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Gespräche und Sitten sind sehr wenig erfreulich; ihnen inan gelt sehr die schulmäßige Disziplin. Als ich ihnen von der Achtung erzählte, die englischen Frauen von ihren Männern gezollt wird, seufzten sie. Tenn diese armen Frauen werden sehr grausam behandelt; wenn ihr Mann zornig ist, so wickelt er ihr Haar so fest um ihre Arme, daß die Frauen vor Schmerz schreien; für Kleinigkeiten werden sie geschlagen und gedemütigt. Nur reiche und einflußreiche Frauen können sich scheiden lassen und sich dann wieder verheiraten. Tas tzaremsleben ist sehr monoton. Berufsmäßige Tänzer werden zur Erheiterung angestellt, aber ihre Tänzer und die der Frauen sind nicht einwandfrei. Ein Musikant durfte vor uns spielen; denn er war gänzlich erblindet. Tie Haremsfrauen dürfen außer ihrem Gatten nur ihren Großvater und Onkel sehen, weil eine Heirat mit diesen unmöglich ist. Ter Schah hat aber das Vorrecht, daß jede Frau in seinem Reiche sich vor ihm entschleiern muß und ihm jede gehört, an der er Gefallen findet; er hat 160 Frauen, die ich alle kenne, da ich ständig feinen Harem besuchte. Persische Frauen ordnen ihr Haar in Hunderten von kleinen Flechten an; bei jeder größeren Gelegenheit werden diese aufgeflochten und stehen in einem schrecklichen dicken Gewirr um den Köpf herum. Ich erfreute die Schwester des Schahs und mehrere Fürstinnen, indem ich ihre schwarzen Dienerinnen lehrte, das Haar auf englische Weise zu frisieren. Fast alle Dienerinnen sind arabische Sklavinnen. Tie Wärterin meines Sohnes war z. B>. eine Araberin, die wir für 320 Mk. kauften. Sklaven werden oft wegen geringfügiger Ursachen enthauptet. Die meisten Leute strafen die Wärterinnen für die Vergehen der Kinder; daher bemühen sich erstere, den Kindern gute Manieren beizubringen und zwingen sie, die üblichen drei Verneigungen zu machen, so -oft sie ihre Mutter sehen. Die vornehmen Perserinnen kiimmern sich selbst kaum um ihre Kinder."
* W i e solle n u n s e r e K l e i n ft e n s ch l a s e n ? Die Wiege, dies altehrwürdige Stück deutschen HauSra's, ist jetzt jo, gut wie verschwunden. In Bauernhäusern ist sie noch hier und da zn finden, aber es wird viele Leute in recht erwachsenem Alter geben, die ein solches Ding überhaupt nicht mehr gesehen haben. Namentlich in den Städten ist sie ganz ausgerottet und in der Regel verdrängt durch den Kinderwagen. Mit dem Vrrschwin- den der Wiege ist die Hygiene ganz einverstanden, aber von ihrem Ersatzstück auch n i t sonderliche n t z ü ck t. Das Gedächtnis an die allerersten Kinderjahre ist tut Menschen schlecht entwickelt, und wir können unfern Kleinsten ihr Behagen schließlich nur nach ähnlichen Gesichtspunkten zu schaffen suchen, wie sie sich für uns als zuträg- ltch erwiesen haben. Sich in den Schlaf wiegen lassen, hat zwar int dichterischen Gebrauch eine sehr schöne Bedeutö ung, ivürde im buchstäblichen Sinn wohl aber fast niemand recht angenehm sein. Tie seitlich schaukelnde Bewegung der Wiege ist nun freilich beim Kinderwagen ausgeschlossen, an ihre Stelle aber tritt das Hin - und Herfahren oder das Aus- und Niederwippett der Wagen auf den über den Rädern angebrachten Federn. Die Mütter, die für die jüngsten Sprößlinge unseres Volkes verantwortlich sind, mögen es sich gesagt sein lassen, eine solche Behandlung der Schlafgelegenheit ihrer Kleinen zu vermeiden und zn verbieten und daran zu denken, was Wohl ein Erwachsener dazu sagen würde, wenn sein Bett in dieser Weise in Bewegung gesetzt würde. Wenn ein Kind unruhig ist, so soll inan den Gründen seines Unbehagens nachspüreu oder es auf andere Weise zu beruhigen, nicht oft ex auf irgend eine Art zu betäuben suchen. Tie Gesundheitspflege verlangt überhaupt, daß e in Ki n d v o n vornherein in ein feststehendes Bett und weder in einer Wiege noch in einen Kinderwagen gelegt wird. Letzterer sollte nur zum Fahren oesttmmt sein oder, wenn für die gleichzeitige Anschaffung etnes Betts und eines Wagens die Mittel nicht vorhanden >uw, ivenigstens nicht dazn bemrtzt werden, die Nachteile der alten Wtege fortzupslanzen und gar noch, zu verschlimmern.
Eine Karte an den lieben Gott im Himmel wurde auf der Wiener Post aufgegeben und dieser Tage dem Herrn 9L N. als unbestellbar zurückgestellt. Der Inhalt der
Karte mar eine Bitte an den lieben Gott, er möge dem Schreiber für die Weihnachtsbescherung einen Wagen, ein Pferd und eine Peitsche schenken. Die Bitte war unterstützt mit der Versicherung, daß der Briefschreiber recht artig sei, das ganze Vaterunser, Gegrüßet' seist du Maria und das halbe Credo wisse. Die Karte, die am 23. Dezember v. I. anfgegeben, wurde schon am 26. mit der Bemerkung: „Von St. Petrus nicht angenommen, daher retour", dem Vater des kleinen Briefschreibers übergeben. Das merkwürdigste nun i|t, daß die Karte nicht mit einem Strafporto belegt wurde, denn das Land Himmel steht nicht im Verzeichnis der Länder des Postverkehrs.
* Wenigstens etwas. Frau Doktor: „Ihr Herr Gemahl hat, wie ich! höre, den ersten Preis für sein gelehrtes Werk erhalten — da gratuliere ich!" — Frau Professor: „Unter uns gesagt, liebe Frau Doktor, es ist ein wahrcs Glück, daß mein Mann wenigstens etwas von der Wirtschaft versteht, — in der Wirtschaft zu Hause ist er auch zu rein gar nichts zu gebrauchen!"
* In einer süddeutschen Schule. Ein Schul- inspektor fragte bei der Prüfung: „Kannst Tu mir sagen, warum der Krebs immer rückwärts in seine Schlupfwinkel geht?" Kärtchen antwortet: „Damit er sich net erum ze drehe braucht, ivann er wieder eraus geht."
LrteLmMches.
— Anna Schramm, die prächtige Darstellerin ko- . Mischer Charaktere am Königlichen Schauspielhause zu ■ Berlin, schreibt in der ersten Nummer des neuen Jahrgangs der Theater- und Kunstrevne „Bühne und Brettl" (Tie Bühne) ein Schwänklein über ihr erstes Auftreten. Ferner finden wir in dem Heft eine Würdigung von Halbe's „Strom". Tr. Paul Kraemer eröffnet eine Artikelserie „Theater und künstlerische Kultur". Ein autobiographischer Beitrag sowie eine Komposition von Adalbert von Goldschmidt, ein humoristisches Vvrtragsgedichit von Rideamus, ein Preisausschreiben für ein lyrisches Gedicht, eine lustig illustrierte Abteilung: „Theater-Humor", etne Tvtationsbewilligung an die Bühnengenossenschaft, die vornehme Ausstattung des Heftes durch viele erstklassige Origitialzeichnungen und beste Autotypien (Porträts, . Szenen- und Kostümbtlder usw.). Man abonniert auf diefe Halbmonatsschrift, die in der nächsten Nummer einen Beitrag von Engelbert Humperdinck bringen wird, zum Preise vott 5 Mark pro Jahr in den Buchhandlungen (Berlin W., Schöneberger Ufer 32.)
— Die Kunst. Monatfchrist für freie und angewandte Kunst. (Berlagsanstalt F. Bruckmann A.-G, München; Preis vierteljährlich 6 Mk.) Aus dem reichen .Inhalt des Januarheftes heben wir zunächst einen vorzüglich illustrierten Aufsatz über Max Liebermann von Hans Rosenhagen hervor, eine feine Charakteristik dieser außerordentlichen künstlerischen Individualität. Moritz v. Schwind erfährt au seinem 100. Geburtstage eine eingehende Würdigung aus der Feder von Fr. Haack; die biefett Aussatz illustrierenden Abbildungen, zum Teil nach noch recht wenig bekannten Werken Schwinds, werden den vielen Freunden seiner anmittigen Kunst eine willkommene Gabe sein. In dem kunstgewerblichen Teil des Heftes berichtet P. I. Rse über die Arbeiten des Von R. Riemerschmid geleiteten 3. Kunstgewerblichen Nürnberger Meisterkurses; dem schließt sich ein von 22 Abbildungen begleiteter Aufsatz über die Wohnungsausstellung der Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst an. Einige kleinere Aussätze und drei sarbige Kunstblätter bilden den übrigen Inhalt des Heftes.
Gleichklang.
Bin's heut zu lust'ger Schmauserei. Trum will mir nicht behagen, Daß ich es bin zur Polizei, Weil ich's zu schwer den Wagen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Dreiecks in vor. Nr.: P
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IDEE
STIER
Aidtckim: Au LI! ä Götz. — Notatiousdrnä und Bsdea der Brühl'scheu Universitäts-Buch- 4iud Etciudruckerei. N. Lange, Gießen.


