Ausgabe 
23.1.1904
 
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Sie sprossen aus den Stufen der Treppen, aus den Fugen der Mauern, breiteten sich zu Feldern aus.

Rosen Rosen Rosen!

Wir kamen in ein Labyrinth von engen, dunkelen Lor- beergängen, die uns über eine kleine Brücke auf ein von trüben Wassern umflossenes Inselchen führten. In dem Teich wuchsen Kallas und Lilien; und ringsum die hohen Gebüsche durchleuchteten wiederum Rosen Rosen! Aus dem winzigen Eilande stand ein alter Erdbeerbaum, dar­unter eine Büste der Zenobia aufgestellt war. Antike Ka- pitäle und gestürzte Altäre standen als Sitzplätze umher.

Hier wart Ihr!

Ten Schoß voller Rosen, saß Deine Fran unter dem schönen Baum. Sie trug ein leichtes, weißes Kleid und erschien uns tote der Genius des Ortes. Auch Tu gefielst mir mit Deinen ernsthaften Augen und Deiner freundlichen Stimme recht gut.

Wir beide sprachen miteinander. Aber Maria blieb scheu zurück und schaute unverwandt auf Deine Frau.

Ta wühlte diese die schönsten Rosen aus ihrem Schoßt ging auf Maria zu und reichte ihr mit einem Lächeln den Strauß.

(Fortsetzung folgt.)

Maudereim aus der KaiserstM.

(Nachdruck verboten.) Lestlng in Gala. Menzel und der Kaiser. Der Berliner Hausschlüssel. Privatnachtwiichter.

Direktor Reinhardt, der gefährlichste Rivale Otto des Gewaltigen vomDeutschen Theater", weiß immer etwas Neues, Ueberraschendes, das Berliner Theaterpubli­kum Faszinierendes in Szene zu setzen. Unlängst hat er Herrn Gotthold Ephraim Lessing wie einen modernen Mode­dichter behandelt; d. h. er hat dieMinna von Barnhelm" mit all der Liebe und Sorgfalt auf die Bühne seines Neuen Theaters" gebracht, tote das sonst bei uns nur Haupt- und Sudermännern" zuteil wird. Dekorationen und Kostüme, streng im fredericianischen Stil nach Cho- dowiecki.schen Kupfern, und eine Besetzung dazu mit Kräften allerersten Ranges. So wirkte dieser Lessing in Gala fast tote eine Novität und ganz Berlin ist begeistert von dem Kunststück, das dem Geschmack unseres Publikums noch so gewaltig imponieren kann, dem Fein­schmecker selbstverständlich das prickelndste Behagen schafft, vorbildlich aber ohne jede Bedeutung bleibt. Tenn wenn um jede Neuheit oder Neueinstudierung ein solcher Apparat von Nachfragen, Besuchen, Informationen' und Aus­gaben in Tätigkeit gesetzt werden soll, so darf Jemand nur noch Theaterdirektor zum Vergnügen sein und dabei die edle Absicht haben, tote der brave Werner, seine wohl­gefüllten Beutel los zu werden. Dieser brave Werner ist denn bei der Premitzre auch eilt ganz hübsches Sümm- chen los geworden. Ter.Flüchtling vomDeutschen Thea­ter", Kayßler, war es, der ihn darstellte, und dieses ein­malige Auftreten gegen ein gerichtlich ergangenes Verbot kostete ihm 1000 Mark. Ta es eine gute Reklame war, wird sie Max Reinhardt auf sein Konto genommett haben. Jedenfalls war die Verquickung deS Namens Menzel mit dieser Lessing-Aufführung ein sehr geschickter Ausgleich nach der anderen, für dergleichen Renommisterei weniger emp­fänglichen Seite. Mmeister Menzel wurde nämlich tu aller Ehrerbietung ersucht, Ratschläge für die Kostüme, zumal das der Sorma als Minna zu geben. Und er lieh die Ehodowiecki'schen Kupfer her, die man im Museum na­türlich auch hätte einsehen können; er ioctr auch bei der Premiere und amüsierte sich vortrefflich, und er drückte Frau Agnes Sorma nachher schriftlich seine Anerkennung aus. Und das stand alles tropfenweise in der Zeitung, um dem alten Herrn in Wolfenbiittel auf dein Kirchhof einen großen Erfolg zu sichern. Oder wem? ... Tas Beispiel lehrt übrigens, daß die berühmte Menzel'sche Grobheit zu Zeiten gar nicht so arg sein kann. Aber mit 88 Jahren hat man vielleicht auch das Recht, bei dieser Tugend einmal auszusetzen. Sehr niedlich ist ein Geschicht- chen, das man sich vom letzten Besuche des Kaisers in Menzel's Atelier erzählt. Ter Kaiser war wohl gratulieren gekommen, und die kleine Exzellenz hatte ihn munter und straff wie sonst empfangen. Jin Geplauder bat plötzlich per Kaiser, ,M>ep setzen Sie sich doch, Exzellenz!", Menzel

jedoch schüttelt bett Kopf, gestikuliert mit dein erhobenen Zeigefinger und entgegnet:Tanke, Majestät, aber ich setze mich nicht!" Tie Aufforderung wiederholt sich; aber Menzel bleibt bei seiner Weigerung, bis der Kaiser, dem der alte Herr doch höchst ruhebedürftig vorkommt, fragt: Aber warum wollen Sie sich eigentlich nicht setzen?" Und! die kleine Exzellenz antwortet treuherzig:Wenn ich mich setze, Majestät, so schlaf' ich ein!" Zu glauben ist's schon, daß man in diesem gesegneten Alter auch am Tage manch- mal Schlafbedürfnis hat, zumal wenn man in der Jugend die Nächte am Arbeitstisch geopfert. Tie Jugend von heute geht natürlich auch nicht um zehn Uhr schlafen; aber sie tummelt sich in diesen Stunden auf anderen Gebieten als auf dem der Arbeit, und führt deshalb nicht selten vorher einen erbitterten Krieg um den Hausschlüssel. Der Berliner Hausschlüssel ist ein vielbegehrtes Objekt. In zwei Exem­plaren liefert ihn der Wirt seinem Mieter ans, und zu vier, fünf Köpfen sind die Herrschaften mitunter draußen in der Welt, in der man sich nicht langweilt: der Vater beim Skat, die Mutter im Theater, die Söhne imTurn­klub", meist eine Verschleierung vomWintergarten", das Töchterchen bei einer Freundin, wo fie itatürlichihn", denHerrlichsten von Allen" trifft, und Anna, die holde Fee der Küche, die sich in der leeren Wohnung ja graulen muß, entweder bei einer ihrer rätselhaften Tanten, von denen jedes anständige Dienstmädchen in Berlin wenigstens, drei hat, oder mit dem altbewährtenCousin" spazieren. Natürlich, fünf in drei geht nicht, Borgen wir uns einen. Aber auch dann muß Anna das Fräulein, und Vater die Mutter abholen (oder timgekehrt!) und die Herren Söhne nlüssen sich irgendwo zum Antritt der Heimreise treffen. Besser haben es die Mieter, deren Haus von der neuein­gerichteten Privat-Nächtwachgesellschaft bewacht wird. Ter; vetr. Wachter schließt gegen, einen kleinen Obulns Leuten die er kennt, oder die sich als Hausinsassen ausweisen können, die Haustür selbst um die vierte Morgenstunde auf. Eine sehr verführerische Einrichtung, die zur Folge hat, daß auch ganz junge Leute mitunter bei Tage Men­zel'sche Anwandlungen bekommen imb daher peinlich ver­meiden, zum Sitzen zu kommen, so lange Se. Majestät der Chef in Sehweite ist. A. R.

Aus einem Karem. <

Muriel Baddington, eine Engländerin, die sich, in Teheran in Abdullah Hussein Khan, einen Vetter des Schahs von Persien, verliebte und die durch ihre Heirat tritt ihm! eine derführenden Damen" in seinem Serail wurde, er­zählt imAmerican" sehr interessant von: Leben in enteilt persischen Harem.Mein Gatte" schreibt siebaute mir ein hübsches, englisch aussehendes Haus. Das Klimaj ist prächtig, und ich ritt häufig aus; aber der persische Schleier, der Augen und Gesicht vollständig bedeckt, raubt! einem viel Vergnügen.. Das Benehmen der Perser gegen Frauen ist dabei sehr frei; obgleich ein Soldat und vier! schwarze Diener uns bewachten, machten wir beim Spa­zierengehen sehr unangenehme Erfahrungen, sodaß wir lieber fuhren oder ritten. Der Schleier gewährt den Perser­innen den Eindruck höchster Lieblichkeit. .An Wirklichkeit enttäuschen aber ihre Gesichter, die Figuren sind eckig und ungraziös. Das Ideal der Schönheit in Persien ist, dunkle Augen blaue oder graue Augen sieht man selten und schwarze Augenbraauen zu haben, die ans der Stirn zn- fammenstoßeu. Wenn das Haar natürlich hell ist, muß es im Bade dunkel gefärbt werden. MnBad" in Persien; dauert vom frühen Morgen bis zum späten Abend; das. Haar allein wird siebenmal mit Wasser und Seife, ge­waschen. Persien ist das Land des Anmalens, Puderns, Färbens und der prächtigen Kleider. Ein beliebter Besatzj ist eine mehrere Zoll breite Einfassung aus echten Perlen^ und die Kissen, auf denen wir lagen, waren mit kostbaren! Perlen geschmückt. Für Korsetts sind die Perserinnen in­dessen nicht. 'Als ich einer starken Fran einmal ein Korsett anzog und die Schnur zuziehen wollte, wurde sie blau im Gesicht und bat mich sie von der Folter zu erlösen, Was die Erziehung persischer Frauen betrifft, so ist es wahr, daß selbst manche Prinzessinnen weder lesen noch schreiben können und oas Leben sehr langweilig finden'. Sie lauschten stundenlang meinen Erzählungen von denk, freien, gflücklichxn Leben englischer Frauen, und viele von ihnen sehnen sich: nach Freiheit und Bildung. Ihre Tänze,