besondere muß die Psychologie des Ehestandes von philosophisch gründlich durchgebildeten Kräften vorgetragen werden. Ob dies von Frauen geschehen kann oder soll? Selbst bei hervorragendster wissenschaftlicher Qualifikation wäre es bedenklich, einer Frau diesen Unterricht zu übergeben. Frauen sind den Männern gegen- iiber stets parteiisch, Namentlich heutzutage, in dem Zeitalter des Befreiungskampfes der Frau aus den Fesseln Jahrtausende alter Vorurteile, hat der Mann immer seltener auf eine objektive, gerechte Beurteilung von feiten der Frauen zu rechnen. Wie, wenn sich diese säkulare Kampfesstimmung des modernen Weibes im Unterricht auf die Bräute übertrüge? Wie, wenn bei ihnen als Residuum des Lehrkursus der Kriegsberuf ihre Seele erfüllte: Weg mit den: Sklaventum dem Manne gegenüber! Würden da nicht manche Verlobungskarten zu Wechseln werden, die vergeblich auf ihre Honorierung warten müßten? Und selbst wenn eine Lehrerin der milderen Tonart das Seelenleben der Bräute int Verhältnis zum Seelenleben der Männer beeinflußte, wenn nur ganz nebenbei cs als empfehlenswerteste Maxime einer selbstbewußten Frau hingestellt würde, daß sie nie dem Manne nachgeben dürfe, um nicht für immer von ihnt unterdrückt zu werden, zu welch' bedenklichen Konsequenzen inüßten solche Irrlehren in der Ehe führen?
Ändererseits sind auch die Mätmer — ich will gerecht fern — in den delikaten Fragen des Herrentums und der Weibes- demut, der Herrenmoral und des Frauenstolzes nickt immer unparteiische Berater. . Nur zu leicht mißbrauchen sie das Recht des Stärkeren zur Anbahnung und Befestigung einer Herrschaft, deren Jock) nicht sanft, bereit Last nicht leicht ist. Vielleicht empfiehlt sich unter Berücksichtigung dieser gerichtsnotorischen Umstände die Einführung eines gemischten Unterrichtsshstems, dergestalt, daß in dem lehrplanmäßigeu Unterricht über Ehepsychologie gleich viele Stunden von männlicher und von weiblicher Seite erteilt werden. . Dürrn diese Parität würde die lernende Braut nickt auf ein einseitiges Extrem der Männerverachtung oder der Männerverehrung, des Ueberweibtrohcs oder der Skla- oinnenhingebung festgelegt werden. Schließlich wird auch auf diesem Gebiete der Pädagogik die Erfahrung die Lehrmeisterin des nimmer rastenden Menschengeschlechts sein.
Aber ich gehe weiter als Frau Carola. Wenn die Brautschule eine Notwendigkeit ist, ist es die Bräutigamsschule nicht ebenso? Wo lernt der junge Mann, der sich zum Eintritt in den Ehestand entschließt, was für dieses Fach unentbehrlich ist? Heiraten doch viele, wie man in zahllosen Heiratsanzeigen lesen kann, „aus Mangel an Damenbekanntschaft". Wo haben sie gelernt, den Frauen zu begegnen, wie es ihnen gebührt? Wieviel Verstöße gegen die guten Sitten begeht mancher junge Ehemann in seinem Verhältnis zu seiner anderen Hälfte! Nicht ans bösem Willen, aber aus Unkenntnis des guten Tones in allen Lebenslagen. Mancher, obwohl er es durchaus wert wäre, seiner Frau die Schuhriemen zu lösen, versteht cs nicht einmal, sich seiner eigenen Schnür- oder Knopsstiefel richtig zu entledigen. Die meisten Menschen glauben am Ziel zu sein, ehe sic noch die genügende Zahl von Knöpfen geöffnet haben. Gewaltmenschen dieser Art, die nicht die einfachsten Hantierungen des täglichen Lebens zu verrichten vermögen, verharren ihren Frauen gegenüber in der niederdrückenden Rolle des Verlegenen; sie beschwören allerlei Verstimmungen herauf; sie untergraben das Glück ihrer jungen Ehe, weil ihnen des Weibes Seele und ihre Bedürfnisse, weil ihnen die berechtigten Ansprüche der Frau auf hunderterlei kleine Aufmerksamkeiten mangels eines ausreichenden Unterrichts in einer Bräutigamsschule fremd geblieben sind wie die grundlegenden Bestimmungen des Drciklasseiiwahlsystcms oder . die Elemente der Infinitesimal- und Integralrechnung! Daher, wenn wir uns endlich zu Brautschulen durchgerungen haben werden, müssen wir ihnen Bräutigamsschulen auf dem Fuße folgen lassen. Und da die neuere Pädagogik immer energischer auf den gemeinsamen Unterricht beider Geschlechter drängt, so hoffe ich des lautesten Beifalls aller Sachverständigen sicher zu sein, wenn ich einem kombinierten System von Braut- und Bräutigams- schulen das Wort rede. Der ethische Wert des gemeinsamen Lernens, des gemeinsamen Unterrichts der Verlobten in den wichtigsten Fragen der Menschheitserhaltung und der Menschheitsentwickelung ist nicht hoch genug anzuschlagen. Wir betreten damit die Schwelle einer völlig neuen Epoche. Die Ehe, vielfach als soziale Einrichtung in Mißkredit gekommen, wird als die Grundlage aller Kultur einem neuen, ungeahnten Aufschwünge cntgegenblühen. Werden vollends, wie ich für dringend wünschenswert halte, zu den Braut- und Bräutigamskursen auch solche jungen Leute beiderlei Geschlechts als Hospitanten bezieh- nngsweise Hospitantinnen zugelassen, die noch nicht verlobt sind, •iaber gern verloben möchten, so wird auch die Zahl der Eheschließungen einer rapiden Zunahme nicht ermangeln. Was wiederum allen Wäsche- und Möbelausstattungsgeschäften, vielen Lebensversicherungsagenten, sowie allen bei Hochzeiten in Funktion tretenden Musikkapellen oder „Klavierspielern mit Violin-, Flöten- und Flügelhornbesetzung" von unendlichem Segen sein wird. Der Würwolff
in der „Berl. Volksztg.".
VeNMZschiüS.
*Zig'citren ohne Kleb st off am Mundende. Man hat versucht, den Klebstoff am Mundende, der Zigarre dadurch zu vermeiden, daß man dao Deckblatt durch eine gefaltete Metallhülse aus Blattzinn zusammenhalten läßt, deren nach innen reichende Kanten in die Oberfläche der Zigarre eindringen. August Trabitzsch in Bitterfeld hat eine durch § 23 des Patentgesehes und § 4 des Gebrauchsmustergesetz.es geschützte Erfindung gemacht, nach ivelcher gleichfalls die Zigarre keinen Klebstoff am Mundende erhält uud dock eben so fest, ja vielleicht fester iff, als die mit metallener Hülse. Jedenfalls hat sie den großen Vorteil vor allen Zigarren, daß das Deckblatt auch dann ntcht aufgeht, wenn es an einzelnen Stellen beschädigt i|t Ter Erfinder erreicht die geschilderten Vorteile dadurch, daß er das Deckblatt nicht vom Brandende, sondern von dem Mundende her aufwickelt. Damit nun aber beim Brennen der Zigarre das Deckblatt sich nicht abwickelt, versieht er es an der nach außen liegenden Kante, ea. ,2i/a Zentimeter vom Mundende entfernt bis zum Brandende mit einem schmalen Rande aus solchem Klebestoff, welcher beim Verbrennen keinen Einfluß auf den Geschmack der Zigarre ausübt. Der Kopf wird toie bei jeher Zt- garre in bekannter Weise gefüllt. So kann dann d:e Zigarre biS zum kleinsten Ende aufgeraucht werden, ohne daß em Lockern des Deckblattes eintritt. Wer da weiß, Ivie unangenehm das Gefühl ist, das geklebte Ende einer Zigarre in den Mund nehmen zu müssen, wird die Erfindung am besten zu würdigen verstehen; und es überläuft einem das Gruseln, wenn man daran denkt, daß das bisherige Kleben des Deckblattes am Mundende hänfig genug noch unter Zuhilfenahme von Speichel geschieht.' <A. d. Techn. Korrespondenz von Richard Lüders m Görlitz.)
--- Die Nützlichkeit o d er Sch ä d li ch kei t des Rauchens. Im Anschluß an eine ärztliche Untersuchung über den Unterschied zwischen dem schädlichen Naßrauchen, wöbet der Speichel die Zigarre benetzt, und dem Trockenrauchen wird jetzt wieder viel debattiert. Trotzdem das Nikotin längst dls erns der schärfsten Gifte bekannt ist, hat doch die Erfahrung gelehrt, daß eine große Anzahl von Personen, die stark geraucht haben, dabei ein sehr hohes Alter erreichten. In Deutschland wurde das Rauchen erst durch den Dreißigjährigen Krieg bekannt, wo .die Spanier des Generals Spinola den Gebrauch an den Rhein und Main brachten. Das Tabakschnupfen kam erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch aus Frankreich, ausgewanderte Hugenotten nach Deutschland. Prinz Eugen von savoyeip, Friedrich der Große schnupften mit Leiden; chaft. .Johann sobreA gehörte zu den passionierten Rauchern und gewann die schlacht gegen die Türken bei Wien am 12. September 1683 mit der brennenden Pfeife im Munde. Den General Friedrichs des Großen von Seidlitz zeigt ein bekanntes Bild, tote er vor der Attacke dte Tabakpfeife in die Luft schleudert. Napcheon I. rauchte Ztgarren, feilt Gegner Blücher war em starker Raucher. Bon bekannten Dichtern war Lessing eilt starker Raucher, er hatte dies mit MUton, Pope, Swift, Herder, Klopstock, Voß,. Walter Scott, Lord Byron, Alfred de Müsset, Jordan gemein; schiller und August von Schlegel schnupften. Von Philosophen und anderen Forschern werden als Raucher besonders genannt: Newton, Bacon,. Locke, Kant. Goethe war dem Rauchen abhold und meinte: em wahrhaft genialer Mann werde sicherlich nicht rauchen; Lessrng habe wohl nicht geraucht. Mt cheser Annahme irrte Goethe Es scheint die Nützlichkeit oder Schädlichkeit. des Rauchens m erster Linie von der organischen Anlage und tu zweiter von der Mäßigkeit im Tabakgenusse abznhängen. A/te neuerdings auf- gekommenen Tabletten, nach deren Aufnahme der leidenschaftliche Raucher sich den Tabakgenuß abgewöhnen kann, haben zwar vorübergehend diese Wirkung in der Tat; her passionierte Raucher kehrt aber dann doch wieder zur gewohnten Zigarre zuruck.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Städte-Kapselrätsels in vor. Nr.: Aden Hof Rom Genf Riesa Laucha Elm Ulm Grabow Aue Hall Eger.
Redaktion: Auaust Goetz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brüst l'iclien Universitäts-Buck» und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.


