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der Ausschreibungen der Preis immer in demjenigen Lande verteidigt werden muß, das ihn gewonnen hat, so kommt eben das diesjährige Gordon-Bennett-Rennen in Deutschland zum Austrag.
Es war nicht leicht, eine geeignete Strecke für dieses Rennen zu finden, aber nach vielen Erwägungen und Probefahrten entschloß man sich für unseren schönen Taunus, unterstützt von dem Entgegenkommen der Regierung und dem Interesse, das der Kaiser der Sache entgegenbrachte. Daß dieser Beschluß auch für nicht zu unterschätzende Bedeutung für diese Gegend ist, braucht Wohl hier nicht hervorgehoben zu werden. Start und Ziel liegen direkt an der Saalburg, zwischen den zu beiden Seiten der Straße amphitheatralisch errichteten Tribünen; die Weg- st ecke beträgt 137,5 Kilometer und führt über Wehrheim, Usingen, Weilburg, Limburg, Idstein, Esch, Königstein, Oberursel und Homburg. Da nach den Bestimmungen die Entfernung mindestens 550 Kilometer betragen soll, so muß die Taunusstrecke demnach viermal abgefahren werden.
Gemeldet haben acht Länder: Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich, Belgien, Amerika, Italien und die Schweiz, sodaß, da von jedem Lande drei Wagen in das Rennen kommen, im ganzen 24 Wagen, in Zwischenräumen von sieben Minuten starten werden. In diesen Ländern finden in den nächsten Tagen Vorrennen statt, aus denen die drei besten Wagen dann in den engeren Kampf um den Gordon-Bennet-Preis kommen; zwei Wagen der Daimler-Werke in Cannstatt und wahrscheinlich einer der Firma Adam Opel, Rüsselsheim, werden den Preis für Deutschland verteidigen.
Der Beginn des Rennens ist auf 7 Uhr morgens festgesetzt, sodaß, wenn alle 24 Wagen starten, der letzte um 9.41 Uhr abfahren wird; nimmt man ferner an, daß die Strecke in ca. 2f4 Stunden einmal zurückgelegt wird, so kann der letzte Wagen demnach nicht vor 6.41 Uhr abends am Ziel eintreffen, es wird also der endgiltige Sieger nicht vor diesem Zeitpunkt festgelegt werden können.
Das internationale Leben und Treiben, das sich an diesem Tage an der Saalburg abspielen wird, dürste wohl ein Schauspiel bieten, wie es bis heute bei keiner Gelegenheit und in keinem Lande gesehen worden ist. Dadurch, daß der Kaiser sein Erscheinen bestimmt zugesagr hat, und dadurch, daß auch Prinz Heinrich von Preußen, der Kronprinz, der König von Württemberg, die Großherzoge von Hessen und Mecklenburg-Schwerin, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Prinz Joachim Albrecht und Prinz und Prinzessin Leopold von Preußen, Prinz und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie die Großherzogin Mutter Anastasia von Mecklenburg ihr Kommen angemeldet haben und ausländische Fürstlichkeiten erwartet werden dürsten, dadurch erhält der 17. Juni ein ganz anderes Gepräge.
Wie gesagt, wird sich das ganze Leben um die Saalburg konzentrieren, wo von Geh. Baurat Jacobi zwei große Tribünen zu beiden Seiten der Straße zu 2500 Sitzplätzen ä 50 Mk. errichtet werden, die durch einen Tunnel miteinander verbunden sind; drei Musikkapellen konzertieren dort den ganzen Tag, und der Restaurationsbetrieb ist angehalten, sich auf Verpflegung von ca. 20—30000 Besuchern einzurichten. Es werden dort ferner 10 Telephonstellen angebracht, die ständig Nachrichten von der Rennstrecke bringen und mit allen Ortschaften in Verbindung stehen; die Gesellschaft für Telegraphie ohne Draht, System Arco- Slaby, errichtet ebenfalls eine Station auf der Saalburg mit Zweigstellen in Gräfenwiesbach und Neuhof. Man wird also auf der Saalburg anhaltend über den Stand des Rennens offiziell unterrichtet sein, und die Spannung und Aufregung über den Ausgang desselben werden ständig erhöht werden. In Irland, wo im Vorjahre das Rennen stattfand, machte man die Beobachtung, daß das Interesse von Stunde zu Stunde wuchs, und daß die Befürchtung, die große Masse des Publikums würde müde und abgespannt werden, unbegründet war.
Das ganze Saalburggelände wird in einem Umkreise von etwa 10 Km. eingezäunt werden, und der Eintritt in diesen Park kostet 20 Mk.; um aber denjenigen, die die Wagen in der schnellsten Gangart dahinrasen sehen möchten, hierzu Gelegenheit zu geben, wird von der Tribüne aus ein schattiger Fußweg durch den Wald in der Richtung , nach Wehrheim zu, bergab, angelegt; man kann dann bequem in 10 Minuten von der Tribüne aus das tiefste Gefälle der Straße erreichen und hat dabei den Vorzug eines schönen Spazierganges. Außerdem werden zwei hohe Podien in diesem Park errichtet werden, das eine neben der Saalburgrestauration, von wo aus man die Wagen die Saalburg heraufstürmen sehen kann, und ein anderes zwischen den Tribünen und Wehrheim, an der Kurve der Straße, ebenfalls im Schatten des Waldes; von hier aus ist man imstande, die Wagen auf eine Entfernung von 12 Kilometer zu beobachten, und dürfte dieser Punkt wohl die Hauptattraktion bilden. Dce 20 Markkarten berechtigen Air freien Benutzung dieser beiden Podien, die ebenfalls mit Sitzgelegenheit versehen sind. Es wird ferner noch außerhalb des Saalburggeländes ein Podium (5 Mk. pro Platz) errichtet, das östlich von Dornholzhausen gelegen, ebenfalls den Besuchern Gelegenheit bietet, von übersichtlicher Stelle aus die Wagen in voller Fahrt zu beobachten.
Was übrigens die Geschwindigkeit der Wagen im allgemeinen und im besonderen vor, auf und hinter der Saalburg anbetrifft, so wird sich der Laie schwer einen Begriff davon machen können,
am wenigsten, wenn die Wagen den Berg hinabsausen; denn ob da 100 oder 150 Kilometer erreicht werden, kann niemand beurteilen, da er dazu eben gar keine Zeit hat. Man darf aber wohl annehmen, daß die Wagen die Saalburgstraße hinauf ein Tempo von zirka 90 Kilometer erreichen werden, das zwischen den Tribünen auf ca. 100 bis 110 und in der Nähe des letzten Podiums wohl auf 140 oder mehr kommen dürfte. Vergleichsweise sei nur hier erwähnt, das es in Deutschland wenige Schnellzüge gibt, die eine Geschwindigkeit von 90 Kilometer erreichen, und das nur stellenweise.
Es ist natürlich begreiflich, daß man bei diesen Tempi und bei der geringsten Staubentwicklung keinen Wagen mehr von dem andern unterscheiden kann; es ist daher jedem der beteiligten Länder eine Farbe für ihre Wagen vorgeschrieben, und so fährt Deutschland „weiß", Oesterreich „schwarzgelb", Jt lien „schwarz", England „grün", Frankreich „hellblau", Amerika „rot", Belgien „gelb" und die Schweiz „rotgelb".
Bei einer trockenen Jahreszeit würde durch die enormen Geschwindigkeiten der sich in verhältnismäßig kurzen Zwischenräumen folgenden Wagen ganz enorme Staubmassen aufgewirbelt werden, und dieser Umstand müßte die größte Gefahr für die folgenden Wagen bilden; um dieselbe abzuwenden und um auch andererseits die Bewohner der zu passierenden Ortschaften und die Zuschauer auf den Saalburgtribünen vor dieser Staubplage zu schützen, werden sämtliche Orte, Kurven und die Straßen im Saalburggelände mit Oel — Westrumit — besprengt, ein Verfahren, das sich an der Riviera glänzend bewährt hat."
Neutralisiert sind in dem Rennen: Usingen, Weilburg, Limburg, Idstein, Esch, Königstein, Oberursel und Homburg. In diesen Städten darf die Rennstrecke mit anderen Fuhrwerken und auch von Fußgängern gekreuzt werden, doch werden auch da die Absperrungsmaßregeln und das Freigeben der Passage äußerst streng gehandhabt werden. Auf der ganzen Rennstrecke wird die Absperrung so scharf wie denkbar durchgeführt, und es bedarf hierzu begreiflicherweise eines ungeheuren Personals und einer nicht minder ungeheuren Vorarbeit. Alle 100 Meter wird ein Posten stehen, jede Ortschaft wird über Ablösungsmaterial verfügen und alle Zufahrtsstraßen werden von morgens 4 Uhr ab gesperrt sein, ausgenommen eben die neutralisierten Städte und die direkten Zufahrtsstraßen nach der Saalburg. Es darf am 17. Juni außer den Rennwagen und den Funktionären kein Mensch die Rennstrecke betretet:, ausgenommen eventuell Aerzte> die aber nur dann in der Fahrtrichtung an ihren Bestimmungsort gelangen dürfen.
Man kann sich kaum ein Bild davon machen, welch weitverzweigter Apparat nötig ist, um allen Anforderungen zu genügen und um allen Ansprüchen an Vernunft und Gesetz gerecht zu werden, aber die maßgebenden Behörden erleichtern die schwierige Arbeit und helfen mit.
Was aber die Masse des Publikums am meisten interessiert, das dürfte wohl die Frage sein, wie komme ich überhaupt am 17. Juni nach der Saalburg.
Wie schon vorher erwähnt, bleibt an diesem Tage die Hauptstraße von Homburg bezw. von Oberursel nach der Saalburg für jeglichen Verkehr gesperrt; es wird aber eine vollkommen neue Straße — der früher unter dem Namen „R o t l a u f w e g" bekannte Waldpfad — ausgebaut, die in der Fahrtrichtung rechts neben der Hauptstraße Homburg-Saalbum herläuft und lediglich für den Verkehr der Equipagen bezw. Pferdegespanne bestimmt ist. Diese neue Straße führt direkt bis hinter die Tribünen und geht in einer Schleife wieder zurück; Pferdewagenbesitzer steigen also dort aus und gehen nach der Tribüne oder dem allgemeinen Park, während die Wagen im Walde, auf einem Grundstück der Gonzenheimer Gemeinde Aufstellung nehmen oder zurück nach Homburg fahren. Auf diesem Wagenhalteplatze, der 2 Kilometer von der Saalburg entfernt ist, wird telephonische Einrichtung mit einem Apparat zum Aufziehen der Nummern hergestellt, sodaß jeder Wagen von der Saalburg aus innerhalb weniger Minuten herbeigerufen werden kann. Wagenkarten kosten 5 Mark, und der Inhaber des Wagens erhält beim Aussteigen die gleiche Nummer wie der Kutscher, sodaß auf diese Art eine Verwechslung der Wagennummern ausgeschlossen ist.
Da der Start um 7 Uhr morgens beginnt, so dürfte kein Rennwagen auf der ersten Runde vor 8y2 Uhr in Oberursel zu erwarten sein; man kann also annehmen, daß die Zufahrtsstraßen in Homburg und Oberursel bis um diese Zeit glatt zu passieren sind. Immerhin muß aber der, der nicht vorzieht, die Nacht vom 16. zum 17. Juni in nächster Nähe von Homburg zu verbringen, am 17. schon mit den Hühnern aufstehen, wenn er bei Zeiten und von Anfang an beim Start sein will und nicht in den Haupttrubel auf der Landstraße hineinkoinmen will. Es sollen übrigens auch die Hauptzufahrtsstraßen nach Homburg und der Saalburg mit Oel besprengt werden, um auch den Besuchern des Rennens zu ermöglichen, in sauberem Anzuge die Saalburg zu erreichen.
Die elektrische Bahn von Homburg nach der Saalburg befördert stündlich 600 Personen und die gleiche Anzahl nach Dornholzhausen. Man hat versucht, kontraktlich zu festgelegten Preisen vom Bahnhof Homburg nach der Saalburg einen regulären Omnibusverkehr für diesen Tag eiuzurichten, das Unternehmen


