Ausgabe 
23.7.1904
 
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er bei dem ruhige» Verhalten nicht die Wärmemengen neu bildet, »velche beim Schwimmen durch die Bewegung entstehen. Freilich soll auch das Schwimmbad in seiner Dauer nicht übertrieben wer­den. M ist stets ein Zeichen, daß die Wärmebildung des Körpers nicht mehr mit dem Wärmeverlust in Einklang steht, wenn in Form einer sogenannten Gänsehaut ein leises Frösteln sich einstellt, und es soll dann unter allen Umständen das Wasser verlassen und die Kleidung angelegt werden. Das gleiche Zeichen ist auch bei dem Lustbade von grösster Bedeutung. Es ist im allgemeinen wohl zu raten, nach dem Verlassen des Bades und nachdem der Körper abgetrocknet ist durch die Luft den Körper abtrocknen zu lassen, führt sehr leicht zu ernsten Erkrankungen einige Zeit unbekleidet sich in der freien Luft, oder noch besser, im Sonnenschein, aufzuhalten. Aber auch dann ist die Bewegung der Ruhe dorzuziehen und auf keinen Fall die Dauer des Lustbades über das Eintreten des Frostschauers aus­zudehnen. Daß beim Militär das Schwimmen zwangsweise ge­lehrt wird, ist eine äußerst dankenswerte Bestimmung, und es würde für unsere Jugend ein Gewinn sein, wenn gleich dem Tnrnen auch das Schwimmen, wo immer die Wasserverhältnisse es gestalten, ein obligatorischer Lehrgegenstand wäre.

*Der unschätzbare Wert der Mutterbrust. Der Säuglingssterblichkeit ist die Aufmerksamkeit der Hygieniker gegen­wärtig ganz besonders zugewandt, nachdem durch 'einwandfreie Statistiken der hohe Prozentsatz bekannt wurde, welchen zu den Todesfällen gerade das Säuglingsalter stellt. Daher hat auch der Deutsche Verein für Volkshygiene auf seiner diesjährigen Generalversammlung beschlossen, daß in seinen einzelnen Orts­vereinen Kommissionen gebildet werden sollen, welche nach Ver­ständigung mit einer ausreichenden Zahl' zuverlässiger Milch­produzenten auf dem Vertragswege die Ueberwachnng der Ge­winnung und Vertreibung der Säuglingsmilch herbeisühren. So anerkennenswert ein solches Vorgehen ist, so darf doch nicht vergessen werden, daß die Mutterbrust für das Kind stets die gesundeste und zuverlässigste Nahrungsquelle ist, und vor allem soll im Sommer nichts unversucht bleiben, dem Kinde diese natürlichste Nahrung zu erhalten, weil trotz aller Sorgfalt die Kuhmilch in dieser Jahreszeit das Leben des Säuglings vielfach gefährdet. Nichts, selbst nicht einmal eine Amme, vermag die Mutterbrust ganz zu ersetzen, und es ist daher ein sehr dankens­wertes Bestreben, daß man auch durch medikamentöse Mittel bemüht ist, die Milchabsonderung der jungen Mutter zu er­höhen. In dieser Beziehung scheint sich hauptsächlich ein Prä­parat zu bewähren, zu welchem man nach den seit Jahren in der Viehwirtschaft übereinstimmend gemachten Erfahrungen gegriffen hat. Die Landwirtschaft hat nämlich gefunden, daß durch Baum­wollsamen der Milchertrag der Kühe sehr wesentlich sich hob, und daher hat man in der letzten Zeit aus diesem Baumwollsamen ein Pulver hergestellt, dasLactagol" heißt und nach den bisher gemachten Beobachtungen in der Tat die Stillungsfähigkeit der Frauen erhöht. Hoffentlich werden sich diese Bestrebungen bestätigen, widrigenfalls nach derartigen Mitteln mit aller Energie weiter geforscht werden sollte, da nichts unversucht bleiben darf, dem Kinde die Mutterbrust zu erhalten.

* (Sine neue Erfindung Edisons. Der geniale For­scher arbeitet schon seit geraumer Zeit anderVervollkomm- nung seines Phonographen. Jeder, der diesen an sich bewundernswerten Apparat kennt, weiß auch, haß insbesondere bei Wiedergabe von Gesangsstücken der Vortrag durch ein summen­des, oft knarrendes Nebengeräusch sehr erheblich beeinträchtigt wird. Das wird nun durch die neue Edisonsche Erfindung voll­kommen ausgeschlossen. DieAufnahme" der Stimme usw. er­folgt auf der Außenseite einer zylindrischen Walze aus präpa­rierter Masse, und durch eine dem Röntgenapparat nicht unähn­liche Einrichtung wird gegen das auf der Walze befindliche Stimmbild Gold geblasen, und zwar derart, daß sich um die Walze ein fester Goldmantel legt/welcher also an seiner Innen­wand das Stimmbild negativ tragt. Nun wird um den Goldmantel eine Halle aus anderer Masse gegossen und nach Abkühlung des Ganzen, die innere Original-Walze herausgenommen. Das so erhaltene Negativ heißtder Master". Es ist klar, daß das Gold alle Feinheiten des Stimmbildes aufnimutt und dauernd treu bewahrt, so daß auf unabsehbare Zeit hin die Abnahme tongetreuer Spielwalzen gesichert ist. Auch für diese Abnahme ist ein besonderes, sinnreiches Verfahren von Edison erfunden. DerMaster" wird in einer oben verschlossenen Metallhülse in eine fortwährend im Fluß befindliche warme Masse getaucht. An seiner Gold-Innenwand bildet sich aus dieser Masse ein Mantel, welcher an seiner Außenseite wieder das Positiv des Tonbildes trägt Sobald sich genügend Masse angesetzt hat, wird das durch Erglüi^n einer elektrischen Lampe automatisch ange­zeigt und das Ganze herausgehoben. Es kommt dann zur Bohr-, maschine, welche das Innere der Walze sauber ausoohrt und demnächst auf den Kühlapparat. Sodann wird die innere Walze herausgenommen, auf Drehbänken seitlich geputzt und ist nun­mehr gebrauchsfertig. Trotzdem wird jede einzelne Walze sorg­fältig inipiziert, und wenn sie sich nicht als ganz tadellos er­weist, entweder sofort vernichtet oder durchgespielt. Die Fabrik der National Phonograph Company, Südufer 24-25, wo wir

diesen ganzen Betrieb besichtigen konnten, verläßt keine Walze, welch« auch nur den allergeringsten Fehler aufweist. Wir hatten Gelegenheit, festzustellen, daß in der Tat die mit den neuen Goldgußwaizen versehenen Edison-Phonographen alle Stimmen und Tonstücke mit überraschender Klarheit und erstaunlicher Schärfe wiedergeben.

*DasGordonBennett-Rennen. In einer Frank­furter Mädchenschule wurde vor einigen Tagen als Thema zum deutschen Ausiatz gegeben:Welche Bedeutung hat das G.-B.- Rennen in wirtschaftlicher Beziehung?" Die kleine Miua Meier beantwortete dieses Thema folgenderweise: Das Gordonbene- Rennen ist mit Automobil. Dieses macht einen großen Profit für das Vaterland, nämlich wegen der Doktersrechnung oder auch für den Totengräber. Drittens wegen dem Kaiser. Wenn der Kaiser kommt gibt es viele Leute. Sie gehen in die Wirtschaften und trinken, weil sie durstig sind. .Wegen dem Staub...... Und von das Hochschreien. Sie stinken auch/) Und gewinnen thut es immer ein Anderer. Mein Onkel war auch dabei. Er liegt im Bett, weil er kein Alleebaum war. Indem sie ihn sonst nicht überfahren hätten. Er sagt es ist in jeder Beziehung eine Sauwirthschaft mit diese Rennen. Wodurch ich schließen muß. Mina Meier.

* FolgendesEhe-Idyll" spielte sich kürzlich ab in drei aufeinanderfolgenden Nummern derLauenburger Ztg.", Kreis- und Lokalblatt. Nr. 136 vom 13. Juni 1904;'Hiermit warne ich einen Jeden, meiner Frau etwas zu borgen, da ich für nichts aufkomme, weil sich "dieselbe dem Trünke total er­geben hat. F. Skibbe, Maurer". Nr. 137 vom 14. Juni:Ich, als Ehefrau, warne hiermit Jeden, meinem Manne etwas zu borgen, auch nichts von ihm in Empfang zu nehmen, von Sachen der Wirtschaft, da ich gerichtlich einschreiten werde. Mau- rerfrau Lina Skibbe, geb. Eigentümertochter Thran." Nr. 142 vom 20. Juni:Ich widerrufe die Annonze imKreis- und Lokalblatt" gegen meine Frau, erteile ihr alle Rechte wieder, es war Uebereilung. Maurer Ferdinand Skibbe. Obiges stimmt! Es war Liebe gegen Liebe! Die Rechte behalte der Mann. Mau­rersrau Skibbe, geb. $brun."

* Aus einer Gendarmerie -Anzeige. Bei der Kronprinz Rudolf-Brücke ereignete sich gestern abend ein Vorfall», der beinah ein Menschenleben zur Folge gehabt hätte.

*JmWildschweinpark. .In dem bei D a r m st a d t ge­legenen, durch seine prächtigen Laubwälder bekannten fürstlichen Wildschweinpark befinden sich viele an Jagdabenteuer der frühe­ren Landgrafen erinnernde Gedenktafeln, die für die Hofpoesie jener Zeit des 18. Jahrhunderts charakteristisch sind. Eigenartige Wünsche sind jedenfalls folgende:

Der, welcher Wald und Wild beschert Und uns mit seinem Segen mehrt, Woll' unserm Fürsten langes Leben Und hier die größten Schweine geben'. So nimmt zu unsres Fürsten Ruh Auch sein Vergnügen täglich zu.

Oder:

Schweinen steht der Eingang offen, Nur der Ausgang hat nicht statt. Doch, .ihr habt genug zu hoffen: Rüben und Kartoffel satt.

Drum, ihr Jäger, laßt vor allen Vor des hohen Fürsten Haus Hier das Hifthorn freudig schallen. RufetVivat Ludwig" aus.

*). Natürlich meint Minchen die Automobile. A. d. Red,

Rittsel.

(Nachdruck verboten).

Wen lockte nicht in schönen Lenzestagen Der Wald im Schmuck des jungen Grüns hinaus k Hinaus aus unsers Zimmers dumpfer 31, Und aus der Großstadt Trubel und Gebraus.

2 dem Geschick, deß milde Hand mich endlich Aus all der Hast und all der Last befreit ? Lenzfröhtich sind nun meine 128 auch, Gegrüßt sei mir, du holde Einsamkeit!

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in vor, Nr.r

Arena

Z

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Meierei

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9

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Biberfell

Urania

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Robinson

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Geduld

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brülh'schenUniversttätS-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen»