in der ersten Hälfte desselben 8,2 Gr. Celsius, in der zweiten 8,1 Gr. C. Dagegen ist die Durchschnittswärme des Januars im letzten halben Jahrhundert zu Calw beinahe 1 Grad höher gewesen und die des Mais um ebenso viel niedriger als während der 50 Jahre von 1801 bis 1850. Merkwürdigerweise hat sich das nämliche für Wien herausgestellt, und man wird jetzt nachforschen müssen, ob auch für andere Orte ähnliches festgestellt werden kann, es wäre das eine höchst wichtige Tatsache. Während des ganzen 19. Jahrhunderts ereigneten sich in Calw 2200 Tage, an denen die Temperatur unter Null blieb, 1960 Tage mit Gewittern, 9100 heitere und 8500 trübe Tage. Die höchste während des Jahrhunderts eingetretene Wärme betrug 36,5 Gr. C., sie trat zweimal (im Juli und August) ein, die größte Kälte war 31,2 Grad im Monat Februar 1827.
OesundHeitspflege.
— Die Gesundheitsschädlichkeit eines feuchten /ettes. Die Ansichten darüber, ob es irgendwie gefährlich ist, in einem feuchten Bett zu schlafen, sind geteilt. Manche Leute bestreiten geradezu, daß irgend etwas Bedenkliches dabei sei, indem sie sich vielleicht auf eigene Erfahrung in Fällen beziehen, bei denen keine schädliche Folge zu beobachten war. Man muß diese Sache wohl rein physikalisch betrachten, um zu einem sicheren Schluß zu kommen. Feuchte Luft ist zunächst ein guter Wärmeleiter, sodaß die Wärme des Körpers in einem feuchten Bett leichter entweicht. Daraus entsteht zweifellos eine Erkältungsgefahr, abgesehen von dem wahrscheinlich recht unbehaglichen Befinden des Betreffenden. Die eigentliche Gesundheitsgefahr wird aber weniger durch die Feuchtigkeit der Luft als durch die der Bettücher und Bezüge bedingt. Das Deckbett hat eben die Stuf» gäbe, die Körperwärme fo viel wie niöglich nach außen hin abzufchließen. Ist das Deckbett feucht, so verliert es großenteils diese Eigenschaft, und die schon durch die feuchte Luft veranlaßte Erkältungsgefahr steigt selbstverständlich ganz bedeutend. Daraus ergibt sich, daß es weit bedenklicher ist, unter einem feuchten iDeckbett zu schlafen, als in einem Bett, dessen Matratze feucht
ist, etwa durch eine ausgelaufene Wärmflasche. Die Gefahr des Schlafens in nassen Kleidern, die mit der beschriebenen zu ver- glerchm wäre, ist etwa dieselbe, als wenn der Körper mit Kuvker oder Stanniol bedeckt wäre. Wenn man den Einfluß eines feuchten Bettes auf dre Entziehung der Körperwärme sichtbar und ein» wandfrer feststellen will, so braucht man nur eine Flasche mit hechem Wasier von bestimmter Temperatur in ein solches Bett legen und zu beobachten, wie schnell die Temperatur des Wassers sinkt; danach wäre ein gleicher Versuch im trockenen, wohldurch- luftetem Bett auzustellen, und der Vergleich wird den Unterschied auch, mit Rücksicht für das Behagen und die Gesundheit des menichsichen Körpers beim Aufenthalt in einer solchen Schlafstelle erweifen.
—- e Zahl der gegen den Keuchhusten ange-
Abbenen Mittel ist sehr groß, ein Beweis ihrer Unzuläng- lichkert. Es ist indes nicht zu bestreiten, daß das Chinin und >elne Verbindungen, die man sich durch den Arzt verschreiben laßt, günstig, das heißt abkürzend, auf den Verlauf der Krankheit einwirken. Auch Wasseranwendungen, Einatmungen, Luft- wechiel, örtliche Behandlung der Kehlkopfschleimhaut mit reiz- mildernden Mitteln haben entschiedene Erfolge auszuweisen. Neben der allgemeinen und örtlichen Behandlung ist es aber wichtig, ein Mittel gegen den Hustenansall selbst kennen zu lernen. Kein Verfahren löst nun, wie in „Dr. Reissigs Aerztlichem Handbuch" ausgeführt wird, so leicht und sicher den Krampf, wie der Nägelische Keuchhustenhaudgriff. Während des Anfalles wird durch krampfhaften Schluß des Kehldeckels der Luftzutritt zur Luftröhre mechanisch abgesperrt; das Nägelische Verfahren beruht daher darauf, durch Wiederöffnen des Kehldeckels den Stickkrampf zu lösen. .Ein kräftiger Zug an Unterkiefer bezw. Zunge nach vorn und unten bewirkt das Gewünschte. Der Unterkiefer kann nach vorn-unten geschoben werden, indem Zeige- und Mittelfinger beiderseits hinter dem aufsteigenden Unterkieferast eingesetzt, die Daumen aufs Kinn gelegt werden, und dann kräftig gezogen und gedrückt wird. .Am einfachsten und sichersten verfährt man daher auf folgende Weise: In den durch den Husten geöffneten Mund des Kindes hakt man den stark gekrümmten rechten Daumen hinter den unteren Schneidezähnen ein (keine langen Nägel!) und faßt mit den übrigen Fingern fest das Kinn. Die linke Hand liegt auf der Stirn und übt, während man den Unterkiefer fest nach vorn-unten zieht, dort den Gegenzug aus. Der Zug kann sehr kräftig sein, nur darf man die Zähne nicht drücken. Während man den Handgriff ausübt, befiehlt man dem Kinde, mehrmals tief einzuatmen; kann es dies tun, so ist der Stickkrampf gelöst. Bei jedem neuen Hustenanfall wird auf gleiche Weife verfahren, nachts sowohl, wie am Tage. Der Stickhusteck erfährt dadurch nicht nur eine erhebliche Abkürzung, er wird auch zu einer verhältnismäßig leichten Krankheit, die ohne die gefürchteten Folgeerscheinungen — Blutungen, Erbrechen, Lungenentzündungen — verläuft. Gutgeartete Kinder im Alter von zwei Jahren an stellen sich gern jedesmal beim Anfall von selbst zur Behandlung ein; ganz kleine und halsstarrige Kinder sind derselben nicht zugänglich. Ferner hat man bei dieser Erkrankung für ausreichenden Aufenthalt in frischer, reiner Luft (bei günstigem Wetter) und für ausgiebige Lüftung der Wohn- und Schlafräume zu sorgen. Die Kost sei leicht verdaulich. Man gebe kleine, aber häufige Mahlzeiten, am besten jedesmal nach einem Anfall. Trockene und krümliche Nahrungsmittel sind zu vermeiden, da sie leicht Hustenanfälle Hervorrufen. Günstigen Einfluß hat gelegentlich ein Luftwechsel. Um aber den Keuchhusten nicht auf keuchhustenfreie Orte zu übertragen, bringt man die kleinen Patienten zweckmäßig an einsam liegenden Oertlichkeiten (in Förstereim, im Walde gelegenen Wirtschaften, abseits stehenden Häusern nsw.) unter. Zu schützen vor dem Keuchhusten sind schwächliche und kränkliche, vor allem aber tuberkulös behastete Kinder: sie müssen beim Ausbruch der Seuche entweder weggebracht, oder im Hause von anderen Kindern streng abgeschlossen gehalten werden.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten.)
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Heute rot morgen tot
Redaktion: Angnst Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brsthl'schen Universttöts-Buch- und Stcindrnckcrei. R. Lange, Gießen.


